Kathedrale und Moschee: Interreligiöse Jugendtour in Pakistan

Von Kamran Chaudhry, Lahore, Pakistan

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Eine christlich-muslimische Jugendreisegruppe in Lahore vor einer Gebetsstätte der Sikh. Foto: Kamran Chaudhry

Am vergangenen Wochenende machte ich mit christlichen und muslimischen Studenten einen Ausflug zu fünf Andachtsstätten und Gedenkorten im pakistanischen Lahore und Umgebung, die von „Interfaith Youth in Action“ (IYA)/ Interreligiöse Jugend in Aktion (IJA) organisiert wurde.

Trotzt der heißen Mai-Sonne machte es Spaß, anhand von Gebäuden etwas über Geschichte zu lernen und verschiedene religiöse Praktiken kennenzulernen. Die Führer an den Orten beantworteten die Fragen der christlichen und muslimischen Studenten – gerade auch mit Blick darauf, dass die besuchten Orte in der einen oder anderen Weise vom Terrorismus, den es in Pakistan gibt, betroffen sind.

Das gilt etwa für die Kathedrale der „Betenden Hände“, die wiederaufgebaut wurde, nachdem die alte Kirche wegen eines Bombenanschlags auf ein nahegelegenes staatliches Gebäude 2008 beschädigt worden war. Unser nächster Halt war die Heilig-Herz-Kathedrale, wo Katholiken nach wie vor Spenden sammeln, um die Buntglasfenster aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert neu einzufügen, die auch durch die Explosion erschüttert wurden.

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Zwei christliche Jugendliche vor der Wazir Khan Moschee in Lahore. Foto: Kamran Chaudhry

Es dauerte dann fast eine halbe Stunde, die Kontrollen zu passieren, damit wir zum “Gurudwara Dear Sahib” fahren konnten, um das herum Zementbarrieren und Stacheldraht errichtet sind. „Gurdwaras (= Gebets- und Schulstätten der Sikhs) sind grundsätzlich für alle Menschen aller Religionen 24 Stunden am Tag geöffnet. “Momentan angesichts des gegenwärtigen Szenarios jedoch nicht,“ sagte uns Taranjeet Singh, ein Aktivist.

Die IYA, die solche Reisen zu Gebetsstätten verschiedener Religionen in Pakistan im vergangenen Jahr begonnen hat, achtet darauf, dass bei den Touren wie jetzt in Lahore niemand die religiösen Gefühle der anderen Religionen kränkt. Deshalb wurden auch an der “Gurudwara Dear Sahib” Tücher verteilt und alle Tourteilnehmer wurden gebeten, ihre Köpfe zu bedecken, bevor sie die Gurdwara betraten.

Auch an der Wazir Khan Moschee aus dem 17. Jahrhundert mussten wir unsere Schuhe ablegen. Als einige der Reiseteilnehmer das muslimische Nachmittags-Gebet (Asr) ankündigten, zahlte ich 50 Rupien, einen halben Dollar, um zu einem der 32 Meter hohen Eck-Minarette hoch zu steigen. Die Behörden erbitten vom Besucher diese Almosen, um das verfallene farbenfrohe Fresko und die Dekoration der Wandkacheln und Decken restaurieren zu können. Es war schwierig, die kniehohen Treppen empor zu steigen, aber oben angekommen fühlte ich eine herrliche Ruhe.

Ich nutze den Aufenthalt in der Moschee auch, um mit den christlichen und muslimischen Jugendlichen in unserer Gruppe über die religiös motivierte Gewalt im Land zu sprechen. Alle sprachen sich gegen den Terrorismus aus, aber der beste Kommentar kam von einem jugendlichen Christen, der sein Gesicht mit Wasser beträufelte, während er im rituellen Waschungsbereich (wudu) der Moschee saß: “Die Verantwortlichen für Gewalt gegen Christen sind Menschen, die einer Gehirnwäsche unterzogen wurden; Fundamentalisten, die verkünden, sie seien die Reinsten und andere Glaubensrichtungen oder Lebensweisen ablehnen.”

Der Journalist Kamran Chaudhry aus Lahore arbeitet seit 2006 als Büroleiter von www.ucanews.com

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