Christen im Nahen Osten: Eindringliche Fotoschau beim Eucharistischen Kongress in Köln am 7. und 8. Juni, Neumarkt, 15.30 Uhr

Von Johannes Seibel, missio Aachen

Der Fotograf Andy Spyra arbeitet in Schwarz-Weiß und hat schon mehrmals den Nahen Osten bereist. Foto: Andy Spyra

Der Fotograf Andy Spyra arbeitet in Schwarz-Weiß und hat schon mehr-mals den Nahen Osten bereist. / Foto: Andy Spyra

Eine eindringliche Fotoschau in Schwarz-Weiß über den Alltag der Christen im Nahen Osten zeigen missio Aachen und der Fotograf Andy Spyraam Freitag, 7. Juni 2013, und Samstag, 8. Juni 2013, jeweils 15.30 Uhr, auf einer Open-Air-Bühne auf dem Neumarkt in Köln. Anlass ist der Eucharistische Kongress, ein Glaubensfest der katholischen Kirche in Deutschland. Dazu spielen zwei Ensembles des irakischen Christen und Musikers Raed Koshaba. Johannes Seibel von missio Aachen sprach zuvor mit Andy Spyra über seine Fotos.

Herr Spyra, noch nie war die Medienwelt so bunt wie heute. Warum arbeiten Sie mit dem vermeintlich überwundenen Medium Schwarz-Weiß-Fotografie?

Schwarz-weiß bietet für mich ein höheres Level der Abstraktion – der Betrachter befasst sich schneller und intensiver mit der Aussage des Bildes. Dazu kommt, dass ich selbst beim Fotografieren keine Farbe wahrnehme. Ich sehe Licht, Formen, Strukturen – Farbe dringt nicht in mein Bewusstsein vor.

Sie waren jetzt in Ländern unterwegs, in denen Christen zum Teil in Bedrängnis leben. Wie nehmen Sie dies als gleichsam Außenstehender, als professioneller Journalist und Fotograf wahr? Was lässt sich mit Schwarz-weiß besser von dieser Bedrängnis vermitteln als durch das Farbbild, das doch eigentlich einen höheren dokumentarischen Wert beansprucht?

Wie bereits gesagt: Mit der Schwarz-Weiß-Fotografie lassen sich Sachverhalte abstrakter darstellen – Farbe ist ein zusätzliches inhaltliches Element im Bild und lenkt, trotz seines gewiss höheren dokumentarischen Wertes, in vielen Fällen vom Bildinhalt und seiner Aussage ab. Bei meinen Arbeiten zur Lage der Christen arbeite ich bewusst mit dem Stilmittel Schwarz-weiß, weil hier für mich größere Fragen als die tagesaktuellen Geschehnisse eine Rolle spielen. Im Nahen Osten zum Beispiel findet gerade ein langsamer, subtiler und komplexer Verdrängungs- beziehungsweise Auswanderungsprozess der indigenen Christen statt. Es geht dabei um mittlerweile jahrtausendalte Fragen der religiösen Ko-existenz, der politischen Instrumentalisierung von Religion und generellen Fragen der Definition von Religion und ihrer Auslegung. All dies sind komplexe und zeitlich losgelöste Prozesse und ich mache mir bei meiner Arbeit die implizierte Zeitlosigkeit von Schwarz-weiß zunutze.

Wie viel und was lässt sich aber überhaupt von einer Religion, vom Glauben in ein Papierbild packen und verdichten?

Alles und nichts. Und zuerst muss man sich selbst klar machen: Wonach suche ich denn eigentlich? Religion oder Glaube? Die beiden Begriffe müssen nicht dasselbe meinen. In meinem Fall fasziniert mich der Glaube, aber man fotografiert am Ende oft die Religion, das Rituelle, das Visuelle. Glauben zu fotografieren, finde ich sehr, sehr schwierig und am ehesten gelingt es noch durch Metaphern, Sinnbilder. Nichtsdestotrotz ist es natürlich möglich, den Glauben gleichsam zu fotografieren, und manchmal, wenn die Umstände passen, bekommt man eine visuelle Idee davon vermittelt, und das Bild wird vielleicht sogar Teil der Erfahrung, warum der Mensch glaubt.

Sie sind in Ländern des Nahen Ostens unterwegs. Was imponiert Ihnen an den Christen dort?

Ihr Glaube angesichts der immer weiter zunehmenden politischen und religiösen Radikalisierungsprozesse in weiten Teilen des Nahen Ostens. In vielen Ländern die ich bereist habe, finden derzeit interreligiöse Trennungsprozesse statt, die die Christen oft ins Abseits geraten lassen. Trotzdem, oder auch gerade deshalb, ist der Glaube, so stark ausgeprägt und gibt vielen Menschen halt.

Was leitet Sie in Ihrer Fotografie?

Ein gewisser Humanismus, eine Nähe zum Menschen. Mir geht es um den Kern dessen, wer wir sind als Menschen, und warum wir Dinge tun, die wir tun. Ich versuche menschliche Handlungsprozesse zu verstehen: von den Auswirkungen des Kashmirkonflikts auf die Zivilbevölkerung über die Ursachen und Nachwirkungen des Genozid in Bosnien bis eben jüngst hin zu der Frage nach dem Glauben und der Identität der Christen des Nahen Ostens. Als professioneller Fotograf und Journalist beschäftigt mich bei letzterem Thema vor allem die Frage der Zukunft der Christen in ihrem Ursprungsgebiet, als Mensch interessiert mich der Glaube an sich und was er in Menschen auslöst, mit Ihnen macht, zu was er sie befähigt, im Guten wie im Schlechten.

Herzlichen Dank.

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