Boko Haram verursacht humanitäre Krise in Nord-Nigeria

Von Pfarrer John Bogna Bakeni, Diözese Maiduguri, Nigeria

aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Vor einer schweren humanitären Krise im Norden Nigerias aufgrund des Terrors der islamistischen Gruppe Boko Haram hat ein Sprecher der katholischen Diözese Maiduguri gewarnt. Gegenüber dem Internationalen Katholischen Missionswerk missio in Aachen berichtete Pfarrer John Bogna Bakeni jetzt, dass seit Anfang 2013 Anschläge allein auf kirchliche Einrichtungen im Gebiet der nord-nigerianischen Diözese 65 Tote gefordert hätten. Tausende Menschen seien vom Norden der Diözese in den Süden geflohen. Nach seinen Angaben haben die Anschläge in den vergangenen 14 Monaten einen Sachschaden von umgerechnet rund 2,15 Millionen Euro verursacht. Etwa 20 Kirchen seien niedergebrannt oder verwüstet worden, mehrere Kirchen und Schulen aktuell wegen der Terrorgefahr geschlossen worden. Hier sein Bericht der aktuellen Lage (am Ende des Beitrages ist ein Schadensbericht in Englisch von Pfarrer John Bogna Bakeni beigefügt):

Eine ausgebrannte katholische Kirche in Kiva im Norden Nigerias. Foto: missio

Eine ausgebrannte katholische Kirche in Kiva im Norden Nigerias. Foto: Diözese Maiduguri

Danke für Ihr Gebet und Ihre Unterstützung für die Christen und die unschuldigen Muslime im Nordosten Nigerias. Es ist tatsächlich momentan eine schwierige Zeit für die katholische Diözese Maiduguri und für alle Christen und Muslime.

Die jüngsten Anschläge haben die katholische Kirche und besonders auch die muslimische Gemeinschaft getroffen – auf beiden Seiten haben Menschen ihr Leben verloren, Häuser und Existenzgrundlagen wurden zerstört. Viele Frauen wurden zu Witwen und Kinder zu Waisen, so dass viele Menschen in den südlichen Teil der Diözese vertrieben wurden. Die größte Herausforderung ist nun die humanitäre Situation, in die wir gestoßen wurden. Durch die Überfälle rund um Pulka, Gwoza, Madagali, Izghe, Bitiku, Shuwa und Michika sind Tausende von Menschen aus ihren Häusern und Heimatdörfern vertrieben worden. In der Grundschule von Gulak können die Opfer nicht mehr länger untergebracht werden. Leider haben sowohl die Kirche als auch die Regierung keine Strukturen, um mit diesen humanitären Krisen fertigzuwerden.

Der letzte Angriff am 26. Februar 2014 auf Shuwa war in jeder Hinsicht geplant und gut abgestimmt. Das Kleine Seminar, der Schwesternkonvent sowie die Pfarrkirche scheinen die Hauptziele der Terroristen gewesen zu sein. Von Kirchinga und Maigana bis Shuwa sind so viele Menschen erschossen worden. In Shuwa wurden einige Häuser zur Zielscheibe und viele Menschen wurden dort kaltblütig niedergeschossen. Das Schwesternhospital wurde verwüstet, das Entbindungsgebäude niedergebrannt. In die Drogerie wurde eingebrochen und sämtliche Medikamente wurden mitgenommen. Zwei Sicherheitsmänner wurden außerhalb des Klinikgeländes erschossen. Die Pfarrkirche und das Pfarrhaus blieben unversehrt, weil die Pforte verschlossen war und die Priester in den Wald geflohen sind. Die beiden Sicherheitsmänner wurden verschleppt und in das Kleine Seminar mitgenommen.

Währenddessen wurden die Seminaristen des Seminars von den Priestern und einigen Gemeindemitarbeitern an einen sicheren Ort gebracht. Zurück blieb einzig ein Behinderter, ein Gemeindemitarbeiter, der in die Hände der Terroristen fiel. Sie jagten ihm hinter seinem Rollstuhl hinterher, nachdem sie sein Haus in Brand gesteckt hatten, und sie auch noch das Haus des Rektors, die Kapelle und einen Klassenraum-Trakt niedergebrannt hatten. Außerdem wurden drei Fahrzeuge abgefackelt. Vier Menschen wurden vor den Augen des Rollstuhlfahrers Andrew Mshelia erschossen. Über sein eigenes Schicksal wurde beraten, indem man den geistlichen Anführer der Gruppe um Rat fragte. Der wiederum darauf hinwies, dass im Jihad Invaliden zu verschonen seien. Das war seine rettende Gnade.

Was die technischen Möglichkeiten und die Perfektion der Terroristen angeht, so besteht kein Zweifel, dass sie aufgrund der Korruptheit der verschiedenen Arme der Sicherheitsbehörden überlegene Waffen und eine bessere Motivation als das nigerianische Militär haben. Die Art und Vorgehensweise der Überfälle haben sich gewandelt – Wucht und  Bewaffnung haben sich verstärkt. Unschuldige Zivilisten werden mit einer solchen Brutalität ermordet, die für Menschen unvorstellbar ist – es ist ein regelrechtes Abschlachten.

Kürzlich fragte ich auf einer Konferenz, wie viele Leben noch vernichtet werden müssten, bevor die Internationale Staatengemeinschaft eingreifen werde? Tausende von Menschen sind getötet worden. Die nigerianische Regierung hat nicht den Willen, diesem endlosen Morden ein Ende zu bereiten – kein Wunder nach dem Massaker an 42 Schülern in Buni Yadi, als die Regierung die unpopuläre Hundertjahrfeier fortsetzte.

Dennoch ist es gut zu wissen, dass es nicht nur ein Problem alleine der nordöstlichen Region ist. Wenn die Regierung sich nicht verpflichtet fühlt, diese Angelegenheit zu bewältigen, wird dieses Problem das gesamte Land verschlingen, denn die Boko Haram hat die Möglichkeiten, den Willen und die Entschlossenheit dazu.

Außerdem ist es wichtig festzuhalten, dass von diesen anhaltenden Morden sowohl Christen als auch Muslime betroffen sind.

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Hier der Schadensbericht von Pfarrer John Bogna Bakeni in Englisch:

A REPORT ON BOKO HARAM ATTACKS ON CHURCHES IN MAIDUGURI DIOCESE FROM 2013-2014.

The Churches in BAMA and GAMBORU NGALA have been closed down due to the acts of the terrorists group.

ST. TIMOTY’S  BAMA

  1. The primary school is closed down
  2. Catholic Church Banki was vandalized
  3. Catholic Church Konduga burnt down

ST. JOSEPH’S G/ NGALA

  1. Primary school closed down
  2. Parish House and the Church vandalized.

CATHOLIC CHURCH DAMBOA

The church was vandalized.

CHAKAWA CATHOLIC CHURCH

Death Toll from attacks on Catholic Church rises to 53. The church in chakawa is an Out Station Church in St. Dennis Catholic Church Madagali.

It was on Sunday, 26th January 2014 when some boko haram terrorists attacked a Catholic Church in Chakawa village of Madagali in Maiduguri Diocese during the Sunday Service. Over thirty Catholic Faithful were killed.

 

STRUCTURES DESTROYED

  1. The Catholic Church and many houses.
  2. Over 30 persons killed in the Church

ATTACKS ON THE CATHOLIC CHURCHES IN ST. PETER’S PARISH PULKA IN THE CATHOLIC DIOCESE OF MAIDUGURI.

The parish formally was made up of twenty three local Churches, and now is reduced to six local Churches due to the attacked by the boko haram. Ten Churches were burnt down to ashes and eight are closes down as the parishioners were forced to leave the areas.

The STRUCTURES burnt are:

  1. St. Matthew Lokodisa,
  2. St. John Kivah including twenty eight houses, crops, animals and the three block classrooms.
  3. St. Michael’s Yamtake
  4. Lagara
  5. Warabe including houses burnt and three parishioners killed
  6. Fadagwe Christa
  7. Fadagwe Muni
  8. Our Lady of perpetual help Dzuba, including houses burnt down
  9. Valingagy
  10. Walla

Those closed down:

  1. St. Francis Gwoza
  2. St. Pius Kirawa
  3. Ngoshe

Kukgile

  1. Valle
  2. Rawa

The existing Churches are: St. Peter’s, St. Paul’s Mararaba, St. Theresa Kwashare, St. Augustine’s Igadala, New Jerusalem and St Mary’s Wizha.

ATTACKS ON ST. JOSEPH’S MINOR SEMINARY SHUWA CATHOLIC DIOCESE OF MAIDUGURI.

The 26th    of Feb. 2014 was a terrible night in the lives of the community in Shuwa in Madagali  LGA. Maiduguri  Diocese.  The suspected terrorists stormed the town in evening of Wednesday, burning a lot of shops at the shopping complex in Shuwa. They advanced towards the mission area, where we have the OSA Convent and Maternity, St. Pius X Catholic Church, the Diocesan Investment Concept and St. Joseph’s Minor Seminary. The terrorists vandalized the clinic looting from the Pharmacy. It was also reported that two Security men was killed.

STRUCTURES DESTROYED

  1. 1.      RECTOR’S HOUSE
  2. 2.      CHAPEL
  3. 3.      ONE STAFF QUARTERS
  4. 4.      ONE NEW CLASS ROOM BLOCK
  5. 5.      4 CARS
  6. 6.      THE LIBRARY WAS VANDALIZED

ST. JOSEPH’S KAYA

STRUCTURES DESTROYED

  1. ST. INNOCENT GIWAMOLU’U

ST. MICHAEL’S MAIDUGURI

STRUCTUERS DESTROYED

CATHOLIC CHURCH MAFFA

ST. PIUS X SHUWA

STRUCTURES DESTROYED

  1. CATHOLIC CHURCH MAIGANA
  2. TEN PERSONS KILLED
  3. ONE PERSON WAS TAKEN HOSTAGE

BURNT CHURCHES AND THEIR COST

  1. Maigana Catholic          Burnt down completely                  -        N25 Million
  2. St. Paul Chakawa                         “                “            -        N10 Million
  3. St. John Kivah                           “                       -        N20 Million
  4. Catholic Church Lagar                     “                          -        N15 Million
  5. Catholic Church Warabe                 “                           -        N21 Million
  6. Catholic Church FadagwaChrist     “                           -        N17 Million
  7. Catholic Church Fadagwa Mu “           “                      -        N15 Million
  8. Catholic Church Walla                 “                    -        N12 Million
  9. Catholic Church Dzuba             “                       -        N17 Million
  10. Catholic church Valingagy         “                       -        N18 Million
  11. St. Joseph Minor Seminary Shuwa
    1. Chapel                                “                          -        N50 Million
    2. Father’s House                              “                       -         N150 Million
    3. Four Cars         “                “                -        N 12 Million
    4. Two Classroom block       s             “                      -        N30 Million
    5. Staff Quarters   “                “                          -        N30 Million
    6. Library vandalized       “                “              -        N20 Million
    7. St. Innocent Giwamulu’u                 “                “                 -        N21 Million
    8. Catholic Church Maffa     “                “              -        N5 Million

 

TOTA= N488 Million

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