“Interreligiöser Dialog ist kein Exportartikel des liberalen Westens”

Gotteskrieger, Friedensstifter und die Religionsfreiheit: Auf dem Katholikentag Regensburg diskutieren (von links): Professor Heiner Bielefeld, Michael Brand, Erzbischof Ludwig Schick, Moderatorin Michaela Pilters, der pakistanische Menschenrechts-Aktivist Peter Jacob und missio-Präsident Prälat Klaus Krämer. Foto: missio / C.Schnaubelt

Gotteskrieger, Friedensstifter und die Religionsfreiheit: Auf dem Katholikentag Regensburg diskutieren (von links) Professor Heiner Bielefeldt, Michael Brand, Erzbischof Ludwig Schick, Moderatorin Michaela Pilters, der pakistanische Menschenrechts-Aktivist Peter Jacob und missio-Präsident Prälat Klaus Krämer. Foto: missio / C.Schnaubelt

Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerks missio in Aachen, hat davor gewarnt, den interreligiösen Dialog zur Lösung von religiös aufgeladenen Konflikten in Afrika, Asien oder Ozeanien wie einen “Exportartikel des liberalen Westens” dort einführen zu wollen. Dieser Dialog müsse von den Religionsvertretern vielmehr vor Ort gewollt und von ihnen gemeinsam entwickelt werden. “Sonst werden bedrängte Christen in Minderheitensituationen zum Beispiel schnell als Agenten des Westens verdächtigt und geraten in Gefahr”, meinte Prälat Krämer am Samstagnachmittag auf dem Katholikentag in Regensburg. missio lege großen Wert darauf, seine Partner bei der Entwicklung eigener Methoden und Instrumente des interreligiösen Dialoges zu unterstützen, sich selbst dabei aber im Hintergrund zu halten. Dies sagte er auf dem Podium “Gotteskrieger, Friedensstifter und die Religionsfreiheit”, das von der ZDF-Fernsehjournalistin Michaela Pilters moderiert wurde. “Wenn Christen die Vertreter anderer Religionen miteinander ins Gespräch bringen und so an einem zivilgesellschaftlichen Netzwerk mitarbeiten, das bei religiösen Konflikten vermittelt und Eskalation verhindert, dann profitiert davon die gesamte Gesellschaft und das wiederum schützt bedrängte Christen”, sagte Prälat Krämer weiter.

Weitere Teilnehmer des Podiums, das von missio Aachen und der Deutschen Kommission Justitia et Pax organisiert wurde, waren Professor Heiner Bielefeldt, UN-Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit, Michael Brand, Vorsitzender des Bundestags-Menschenrechtsausschusses, der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick und Peter Jacob, Menschenrechts-Aktivist aus Pakistan.

Ermutigende Entwicklungen: Beispiel Sierra Leone

Einig waren sie sich, dass Christen sich nicht exklusiv allein für Christen in der Frage von Religionsfreiheit einsetzen dürften, sondern dieses Menschenrecht unteilbar sei. Hier sei der gemeinsame Einsätze aller Religionen notwendig. Professor Bielefeldt berichtete von ermutigenden Entwicklungen am Beispiel von Sierra Leone: Dort bauten verschiedene Religionen und Konfessionen, die sich in anderen Ländern eher feindlich gegenüberstehen, gemeinsam die Gesellschaft neu auf, weil der Staat dazu nicht mehr in der Lage sei. Erzbischof Schick sagte, dass der Einsatz für Religionsfreiheit “integraler Teil der Evangelisierung” sei: Man könne das Evangelium allen Menschen anbieten, sie hätten aber jede Freiheit, es anzunehmen oder abzulehnen, einer anderen Religion zu folgen oder Atheist zu sein. Brand betonte, dass es in der Menschenrechtsarbeit zuerst darum ginge, Öffentlichkeit herzustellen. Die Androhungen humanitärer Interventionen sei nur das allerletzte Mittel. Peter Jacob machte darauf aufmerksam, dass es in Krisenregionen mittlerweile eine Art Gewaltindustrie gebe, die davon lebe, Konflikte religiös zu instrumentalisieren.

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