Ägypten: einberufene Konferenz der Al Azhar Universität verurteilt Fundamentalismus

von Rafic Greiche, Ägypten

Die Al Azhar-Universität, die angesehene islamische Universität der sunnitischen Welt veranstaltete vom 3. bis 4. Dezember zum ersten Mal eine internationale Konferenz zur Bekämpfung des Terrorismus in Anwesenheit von 120 Teilnehmern von muslimischer Seite als auch von Christen aus dem Osten (Thema: Islam und Gewalt – Islamistische Gewalt verzerrt die Religion). Die Patriarchen des Ostens wohnten der Tagung entweder selbst bei oder sandten einen hochrangigen Vertreter. Das Oberhaupt der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Papst Tawadros II., nahm ebenfalls teil und war gemeinsam mit dem Großimam Scheich Ahmad Mohammad al-Tayyeb stellvertretender Vorsitzender der Eröffnungssitzung.

Ich fasse die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz zusammen:

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Rafic Greiche ist Sprecher der ägyptischen Katholischen Bischofskonferenz. (Foto: INT)

1. Die Konferenz betonte, dass Terrorismus und Fundamentalismus nicht aus dem Islam stammen und dass Gruppen, die in diesem Sinne im Namen der Religion agieren, der Welt nicht den wahren Islam zeigen, sondern ein verschwommenes Bild von ihm vermitteln (sie sagen nicht, dass sie „kafir“ – Ungläubige – sind; in einigen Vorträgen hieß es, sie seien wie die „Charidschiten“).

2.In der letzten Erklärung wurde hervorgehoben, dass die Christen und alle anderen Religionsangehörigen in der Region wie die Muslime untereinander Brüder und Bürger sowie Eigentümer desselben Landes sind, und dass sie seit Menschengedenken zusammenleben. Die Christen wurden aufgefordert, fest verwurzelt in ihren Heimatländern zu bleiben, diese nicht zu verlassen oder zu emigrieren, sondern abzuwarten, bis diese Welle des Terrorismus vorübergegangen ist, denn wenn sie weggehen, geben sie diesem Terrorismus die Gelegenheit, sein Ziel zu erreichen.

3. Die letzte Erklärung prangerte zudem einige westliche Regierungen, ihre geistige Elite sowie ihre Medien an, die Taten der Terroristen mit denen der Muslime zu vermischen, und sie forderte sie auf, fair zu bleiben und die beiden nicht miteinander zu vermengen und ihrer Bevölkerung gegenüber den wahren Islam korrekt darzustellen.

4. Sie hob ferner hervor, dass viele junge Leute im Namen des „Dschihads“ mit einer falschen Auslegung des Korans und der Ahadith einer Gehirnwäsche unterzogen wurden, mit der man sie verdreht, um seine Ziele zu erreichen – doch nur die Regierungen haben das Recht, den „Dschihad“ auszurufen.

5. Wie auch das Kalifat im Zeitalter des Propheten Mohammed allen Bürgern ohne jede Benachteiligung wegen ihrer Religion, Hautfarbe etc. Gerechtigkeit, Frieden und Schutz bieten sollte, was die Gelehrten antreibt, den richtigen Weg und den wahren Islam zu unterrichten und aufzuzeigen (Wasatia-Bewegung, der Mittelweg eines gemäßigten Islam für die Jugend).

6. Man verurteilte außerdem die Übergriffe, die Israel im Heiligen Land insbesondere auf die Aqsa-Moschee und weitere heilige Stätten sowie auf muslimische und christliche Bürger verübt hat und forderte die internationale Gemeinschaft auf, diese Aggressionen laut und deutlich zu verurteilen und die Angreifer vor Gericht und den Internationalen Gerichtshof zu bringen.

7. Die Azhar versprach, ein Dokument gegen Terrorismus und Fundamentalismus auszuarbeiten, um der Welt ein deutliches und wahres Bild über den authentischen Islam zu vermitteln.

 

aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

>> 2013 war Ägypten das missio-Schwerpunktland zum Monat der Weltmission. Unter den eingeladenen Gästen war auch Rafic Greiche. Weitere Informationen zum Monat der Weltmission “Ägypten” (2013) finden Sie hier.

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