Ägypten: “Christen erfahren seit Al-Sisi mehr Sicherheit” (Bischof Kyrillos William)

von Bischof Kyrillos William, Ägypten

Kyrillos William ist Bischof von Assiut in Mittelägypten. Er engagiert sich für den interreligiösen Dialog. Seit 1991 ist er Sekretär der koptisch-katholischen Synode Ägyptens und Präsident der Liturgiekommission. Hier schreibt er über die aktuelle Situation im Land und zieht eine positive Bilanz für die Lage der Christen in Ägypten:
Bischof Kyrillos William war 2013 missio Gast zur Kampagne "Monat der Weltmission" zu Ägypten (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Bischof Kyrillos William war 2013 Gast der missio-Kampagne zu Ägypten “Monat der Weltmission” (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Die Lage in Ägypten ist normal, sieht man einmal von einigen terroristischen Anschlägen und Explosionen ab, die hier und da von Zeit zu Zeit von Seiten der muslimischen Brüder verübt werden, um zu verkünden, dass sie noch da sind. Doch man könnte auch einfach nur feststellen, dass die Menschen auf der Straße ihnen zunehmend eine Abfuhr erteilen. Am 28. November – am Abend vor der Verkündigung des Urteils gegen Mubarak – wollten sie noch „das ganze Land in Schutt und Asche legen“ – der Tag selbst aber verlief dann ohne irgendwelche erwähnenswerten Ereignisse. Mubarak wurde übrigens nur eines einzigen Tatbestandes für unschuldig erklärt: des Blutes der Märtyrer des 25. Januar – doch das bedeutet nicht, dass er der Korruption, der Diktatur und des Zerfalls des Landes für unschuldig erklärt worden wäre. Die Menschen auf der Straße Ägyptens beginnen, sich dieser Situation bewusst zu werden, und der Generalstaatsanwalt hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Die Demokratiebewegung macht langsam einige Schritte vorwärts, wir erwarten die Parlamentswahlen noch vor März 2015, womit der am 3. Juli 2013 aufgestellte Plan umgesetzt sein wird. Noch krankt die Wirtschaft, doch viele Zeichen geben Anlass zu großer Hoffnung: Das gigantische Projekt des neuen Suez-Kanals wird zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen, auf nationaler Ebene werden weitere kleine Projekte realisiert, der Tourismus entwickelt sich wieder von neuem… Die Zentralregierung unternimmt regelmäßige Visiten und Kontrollbesuche in Oberägypten, dem seit Jahrhunderten lang vernachlässigten, südlich von Kairo gelegenen Teil Ägyptens. Wir vertrauen zunächst auf die göttliche Vorsehung, aber auch auf die Willensstärke des ägyptischen Volkes.

Blick auf Kairo (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Blick auf Kairo (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Seitdem Al-Sisi an der Macht ist, erfahren die Christen mehr Sicherheit und denken nicht mehr wie noch zu Zeiten Mursis daran, das Land zu verlassen. Es ist nun leichter geworden, Baugenehmigungen für Gotteshäuser zu erhalten. Ein Gesetz zum Bau neuer Kirchen wurde durch Repräsentanten der drei Kirchen (der katholischen, der orthodoxen und der protestantischen) vorbereitet und dem Übergangsministerium für Justiz vorgelegt, um es der Prüfung durch das Parlament und dessen Zustimmung während seiner ersten Sitzungsperiode zu unterbreiten – gemäß eines Übergangsartikels der neuen Verfassung.

Mit den gemäßigten Muslimen, die die überwiegende Mehrheit darstellen, hatten wir keine Probleme. Übrigens versucht die Einrichtung „Beit El-eial“, „das Haus der Familie“, die von Seiten der Al-Azhar und der Kirche mit ihren Zweigstellen in der Provinz betrieben wird und in der sich muslimische und christliche Anführer begegnen, konfessionelle Spannungen zu vermeiden und in der Öffentlichkeit Toleranz, gegenseitigen Respekt etc. zu vermitteln…. Al-Azhar hat soeben einen internationalen Kongress mit muslimischen und christlichen Anführern des Nahen Ostens veranstaltet, um Terrorismus und Gewalt zu bekämpfen. Eingeladen waren Teilnehmer aus 120 Ländern, darunter auch Besucher aus dem Vatikan. Wir haben ebenfalls daran teilgenommen. Die Schlusserklärung ist äußerst positiv ausgefallen.

Es stimmt zwar, dass die Fundamentalisten und die Salafisten aggressiv sind und die Christen hassen, aber so viele gibt es ja nicht.

Für Weihnachten haben wir uns überhaupt nichts Außergewöhnliches vorgenommen: Wir vertrauen darauf, dass nichts unsere Feiern durcheinander bringen wird. Die Drohungen waren zwar nie verstummt, dennoch hat sich nichts von Bedeutung ereignet, außer in seltenen Ausnahmen. Übrigens ergreifen die nationalen Sicherheitsbehörden während unserer gesamten Feiertage nach wie vor verstärkte Sicherheitsvorkehrungen.

>> aus dem Französischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

>> missio-Filme zum Engagement der katholischen Kirchen in Ägypten: hier

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