Pakistan: Erstes christliches Web-Radio auf Sendung

von Father Arthur Charles, Karachi/Pakistan

In der Islamischen Republik Pakistan, die kürzlich durch das Taliban-Attentat auf eine Schule in Peshawar erschüttert wurde, gibt es auch Lichtblicke. Am 22. November startete der Mediendienst Good News TV das erste christliche Online-Radio Pakistans. Ziel des Radiosenders ist die Verbreitung der Frohen Botschaft Jesu Christi im ganzen Land. “Wir wollen die Medien für Jesus einsetzen, um wirklich alle Menschen zu evangelisieren!“, sagt Father Arthur Charles aus Karachi, der das Projekt ins Leben rief. Das Radio dient auch Informationszwecken, greift Debatten aus der Gesellschaft auf, lädt Talkgäste ein und kommentierte das Attentat von Peshawar. Über das ambitionierte Radio-Projekt berichtet Father Arthur Charles:

Father Arthur Charles aus der Erzdiözese Karachi (Foto: privat)

Father Arthur Charles aus der Erzdiözese Karachi (Foto: privat)

Erzbischof Joseph Coutts und Erzbischof Emeritus Evarist Pinto waren am 22. November anwesend, um das Radio einzuweihen. Der Sender FM 777 wurde von Erzbischof Evarist Pinto in der St. Patrick-Highschool für Jungen in Karachi am Abend des Christkönigsfestes mit der allerersten Übertragung gestartet, die sofort auf Sendung ging. Über tausend Menschen aus ganz Karachi wohnten der Eröffnungsveranstaltung bei.

Mit dem Aufkommen des Breitbandinternets gehört das Radio zu einem der Online-Mediendienste. Es bietet Chancen, die es nirgendwo anders gibt, und damit schlägt es das traditionelle Radio. Diese neue Möglichkeit, Menschen zu erreichen, haben wir durch die Frohe Botschaft Jesu entdeckt. In unserer Zeit sind die Medien die wichtigsten Mittel für eine effektive Kommunikation. Wir müssen sie für Jesus einsetzen. Wir können nicht in die problematischen Orte und Länder gehen, um dort die Botschaft Jesu zu predigen, doch mit dem Einsatz der Medien können wir innerhalb eines Wimpernschlags die Botschaft Jesu überall hinbringen.

Ein Team von sieben Freiwilligen sendet bis zu sechs Stunden Originalinhalte täglich live, das Übrige wird vorher aufgenommen. Mit im Team: Gohar-i-Najb, von Beruf Lehrer und Waris Shakeel, ein älterer Buchhalter von Good News TV, der als Mitarbeiter am Katechetischen Zentrum Karachi tätig ist.

Der Inhalt ist zugänglich über die Internetadresse: www.fm777.pk . Auf dieser Webseite können an sieben Tagen in der Woche 24 Stunden täglich Informationen durch einen Live-Stream abgerufen werden; manche Programme enthalten Podcasts, auf die jederzeit zugegriffen werden kann.

FM 777 ist mehr als nur ein Radio mit Wortbeiträgen, es ist eine Informations-Plattform.  Die Themen umfassen alle Bereiche des Lebens und werden durch die Linse der Heiligen Schrift, der Lehre und der kanonischen Tradition der Kirche betrachtet. Talk-Shows mit sachkundigen Gästen zu Gesellschaftsfragen wie auch zum globalen Geschehen und zur Politik, wenn sie Fragen des Glaubens betreffen, zu Kirche, interreligiösen Angelegenheiten, aktuellen Ereignisse, Glaubensfahrten und Theologie und Apologetik gehören dazu.

Christen bei einem Gottesdienst im Freien in Lahore.  Mit weniger als 2 % der Gesamtbevölkerung Pakistans bilden sie eine religiöse Minderheit. (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio)

Christen bei einem Gottesdienst im Freien in Lahore. Mit weniger als 2 % der Gesamtbevölkerung Pakistans bilden sie eine religiöse Minderheit. (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio)

Viele Sendezeiten werden in verschiedenen europäischen und asiatischen Sprachen – darunter in Tamil, Konkani, Hindi und Arabisch – übertragen werden. FM 777 wird live gesendet, mit Zuschaltungen aus der ganzen Welt.

Während Erzbischof Joseph Coutts uns zu diesem neuen elektronischen Medienprojekt gratulierte, sprach er die Hoffnung aus, dass das Radio Samen säen, der aufgehen und wachsen werde, da die Hörer von der Botschaft Jesu Christi erfahren.

„Wir danken für alles, was Gott getan hat und vertrauen das Radioprojekt seinen Händen an. Hoffentlich werden die Menschen im Land und weltweit die Botschaft der Hoffnung sowie weitere Informationen empfangen, damit das ihr Leben in Frieden, Liebe und Harmonie bereichert“, sagte Erzbischof Coutts.

Erzbischof Evarist Pinto, der die Ansichten seines Mitbruders im Bischofsamt anlässlich der Einweihung des Radiosenders FM 777 teilte, sagte: „Die Medien heute, in gedruckter wie auch in elektronischer Form, sind die Sprache des Volkes. Das ist ganz offensichtlich in diesem System, in dem nicht nur die jungen Leute, sondern schon die Kinder stark damit beschäftigt sind, sich durch das Internet zu klicken.“

Papst Franziskus hält die Gläubigen oft dazu an, in der Welt der Medien Präsenz zu zeigen“, fuhr er fort. „Der heilige Papst Johannes Paul II. sagt, dass die Medien der Areopag der modernen Welt seien. Der heilige Paulus wandte sich auf dem öffentlichen Platz, der als Areopagus bezeichnet wurde, an die Intellektuellen, Denker und Philosophen von Antiochia (Apg 17, 19-22).“

Das Kreuz als Zeichen der Religionszugehörigkeit:  In einem Christenviertel in Lahore (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Das Kreuz als Zeichen der Religionszugehörigkeit: In einem Christenviertel in Lahore (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Als er uns beglückwünschte, nannte er FM 777 „einen bedeutenden Meilenstein“, und er betete, dass der Herr dieses neue Projekt segnen möge, um „das Evangelium unseres Herrn Jesus Christus zu den Männern und Frauen unserer Zeit zu bringen“.

Das Radio verfügt über eine eigene Facebook-Seite und einen eigenen Twitter-Account. Die Verantwortlichen planen, ihre Präsenz auf andere Regionen des Landes auszuweiten. Mit diesem Zuwachs an Medienpräsenz bietet die Erzdiözese Karachi hoffnungsvolle und glaubensbasierte Inhalte auf insgesamt sechs verschiedenen medialen Plattformen an – zu denen eine englische Wochenzeitung, The Christian Voice, die Internetplattformen Good News Catholic TV und Good News TV (funktionsfähig, doch derzeit abgeschaltet), die Wochenzeitung Agahi, die Internetausgabe der Agahi-Facebook-Seiten sowie Twitter-Accounts gehören.

Es wird prognostiziert, dass sich jeden Monat bis zu 95.000 Menschen in das Angebot von FM 777 einloggen werden. Bisher hat es die Aufmerksamkeit von Hörern aus 82 Ländern gefunden. Das Team von Radio FM 777 arbeitet jetzt daran, die erste mobile App für alle Smartphone-Nutzer bereitzustellen.

3 Fragen an Father Arthur Charles:

Kommentierte Ihre Rundfunkstation auch den Taliban-Anschlag auf die Schule in Peshawar?

Ja, wir kommentieren diesen schrecklichen Vorfall ununterbrochen. Wir sind schockiert über diesen Anschlag auf die Schule in Peshawar. Wir verurteilen diesen unmenschlichen Akt äußerster Grausamkeit scharf. Manche Leute sind dermaßen menschenverachtend geworden. Jetzt wurden Schüler überfallen und mehr als 130 von ihnen sind erschossen worden. Die Religionen stehen in der Verantwortung, die Moral in die Gesellschaft zurückzubringen. Je schneller das geschieht, umso besser. Unser Mitgefühl gilt den trauernden Familien der unschuldigen Kinder und den bei diesem Anschlag Verletzten.

Natürlich können wir sie nicht wieder zum Leben erwecken, doch wir können ihrer im Gebet gedenken. Ihre Seelen mögen in Frieden ruhen und Gott schenke den Müttern und Familien, die durch diesen furchtbaren Angriff entmutigt wurden, Kraft und Geduld.

Haben Sie und die christliche Gemeinschaft Angst vor Bombenattentaten an Weihnachten?

In diesen Tagen haben nicht nur wir, sondern alle schreckliche Angst vor Bombenattentaten. Auch wenn wir unseren Alltag leben und stets auf alles gefasst sind, was unerwartet auf uns zukommen mag. Wir vertrauen unser Leben dem Herrn an und beten, dass Frieden, Freude und Harmonie sich durchsetzen werden!

Sind für die Messen um Weihnachten besondere Sicherheitsvorkehrungen vorgesehen?

Wie in den vergangenen Jahren haben wir die Regierung auch in diesem Jahr gebeten, uns Schutz durch Polizei und Rangers zu bieten. Mit diesen Maßnahmen haben wir auch unsere eigenen Wachleute ausgebildet, die ihre Dienste gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden durchführen werden. Weihnachten bedeutet für die Menschen hier sehr viel. In diesem Fest erkennen wir in erster Linie, wie sehr Gott uns liebt, dass er der Welt seinen einzigen Sohn zu unserer Rettung schenkte.Weihnachten sagt uns, dass Licht in der Dunkelheit scheinen wird. Es schenkt uns die Hoffnung, dass sich die Dinge ändern werden! Außerdem glauben wir, dass  Jesus Christus, der Fürst des Friedens, in unserem eigenen Leben, in unserer Gemeinschaft und in unserem Land zum Frieden führen wird.

>> übersetzt aus dem Englischen von Katrin Krips-Schmidt

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