Nigeria: „Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel“ (Bischof Stephen Dami Mamza)

Von Bischof Stephen Dami Mamza, Bischof von Yola, Nigeria

Bischof Stephen Dami Mamza teilt hier mit uns eine seiner Weihnachtsbotschaften, die er für seine Gemeinde in Nigeria geschrieben hat. Dabei erwähnt er auch die Leiden, die von Boko Haram verursacht worden sind und die Hoffnung in die Parlamentswahlen 2015. Eindrücklich ist sein Appell “Lasst Euch nicht als Schläger benutzen oder dazu, um irgendetwas Böses anzurichten.”

Bischof Stephen Dami Mamza (Foto: Bettina Tiburzy/ missio)

Bischof Stephen Dami Mamza (Foto: Bettina Tiburzy/ missio)

Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. (Lk 2,10-14)

Meine lieben Brüder und Schwestern in Christus,

es ist wieder Weihnachten – eine Zeit der Freude, eine Zeit der Gnade und der großen Erwartung. Es ist eine Zeit, in der Gott uns Seine große Liebe erweist. Es ist aber auch eine Zeit der Heilung und der wiedergewonnenen Stärke.

Die Ankunft Christi in der Welt hält für die vielen unterschiedlichen Menschen viele Bedeutungen bereit. Für uns in der christlichen Gemeinschaft ist sie in erster Linie eine Zeit der Hoffnung. Auch wenn wir vielleicht verzweifelt sind, wenn wir uns umschauen und die vielen grässlichen und schwierigen Situationen erkennen, in denen wir uns befanden oder die uns aufgezwungen wurden. Trotz aller Widrigkeiten, ist doch die Hoffnung eine noch größere Quelle, die uns Kraft gibt. Und trotz all der Schwierigkeiten dieses vergangenen Jahres vereinen wir doch unsere Stimme mit der des Apostels Paulus und erklären: „Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung“ (Röm 8,24).

Wenn ich so darüber nachdenke, frage ich mich immer, wie manche Menschen diese Weihnachtsbotschaft als Botschaft der Hoffnung annehmen können, wenn ich überlege, was sie in diesem Jahr 2014 alles so erlebt haben. Es ist ja kein leichtes Jahr gewesen – so viele entsetzliche Dinge sind geschehen und manche geschehen noch immer, angefangen von der Entführung durch die Islamistengruppe Boko Haram von mehr als 200 Mädchen aus Chibok, von denen die meisten bis heute nicht wieder aufgetaucht sind, bis hin zu der Vertreibung vieler Menschen aus ihren Dörfern und Wohnsitzen, die nun als Flüchtlinge oder Binnenvertriebene leben, die Enthauptung vieler Christen, die es ablehnten, ihren Glauben zu verleugnen – manche sogar in Anwesenheit ihrer Kinder – die Zerstörung von Gottesdienststätten, was zum Tod vieler Menschen führte, das Auftreten des gefürchteten Ebola-Virus, der zu einer ernsthaften Bedrohung für unsere kulturelle Art der Begrüßung und für den Gottesdienst in der Kirche, besonders in der katholischen Kirche, wurde. Dankt Gott für seine göttliche Weisheit und seinen Schutz. Danke auch Euch, dem Volk Gottes, für Eure Gebete, Euer Verständnis und Eure Mitarbeit, da unser Land heute für Ebola-frei erklärt wurde und dass die katholische Diözese Yola bei unserer Feier der Liturgie niemals von unserem Kurs abgewichen ist etc. Bei all dem könnte jemand versucht sein zu fragen: Lebt Gott eigentlich noch?

Inmitten dieser kritischen und schwierigen Verhältnisse, in denen wir uns in Nigeria und vor allem im Nordosten des Landes befinden, wird das Weihnachtsfest in uns die Hoffnung erneuern. Weihnachten schenkt uns Kraft und Vertrauen, um das wiederaufzubauen, was zerstört war, um das wiederherzustellen, was entstellt war, um die Menschen wieder in Verbindung zu bringen, die getrennt und die wieder zurückzubringen, die ausgewandert waren.

Die Frohe Botschaft der Weihnachtsnacht: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden“, die die Engel allen Menschen verkündeten, ist ein anhaltender Ruf, sich aus dem Zustand des Konflikts herauszuziehen und um aus dem Streiten, den Sorgen, der Angst und der Not herauszukommen, um sich gemeinsam für die Festigung des Friedens und der Brüderlichkeit, der Gerechtigkeit und der Gleichheit unter allen Bürgern einzusetzen. Wir können das schaffen, wenn wir unser Herz und unseren Geist Gott und unseren Nächsten gegenüber öffnen. Und wenn wir alle Menschen gleich behandeln, und ihre Rechte und Freiheiten und ihre Verschiedenheit berücksichtigen und mit ihnen kooperieren, so dass sie alle spüren, dass sie Kinder der einen Menschheitsfamilie und der einen Nation sind, trotz der Unterschiede der Ethnie, der Nationalität, der Sprache, Religion und Weltanschauung.

An diesem Weihnachtsfest müssen wir in unserer komplizierten Situation im Antlitz des Kindes Jesus, das ein Geschenk von Gott ist, die übernatürliche Gegenwart Gottes unter uns entdecken. Da die Geburt eines jeden Kindes ein Geschenk Gottes und zudem ein freudiges Ereignis ist, sollte die Geburt des Christkindes ein Zeichen für uns alle sein – es sollte ein Zelt sein, das uns alle aufnimmt und das unsere Seele erhebt, unser Vertrauen und unsere Hoffnung nährt, unser Streben nach Wohlstand für unser Land und das Wohlergehen für unsere Bürger unterstützt und unsere Freiheit und Würde bewahrt.

Liebe Brüder und Schwestern in Christus, jetzt, wo sich unser Land auf die kommenden Parlamentswahlen im nächsten Jahr vorbereitet, möchte ich alle Christen und besonders die Katholiken dringend bitten, inständig für unser Land Nigeria zu beten. Ich möchte an alle diejenigen, die aufrichtig nach Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität streben, die Aufforderung richten, mit Tapferkeit und Vertrauen durchzuhalten. Lasst Euch nicht als Schläger benutzen oder dazu, um irgendetwas Böses anzurichten. Darüber hinaus appelliere ich auch an diejenigen in Führungspositionen – besonders an die Politiker -, diese Sensibilität, Achtsamkeit und Gründlichkeit zu pflegen, die Programme und Strategien übersteigt, so dass sie damit Gesellschaften aufbauen können, die sich als friedlicher und als für jeden Menschen einfach wirklich respektvoll erweisen. So dass letzten Endes nur diejenigen als unsere Staatslenker hervortreten werden, denen das Interesse an der Nation am Herzen liegt, diejenigen, die sich unermüdlich dafür einsetzen, uns zu einen und den FRIEDEN wiederherzustellen, den wir verloren haben. Ich appelliere an alle Christen, bei den Parlamentswahlen 2015 ihre Stimme für die Person ihrer Wahl abzugeben. Alle Christen sollen wissen, dass es eine Unterlassungssünde ist, wenn man jemanden nicht wählt, der geeignet und wählbar ist. Gott segne uns 2015 mit guten und verantwortungsvollen Führungspersönlichkeiten.

Wenn wir in diesem Jahr Weihnachten feiern, danken wir Gott dafür, dass wir zu den Lebenden gehören! Die Träume so vieler Menschen sind zerstört worden, so viele Menschen werden dieses Fest dieses Mal gegen ihren Willen als VERTRIEBENE feiern. Hunderttausende von Menschen werden Weihnachten zum ersten Mal in ihrem Leben außerhalb ihrer angestammten Wohnstatt verbringen. Trotz all der sonderbaren Brüder und Schwestern, danken wir Gott, der unablässig mit uns ist. Gott hat uns nicht verlassen – trotz der Schwierigkeiten, denen wir begegnen. Er ist Immanuel – „Gott ist mit uns“. Er lebt und wirkt als unser Gott und Retter.

Meine lieben Brüder und Schwestern im Herrn, an diesem Weihnachtsfest ist mein letzter Wunsch für Euch alle der folgende: Gott helfe uns zu begreifen: Egal, wie dunkel auch immer die Nacht scheinen mag – sie muss doch zum Tag werden, so wie der Psalmist es in Psalm 30,6 formuliert: „Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder JUBEL“.

Möge uns das Weihnachtsfest, wenn wir es in diesem Jahr alle feiern, das Geschenk des Friedens und der Stabilität sowie den Segen Gottes jetzt und allezeit bringen.

Frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr 2015!

>> aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

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