missio Aachen: Tiefe Betroffenheit über Hinrichtung von 21 koptischen Christen

War im Oktober 2013 Gast bei missio Aachen gewesen: Der koptisch-katholische Patriarch Ibrahim Isaac Sedrak (mitte); rechts missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer, links missio-Vizepräsident Dr. Gregor von Fürstenberg. Foto: missio

War im Oktober 2013 Gast bei missio Aachen gewesen: Der koptisch-katholische Patriarch Ibrahim Isaac Sedrak (mitte); rechts missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer, links missio-Vizepräsident Dr. Gregor von Fürstenberg. Foto: missio

“Wir haben unseren Partnern in Ägypten unsere tiefe Betroffenheit und Solidarität ausgedrückt”. Mit diesen Worten hat Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio in Aachen, auf das jüngste Terrorverbrechen des sogenannten Islamischen Staates (IS) und dessen Unterstützer in Libyen reagiert. Fr. Rafic Greiche, Sprecher der koptisch-katholischen Bischofskonferenz in Ägypten, bat gegenüber missio die Öffentlichkeit in Deutschland um Friedensgebete und Unterstützung der Arbeit der Kirche in Ägypten, wie sie auch missio leiste.

Terrorgruppen wie der sogenannte Islamische Staat missbrauchen Religion für bloße Machtpolitik

Gleichzeitig warnte missio-Präsident Prälat Krämer davor, solche Verbrechen wie jetzt in Libyen dem Islam als Religion insgesamt anzurechnen. „Terrorgruppen wie der Islamische Staat missbrauchen die Religion für machtpolitische Zwecke und wollen mit einer Interpretation ihrer Religion die Menschen gegeneinander aufhetzen, um dann wiederum von diesem Klima des Hasses und der Instabilität zu profitieren“, so Prälat Dr. Krämer.

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Dagegen helfe nachhaltig in erster Linie das religionsverbindende Gespräch der verschiedenen Religionen im Nahen Osten selbst. „missio unterstützt seit Jahren diese interreligiösen Dialogprojekte und wird in diesem Engagement nicht nachlassen“, so Krämer weiter. missio wolle gemeinsam mit seinen Partnern der Ortskirchen im Nahen und Mittleren Osten alles dafür tun, dass in diesen Krisenregionen die einfachen Menschen an der Basis miteinander im Gespräch bleiben, über die Religion des jeweils anderen aufgeklärt werden sowie unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit soziale Hilfen und eine gute Ausbildung durch christliche Organisationen bekommen. „Das leisten die koptischen Christen in Ägypten, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, mit ihrem Bildungs- und Gesundheitssystem in vorbildlicher Weise”, so Prälat Dr. Krämer.

Nur Dienst am Anderen raubt
dem Hass jede Grundlage

„Nur die Bereitschaft zum Dienst am Anderen bezeugt den interreligiösen Dialog durch die Tat und raubt dem Hass jede Grundlage.“ Kurzfristig müsse aber auch die Internationale Gemeinschaft eine neue Strategie finden, wie sie den Terror im Nahen und Mittleren Osten beendet. Dies dürfe nicht auf militärische Hilfe beschränkt bleiben, sondern brauche verstärkte Diplomatie, appelliert Prälat Dr. Krämer.

Sprecher der katholischen Bischofskonferenz in Ägypten
bittet um Friedensgebete und Unterstützung der Bildungsarbeit

Fr. Rafic Greiche, Sprecher der katholischen Bischofskonferenz in Ägypten und Gast von missio Aachen im Monat der Weltmission 2013 in Deutschland, sagte gegenüber Radio Vatikan und missio Aachen, dass 17 der von den Islamisten getöteten Männer aus der Ortschaft Samalut in Al-Minya stammten, und drei weitere aus einem nahegelegenen Dorf. Die Männer gingen als Wanderarbeiter nach Libyen, um ihre Familien ernähren zu können. „Zwei dieser Männer haben noch nicht einmal ihre Kinder gesehen, die während ihrer Entführung geboren wurden“, sagte Fr. Greiche. Einer der Märtyrer stammt aus dem Tschad und war Fr. Greiche zufolge wegen der Glaubenshaltung zum Christentum konvertiert, die er bei den koptischen Christen erlebte, die man gefangen genommen hatte. „Er fand zum Glauben, als er in das Gesicht der anderen ägyptischen Christen schaute – er wollte nicht mehr gehen“, sagte er. „Er wollte wie sie ein Märtyrer sein.“ In Ägypten sei eine siebentägige Staatstrauer angeordnet worden. Laut Fr. Greiche sei die ägyptische Öffentlichkeit auch von den Worten von Papst Franziskus berührt gewesen, der von einer „Ökumene des Blutes“ gesprochen und damit seine Verbundenheit mit den koptischen Christen zum Ausdruck gebracht habe. Fr. Greiche ermunterte die Christen in aller Welt, für den Frieden zu beten und jenen Ländern Hilfe anzubieten und in der Bildungsarbeit zu unterstützen, die von terroristischer Gewalt heimgesucht werden.

(Übersetzung der Textpassage von Fr. Rafic Grieche: Katrin Krips-Schmidt)

 

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