Erzbischof Kaigama: Nigeria hat das Allgemeinwohl gewählt

Ignatius Kaigama ist seit 2000 Erzbischof von Jos.(Foto: Hartmut Schwarzbach/missio)

Ignatius Kaigama ist seit 2000 Erzbischof von Jos.(Foto: Hartmut Schwarzbach/missio)

Nigeria hat am 28. März einen neuen Präsidenten gewählt: Muhammadu Buhari. Der Muslim hat den Christen Goodluck Jonathan abgelöst. Nigeria hat die oft gefährliche Phase des Machtübergangs nach einer Wahl gemeistert. Wie die katholische Kirche jetzt in die Zukunft blickt, hat das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen den Vorsitzenden der nigerianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ignatius Kaigama, gefragt.

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Könnten Sie kurz schildern, in welchen Bereichen sich für die Christen unter einer neuen Regierung im Wesentlichen künftig etwas ändern wird?

Erzbischof Kaigama: Tatsächlich sind die Erwartungen hoch. Nigeria leidet schon seit langem an einer unnötigen Spaltung entlang ethnischer und religiöser Grenzlinien. Die Politiker haben die Zugehörigkeit zu einer Ethnie und einer Religion als Spielball benutzt. Ich meine, dass die wichtigste Aufgabe eine Strategie der Wiederversöhnung sein müsste, um sicherzustellen, dass die blankliegenden Nerven beruhigt werden. Das Bedürfnis, Wunden zu heilen und ein stark polarisiertes Land zu einen – das ist das, was die Gedanken der Christen besonders stark beschäftigt.

Ich meine, die wichtigste Aufgabe in Nigeria muss eine Strategie der Wiederversöhnung sein, um ein stark polarisiertes Land zu einen

Die Christen freuen sich auf eine Regierung, die die Menschen einbezieht – sie freuen sich auf einen Präsidenten, der versprochen hat, bei seiner Regierung eine nicht-religiöse Agenda zu verfolgen. Sie erwarten eine Regierung, die das Volk wirklich liebt, die Gott kennt und ihn fürchtet, die die Nigerianer respektiert sowie deren Recht auf Leben und religiöse Freiheit garantieren und die die Nigerianer vereinen wird; eine Regierung, die Macht als ein Vehikel betrachtet, um anderen zu dienen – statt einer Möglichkeit für egoistische und anderweitige Motive.

Welche Konsequenzen hat dieser Machtwechsel für den Kampf gegen Boko Haram?

Für den neu gewählten Präsidenten sprechen zwei Dinge: ihm werden starke Führungsqualitäten sowie Unbestechlichkeit nachgesagt. Er ist vermutlich einer der wenigen prominenten nigerianischen Politiker heute, denen nicht vorgeworfen wurde, öffentliche Gelder veruntreut zu haben. Ein Präsident mit militärischer Erfahrung, der sich auf den Kampf mit korrupten Offizieren eingelassen hat, könnte den nigerianischen Soldaten bestimmt als moralische Unterstützung dienen.

Ein Präsident mit militärischer Erfahrung, der sich auf den Kampf mit korrupten Offizieren eingelassen hat, könnte den nigerianischen Soldaten als moralische Unterstützung dienen

Zugegeben, der ehemalige General hat keinen Zauberstab, um die IS-Milizen einfach von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Doch in dieser Zeit einer existenziellen Krise kann Nigeria einen militärischen Kopf gebrauchen, der beruhigende Stärke vermitteln und eine glaubwürdige Strategie bieten kann, um die Unsicherheit im Land zu überwinden. Viele Menschen schildern ihn als einen Mann des Anstands und der Integrität mit einem Sinn für Gerechtigkeit, der die Islamisten bekämpfen könnte.

Wie haben die Christen insgesamt auf dieses Ergebnis der Wahlen reagiert?

Insgesamt sind viele Christen mit dem Ausgang der Präsidentschaftswahlen zufrieden. Die Muslime waren nicht die einzigen, die für General Buhari gestimmt haben. Auch Christen haben ihn gewählt; sogar viele von ihnen – was ein starkes Indiz dafür ist, dass die Nigerianer über ihre religiösen Gefühle hinausgewachsen sind, um nach dem Allgemeinwohl des Landes Ausschau zu halten. Viele glauben, dass dies ein Sieg für unsere Nation und für unseren Fortschritt ist. Unser gemeinsames Dasein unter einem Gott ist größer als unsere individuelle Religionszugehörigkeit.

Ich hatte mit General Buhari schon früher persönlichen Kontakt, und er hatte mir in vielerlei Hinsicht versichert, dass er den Islam nicht mehr als das Christentum fördern werde, und ich glaube ihm

Wir hoffen, dass der neu gewählte Präsident sich besser eignet, um die Probleme Nigerias zu bekämpfen, wobei die drängendsten Probleme die Korruption und Boko Haram sind. Dennoch gibt es einige wenige, die sich der religiösen Ansicht und der Angst hingegeben haben, dass der neugewählte Präsident ein islamischer Fanatiker sei. Dies ist aus Vorurteilen und aus einer engen religiösen Sicht heraus entstanden, von der nigerianische Muslime und Christen lange Zeit geprägt waren. Ich hatte mit General Buhari schon früher persönlichen Kontakt, und er hatte mir in vielerlei Hinsicht versichert, dass er den Islam nicht mehr als das Christentum fördern werde, und ich glaube ihm. Viele seiner Mitarbeiter sind Christen. Einige seiner politischen Gefolgsleute sind Katholiken. In einer demokratischen Umgebung wird kein Regierungsoberhaupt das Land durch Verordnungen und Dekrete leiten. Es gibt Institutionen wie die Nationalversammlung, um die Auswüchse eines solchen Oberhauptes zu überprüfen. Insgesamt betrachten viele Nigerianer das Ergebnis als den Willen Gottes für Nigeria, und daher akzeptieren sie es.

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