“Unsere Stimme für verfolgte Blogger”

Informationsfreiheit und Religionsfreiheit sind untrennbar verbunden. Dafür setzt sich missio ein. misso und Reporter ohne Grenzen fordern gemeinsam die Freilassung von dem inhaftierten katholischen Priester, Blogger und Bürgerjournalisten Nguyen Van Ly. Deswegen haben sie am 26. Januar eine Petition gestartet. Warum andere Blogger diese Aktion unterstützen, schildern sie in der missio-Serie „Unsere Stimme für verfolgte Blogger“. Heute kommt Dr. Hong-An Duong zu Wort, der den Blog “Forum Vietnam 21” koordiniert.

Dr. Hong-An Duong ist auf dem Blog "Forum Vietnam 21" aktiv

Dr. Hong-An Duong ist auf dem Blog “Forum Vietnam 21″ aktiv

Was empfinden Sie, wenn Sie von der Menschenrechtssituation in Vietnam hören?    

Zuallererst denke ich an die vielen mutigen Menschen in Vietnam, die sich trotz aller widrigen Umstände und unter hohem persönlichen Risiko für Bürger- und Menschenrechte einsetzen. Vor diesen aufrechten Menschen habe ich großen Respekt und möchte ihnen ein herzliches „Dankeschön“ sagen.

Autoritäre Regime halten bekanntlich internationale Abmachungen und Verpflichtungen, welche sie selbst unterzeichnen, nicht ein. Die vietnamesische Regierung missachtet trotz Mitgliedschaft im UN-Menschenrechtsrat ganz offen im eigenen Land die Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit. Menschenrechtsaktivisten und regierungskritische Blogger werden systematisch verfolgt.

Um Dissidenten mundtot zu machen und zugleich um die Weltöffentlichkeit zu täuschen, wenden die Machthaber in Hanoi perfide Methoden an. Menschenrechtlern wird wegen angeblicher Steuersünden oder angeblicher krimineller Vergehen der Prozess gemacht. Neuerdings werden Blogger sogar von Schlägertrupps überfallen und schwer misshandelt.

Trotz des brutalen Vorgehens des Regimes gegen Andersdenkende gibt es Lichtblicke im Kampf für Menschenrechte. Die Zahl der Menschen im Lande, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen wollen, wächst ständig. Somit entsteht für das Regime so etwas wie ein „Teufelskreis“. Je mehr Aktivisten verhaftet werden, desto mehr werden ihre Stimmen gegen die Willkürherrschaft des totalitären Hanoier Regimes erheben. Es ist eine Frage der Zeit, wie lange die KP Vietnams diesem Druck standhalten kann.

Was können wir im Westen für die betroffenen Blogger in Vietnam tun?

Vietnamesische Menschenrechtler vermissen die internationale Solidarität schmerzlich und bedauern das mangelnde Interesse der Weltpresse. Der stille Widerstand gegen die Mächtigen in Vietnam produziert leider keine Schlagzeilen. Stattdessen liest man in den Medien regelmäßig Reiseberichte über Sehenswürdigkeiten in Vietnam und günstige Preise in den Urlaubsorten. Gerade wegen dieses Mankos ist die Unterstützung aus dem Westen für die Menschenrechtsbewegung in Vietnam von immenser Bedeutung. Die deutsche Öffentlichkeit, sprich deutsche Politiker, Menschenrechtsaktivisten und -organisationen sollen sich offen für die betroffenen vietnamesischen Blogger einsetzen. Es ist erwiesen, dass internationaler Druck auf das Regime nicht wirkungslos verpufft. In mindestens drei Fällen wurden nach internationaler Intervention bekannte Blogger freigelassen. Sehr hilfreich waren auch Treffen von deutschen Politikern mit den Bloggern im Rahmen ihrer Vietnam-Reisen. Als Beispiel möchte ich Gespräche vom Fraktionsvorsitzenden der CDU im Bundestag, Volker Kauder, von Bundesminister Sigmar Gabriel, vom Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Christian Lange und andere mehr mit einigen Aktivisten nennen. Beachtenswert war auch der Besuch von Kardinal Reinhard Marx im Januar 2016 in Vietnam. Mit Gläubigen, Dissidenten und auch mit Regierungsvertretern konnte Kardinal Marx sprechen. Dabei hat es sich gezeigt, dass der Kardinal sich sehr für die Religionsfreiheit in Vietnam einsetzt.

Manche vietnamesische Dissidenten, Blogger und Menschenrechtsgruppierungen in Deutschland haben es sich zur Aufgabe gemacht, in vielfältiger Weise den regierungskritischen Bloggern in der Heimat beizustehen. Da es kaum Presseberichte über die politische Verfolgung in Vietnam gibt, versuchen sie die deutsche Öffentlichkeit über Verstöße gegen die Menschenrechte in Vietnam zu informieren. Sie übertragen beispielweise die von den Bloggern in Vietnamesisch verfassten Nachrichten ins Deutsche, die dann per E-Mail beziehungsweise über Webseiten eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Sie werden somit zum Sprachrohr der vietnamesischen Blogger im westlichen Ausland. Mahnwachen und Tagungen mit deutscher Beteiligung gehören zu den Aktivitäten der Exilvietnamesen. Auch eine Kooperation mit deutschen Organisationen, Menschenrechtsgruppen und Bloggern ist höchst wünschenswert.

Warum sind Informations- und Religionsfreiheit Ihrer Meinung nach untrennbar?

Ohne Informationsfreiheit, ohne Rede-und Meinungsfreiheit kann es keine Religionsfreiheit geben. Es ist unerträglich, wenn der Staat selektieren und bestimmen kann, wer (sprich „ein Normalbürger“) einen Gottesdienst besuchen darf und wer (sprich „ein regimekritischer Bürger“) nicht. Genau das versucht das vietnamesische staatliche „Komitee für religiöse Angelegenheiten“ zu erreichen. Es kontrolliert alle Aktivitäten der jeweiligen Religionen und unterbindet den Informationsaustausch unter den Gläubigen. Zwei Religionsführer, der katholische Priester Nguyen Van Ly und der buddhistische Mönch Thich Quang Do, dürfen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nicht wahrnehmen. Beide befinden sich nämlich seit Jahren in Haft bzw. unter Hausarrest.

 

 

Ein Kommentar

  1. […] tiếng Đức: “Unsere Stimme für verfolgte Blogger”, 25. Februar 2016 / Marta Wajer, […]

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