Erzbischof von Aleppo dankt verfolgten Christen, die in Syrien bleiben

Mutter der Barmherzigkeit - so heißt die missio-Ikone des syrischen Ikonenmalers Talal Dayoob. Foto: missio

Mutter der Barmherzigkeit – so heißt die missio-Ikone des syrischen Ikonenmalers Talal Dayoob. Foto: missio

Jean-Clément Jeanbart ist amtierender Erzbischof der Melkitischen Griechisch-Katholischen Kirche von Aleppo in Syrien und Apostolischer Visitator der Melkitischen Kirche in Westeuropa. Zu Ostern hat er der christlichen Gemeinde in Aleppo einen Brief geschrieben, den missio Aachen übersetzt hat und hier dokumentiert. Die Übersetzung aus dem Französischen besorgte Katrin Krips-Schmidt. Hier der Brief:

Meine lieben Brüder,

danken wir dem Herrn dafür, dass er uns in unserem Land am Leben erhalten hat. Er hat uns vor den Gefahren und vor der Demütigung der Auswanderung bewahrt, vor dem weit von unserer lieben Heimat entfernten Exil. Dank Seiner Vorsehung sind wir heute unversehrt und hoffen voller Glauben und Vertrauen auf den Frieden. Wir erkennen bereits die Anzeichen zu einer Rückkehr zum normalen Leben in unserer lieben Stadt Aleppo, in der wir für uns und unsere Familien das Wohl und die Freude eines friedlichen und gelassenen Lebens inmitten unserer Angehörigen und unserer Freunde finden können.

Unsere Hoffnung ist groß, dass die Beendigung der Kampfhandlungen in Syrien bis zu einer erfolgreichen Verständigung zwischen den kriegführenden Parteien und bis zu einer nationalen Versöhnung fortdauere, die den Menschen ermögliche, in Harmonie und Freundschaft zusammenzuleben

Danken wir dem Herrn für das gerade erst begonnene Ende der Gewalt und der Auseinandersetzungen unter den Syrern, um Anlass zu einem Dialog und zur Versöhnung zwischen den Brüdern – den Bewohnern ein- und desselben Landes – zu geben, zu einem Dialog, der zurzeit spürbar voranschreitet. Unsere Hoffnung ist groß, dass diese Beendigung der Kampfhandlungen bis zu einer erfolgreichen Verständigung zwischen den kriegführenden Parteien und bis zu einer nationalen Versöhnung fortdauere, die den Menschen ermögliche, in Harmonie und Freundschaft zusammenzuleben.

Danken wir nun dem Herrn dafür, dass die großen Nationen bereit waren, ihren Standpunkt zu ändern und angesichts der Konfrontationen in Syrien eine Politik der Befriedung zu befolgen: Wir unterstützen heute die „Genf 3“-Konferenz, die – so hoffen wir – von Erfolg gekrönt sein und uns zu dem so erhofften Frieden führen wird, nach all dem, was wir während dieser langen Jahre ertragen haben, nach all den Schrecken dieses üblen und zerstörerischen Krieges.

Hilfe gebraucht, um mit den Problemen des täglichen Lebens fertig zu werden

Danken wir dem Herrn, der uns die Fähigkeit geschenkt hat, unsere Gläubigen in diesen harten und schwierigen Zeitumständen zu unterstützen, die viele von ihnen in Mitleidenschaft gezogen haben, besonders diejenigen, deren Lebensgrundlage aufgrund der Vernichtung ihrer Einnahmequellen ausgefallen ist. Wir hoffen, mit seiner göttlichen Hilfe ihnen auch weiterhin die ihnen notwendige Unterstützung leisten zu können, damit sie bis zum Ende dieses entsetzlichen Krieges mit den Problemen des täglichen Lebens fertig werden.

Sie haben ihre Familien vor dem Exil und vor den Belastungsproben bewahrt, die sie in fernen Ländern hätten auf sich nehmen müssen, und sie haben sich darin die Gnade bewahrt, zu bleiben und ihre Verwurzelung in dem so geliebten und so teuren Land ihrer Ahnen und Väter weiter zu pflegen.

Danken wir dem Herrn dafür, dass er den guten Willen vieler unserer Gläubigen gestärkt und ihnen die nötige Geduld gegeben hat, um ihre Nöte zu ertragen und so vielen Herausforderungen standzuhalten. Sie haben weiterhin in ihrer geliebten Stadt gelebt, die auch die ihrer Vorfahren ist, in Aleppo, in dem Kleinod des Orients und des Okzidents. Sie haben ihre Familien vor dem Exil und vor den Belastungsproben bewahrt, die sie in fernen Ländern hätten auf sich nehmen müssen, und sie haben sich darin die Gnade bewahrt, zu bleiben und ihre Verwurzelung in dem so geliebten und so teuren Land ihrer Ahnen und Väter weiter zu pflegen. Die strahlenden Tage der Milde, die sich nun ankündigen, lassen sie gewiss den dunklen Winter mit seinen Wolken und seiner eisigen Kälte vergessen, den sie zu ertragen verstanden – durch die göttliche Vorsehung und gestärkt durch eine tiefe Liebe für ihr geliebtes Heimatland und die gesegnete Erde ihres gegenüber seinen Bürgern und wohlwollenden Freunden so großherzigen Landes.

Wäre es nicht an der Zeit, an dieser Stelle den schönen Lobgesang unserer „Großen Komplet“ anzustimmen zum Dank für die göttliche Vorsehung, die die Gläubigen beständig begleitet: „Uns, die wir auf den Pfaden des Todes und seiner Finsternisse wandeln, ist ein Licht erschienen, weil Gott mit uns ist.“

Ja, meine lieben Freunde, ein neues Licht strahlt uns auf, das Licht eines so sehr erwarteten Friedens und einer so sehr ersehnten Sicherheit, das Licht, das den Weg der Auswanderer in ihr Land, der Flüchtlinge in ihre Häuser und der Arbeiter an ihr Tagewerk zurück beleuchten wird. Wir erwarten diese Rückkehr, und wir bereiten uns darauf vor, für alle Erfordernisse aufzukommen sowie für all das, was diese Rückkehr am besten ermöglichen könnte.

Bewegung “Aufbauen um zu bleiben” gegründet

Vor kurzem haben wir eine Bewegung mit dem Namen „Aufbauen um zu bleiben“ ins Leben gerufen, die damit bereits begonnen hat, verschiedene Dienstleistungen anzubieten, um geschädigten Personen dabei zu helfen, ihre Häuser, ihre Geschäfte und ihre Werkstätten wieder herzurichten. Diese Bewegung hat unlängst ein berufliches Ausbildungszentrum eröffnet, und sie befindet sich auf dem Weg, verschiedene Entwicklungs-, Bau- und Dienstleistungsprojekte zu starten, die unseren Gläubigen ermöglichen, einträgliche und für sich selbst und für die Menschen um sie herum nützliche Berufe auszuüben. Eventuell hätten wir keine Schwierigkeiten damit, dass diese Bewegung ein neues Projekt starten könnte, um diejenigen Menschen zu unterstützen, die in ihre geliebte Stadt zurückkehren möchten und dass wir das als „Rückkehrprojekt“ bezeichnen werden.

“Wir sehen uns vor der Herausforderung, einen modernen Staat aufzubauen”

Wir haben zuvor gekämpft, um auf dem Boden unserer geliebten Heimat zu bleiben, und wir haben mit der Hilfe des Herrn durchgehalten, trotz des Terrorismus und seiner Gewalttaten, trotz aller Hindernisse und aller Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens, die unseren Lebensunterhalt, unsere Wohnungen und unsere Sicherheit beeinträchtigt haben. Wir haben dem Angriff einer wilden Medienkampagne und einer boshaften Propaganda widerstanden, die uns Tag für Tag bedrängten. Gegenwärtig, und nachdem sich dieser Sturm nun gelegt hat, sehen wir uns vor einer neuen Herausforderung, vor der Herausforderung, einen modernen Staat aufzubauen und eine neue Stadt zu errichten. Es ist eine Herausforderung, die unsere Herzen mit Freude und mit Begeisterung erfüllt und Jung und Alt dazu aufruft, auf dem Feld des Handelns und des Aufbaus weiter voranzuschreiten. Die Bewegung „Aufbauen um zu bleiben“ wird jedem Kämpfer zur Seite stehen, der sein Land liebt und der sich großmütig der Aufgabe seines Aufbaus widmen will, um damit seinen Mitbürgern und all den Seinen zu ermöglichen, darin würdig unter den Blicken des Herrn zu leben, dem wir ständig Lob sagen und danken, heute, morgen und für alle Zeiten!

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