Religiöse Autoritäten des Islams über Minderheiten in muslimischen Mehrheitsgesellschaften

Theophilus Bela aus Indonesien ist Protagonist der “Aktion Lebenszeichen” von missio für bedrängte Christen weltweit. Er hat uns jetzt einen Bericht geschickt von einem interreligiösen Treffen am 12. und 13. Mai in Tokio, das den vergangenen G-7-Gipfel in Japan begleitet hat. Wichtigster Inhalt der Unterredung war der Schutz von und das volle Staatsbürgerrecht von Minderheiten in muslimischen Mehrheitsgesellschaften. Am Ende des Beitrags steht ein Aktionsplan. Hier der Bericht von Theophilus Bela:

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Von links nach rechts: H.E Dr Mohammed Mataar al Kaabi, U.A.E, Chairman, General Authority of Islamic Affairs and Religious Endowments; Ayatollah Ahmad Moballeqi, IRAN, Rector, University of Islamic Religions; Dr. William Vendley, Secretary General, Religions for Peace; H.E. Shaykh Abdallah bin Bayyah, U.A.E, President, Forum for Promoting Peace in Muslim Societies and Co-Moderator, Religions for Peace; Hon. Mme Fatemeh Hashemi-Rafsanjani, IRAN, Secretary General, Women's Solidarity Association and Honorary President, Religions for Peace; and H.E. Dr. Abdullah al Matouq, KUWAIT, United Nations Secretary General's Humanitarian Envoy for Kuwait. Foto: missio / Theophilus Bela

Von links nach rechts: H.E Dr Mohammed Mataar al Kaabi, U.A.E, Chairman, General Authority of Islamic Affairs and Religious Endowments; Ayatollah Ahmad Moballeqi, IRAN, Rector, University of Islamic Religions; Dr. William Vendley, Secretary General, Religions for Peace; H.E. Shaykh Abdallah bin Bayyah, U.A.E, President, Forum for Promoting Peace in Muslim Societies and Co-Moderator, Religions for Peace; Hon. Mme Fatemeh Hashemi-Rafsanjani, IRAN, Secretary General, Women’s Solidarity Association and Honorary President, Religions for Peace; and H.E. Dr. Abdullah al Matouq, KUWAIT, United Nations Secretary General’s Humanitarian Envoy for Kuwait. Foto: missio / Theophilus Bela

Da Staatsoberhäupter aus den wichtigsten Volkswirtschaften der Welt in Japan zum G-7-Gipfel eintreffen, sind vom 12. bis zum 13. Mai in Tokio weltbekannte religiöse Anführer aus dem Nahen Osten zusammengekommen, um die volle Staatsbürgerschaft für alle Gemeinschaften in Staaten mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit voranzubringen. Dies sei, so erklärten sie, ein unersetzbarer Beitrag zur Verhinderung und Umwandlung des gewalttätigen Extremismus, der Islamophobie und der Fremdenfeindlichkeit.

Die hochrangige internationale Beratung wurde von der UN-Initiative Allianz der Zivilisationen (UNAOC) sowie von Religions for Peace unter dem Motto organisiert: Partnerschaft mit religiösen Führern des Nahen Ostens zur Förderung des Schutzes von Minderheiten in Staaten mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit. Gastgeber der Besprechung war Religions for Peace Japan. Gijun Sugitani, der höchste Mönch der buddhistischen Tendai- Schule in Japan und Vorsitzender von Religions for Peace, erklärte, dass die Ausrichtung der Anhörung ein Ausdruck der Solidarität zwischen den religiösen Führern Japans und denen des Nahen Ostens sei.

Alle anwesenden islamischen Gelehrten stimmten der grundlegenden Bedeutung einer eindeutigen Festlegung der ursprünglichen islamischen positiven Ausrichtung auf friedliche pluralistische Gemeinschaften mit einer vollen Staatsangehörigkeit für alle zu, wie es in der Erklärung von Marrakesch steht

Die Veranstaltung in Tokio brachte mehr als 60 ranghöchste muslimische Führer aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika zusammen sowie international anerkannte bedeutende geistliche Oberhäupter aus anderen Traditionen. Die Beratung bestätigte erneut die vor kurzem verabschiedete Erklärung von Marrakesch, die am 27. Januar 2016 unter der Schirmherrschaft von Seiner Majestät König Mohammed VI. von Marokko und der Leitung von Scheich Abdallah bin Bayyah, dem Präsidenten des „Forums zur Förderung des Friedens in muslimischen Gesellschaften“ (Forum for Promoting Peace in Muslim Societies) mit Sitz in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten herausgegeben wurde. Die Erklärung von Marrakesch stützte sich auf die historische Gemeindeordnung von Medina, eine grundlegende Quelle des Islams, die allen Muslimen viel bedeutet. Sie stellt deutlich die islamische Bereitschaft zur vollen Staatsangehörigkeit religiös unterschiedlicher Gemeinschaften in Gesellschaften mit muslimischen Bevölkerungsmehrheiten klar.

Scheich Abdallah bin Bayyah stellte fest, dass die Erklärung von Marrakesch ein Beispiel der islamischen Community war, die sich an ihre eigene „Arzneimittelkunde“ wandte, um die geeignete „Medizin“ herauszufinden, um verfälschte Interpretationen des Islam zu heilen. Alle anwesenden islamischen Gelehrten stimmten der grundlegenden Bedeutung einer eindeutigen Festlegung der ursprünglichen islamischen positiven Ausrichtung auf friedliche pluralistische Gemeinschaften mit einer vollen Staatsangehörigkeit für alle zu, wie es in der Erklärung von Marrakesch zum Ausdruck kam.

Wenn wir die Notlagen von Minderheitengemeinschaften betrachten, müssen wir vermeiden, Unterschiede herauszustellen und müssen stattdessen die zentralen Werte der Vielfalt und der friedlichen Koexistenz der Vereinten Nationen nochmals zum Ausdruck bringen.

Die Vertreter anderer religiösen Gemeinschaften nahmen die erneute muslimische Bestätigung der Erklärung von Marrakesch dankbar auf, begrüßten deren Bedeutung für den Aufbau gerechter und harmonischer Gesellschaften und verpflichteten sich ebenfalls, ihre jeweiligen religiösen Traditionen zur aktiven Unterstützung von klaren Begriffen über eine umfassende Staatsbürgerschaft zu nutzen.

Der Hohe Vertreter der UNAOC , Nassir Abdulaziz al-Nasser, erklärte in seinen Ausführungen: „Wenn wir die Notlagen von Minderheitengemeinschaften betrachten, müssen wir vermeiden, Unterschiede herauszustellen und müssen stattdessen die zentralen Werte der Vielfalt und der friedlichen Koexistenz der Vereinten Nationen nochmals zum Ausdruck bringen.“

In der Überzeugung, dass die Umwandlung des gewalttätigen Extremismus die Zusammenarbeit zwischen Regierungen und religiösen Gemeinschaften erfordert, trafen sich die geistlichen Oberhäupter mit japanischen politischen Führern, unter anderem mit dem Außenminister Fumio Kishida, mit dem Generalsekretär der liberaldemokratischen Partei Sadakazu Tanigaki und mit dem Vorsitzenden der Demokratischen Partei Katsuya Okada. Darüber hinaus tauschten sie sich mit Regierungsvertretern aus Ägypten, Bosnien und Herzegowina, Indonesien, Irak, Iran, Libanon, Marokko, Mauretanien, Saudi-Arabien, Spanien, der Türkei, den USA, dem Vatikan und den Vereinigten Arabischen Emiraten aus.

Fatemeh Hashemi-Rafsanjani, die Generalsekretärin der Frauensolidaritätsvereinigung (Women’s Solidarity Association) und Ehrenvorsitzende von Religions for Peace, erklärte: „Religions for Peace hat im Nahen Osten eine große Bedeutung und kann ein geeignetes Instrument für die erforderliche Zusammenarbeit zwischen religiösen Gemeinschaften wie auch zwischen ihnen und staatlichen Regierungen sein.“

Aktionsplan

Die geistlichen Oberhäupter verabschiedeten in ihrem (auf Arabisch, Englisch, Japanisch und Persisch veröffentlichten) Schluss-Kommuniqué einen Aktionsplan, der sie zu Folgendem verpflichtet:

1. Zur genauen Ermittlung der authentischen religiösen Lehren innerhalb der jeweiligen religiösen Tradition, die eine Grundlage für klare Begriffe über eine Staatsbürgerschaft für alle Gemeinschaften bilden;

2. Zu Maßnahmen schulischer und außerschulischer Bildung innerhalb ihrer jeweiligen religiösen Gemeinschaften über die oben genannten religiösen Lehren;

3. Zur respektvollen Zusammenarbeit mit den zuständigen staatlichen Behörden in Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, um sicherzustellen zu helfen, dass nationale Rechtsvorschriften zur Staatsbürgerschaft sowie die Menschenrechte für alle Gemeinschaften mit den in der Erklärung von Marrakesch enthaltenen Lehren aufeinander abgestimmt werden und aktuellen internationalen Standards entsprechen,

4. Zur Einleitung konkreter gemeinsamer Maßnahmen in ihren Gemeinschaften, um eine umfassende Staatsbürgerschaft für alle zu fördern.

Der Generalsekretär von Religions for Peace, Dr. William Vendley, erklärte: „Multireligiöse Kooperation zur Förderung der vollen Staatsbürgerschaft ist ein einzigartiges machtvolles Konzept zur Verhinderung und Umwandlung von gewalttätigem religiösen Extremis

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