Boko Harams Spaltung sehr gefährlich für verfolgte Christen

Von Fr. Maurice Kwairanga (katholische Diözese Yola, Nigeria)

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Fr. Maurice Kwairanga. Foto: Privat

Fr. Maurice Kwairanga. Foto: Privat

Innerhalb der terroristischen Gruppe Boko Haram haben sich zwei erbittert rivalisierende Blöcke herauskristallisiert.Die ursprüngliche Gruppierung war unter der Leitung von Sheik Abubakar Shekau bekannt, während die andere Gruppe von Abu Musab al-Barnawi – ein kürzlich vom sogenannten “Islamischen Staat” Beauftragter – angeführt wird. Sie wollen den Konflikt eskalieren.

Am Dienstag, den 13. September 2016, veröffentlichte ein Anführer einer Untergruppe der islamistischen Sekte Boko Haram ein neues Video auf YouTube, in dem gezeigt wurde, wie Terroristen in großer Anzahl (möglicherweise mit Photoshop nachbearbeitet) während des Festes des Fastenbrechens ihre Gebete verrichten. Diese von Abubakar Shekau angeführten Kämpfer zeigten Anhänger an drei voneinander unabhängigen Gebetsorten, obwohl er selbst in dem Video nicht auftrat. In dem Video brüstete man sich damit, ungeachtet der erheblichen Schwächung, die man durch die militärischen Interventionen in der Region erlitten hat, noch immer eine starke Macht zu sein.

Das YouTube-Video drohte Präsident Muhammadu Buhari und allen anderen, die als Ungläubige betrachtet werden, die totale Vernichtung an. Sie wollen den Präsidenten gefangennehmen

Das YouTube-Video drohte Präsident Muhammadu Buhari und allen anderen, die als Ungläubige betrachtet werden, die totale Vernichtung an. Es widerlege die Behauptung, dass die anhaltenden Militäreinsätze in den Regionen, die bis vor kurzem unter ihrer Kontrolle gewesen waren, ihre Stärke geschwächt hätten. Der Aussage des Videos zufolge werden sich ihre militärischen Fähigkeiten bei der Gefangennahme von Präsident Muhammadu Buhari und allen Ungläubigen noch unter Beweis stellen.

Die Boko Haram-Gruppe prahlte daher in dem Video:

„Das ist unser Gebet des Fastenbrechens, das von unserem Anführer Imam Abubakar Al-Shekau unterstützt wird. Unser Gruß geht an unser Volk und unsere Kämpfer: „Botschaft an die Ungläubigen und an das Oberhaupt aller Ungläubigen (kafir) – den Präsidenten von Nigeria, Muhammadu Buhari: Ihr sollt wissen, dass wir sehr stark sind und dass wir uns sehr gut behaupten. Beim Willen Allahs werden wir unter der Leitung unseres Anführers (Shekau) Buhari mit unseren eigenen Händen gefangen nehmen.“

Die Regierung Buhari hat hart daran gearbeitet, um die militante Gruppierung zu bekämpfen, und sie hatte große Gebiete im Nordosten des Landes zurückerobert, die zuvor von Boko Haram besetzt worden waren.

Innerhalb von Boko Haram zwei erbittert rivalisierende Blöcke

Innerhalb der terroristischen Gruppe haben sich zwei erbittert rivalisierende Blöcke herauskristallisiert, die die Kontrolle in einigen Gemeinden in Teilen des Bundesstaates Borno im Nordosten Nigerias und im Tschadbecken ausüben. Die ursprüngliche Gruppierung war unter der Leitung von Sheik Abubakar Shekau bekannt (der sich in einem früheren YouTube-Video selbst als „Kaukakakau“ bezeichnet hatte), während die andere Gruppe von Abu Musab al-Barnawi – ein kürzlich vom sogenannten “Islamischen Staat” Beauftragter – angeführt wird.

Die nigerianische Verteidigungszentrale hat das Video, in dem die Gefangennahme des Präsidenten angedroht wird, durch ihren geschäftsführenden Direktor im Bereich der Sicherheitspolitik, Brigadegeneral Rabe Abubakar, als einen gewaltigen Scherz abgetan:

„Das so genannte Video ist ein Versuch der übriggebliebenen Kämpfer, uns in Erinnerung zu bringen, dass es früher einmal einige Boko-Haram Elemente gegeben hat. Die Androhung, PMB (Präsident Muhammadu Buhari) gefangenzunehmen, ist ein absoluter Witz und der Traum des Jahrhunderts. Deshalb sollte der gesamte Videoclip ignoriert werden, da jedermann unsere Erfolge gegenüber Boko Haram zu schätzen weiß.“

Al-Barnawis Durst nach christlichem Blut wird noch schlimmer sein als der seines ehemaligen Anführers Sheik Abubakar Shekau.

Die Gefährdung von Christen im Nordosten Nigerias ist noch immer hoch, da sowohl Shekau als auch Al-Barnawi sich darin einig sind, dass es die Pflicht von Muslimen sei, gegen Ungläubige, zu denen auch die Christen gehören, Krieg zu führen. Al-Barnawi ist jedoch nicht einverstanden damit, dass Shekau darauf beharrt, einige Muslime zu töten, die er später wie die christlichen Gruppen als „Ungläubige“ bezeichnete. Es ist der sehnliche Wunsch von Al-Barnawi, die Christen im Nordosten Nigerias auszulöschen, falls er dazu die Möglichkeit bekäme. Al-Barnawis Durst nach christlichem Blut wird noch schlimmer sein als der seines ehemaligen Anführers Sheik Abubakar Shekau. Die christliche Bevölkerung hier gibt sich sehr viel Mühe, um durch Gebet und einen aufrichtigen interreligiösen Dialog mit muslimischen Verantwortlichen ein friedliches Zusammenleben aufzubauen, sowie durch Initiativen, die vom katholischen Bischof von Yola, dem hochwürdigsten Herrn Bischof Stephen Dami Mamza und der Adamawa Peacemakers Initiative (API) der in Yola ansässigen American University of Nigeria (AUN) gefördert werden.

So beten und hoffen wir, dass die vielen tausend Vertriebenen durch den Konflikt im Nordosten Nigerias bald wieder nachhause oder in das, was bis dahin ihre Heimat war, in einer Atmosphäre der Harmonie, Sicherheit und des Friedens zurückkehren können. Im Zuge unserer Vorbereitungen zur Feier des Weltfriedenstages beten wir aufrichtig, dass wir uns eines dauerhaften Friedens und einer steten Fortentwicklung im Nordosten Nigerias erfreuen werden, der von Boko Haram verwüstet wurde.

Hinterlasse eine Antwort