Nachricht von der pakistanischen Bischofskonferenz

von S. Sheeky

Wir, die pakistanische Bischofskonferenz, haben unsere zweite jährliche Versammlung im Renewal Center in Lahore abgehalten. Nach einer kurzen Reflektion, die das Leben der Kirche und der Menschen in unserem Land betrafen, würden wir gerne die folgende Nachricht an die Gemeinschaft richten…

Das Jahr der Barmherzigkeit

Seit dem Zeitpunkt, als Papst Franziskus sein Pontifikat angetreten hat, brachte er neues Leben in die Katholische Kirche, er gab ihr neue Kraft. Er rief das Jahr der Barmherzigkeit aus, das einen Akkord in den Herzen von Millionen von Katholiken auf der ganzen Welt angeschlagen hat. Die Pforte der Barmherzigkeit wurde nicht nur im Vatikan, sondern auf der ganzen Welt geöffnet. Viele Menschen sind zu Kirchen gepilgert und haben die Werke der Barmherzigkeit vollbracht, indem sie beispielsweise notleidenden Menschen geholfen haben.

Mutter Teresa, eine Heilige unserer Zeit, war eine wichtige Säule der Barmherzigkeit und leistete barmherzige Dienste für die Menschheit. Sie war eine großzügige Spenderin göttlicher Barmherzigkeit, weil sie für jeden da war, der sie brauchte. Für Mutter Teresa war Barmherzigkeit wie Salz, das ihrer Arbeit Geschmack verlieh, es war das Licht, das in der Dunkelheit schien. Abdul Sattar Edhi hat ebenfalls einen tiefen Sinn in der Liebe und Fürsorge für andere gesehen, die sich in seinem lebenslangen Dienst für die Menschen in Pakistan wiederspiegelt. Er beschloss seinen Mitmenschen zu helfen, indem er ihnen Zugang zu medizinischer Versorgung, einem 24 h Rettungsdienst, Waisenhäusern gewährte. Während des Jahres der Barmherzigkeit, trauern wir um Bruder Bischof Rufin Anthony. Er war ein Mann des Gebets und der Barmherzigkeit. Sein Tod erinnert uns daran, wie sehr wir gute Priester brauchen, die voller Gnade und Liebe sind. Wir beten für sein ewiges Leben und sind für seine Dienste an der Kirche sehr dankbar.

Wir danken allen, besonders denjenigen, die während des Jahres der Barmherzigkeit ihren Besitz mit anderen geteilt haben und bedürftigen Menschen geholfen haben. Wir bitten sie darum, ihre Arbeit weiterzuführen und ein Vorbild für andere zu sein.

Korruption und Armut

Korruption und Armut gehen Hand in Hand. Wenn die Korruptionsrate steigt, leidet die Wirtschaft eines Landes. Armut schwillt an und Wohlstand schindet dahin. Korrupte Menschen missbrauchen die finanzwirtschaftlichen Ressourcen und lassen die Gesellschaft in einen bodenlosen Abgrund aus Armut fallen. Sie werden immer reicher, während die breitere Bevölkerung immer ärmer wird. Sie verpassen keine Gelegenheit, um die finanziellen Quellen des Landes zu verschlingen. Sie sind wie Termiten der Armut, die die Wurzeln der Bäume der ökonomischen Produktion auffressen, sodass das Rad des Wohlstands immer langsamer wird. Es entsteht Raum für Bestechungen, Unrecht, Gesetzlosigkeit, Raub, Diebstahl und Morde. Chaos übersät den Staat. Die Verknüpfung zwischen Korruption und Terrorismus, Instabilität und Armut wird deutlicher in der Gesellschaft sichtbar. Die pakistanische Bischofskonferenz achtet deswegen darauf, dass die Regierung sich um das Chaos kümmert und jegliche Korruption verbannt.

Volkszählung

Die Bischöfe machen sich sorgen über die verspätete Volkszählung. Fristgerechte Zählungen sind wichtig, damit ein Land gut geleitet werden kann. Die pakistanische Bischofskonferenz ist darum bemüht die christliche Bevölkerung kennenzulernen, um ihnen spirituelle und soziale Dienste anbieten zu können. Seit Kurzem gibt es Gerüchte über die bevorstehende Volkszählung. Die Bischöfe halten Priester, Katechisten und Lehrer dazu an, die christliche Bevölkerung darüber zu unterrichten, dass ihre Namen registriert werden sollen. Die regionalen Führer, Caritas Mitarbeiter, Gerechtigkeits- und Friedenskommissionen und die regionalen Regierungsräte müssen dem betroffenen Amt dabei helfen, dass kein Christ / keine Christin bei der nächsten Zählung vergessen wird.

Die Minderheiten

Ein lobenswerter Schritt, der von der vorherigen Regierung eingeleitet wurde, ist, dass Studenten, die einer Minderheit angehören, Arbeitsmöglichkeiten erhalten, obwohl sie landesweit Diskriminierung erfahren. Wir unterstützen und befürworten die Regierung bei ihrem Vorhaben und überprüfen, ob es Unstimmigkeiten gibt, die von eigennützigem Interesse geleitet werden.

Christliche Heiratsverordnung von 1872 und die Scheidungsverordnung von 1869

Die Katholische Kirche sowie andere Konfessionen in Pakistan haben den Gesetzentwurf, der dem Parlament vorgelegt wird, gelesen und studiert. Dabei geht es um die Christliche Heiratsverordnung von 1872 und die Scheidungsverordnung von 1869.

Die Katholische Kirche sowie andere Konfessionen haben den Entwurf, mit der freundlichen Unterstützung von der Nationalen Katholischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, gelesen. Die Lehren der Bibel, die christliche Tradition und gegenwärtige Meinungen wurden dabei beachtet. Die Lehren Jesu zu Heirat, Familie und Scheidung sind den pakistanischen Gesetzen ordnungsgemäß angepasst und können von Christen mit reinem Gewissen akzeptiert werden. Die Bischofskonferenz dankt allen Regierungen in Pakistan, den gewählten Mitgliedern der Nationalversammlung und dem Senat, den Anwälten und Theologen für ihre harte Arbeit, die sie seit über 10 Jahren leisten – auf dass das Gesetz akzeptiert und geändert wird. Wir hoffen, dass das Gesetz das Familienleben der Christen bereichert.

Ein Ruf nach Ruhe und Frieden

Ruhe und Frieden erscheinen seit Jahrzehnten wie ein weit entfernter Traum. Es scheint, dass das Dasein unseres Landes und die Ruhe sich verflüchtigt haben, verflüchtigt in den Äther des Extremismus, der gezielten Morde, des Terrorismus und der Unsicherheit. Der Missklang der Politiker und der unsozialen Aktionen, die aus verschiedenen Bereichen der Bevölkerung kommen, verschlechtern den Zustand der Ruhe und des Friedens in unserem Land.

Wir danken der pakistanischen Armee für ihre Bemühungen und Opfer, die sie während des Kampfes gegen den Terrorismus geleistet haben und laden alle politischen Führer dazu ein, sich für die Ruhe und den Frieden im Land stark zu machen.

Wir leben in Hoffnung

Wir sind Christen und glauben an den auferstandenen Herrn Jesus Christus. Er versichert uns, dass er immer und zu jeder Zeit mit uns ist, bis ans Ende aller Tage. Er ist auf unserer Seite, auch in den dunkelsten Momenten unseres Lebens. Wie auch immer der Weg aussehen mag, wir verlieren nicht unsere Hoffnung. Wir wissen, dass er an unserer Seite ist und den Weg mit uns geht. Pakistan hat Probleme, wie auch viele andere Länder sie haben. In einigen Fällen verängstigen uns die Probleme, aber wir beten dafür, dass unsere Führer das Richtige tun und die Wahrheit verteidigen. Wir bitten alle Christen darum, zu dem Wachstum und dem Fortschritt des Landes beizutragen. Pakistan ist unser Zuhause und wir werden immer loyale Bürger bleiben, die für die Entwicklung des Landes arbeiten. Möge Gott der Allmächtige unser Land und die Menschen darin segnen.

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