Krippe bedeutet Zuflucht – Erzbischof Samir Nassar berichtet über die Vorweihnachtszeit in Syrien

Der maronitische Erzbischof von Damaskus Samir Nassar berichtet in einem Brief an missio in welcher Stimmung sich Syrien während der Vorweihnachtszeit befindet.  

Syrien erinnert zurzeit an eine Krippe: ein offener Stall ohne Tür, kalt, hilflos und von Gewalt verwüstet.

Dem Jesuskind fehlt es aber nicht an Gefährten in Syrien. Unzählige Kinder, die ihr Zuhause verloren haben, sind obdachlos oder leben in Zelten, die ebenso einfach sind, wie die Krippe in Betlehem.

Jesus hat hier viele Leidensgenossen. Die durch Gewalt verängstigten Kinder wünschen sich an Jesus Stelle zu sein, denn er hatte zumindest seine Eltern. Dieses Gefühl der Bitterkeit sieht man in ihren Augen, ihren Tränen und in ihrem Schweigen. Viele syrische Kinder bewundern das göttliche Kind, weil es den schwierigen Weg um geboren zu werden, überstand. Sie selbst wurden geboren, als Bomben fielen und die Massenauswanderung begann.

Maria ist nicht allein. Die hilflosen Mütter leben in extremer Armut und tragen die Verantwortung für ihre Familien – ganz allein, weil ihre Männer getötet wurden oder verschwunden sind. Die Geschichte der Krippe tröstet sie ein wenig.

Die beruhigende Anwesenheit von Josef neben der heiligen Familie ist eine Quelle der Eifersucht für die Familien, die keinen Vater mehr haben. Ein Verlust, der Angst und Beunruhigung nährt.

Die Arbeitslosen bewundern Joseph, weil er alles dafür tut, dass seine Familie nicht in Angst und Gefahr leben muss.

Die Hirten und ihre Herde stehen an der Krippe und sprechen mit vielen syrischen Viehzüchtern, die ihren Viehbestand während des Krieges verloren haben.

Das nomadische Leben auf dieser heiligen Erde geht auf Abraham zurück, und verschwindet langsam mit seinen alten gastfreundlichen Bräuchen und seiner traditionellen Kultur.

Der höllische Lärm des Krieges erstickt den Gesang der Engel. Diese weihnachtliche Symphonie für den Frieden wird von dem Hass, der Grausamkeit und der Gleichgültigkeit der Welt übertüncht…

Wir wünschen uns, dass die heiligen drei Könige Frieden, Vergebung und Mitgefühl nach Syrien bringen.

An diesem Weihnachtsfest lächelt Jesus das neugeborene syrische Kind an und lädt es dazu ein, den Stall mit ihm zu teilen.

Samir Nassar, Maronitischer Erzbischof von Damaskus

 

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