Karfreitag und Ostersonntag: Das Martyrium durchbricht die Logik der Gewalt

Von Professor Harald Suermann

Direktor Missionswissenschaftliches Institut missio in Aachen

Karfreitag MartyriumDer Weg zur Auferstehung führt durch Leid und Kreuz. Das Leiden des Messias war kein ohnmächtiges Leiden. Der Menschensohn hätte die Macht gehabt, sich dem Leiden zu entziehen. Es ist nicht seine Ohnmacht gewesen, die zum Leid geführt hat, sondern die Weigerung, der Logik der Gewalt zu folgen. Vor dem Hohepriester provozierte man ihn, damit er seine Macht ausspiele. Er sollte weissagen, wer ihm ins Gesicht geschlagen habe. So sollte er seine Allwissenheit offenbaren. Auch als er seinen Jünger im Garten Gethsemane aufforderte, das Schwert wieder weg zu stecken, sagte er der Logik der Gewalt ab. Und als einer der gekreuzigten Räuber ihn aufforderte, doch vom Kreuz zu steigen, wenn er der Messias sei und die Macht habe, folgte er nicht dieser Logik der Gewalt.

Was tun verfolgte Christen, die in ihrer Heimat bleiben: Wie ein Prophet folgen sie der Logik der Liebe in Situationen der Gewalt, um große Zeichen der Versöhnung und des Friedens zu setzen.

Die Weigerung, Macht auszuüben, ist kein Zeichen der Ohnmacht, sondern der bewusste Vorgriff auf die Möglichkeit und die Notwendigkeit eines anderen Zusammenlebens aus der Logik der Liebe.

Auch die Märtyrer haben ein solches Zeugnis abgelegt. Sie haben sich nicht willenlos dem Schicksal ergeben, sondern sich bewusst gegen den Ausweg aus der Bedrohung entschieden, der der Logik der Gewalt im Sinne der Verfolger folgte. Das Martyrium war nicht Ziel und Mittel für den Eintritt ins himmlische Paradies. Auch Jesus hatte im Garten Gethsemane darum gebeten, dass der Kelch an ihm vorübergehe. Das Martyrium war die Konsequenz aus der Absage an die Logik der Gewalt und aus der prophetischen Vorwegnahme einer anderen Art des Zusammenlebens aus der Logik der Liebe und Wahrhaftigkeit.

Auch heute fliehen wieder viele Menschen vor Gewalt und Verfolgung. Gewalttäter und Verfolger begründen ihre Taten oft mit einer extremen Auslegung ihrer Religion. Den Schwachen und Verfolgten muss Schutz gewährt werden. Das ist die Pflicht derer, die dies können. Schutz kann aber nur der gewähren, wer Macht hat und notfalls auch bereit ist, Gegengewalt auszuüben. Das ist ein Dilemma und ein Zeichen unserer unentrinnbaren Verstrickung in Schuld und Sünde.

Aber nicht alle fliehen vor Gewalt und Verfolgung, sondern einige bleiben vor Ort. Sie suchen nicht das Martyrium als schnellen Weg ins Paradies, sondern weigern sich, sich der Logik der Gewalt zu beugen. Wie ein Prophet folgen sie der Logik der Liebe in Situationen der Gewalt, um Zeichen der Versöhnung und des Friedens zu setzen. Der bittere Preis für das prophetische Handeln kann das Martyrium sein.

Das Martyrium ist nicht notwendige Konsequenz aus einem Leben in der Logik der Liebe. Verachtung, Bedrohung, Ausgrenzung oder Ächtung können die Konsequenz sein, aber auf der anderen Seite auch Staunen und Bewunderung. Beiden Seiten zeigt ein Leben aus der Logik der Liebe die Möglichkeit eines besseren Zusammenlebens. Nicht immer sind große Taten gefordert, oft durchbrechen auch kleine Taten die Logik der Gewalt.

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