Bericht über die aktuelle Situation im Gazastreifen

von Sami El-Yousef

Die Abwasser-Situation im Gazastreifen wird immer schlimmer. Rauch wird eingesetzt, um den Gestank zu dämpfen.

Die Abwasser-Situation im Gazastreifen wird immer schlimmer. Rauch wird eingesetzt, um den Gestank zu übertünchen.

Während meines Besuchs im Gazastreifen habe ich gemerkt, wie schlecht die Versorgung mit Elektrizität ist – es gibt, um genau zu sein, nur drei Stunden Strom am Tag. Hausfrauen klagen über den Mangel von Strom und wie sehr es doch den Alltag erschweren würde. Man kann nicht waschen, der Kühlschrank funktioniert nicht, was Familien dazu zwingt täglich Lebensmittel zu kaufen. Den Geruch von Abwasser kann man überall wo man hingeht riechen. Die Kläranlage funktioniert nicht mehr, weswegen das Abwasser auch ins Meer geleitet wird. Das Grundwasser ist verschmutzt, weil Abwasser, Salzwasser und Chemikalien hineingelangt sind. Es gibt also mittlerweile auch einen erheblichen Mangel an sauberem Wasser.

Auf den Straßen sind kaum Menschen und Autos zu sehen. Dies scheint wohl daran zu liegen, dass die PNA in Ramallah entschieden hat, die Gehälter von 70.000 Menschen zu kürzen. In ein paar Monaten soll der Geldhahn komplett zugedreht werden. Viele Arbeiter sind zu den Banken gegangen und haben ihr Geld abheben wollen. Nicht nur, dass viele Menschen wegen dem Mangel an Geld im Minus sind, teilweise wurden die Konten sogar eingefroren. Die Menschen können sich keinen Sprit mehr leisten. Dazu kommt, dass es eine Einschränkung gibt, wieviel Sprit man tanken darf. Erlaubt sind ca. 7 Liter pro Person.

Auch Sand wird als Mittel eingesetzt, um den Gestank des Abwassers zu dämpfen.

Auch Sand wird als Mittel eingesetzt, um den Gestank des Abwassers zu dämpfen.

Die Einschränkungen bei Strom und Sprit, 40 % Arbeitslosenquote und die Kürzung der Gehälter führen zu erhöhter Kriminalität im Gazastreifen und die Menschen machen sich Sorgen um ihr Hab und Gut. Ich denke, dass der einzige positive Faktor ist, dass es an Baumaterialien, wie Zement und Eisenstangen, um sich eine Baukonstruktion zu bauen, nicht mangelt. Dies ist durch den Grenzübergang bei Rafah in Ägypten möglich. Die Frage ist nun, wer sich die Baumaterialien leisten kann? Während meines letzten Besuchs, dachten die Menschen, dass es einen Krieg mit Israel geben wird. Jetzt haben die Menschen Existenzängste. Ich schätze, dass der UN-Bericht „Gaza 2020 – ein erträglicher Ort zum Leben“ früher der Realität entsprechen wird, als gedacht, weil keine Schritte in Richtung Veränderung gemacht werde . Trotzdem: Man muss opimistisch beiben und weitermachen, sodass die Hoffnung bleibt.

Lokale Institutionen wachsen

Wir waren überwältigt davon, wie sehr unsere Partner expandieren, was letztendlich zu einer Verbesserung des öffentlichen Dienstes führt. Vor ein paar Wochen beispielsweise hat der Bau eines neuen Gebäudes an der Rosary Schwestern Schule begonnen. Es wird aus einem großen Auditorium bestehen, größeren Klassenzimmern und Laboratorien. Künftig werden auch Schüler der 11. und 12. Stufe hier am Unterricht teilnehmen können NECC’s VTC in Quarrarah wird bald ein neues Programm starten, dass Elektriker schult, wie man mit Photo Voltaic-Anlagen arbeitet, weil es hier eine große Nachfrage gibt. Dieses Programm ist das erste und einzige, das sich darauf spezialisiert hat.

Ein anderer lokaler Partner, die „Holy Family School“, wird eine weitere Etage bauen, um das akademische Programm fördern zu können. Viele weitere Institutionen arbeiten an der Verbesserung der schulischen und akademischen Umstände. Unsere Partner und der Fortschritt sind also im Gazastreifen präsent.

Wie bei allen früheren Besuchen im Gazastreifen, habe ich wieder gemerkt, wie dankbar die Menschen hier sind, obwohl sie wenig besitzen. Es ist ein riesengroßer Unterschied zwischen diesen Menschen und denjenigen, die unter besseren Bedingungen leben. Die Menschen im Gazastreifen sind inspirierend. Es existiert Hoffnung, obwohl es keine richtige Zukunftsperspektive gibt. Bitte denken Sie an unsere Brüder und Schwestern im Gaza Streifen und beten Sie für sie.

Hinterlasse eine Antwort