Mittelalterliches Indien

Gefangene Kandhamal Gruppe QuerformatSieben unschuldige Christen sitzen im Gefängnis, weil sie beschuldigt werden, Swami Laxmanananda ermordet zu haben. Nach vier Jahren wurden sie 2013 zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Der Richter sagte, dass die Swami-Mörder den Mord höchst professionell ausgeführt haben. Dabei waren die Angeklagten nie zuvor wegen krimineller Taten auffällig geworden. Wir fordern alle dazu auf den Kandhamal Day zu beobachten und die Opfer und Überlebenden von Kandhamal zu unterstützen.  

Ein Beitrag von Pater Ajaya Kumar Singh

Am 15. August 2017, feierte Indien 70. Jahre Unabhängigkeit inmitten von Prunk und Ruhm. Indien ist eine unabhängige, sozialistische, säkulare und demokratische Republik. Millionen von Menschen feierten an diesem Tag. Das konnte Bhaskar Sunamajhi nicht tun. Er könnte grundlos am Galgen enden, nur weil er in eine niedrigere ethnische und religiöse Minderheit hineingeboren wurde. Er ist einer von sieben Angeklagten, die angeblich Hindus ermordet haben sollen.

Bhaskar spielte Karten mit seinen Freunden, als die Polizei in sein Dorf kam. Sie sagten ihm, er solle sie begleiten, damit eine Maßnahme zur Verbrechensaufklärung vorgenommen werden könne. Eine Situation, die oft vorkam. Die Polizei sagte seiner Familie, dass er am nächsten Tag zurückkehren würde. Zwei Tage lang gab es kein Lebenszeichen von ihm. Als seine Frau zur Polizei ging, wurde sie darüber informiert, dass er nach sechs Monaten zurückkehren wird. Sie sagten nicht, weswegen er verhaftet wurde. Erst als das Thema in die Medien kam, wurde darüber gesprochen.

Das Gerücht, dass er ein linksparteiischer Guerilla-Kämpfer (Maoist) ist und ein Mitglied der Gruppe ist, die vier hinduistische Arbeiter getötet haben soll basierte auf unrechtsgültigen Argumenten, die von der Polizei verwendet wurden, weil sie selbst unfähig waren, die wahren Täter zu finden.

Der Richter zitierte die Zeugenaussage von Prashant Kumar Parida, das ein Jahr nach dem Mord aufgenommen wurde, dass ihm von einem Parbat Panigrahi “vor zwei oder drei Jahren erzählt wurde, dass Bhaskar an einem 15-20 Tage langen Training der Maoisten in Daringbadi teilgenommen haben soll.

Die Tatsache, dass die Zeugenaussagen acht Monate nach Parabat’s Erschießung aufgenommen wurde, birgt große Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussage.

Die hinduistischen Nachbarn sagten, dass sie sich nicht vorstellen können, dass Bhaskar in diese höchst professionellen kriminellen Taten mit den Maoisten verwickelt war.

Indien feiert seine Unabhängigkeit

Das unabhängige Indien wurde 1947 gegründet und hatte eine soziale, säkulare und demokratische Demokratie als Ziel. Dieses Ziel wurde auch in der Präambel der Indischen Verfassung aufgeführt. Die Verfassung beinhaltete die Reflektion der Menschenrechte von 1949, innerhalb derer die Menschenwürde und Religionsfreiheit äußerst wichtig waren. Obwohl Indien schwor für eine sozialitische, säkulare und demokratische Republik zu arbeiten, gewann der Schiismus immer mehr an Macht.

 

Sozialistisches Indien

Die Dalits (früher auch bekannt als die Unberührbaren) und die Adivasi machen 24% der gesamten indischen Bevölkerung aus. Sie sind Opfer der strukturellen Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Der “United Nations Development Fund’s Odisha Human Development report” von 2004 sagt, dass die Prozentanzahl der Adivasi und Dalits, die unter der Armutsgrenze in Süd-Odisha leben, bei 92,42% und 87% liegt, während Indiens Durchschnnittsprozentsatz bei 48% und 36% liegt.

Obwohl Indien Rechte hat, die die Bürgerrechte schützen sollen, liegt die Verurteilungsrate von krimiellen Taten gegen Dalits und Adivasi bei 5% und 4,3%.

“Das heisst, dass Verdächtige in 95 von 100 Fällen freigesprochen werden. Über zehn Jahre hinweg war die niedrigste Verurteilungsrate in Gujurat und lag dort bei 2,1% in 2011; gegen Adevasi betrug die Verurteilungsrate 1,1% in 2005.“[i]

“An höchster Stelle der Regierungsbürokratie, aus einer Gesamtheit von insgesamt 149 Personen, gibt es keine Dalit-Beamten und nur 4 Adivasi-Beamte. Auf dem nächsten bürokratischen Level waren von 108 Beamten nur zwei Dalits und zwei Adivasi dabei.“ [ii]

Ihre Präsenz in der Judikative ist sehr gering. Seit der Unabhängigkeit Indiens gab es nur vier Dalit-Richter.

53% der indischen Gefangenen sind Muslime, Dalits und Adivasi, obwohl sie nur 39% der indischen Bevölkerung ausmachen. Daten aus dem Jahre 2013 zeigen, dass 20% Muslime, 22% Dalits und 11% Adivasi im Gefängnis saßen, während sie jeweils 13%, 17% und 9% der Bevölkerung ausmachten. .[iii]

Die Vorurteile gegen Minderheiten im Indischen System sind erschreckend: 94% der Inder, die im Todestrakt sitzen sind Muslime oder Dalits.[iv]

Die religiösen Minderheiten werden diskriminiert, besonders jetzt, wenn die Regierung von Minister Narendra Modi geführt wird. Die Minderheiten sind ängstlich und leiden unter der kommunalen Gewalt. Sie werden heimgesucht und überprüft, ob sie Rindfleisch essen. Die Gemeinschaft hat Angst davor, Kühe zu halten, obwohl diese für die Wirtschaft sehr wichtig sind.

Medienberichten zufolge waren 32 von 63 Fällen  Attacken, die auf Kühe bezogen waren  (nachdem die jetzige Regierung 2014 an die Macht kam).

“Von den 28 Indern, die in den letzten sieben Jahren in Übergriffen starben, waren 24 Muslime (86%). 124 Menschen wurden während Attacken verletzt. Mehr als die Hälfte (52%) dieser Angriffe basierte auf Gerüchten”, India Spend database zufolge.

 

Säkularität drosselt Religionsfreiheit  

Die religiösen Minderheiten – besonders die Christen – werden hart von den Anti-Koversionsgesetzen getroffen. Bereits sechs Staaten haben diese Gesetze eingeführt. Es herrscht Chaos und Verwüstung. Odisha war der erste Staat Indiens, der die Gesetze in 1967 einführte, die unter anderem beinhalten, dass jede Person verhaftet werden kann, die an einer religiösen Tauf-Zeremonie teilnimmt und keine offizielle Erlaubnis von der Behörde bekommen hat. Jegliches Geschenk oder jeglicher Dienst oder eine angebotene Hilfe könnte als Konvertierung interpretiert werden. Die Konvertierung ist zu einem kriminellen Akt geworden und widerspricht der Verfassung. 

 

Situation der Gewalt gegen Christen in Kandhamal heute

70 Jahre in “Freiheit”sind vergangen. Es ist an der Zeit darüber nachzudenken, was diese Jahrzehnte für die Menschen in Indien ­– Dalits, Adivasi und andere Randgruppen bedeutete. Haben wir wirklich die moralische Stärke noch einmal ein Massaker in Kandhamal zu überstehen? Wenn wir sie nicht haben, ist es wichtig, dass wir am Kandhamal Tag (25. August 2017) genau zuhören und beobachten, was uns die Opfer und Überlebenden des Massakers, die für die Gerechtigkeit kämpfen, zu sagen haben.

Nach nur 10 Tagen nachdem die Unabhängigkeitsfeier in Indien stattfand, wurde Indien Zeuge der größten kommunalen Gewalt gegen Christen in Kandhamal in Odisha im Jahre 2008. Dieses Jahr sind seitdem schon neun Jahr vergangen. Am 25. August wollen wir Harmonie, Frieden und Gerechtigkeit schenken. Über 395 Kirchen, die den Adivasi-Christen und den Dalit-Christen gehörten, wurden zerstört. 6,500 Häuser wurden zerstört und über 100 Menschen starben, 40 Frauen wurden vergewaltigt, Bildungseinrichtungen, soziale Einrichtungen und Gesundheitseinrichtungen wurden ausgelöscht. 56,000 Menschen mussten fliehen. Es wurde von vielen Fällen berichtet, in denen Menschen zum Hinduismus konvertieren mussten – unter Zwang. Dieser organisierte kommunale Angriff ist der Größte in der Geschichte der christlichen Gemeinschaft während der letzten drei Jahrhunderte. Die Wiedergutmachung der Regierung fiel spärlich aus.

Während der kommunalen Gewalt in Kandhamal wurden nur 820 von insgesamt 3,300 Fällen registriert. Der Rest der Beschwerden wurde erst gar nicht aufgeschrieben. Keiner der Täter, die für die Zerstörung verantwortlich war, sitzt heute hinter Gittern. Mörder, Vergewaltiger und Zerstörer sind heute auf freiem Fuß. Und trotzdem sitzen sieben unschuldige Personen im Gefängnis. Es ist wichtig, dass das freie Indien aufwacht, die Täter verurteilt und die Unschuldigen freilässt.

Dies ist nicht das Indien, von dem unser Vorvater des neuen Indiens träumte. Traurigerweise, sitzen Menschen an oberen Positionen, die nicht für den Frieden kämpfen, sondern hindutva Kräfte vereinigen und die Religion dafür missbrauchen. Ich wünsche mir, dass Indien wieder die Werte und Träume hat, die es bei seiner Gründung hatte: säkulare, sozialistische und demokratische Werte.


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