Angst unter Christen im indischen Odisha

Vor zehn Jahren wurden Christen in der indischen Region Kandhamal angegriffen. Bis heute sind sie in Gefahr.

Vor zehn Jahren wurden Christen in der indischen Region Kandhamal angegriffen. Bis heute sind sie in Gefahr.

Auch im indischen Bundesstaat Odisha wächst vor Weihnachten die Furcht vor Anschlägen.

Vor zehn Jahren waren dort in der Region Kandhamal bis zu 100 Christen während hindu-nationalistischer Gewaltausbrüche getötet und rund 56.000 Menschen vertrieben worden. „Hindu-Nationalisten streuen Gerüchte, dass sie am 22. und 23. Dezember in der Region größere Treffen abhalten wollen, das versetzt die Christen in Angst“, berichtet ein missio-Projektpartner. Ihn beunruhige auch, dass in gesamt Indien in der Adventszeit vermehrt Christen von der Polizei festgenommen und christliche Adventsfeiern aufgelöst worden seien. So seien 30 Priesterseminaristen und zwei Priester am 14. Dezember festgenommen, weil sie Adventskonzerte gegeben hatten, was seit über 30 Jahren Tradition habe, berichtet der missio-Partner weiter. Als 8 Priester sich um die Inhaftierten kümmern wollten, seien auch sie verhaftet worden. “Wie die Polizei hier mit den Nationalisten kooperiert, ist beschämende”, sagte unser Partner. Das habe alle Christen in Indien betroffen gemacht und lasse für Weihnachten weitere Repressionen oder auch Gewalt befürchten.

Religiöse Minderheiten machen etwa 20 Prozent der indischen Bevölkerung aus, darunter Muslime, Christen, Sikhs, Buddhisten und andere Glaubensrichtungen. Neben physischen Angriffen, Lynchmorden und der Zerstörung von Kultstätten der religiösen Minderheiten gibt es eine wachsende religiöse Intoleranz, Angriffe und Gewalt, kriminelle Diffamierung und Hasskampagnen gegen diese Minderheiten.

Deshalb fordern indische Menschenrechtler zu Weihnachten 2017:

  • Aufhebung von Anti-Konversionsgesetzen, die bereits in sechs Staaten erlassen wurden
  • Ein Antidiskriminierungsgesetz zum Schutz der Rechte aller Minderheiten
  • Die unabhängige Überwachung von Fällen im Zusammenhang mit Gewalt gegen Minderheiten muss von den Oberen Gerichten durchgeführt werden
  • Auflösung von hindu-nationalistishen Bürgerwehr-Gruppen und Annullierung von Gesetzen, die Gewalt im Namen des Kuhschutzes rechtfertigen
  • Die indische Regierung hat es versäumt, das Gesetz zur Verhinderung der kommunalen und gezielten Gewalt (Zugang zu Gerechtigkeit und Reparationen) 2013 zu verabschieden, das im Dezember 2013 vom indischen Kabinett angenommen wurde
  • Die indischen Geheim- und Nachrichtendienste wie die CBI und NIA sollten unabhängig von der Regierung sein und dem Parlament unterstellt werden
  • Die Täter von Verletzungen der Meinungs- und Menschenrechtsfreiheit sollten zur Rechenschaft gezogen und die Kultur der Straflosigkeit beendet werden
  • Die internationale Gemeinschaft sollte die hindu-nationalistische Gruppe RSS und alle ihre Schwesterorganisationen als Terrorgruppen einstufen

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