Archiv für Dr. Christoph Marcinkowski

Neue missio-Menschenrechtsstudie über koptische Kirche in Ägypten

Titelblatt der neuen Menschenrechtsstudie über die Kopten in Ägpyten. Foto: missio

Titelblatt der neuen Menschenrechtsstudie über die Kopten in Ägpyten. Foto: missio

Die missio-Menschenrechtsstudie 56 „Die Situation der koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten“ (sie können die Studie hier herunterladen) bietet eine Analyse der Beeinträchtigungen von koptischen Christen in Ägypten. Hierbei ist zunächst die Frage der völkerrechtlich verbindlichen Normen der Religionsfreiheit von Bedeutung.

Die Beschäftigung mit den strukturellen Bedingungen in Ägypten zeigt die konkreten Problemfelder für die Kopten auf. Bei der vorliegenden Studie wurde der Betrachtungszeitraum auf die Jahre 2000 bis 2010 eingegrenzt. Dieser zeichnet sich durch die überwiegende politische Kontinuität der autokratischen Regierung von Präsident Mubarak aus, auch wenn zunehmend gesellschaftliche Opposition entstand. Gerade die Entwicklungen des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert stellen die Grundlage für die heutige Situation dar. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Ereignisse des „Arabischen Frühlings“ von großer Bedeutung, denn die Zukunft des Landes am Nil scheint auch nach dem Sturz des islamistischen Präsident Mursi noch nicht klar zu sein.

Autor der Studie ist Michael Kaspar M.A. Die vorliegende Studie basiert auf seiner Magisterarbeit (Erlangen-Nürnberg), die von Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, dem Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats, betreut wurde.

“Religion wird zum Spielball der Politik in Malaysia“

Von Dr. Christoph Marcinkowski, Aachen

Dr. Christoph Marcinkowski, Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit. (Foto: missio)

Dr. Christoph Marcinkowski, Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit. (Foto: missio)

Der Autor ist Islamwissenschaftler und Menschenrechtsreferent bei missio Aachen. Er lehrte und forschte zwischen 1995 und 2012 in Malaysia und schreibt hier zum sogenannten Allah-Streit, der kommenden Mittwoch in die nächste juristische Runde geht. Ein Bundesgericht soll in Malaysia entscheiden, ob die katholische Kirche gegen das Verbot klagen darf, für Gott die landessprachliche Bezeichnung “Allah” zu verwenden. Im Oktober 2013 hatte dies ein Berufungsgericht so verfügt.

Der „Allah-Streit“ erneut vor Gericht

Die malaysische Verfassung erklärt den Islam zur Staatsreligion, während die Ausübung anderer Religionen gestattet wird. Viele religiöse Feiertage werden vom Staat auch offiziell als nationale Feiertage für alle Malaysier anerkannt. Doch genießen Malaien (Muslime) in Malaysia immer noch den privilegierten rechtlichen Status von „indigenous people“ (bumiputera), was sie z.B. bei Einstellungen im staatlichen Sektor oder bei der Kreditvergabe von Banken bevorzugt. Anderseits sehen sich Muslime, die den Islam verlassen möchten, Schikanen staatlicherseits gegenüber, denn die malaysische Verfassung versteht alle Malaien automatisch als Muslime. Die Kontroverse um den Gebrauch des Wortes Allah für “Gott“ wird durch nicht-muslimische Malaysier vom islamischen Establishment im Lande zu einem innenpolitischen Konfliktherd aufgebaut, der Schlimmes für die Zukunft des Landes zu verheißen droht.

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“Gemeinsamer Pakt der Religionen als Antwort auf religiöse Kämpfe”

missio Aachen und die Gemeinschaft Sant’Egidio haben am 19. Februar 2014 gemeinsam in Rom die Tagung “Religionen und Gewalt” ausgerichtet. Über seine persönlichen Eindrücke von der Konferenz schreibt hier Dr. Christoph Marcinkowski, Leiter der Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit bei missio. Er hat die Tagung mit geplant und organisiert. 

Dr. Christoph Marcinkowski, Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit (Mitte), mit Jerry White (rechts), Nobelpreisträger und Anti-Landminenaktivist, sowie Marco Impagliazzo, Präsident der Gemeinschaft Sant’ Egidio (links). Foto: missio

Dr. Christoph Marcinkowski, Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit (Mitte), mit Jerry White (rechts), Nobelpreisträger und Anti-Landminenaktivist, sowie Marco Impagliazzo, Präsident der Gemeinschaft Sant’ Egidio (links). Foto: missio

“Religionen und Gewalt” – dieses Thema ist über Religionsgrenzen hinweg verhandelt worden. An dem Treffen nahmen Diplomaten und religiöse Persönlichkeiten aus Europa, Asien, Afrika und dem Mittleren Osten teil. Unter den 18 Rednern waren unter anderem Walter Kardinal Kasper, ehemaliger Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Shaykh Abbas Shuman, Vizerektor der Al-Azhar Universität in Kairo, Riccardo di Segni, Rabbiner von Rom, und Sayyid Jawad al-Khoei, Präsident der weltweit vertretenen schiitischen Al-Khoei-Foundation. Rund 200 Teilnehmer kamen zur Konferenz.

„Gemeinsamer Pakt zwischen den Religionen“

Es sind Ereignisse, wie diese Konferenz, die mich persönlich positiv stimmen. Denn über Religionsgrenzen hinweg waren wir uns hier einig, dass es einen „gemeinsamen Pakt“ zwischen den Religionen geben sollte – als Antwort auf die ansteigenden religiösen Kämpfe in der Welt. Religion selbst ist mittlerweile auch Opfer von Gewalt. Gleichzeitig ist Frieden in der Welt nicht möglich, ohne Frieden zwischen den Religionen zu schaffen.  Die Konferenzteilnehmer plädierten daher für ein „Bündnis“ zwischen den Religionen, Kulturen und der Diplomatie weltweit, um für ein Ende der Gewalt aktiv zu werden. „Konferenzen wie diese müssen mehr sein als bloße ‘goodwill events‘, so Professor Dr. mult. Klaus Vellguth, der missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer auf der Konferenz vertrat. Dialog kann nur Früchte tragen in einem Klima von Gewaltlosigkeit, Religionsfreiheit und gegenseitigem Respekt“, ergänzte Vellguth. „Nur so kann das Ziel Frieden in der post-ideologischen und globalisierten Welt, in der wir leben, erreicht werden“. Dem stimme ich dezidiert zu.

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Ökumenische Gebetsstunde für Ägypten in Berlin

Von Dr. Christoph Marcinkowski, zur Zeit in Berlin

Dr. Christoph Marcinkowski ist Islamwissenschaftler und Leiter der missio Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit. Er war Gast der ökumenischen Gebetsstunde “Solidarität für die Christen in Ägpyten” am Donnerstagabend, 22. August, in der in der koptisch-orthodoxen Kirche St. Antonius und St. Shenoudan in Berlin-Lichtenberg. Hier sein Bericht:

Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki, Bischof Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche für Deutschland, und Bischof Dr. Markus Dröge von der evangelischen Kirche, beim ökumenischen Solidaritätsgebet für Ägypten am Donnerstagabend in der koptisch-orthodoxen Kirche St. Antonius und St. Shenouda, Berlin-Lichtenberg. Foto: Schnaubelt

Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki, Bischof Anba Damian, Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche für Deutschland, und Bischof Dr. Markus Dröge von der evangelischen Kirche, beim ökumenischen Solidaritätsgebet für Ägypten am Donnerstagabend in der koptisch-orthodoxen Kirche St. Antonius und St. Shenouda, Berlin-Lichtenberg. Foto: missio/Schnaubelt

Der Sturz von Ägyptens islamistischem Präsident Mursi und der zunehmend diktatorischen Regierung der Muslimbrüder durch das Eingreifen des Militärs hat die innenpolitischen Spannungen im Lande derart verschärft, dass man von einer tiefen Spaltung des Landes ausgehen kann. In bisher ungekanntem Ausmaß kommt es seitdem zu blutigen bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen, die bisher weit über 1.000 Menschen das Leben gekostet haben. Die Zukunft des Landes – sei es in innenpolitscher, geopolitischer, interreligiöser oder wirtschaftlicher Hinsicht – ist zur Zeit unklarer als je zuvor. Ägypten steht in diesem Jahr deshalb auch im Fokus von missios bundesweiter Kampagne zum Monat der Weltmission, die vom 4. bis zum 10. Oktober in Köln und Gummersbach eröffnet werden wird.

Die Kirche Ägyptens führt ihre Ursprünge auf den Evangelisten Markus zurück, der im ersten Jahrhundert in Alexandria den ersten Bischofssitz begründet haben soll. Neben der Gründung durch einen Evangelisten bezieht die Kirche des Landes ihren Stolz aus dem Aufenthalt der Heiligen Familie im Lande am Nil nach ihrer Flucht vor König Herodes.

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Malaysia: Neuer Nuntius im Visier der Islamisten

Von Dr. Christoph Marcinkowski, Aachen

Der Autor ist Islamwissenschaftler. Er lehrte und forschte zwischen 1995 und 2012 in Malaysia.

Dr. Christoph Marcinkowski, Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit. (Foto: missio)

Dr. Christoph Marcinkowski, Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit. (Foto: missio)

Basierend auf der Landesverfassung, respektiert die malaysische Regierung im Allgemeinen die Kultfreiheit. Die im Lande gängige Interpretation des Begriffes „Religionsfreiheit“ wie er in der Verfassung auftaucht, tendiert allerdings dahingehend, dass eine Person das Recht hat, seine Religion frei auszuüben, was eigentlich eher dem westlichen Verständnis von „Kultfreiheit“ entspricht, während der Begriff „Religionsfreiheit“ eigentlich weiter zu fassen wäre.

Die malaysische Verfassung erklärt den Islam zur Staatsreligion – bei einer nichtmuslimischen Minderheit von mehr als 40 Prozent –, während die Ausübung anderer Religionen gestattet wird. Viele religiöse Feiertage werden vom Staat auch offiziell als nationale Feiertage für alle Malaysier anerkannt.

Doch die verschiedenen „Identitäten“, ja Lebenswelten, in denen sich Malaysia und seine Bürger heute wiederfinden, werden schon bei einem kurzen Blick auf die folgenden Tatsachen deutlich: Malaysia ist eine konstitutionelle Monarchie, die sich am britischen parlamentarischen Westminster-System orientiert. Das Rechtssystem basiert auf dem englischen Common Law. Doch für Muslime gelten weiterhin noch Teile des islamischen Rechts.

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Malaysia – das multireligiöse Paradies nach den Wahlen

Von Dr. Christoph Marcinkowski, Aachen, Deutschland

Die Ruinen der portugiesischen St. Paul’s-Kirche in Malacca, Malaysia, aus dem 16. Jahrhundert mit der Statue des Heiligen Franz Xaver davor.

Die Ruinen der portugiesischen St. Paul’s-Kirche in Malacca, Malaysia, aus dem 16. Jahrhundert mit der Statue des Heiligen Franz Xaver davor.

Bei den malaysischen Wahlen vom 5. Mai 2013 zu Parlament (Dewan Rakyat) und Landesparlamenten in zwölf von 13 Bundesstaaten siegte die seit 1957, dem Jahr der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien, amtierende „National Front“-Koalitionsregierung, obwohl zuvor der Opposition gute Chancen ausgerechnet worden waren. Mit erheblichen Stimmenverlusten ging aber die von Premierminister Najib Tun Razak geführte Regierung als Sieger aus den Parlamentswahlen hervor. Sie gewann 133 von 222 Parlamentssitzen und ist mit 59,91 % der Sitze damit im Besitz der absoluten Mehrheit, verfehlt aber die Zweidrittelmehrheit. Die Wahlbeteiligung war mit 84,6 % außerordentlich hoch.

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