Archiv für Susanne Kruza

Indien: Wachsende Unsicherheit bei den Minderheiten

von Fr. Dominic Emmanuel SVD, Indien

Fr. Dominic Emmanuel SVD setzt sich für den interreligiösen Dialog in Indien ein. In Sukhdev Vihar, im Süden von Neu Delhi, leitet er das Institut für Kommunikation und Interreligiösen Dialog. Er arbeitete viele Jahre als Radiojournalist zum Thema “communal harmony” und wurde 2008 mit dem Preis “National Communal Harmony Award” in Indien geehrt. Er ist Mitbegründer des Parlaments der Religionen (Sarvadharam Sadbhav). Hier kritisiert er die Situation der religiösen Minderheiten in Indien und fragt sich, ob das Land zu einem “anderen Pakistan” abgleitet:

Fr Dominic Emmanuel SVD (Foto: privat)

Fr Dominic Emmanuel SVD (Foto: privat)

Bei seiner Rede vor der feierlichen Vereidigung im Plenarsaal des Parlaments sprach Premierminister Narendra Modi über das Parlament als den „Tempel der Demokratie“.

Noch immer bekommen wir Stellungnahmen zu hören wie etwa vom Minister Deepak Dhavlikar aus dem Bundesstaat Goa, denen zufolge „Premierminister Narendra Modi aus Indien künftig eine hinduistische Nation machen könnte, wenn er die uneingeschränkte und volle Unterstützung und den Rückhalt von ‚uns allen‘ bekäme“. So, als ob die 31 Prozent (der Gesamtstimmen bei den Parlamentswahlen) kein Votum für eine Entwicklung, sondern für eine hinduistische Nation gewesen wären.

Solche Leute scheinen taub für das zu sein, was der renommierte Jurist Fali S. Nariman beim siebenten jährlich stattfindenden Vortrag der Nationalen Kommission für Minderheiten (NCM) sagte, als er erklärte: „Wir bekommen nun schon fast täglich die Schmähreden von einer oder mehreren Personen oder Gruppen gegen die eine oder andere Bevölkerungsgruppe zu hören, die einer religiösen Minderheit angehört. Dabei wurde kritisiert, dass die Mehrheitsregierung nichts getan habe, um diese Schimpftiraden zu stoppen. Das meine auch ich.“

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Nigeria: „Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel“ (Bischof Stephen Dami Mamza)

Von Bischof Stephen Dami Mamza, Bischof von Yola, Nigeria

Bischof Stephen Dami Mamza teilt hier mit uns eine seiner Weihnachtsbotschaften, die er für seine Gemeinde in Nigeria geschrieben hat. Dabei erwähnt er auch die Leiden, die von Boko Haram verursacht worden sind und die Hoffnung in die Parlamentswahlen 2015. Eindrücklich ist sein Appell “Lasst Euch nicht als Schläger benutzen oder dazu, um irgendetwas Böses anzurichten.”

Bischof Stephen Dami Mamza (Foto: Bettina Tiburzy/ missio)

Bischof Stephen Dami Mamza (Foto: Bettina Tiburzy/ missio)

Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. (Lk 2,10-14)

Meine lieben Brüder und Schwestern in Christus,

es ist wieder Weihnachten – eine Zeit der Freude, eine Zeit der Gnade und der großen Erwartung. Es ist eine Zeit, in der Gott uns Seine große Liebe erweist. Es ist aber auch eine Zeit der Heilung und der wiedergewonnenen Stärke.

Die Ankunft Christi in der Welt hält für die vielen unterschiedlichen Menschen viele Bedeutungen bereit. Für uns in der christlichen Gemeinschaft ist sie in erster Linie eine Zeit der Hoffnung. Auch wenn wir vielleicht verzweifelt sind, wenn wir uns umschauen und die vielen grässlichen und schwierigen Situationen erkennen, in denen wir uns befanden oder die uns aufgezwungen wurden. Trotz aller Widrigkeiten, ist doch die Hoffnung eine noch größere Quelle, die uns Kraft gibt. Und trotz all der Schwierigkeiten dieses vergangenen Jahres vereinen wir doch unsere Stimme mit der des Apostels Paulus und erklären: „Denn wir sind gerettet, doch in der Hoffnung“ (Röm 8,24).

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Weihnachtsbotschaft aus Nigeria – von Bischof Stephen Dami Mamza aus Yola

Von Bischof Stephen Dami Mamza, Katholischer Bischof von Yola, Nordostnigeria

missio fragte Bischof Stephen Dami Mamza wie die Christen in Nigeria nach den vielen traurigen Ereignissen diesen Jahres Weihnachten feiern. Wir wollten wissen, wie die Weihnachtsbotschaft in Nigeria – bei den Vetriebenen, Verlassenen und Opfern der Familien von Boko Haram – aufgenommen wird, was die Ankunft Jesu Christi für sie bedeutet und ob sie Weihnachten Angst vor Terroranschlägen haben. Darauf antwortete uns Bischof Stephen Dami Mamza mit einer Weihnachtsbotschaft, die von Hoffnung getragen ist. Er bittet, für die Christen in Nigeria zu beten:

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. (Jes 9,1-6)

Meine geliebten Brüder und Schwestern in Christus,

Bischof Stephen Mamza (Bettina Tiburzy/missio).

Bischof Stephen Mamza (Bettina Tiburzy/missio).

Es ist wieder Weihnachten. Wir danken Gott für die Weihnachtszeit, in der wir die Ankunft des Erlösers als Menschen in die Welt feiern. Da die Geburt eines Kindes für die Familie immer eine Quelle der Freude und ein Zeichen der Hoffnung ist, ist die Geburt Jesu Christi unseres Erlösers für uns Christen das Zeichen der Freude und der Hoffnung für unser Leben und für unsere Welt.

Die meisten Christen in Nigeria befinden sich in einer schwierigen Situation, wenn sie Weihnachten 2014 feiern. Ihre Lage ist durch die jüngsten Ereignisse gekennzeichnet, die das Leben der Nation durch einen von der als „Boko Haram“ (was „westliche Bildung ist Sünde“ bedeutet) bezeichneten islamistischen Sekte angezettelten Aufstand bedroht haben. Diese Krise hat das Leben der Nation in letzter Zeit in Mitleidenschaft gezogen und ist noch nicht überwunden, da die meisten Menschen vertrieben wurden und noch immer nicht heimgekehrt sind – und ohne Aussicht darauf sind, wann sie zurückkehren, um ihr Land zurückzubekommen. Fehlendes Vertrauen hat ein ungesundes politisches Klima entstehen lassen, in dem Verdächtigungen, Ressentiments, Feindseligkeit und Rache das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Gruppen gestört haben. Die Religionsfreiheit und die Freiheit, Gott zu verehren sind aufgrund einer Schwächung des Sinnes für Toleranz bedroht – eine solche Situation lässt uns als Nation hoffnungslos und angstvoll in die Zukunft blicken. Die meisten Menschen werden fragen, wann wir wohl diese Probleme, die unser Leben und den Frieden bedrohen, endlich wieder loswerden.

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Pakistan: Erstes christliches Web-Radio auf Sendung

von Father Arthur Charles, Karachi/Pakistan

In der Islamischen Republik Pakistan, die kürzlich durch das Taliban-Attentat auf eine Schule in Peshawar erschüttert wurde, gibt es auch Lichtblicke. Am 22. November startete der Mediendienst Good News TV das erste christliche Online-Radio Pakistans. Ziel des Radiosenders ist die Verbreitung der Frohen Botschaft Jesu Christi im ganzen Land. “Wir wollen die Medien für Jesus einsetzen, um wirklich alle Menschen zu evangelisieren!“, sagt Father Arthur Charles aus Karachi, der das Projekt ins Leben rief. Das Radio dient auch Informationszwecken, greift Debatten aus der Gesellschaft auf, lädt Talkgäste ein und kommentierte das Attentat von Peshawar. Über das ambitionierte Radio-Projekt berichtet Father Arthur Charles:

Father Arthur Charles aus der Erzdiözese Karachi (Foto: privat)

Father Arthur Charles aus der Erzdiözese Karachi (Foto: privat)

Erzbischof Joseph Coutts und Erzbischof Emeritus Evarist Pinto waren am 22. November anwesend, um das Radio einzuweihen. Der Sender FM 777 wurde von Erzbischof Evarist Pinto in der St. Patrick-Highschool für Jungen in Karachi am Abend des Christkönigsfestes mit der allerersten Übertragung gestartet, die sofort auf Sendung ging. Über tausend Menschen aus ganz Karachi wohnten der Eröffnungsveranstaltung bei.

Mit dem Aufkommen des Breitbandinternets gehört das Radio zu einem der Online-Mediendienste. Es bietet Chancen, die es nirgendwo anders gibt, und damit schlägt es das traditionelle Radio. Diese neue Möglichkeit, Menschen zu erreichen, haben wir durch die Frohe Botschaft Jesu entdeckt. In unserer Zeit sind die Medien die wichtigsten Mittel für eine effektive Kommunikation. Wir müssen sie für Jesus einsetzen. Wir können nicht in die problematischen Orte und Länder gehen, um dort die Botschaft Jesu zu predigen, doch mit dem Einsatz der Medien können wir innerhalb eines Wimpernschlags die Botschaft Jesu überall hinbringen.

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Indien: Minderheiten stehen unter Beschuss

von Fr. Cedric Prakash SJ, Indien

Fr. Cedric Prakash ist Direktor von PRASHANT, dem jesuitischen Zentrum für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Frieden in Ahmedabad. In seinem Beitrag beschreibt er die schwierige Situation der Minderheiten in Indien und kritisiert, dass sich ihre Lage seit Modis Amtsantritt weiter verschlechtert hat:

Fr. Cedric Prakash SJ (Foto: privat)

Fr. Cedric Prakash SJ (Foto: privat)

Die Schlagzeilen einer der führenden Tageszeitungen im Bundesstaat Gujarat verkünden am 11. Dezember 2014 lautstark: „Angriff auf die Regierung wegen religiöser Bekehrungen“. Und so war es auch auf den Titelseiten aller anderen Zeitungen in ganz Indien zu lesen.

Wie zu erwarten war, zeigt sich bei der rechtsextremen indischen Regierung der Bhartiya Janata Party (BJP), die von Premierminister Narendra Modi geführt wird, der im Mai 2014 mit einer absoluten Mehrheit die Macht ergriff, dass man hier tatsächlich alles Mögliche tut, um aus Indien einen „hinduistisch geprägten Staat“ zu machen.

Wichtig für das Verständnis ist, dass die Wurzeln des gegenwärtigen politischen Regierungssystems Indiens in einer harmlos klingenden Organisation liegen – der Nationalen Freiwilligenorganisation Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS). Daneben gibt es mehrere Zweiginstitutionen unter einem riesigen Dach – unter der Bezeichnung „Sangh Parivar“ (Familienorganisation). Eine dieser Gruppen ist die „Bajrang Dal“, eine Gruppe von „Fußsoldaten“, die die eigentliche „Drecksarbeit“ erledigen. Der Streitpunkt, der Indien derzeit so erschüttert, besteht darin, dass diese rechtsextremen Gruppen die List ersinnen, „Tausende von Christen und Muslime im ganzen Land zum Hinduismus zu rekonvertieren“. Sie nennen das „ghar-wapasi“ (Heimkehr).

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Ägypten: “Christen erfahren seit Al-Sisi mehr Sicherheit” (Bischof Kyrillos William)

von Bischof Kyrillos William, Ägypten

Kyrillos William ist Bischof von Assiut in Mittelägypten. Er engagiert sich für den interreligiösen Dialog. Seit 1991 ist er Sekretär der koptisch-katholischen Synode Ägyptens und Präsident der Liturgiekommission. Hier schreibt er über die aktuelle Situation im Land und zieht eine positive Bilanz für die Lage der Christen in Ägypten:
Bischof Kyrillos William war 2013 missio Gast zur Kampagne "Monat der Weltmission" zu Ägypten (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Bischof Kyrillos William war 2013 Gast der missio-Kampagne zu Ägypten “Monat der Weltmission” (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Die Lage in Ägypten ist normal, sieht man einmal von einigen terroristischen Anschlägen und Explosionen ab, die hier und da von Zeit zu Zeit von Seiten der muslimischen Brüder verübt werden, um zu verkünden, dass sie noch da sind. Doch man könnte auch einfach nur feststellen, dass die Menschen auf der Straße ihnen zunehmend eine Abfuhr erteilen. Am 28. November – am Abend vor der Verkündigung des Urteils gegen Mubarak – wollten sie noch „das ganze Land in Schutt und Asche legen“ – der Tag selbst aber verlief dann ohne irgendwelche erwähnenswerten Ereignisse. Mubarak wurde übrigens nur eines einzigen Tatbestandes für unschuldig erklärt: des Blutes der Märtyrer des 25. Januar – doch das bedeutet nicht, dass er der Korruption, der Diktatur und des Zerfalls des Landes für unschuldig erklärt worden wäre. Die Menschen auf der Straße Ägyptens beginnen, sich dieser Situation bewusst zu werden, und der Generalstaatsanwalt hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Die Demokratiebewegung macht langsam einige Schritte vorwärts, wir erwarten die Parlamentswahlen noch vor März 2015, womit der am 3. Juli 2013 aufgestellte Plan umgesetzt sein wird. Noch krankt die Wirtschaft, doch viele Zeichen geben Anlass zu großer Hoffnung: Das gigantische Projekt des neuen Suez-Kanals wird zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen, auf nationaler Ebene werden weitere kleine Projekte realisiert, der Tourismus entwickelt sich wieder von neuem… Die Zentralregierung unternimmt regelmäßige Visiten und Kontrollbesuche in Oberägypten, dem seit Jahrhunderten lang vernachlässigten, südlich von Kairo gelegenen Teil Ägyptens. Wir vertrauen zunächst auf die göttliche Vorsehung, aber auch auf die Willensstärke des ägyptischen Volkes.

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Sansibar/Tansania: Priester überlebt Säureattentat – Interview mit Father Anselmo

Wer Father Anselmo anschaut, sieht in sein vernarbtes Gesicht. Dort, wo Touristen aus der ganzen Welt an endlos langen Sandstränden ihr Urlaubsglück genießen, wurde Anselmo ausspioniert, bedroht und kam bei einem Säureattentat fast ums Leben. Er wurde angegriffen, weil er katholischer Priester ist. Derzeit wird Father Anselmo in Soest/NRW behandelt. Lukas Schröder* und Tobias Schulte* trafen ihn in Paderborn.

Father Anselmo, Sie wurden als katholischer Priester Opfer eines brutalen Säureattentates in Ihrer Heimat Sansibar. Zunächst: Was waren dort Ihre Aufgaben?
Seit 1976 lebe ich auf Sansibar und war als Priester tätig. Neben den Aufgaben in der Pfarrei war ich für die Seelsorge in den Bereichen Krankenhaus, Gefängnis, Militär und Tourismus zuständig.

Erst wurden Sie bedroht, bis schließlich der 13. September 2013 Ihr Leben völlig verändert hat. Was genau ist passiert?

Father Anselmo in Paderborn (Foto: f1rstlife).

Father Anselmo in Paderborn (Foto: f1rstlife).

Im Vorfeld wurde ich bereits mehrfach von den Terrorbanden bedroht. Ich sollte Sansibar verlassen, ansonsten würde man mich umbringen. Am 13. September war ich in einem Internetcafé in Stone Town. Als ich das Café verlassen hatte, passiert es: Während ich telefonierte, sah ich, wie jemand von der Seite kam und die Säure über mich kippte. Ich hatte sofort furchtbare Schmerzen und betete zu Gott, dass er mir hilft, die Situation zu überstehen. Dann schrie ich um Hilfe, sank zu Boden und wurde bewusstlos.

Was geschah dann? Wie wurde Ihnen geholfen?
Darüber kann ich nur spekulieren. Erst im Krankenhaus kam ich wieder zu mir. Da die Gesundheitsversorgung in Tansania sehr schlecht ist, ließ man mich zur Behandlung nach Indien ausfliegen. Dort wurde ich operiert und blieb drei Monate zur Genesung. Doch zurück auf Sansibar schmerzten meine Narben so sehr, dass ich ein weiteres Mal in Indien operiert werden musste.

Die Christen sind auf Sansibar deutlich in der Minderheit. Immer wieder hören wir Berichte von Gewalt gegen die Christen. Wie ist ihre Situation auf Sansibar?
Zwar gibt es eine lange christliche Tradition auf Sansibar, jedoch sind etwa 97 Prozent der Bevölkerung muslimisch und nur 12.000 Menschen katholisch. Viele Jahre hat das Zusammenleben funktioniert. Doch in den letzten Jahrzehnten hat sich die politische Situation stark verändert und Teile der muslimischen Bevölkerung haben sich radikalisiert. Die Gruppierung Uamsho tritt dabei besonders brutal auf. Dieser Terrorismus wird von den arabischen Staaten finanziert. Terror gegen Christen ist zu einem gut bezahlten Business geworden.

Mit welchen Einschränkungen und Unterdrückungen müssen die Christen leben?

Father Anselmos Narben (Foto: f1rstlife).

Father Anselmo hat am 21. Januar 2015 eine Privataudienz bei Papst Franziskus
(Foto: f1rstlife).

Das gesamte Christentum ist zur Zielscheibe geworden: Kirchengebäude werden angegriffen, Gläubige bedroht, in den öffentlichen Schulen müssen sich die christlichen Mädchen verschleiern oder werden mit muslimischen Männern zwangsverheiratet. Ein Priester ist erschossen worden,

ein weiterer hat ein Attentat nur knapp überlebt. Alle Christen haben große Angst, viele sind bereits geflüchtet. Große Zelebrationen, wie die Gottesdienste jetzt zu Weihnachten oder Ostern, müssen durch die Polizei beschützt werden.

Von der Regierung und der Polizei bekommt die christliche Minderheit also Unterstützung?

Davon kann nicht die Rede sein, im Gegenteil. Sansibar leidet unter der großen Korruption. Polizei und Gesetzeshüter wollen nicht Recht oder Ordnung herstellen, sondern nur Geld kassieren. Der Brutalität gegenüber Christen steht die Regierung völlig untätig gegenüber. Wir Christen sind darüber sehr verärgert. Auch an einer konsequenten Strafverfolgung der Attentäter, die mich mit Säure übergossen haben, hat die Regierung keinerlei Interesse.

Sansibar gilt als idyllisches Urlaubsparadies mit langen Sandstränden und hellblauen Meer. Bekommen die Touristen von dem Leid der Christen vor Ort nichts mit?
Sansibar ist wunderschön und lebt größtenteils vom internationalen Tourismus. Da es jedoch bereits Entführungen und Mordanschläge gab, können Touristen nur in Gruppen und in gewissen Bereichen unterwegs sein. Von der großen Schere zwischen Arm und Reich in der Bevölkerung und dem Leid der überwiegend sehr armen Christen bekommen die Gäste kaum etwas mit.

Wird das Christentum auf Sansibar in naher Zukunft völlig verschwinden?
Wegen der gefährlichen Situation sind einige Priester geflüchtet; eine Priesterweihe konnten wir schon seit sieben Jahren nicht mehr feiern. Unsere Lage ist vergleichbar mit der in anderen afrikanischen Ländern, zum Beispiel in Somalia und Nordnigeria. Doch verschwinden wird das Christentum nicht! Trotz der Verfolgung wächst die christliche Gemeinde, wenn auch nur langsam.
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