Tag-Archiv für Ägypten

Wahlen in Ägypten: Hohe Teilnahme von Katholiken und Frauen

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Rafic Greiche. Foto: INT

Rafic Greiche, Sprecher der koptisch-katholischen Bischofskonferenz in Ägypten, hat eine hohe Wahlbeteiligung der Christen und Katholiken bei den aktuellen ägyptischen Parlamentswahlen beobachtet. Dies sagte er unmittelbar nach Schließung der Wahllokale am heutigen Montagabend gegenüber missio Aachen.

“Die Christen und gerade die Katholiken wollen verhindern, dass die Islamisten und Salafisten zu viele Sitze im Parlament erobern können”, so Greiche. Den höchsten Anteil unter denjenigen, die tatsächlich wählten, stellten die Frauen. Das sei bemerkenswert, berichtete der koptisch-katholische Priester weiter. “Mehr als ältere Leute und die Jugend”, sagte Greiche.
Die Christen und Katholiken gehen wählen, weil sie verhindern wollen, dass Islamisten zu viele Sitze im Parlament gewinnen.
Die ägyptischen Wahlen sind zweigeteilt, die nächste Runde findet am 21. und 22. November statt. Bisher, so Greiche gegenüber missio, sei die Wahlbeteiligung mit 16 Prozent sehr niedrig.

Entscheidung zwischen Gut und Böse – wie ägptische Christen über die IS-Mörder denken

Milizionäre der Terrorgruppe des sogenannten Islamischen Staats (IS) in Libyen haben Mitte Februar 21 koptische Christen aus Ägypten enthauptet. Von dieser Tat existiert ein Propagandavideo des IS, das die ägyptischen Christen in orangenen Anzügen am Meer zeigt, wie sie von den Milizionären der Terrorgruppe in schwarzen Anzügen zur Enthauptung geführt werden.  Die ägyptische Bibelgesellschaft reagiert auf diese Gräueltat nicht mit Hass, sondern mit einem Flyer, der dieses Bild als Symbol dafür thematisiert, dass die Menschen sich immer zwischen Gut und Böse entscheiden müssen – und die koptischen Christen auf der Seite der Guten stehen, die tatsächlich Gottesgläubige sind und ins Paradies eingehen. Das Büro des koptisch-katholischen Patriarchen von Ägypten stellte den Flyer missio zur Verfügung. 

Two Rows by the Sea

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missio Aachen: Tiefe Betroffenheit über Hinrichtung von 21 koptischen Christen

War im Oktober 2013 Gast bei missio Aachen gewesen: Der koptisch-katholische Patriarch Ibrahim Isaac Sedrak (mitte); rechts missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer, links missio-Vizepräsident Dr. Gregor von Fürstenberg. Foto: missio

War im Oktober 2013 Gast bei missio Aachen gewesen: Der koptisch-katholische Patriarch Ibrahim Isaac Sedrak (mitte); rechts missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer, links missio-Vizepräsident Dr. Gregor von Fürstenberg. Foto: missio

“Wir haben unseren Partnern in Ägypten unsere tiefe Betroffenheit und Solidarität ausgedrückt”. Mit diesen Worten hat Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio in Aachen, auf das jüngste Terrorverbrechen des sogenannten Islamischen Staates (IS) und dessen Unterstützer in Libyen reagiert. Fr. Rafic Greiche, Sprecher der koptisch-katholischen Bischofskonferenz in Ägypten, bat gegenüber missio die Öffentlichkeit in Deutschland um Friedensgebete und Unterstützung der Arbeit der Kirche in Ägypten, wie sie auch missio leiste.

Terrorgruppen wie der sogenannte Islamische Staat missbrauchen Religion für bloße Machtpolitik

Gleichzeitig warnte missio-Präsident Prälat Krämer davor, solche Verbrechen wie jetzt in Libyen dem Islam als Religion insgesamt anzurechnen. „Terrorgruppen wie der Islamische Staat missbrauchen die Religion für machtpolitische Zwecke und wollen mit einer Interpretation ihrer Religion die Menschen gegeneinander aufhetzen, um dann wiederum von diesem Klima des Hasses und der Instabilität zu profitieren“, so Prälat Dr. Krämer.

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Ägypten: “Christen erfahren seit Al-Sisi mehr Sicherheit” (Bischof Kyrillos William)

von Bischof Kyrillos William, Ägypten

Kyrillos William ist Bischof von Assiut in Mittelägypten. Er engagiert sich für den interreligiösen Dialog. Seit 1991 ist er Sekretär der koptisch-katholischen Synode Ägyptens und Präsident der Liturgiekommission. Hier schreibt er über die aktuelle Situation im Land und zieht eine positive Bilanz für die Lage der Christen in Ägypten:
Bischof Kyrillos William war 2013 missio Gast zur Kampagne "Monat der Weltmission" zu Ägypten (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Bischof Kyrillos William war 2013 Gast der missio-Kampagne zu Ägypten “Monat der Weltmission” (Foto: Hartmut Schwarzbach/missio).

Die Lage in Ägypten ist normal, sieht man einmal von einigen terroristischen Anschlägen und Explosionen ab, die hier und da von Zeit zu Zeit von Seiten der muslimischen Brüder verübt werden, um zu verkünden, dass sie noch da sind. Doch man könnte auch einfach nur feststellen, dass die Menschen auf der Straße ihnen zunehmend eine Abfuhr erteilen. Am 28. November – am Abend vor der Verkündigung des Urteils gegen Mubarak – wollten sie noch „das ganze Land in Schutt und Asche legen“ – der Tag selbst aber verlief dann ohne irgendwelche erwähnenswerten Ereignisse. Mubarak wurde übrigens nur eines einzigen Tatbestandes für unschuldig erklärt: des Blutes der Märtyrer des 25. Januar – doch das bedeutet nicht, dass er der Korruption, der Diktatur und des Zerfalls des Landes für unschuldig erklärt worden wäre. Die Menschen auf der Straße Ägyptens beginnen, sich dieser Situation bewusst zu werden, und der Generalstaatsanwalt hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Die Demokratiebewegung macht langsam einige Schritte vorwärts, wir erwarten die Parlamentswahlen noch vor März 2015, womit der am 3. Juli 2013 aufgestellte Plan umgesetzt sein wird. Noch krankt die Wirtschaft, doch viele Zeichen geben Anlass zu großer Hoffnung: Das gigantische Projekt des neuen Suez-Kanals wird zahlreiche neue Arbeitsplätze schaffen, auf nationaler Ebene werden weitere kleine Projekte realisiert, der Tourismus entwickelt sich wieder von neuem… Die Zentralregierung unternimmt regelmäßige Visiten und Kontrollbesuche in Oberägypten, dem seit Jahrhunderten lang vernachlässigten, südlich von Kairo gelegenen Teil Ägyptens. Wir vertrauen zunächst auf die göttliche Vorsehung, aber auch auf die Willensstärke des ägyptischen Volkes.

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Ägypten: einberufene Konferenz der Al Azhar Universität verurteilt Fundamentalismus

von Rafic Greiche, Ägypten

Die Al Azhar-Universität, die angesehene islamische Universität der sunnitischen Welt veranstaltete vom 3. bis 4. Dezember zum ersten Mal eine internationale Konferenz zur Bekämpfung des Terrorismus in Anwesenheit von 120 Teilnehmern von muslimischer Seite als auch von Christen aus dem Osten (Thema: Islam und Gewalt – Islamistische Gewalt verzerrt die Religion). Die Patriarchen des Ostens wohnten der Tagung entweder selbst bei oder sandten einen hochrangigen Vertreter. Das Oberhaupt der Koptisch-Orthodoxen Kirche, Papst Tawadros II., nahm ebenfalls teil und war gemeinsam mit dem Großimam Scheich Ahmad Mohammad al-Tayyeb stellvertretender Vorsitzender der Eröffnungssitzung.

Ich fasse die wichtigsten Ergebnisse der Konferenz zusammen:

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Rafic Greiche ist Sprecher der ägyptischen Katholischen Bischofskonferenz. (Foto: INT)

1. Die Konferenz betonte, dass Terrorismus und Fundamentalismus nicht aus dem Islam stammen und dass Gruppen, die in diesem Sinne im Namen der Religion agieren, der Welt nicht den wahren Islam zeigen, sondern ein verschwommenes Bild von ihm vermitteln (sie sagen nicht, dass sie „kafir“ – Ungläubige – sind; in einigen Vorträgen hieß es, sie seien wie die „Charidschiten“).

2.In der letzten Erklärung wurde hervorgehoben, dass die Christen und alle anderen Religionsangehörigen in der Region wie die Muslime untereinander Brüder und Bürger sowie Eigentümer desselben Landes sind, und dass sie seit Menschengedenken zusammenleben. Die Christen wurden aufgefordert, fest verwurzelt in ihren Heimatländern zu bleiben, diese nicht zu verlassen oder zu emigrieren, sondern abzuwarten, bis diese Welle des Terrorismus vorübergegangen ist, denn wenn sie weggehen, geben sie diesem Terrorismus die Gelegenheit, sein Ziel zu erreichen.

3. Die letzte Erklärung prangerte zudem einige westliche Regierungen, ihre geistige Elite sowie ihre Medien an, die Taten der Terroristen mit denen der Muslime zu vermischen, und sie forderte sie auf, fair zu bleiben und die beiden nicht miteinander zu vermengen und ihrer Bevölkerung gegenüber den wahren Islam korrekt darzustellen.

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Katholischer Koptischer Patriarch von Ägypten verurteilt Terroranschlag

Patriarch Irbahim. Foto: missio

Patriarch Irbahim. Foto: missio

Am vergangenen Freitag, 24. Oktober, ist in Ägypten ein Anschlag auf die ägyptische Armee mit 27 Toten verübt worden. Dazu hat der katholisch-koptische Patriarch von Ägypten, Patriarch Ibrahim, eine Erklärung gegeben, die missio vorliegt:

Aus dem Französischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

In der aktuellen Lage, in der sich unser geliebtes Heimatland Ägypten befindet, während wir das Fundament für eine neue Etappe voller Hoffnung und Licht für alle Ägypter legen, die sich nach einer besseren Zukunft sehnen, was von uns allen – vom Volk wie von der Regierung – Einigkeit verlangt, sprechen wir Seiner Exzellenz, dem Präsidenten der Republik, Feldmarschall Abdel-Fattah el-Sisi, wie auch allen tapferen ägyptischen Streitkräften unser tiefes Beileid aus. Ebenso bekunden wir den Familien der mutigen Märtyrer unser Beileid und sind uns gewiss, dass das Blut der Märtyrer Same des Fortschritts und nicht vergebens vergossen ist. Ein solcher Vorfall ist Ägypten nicht fremd, das als Land im Laufe seiner Geschichte zur Mutter von Märtyrern und zum Land der Hingabe geworden ist – und dessen stolzes Volk sich von Schwierigkeiten nicht erschüttern lässt.

Wir verkünden es mit einer Stimme: Wir Ägypter sind ein Volk, vereint mit dem Präsidenten und der Armee Ägyptens – die sich aus den besten Soldaten zusammensetzt – und alle sind wir bereit, uns als Pfand für Ägypten und jedes einzelne Sandkorn des Sinai einzusetzen.

Mögen die Seelen der Märtyrer sich zum Triumphzug der Glorreichen erheben, nachdem sie die Stätte der Heimat mit dem Licht der Freiheit entzündet haben. Zugleich beten wir für die Verletzten, dass Gott ihnen die Gnade einer schneller Genesung verleihe.

Im Namen der Katholischen Kirche Ägyptens und der Versammlung ihrer Patriarchen und Bischöfe, ihrer Priester und ihres Volkes,

Patriarch Ibrahim

Patriarch von Alexandrien für die katholischen Kopten

Präsident der Versammlung der Katholischen Patriarchen und Bischöfe in Ägypten

Rafic Greiche: “Die katholische Kirche in Ägypten hofft, dass IS nicht nach Ägypten gelangt“

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Rafic Greiche war bei der missio-Kampagne “Monat der Weltmission” 2013 in Deutschland zu Gast. (Foto: INT)

Von Rafic Greiche, Sprecher der katholischen Bischofskonferenz von Ägypten

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Was hat sich geändert – ein Jahr nach dem Sturz des Ex-Präsidenten Mursi? Das fragt sich Rafic Greiche, Sprecher der katholischen Bischofskonferenz von Ägypten, und zieht eine Bilanz. Neben den Geschehnissen in Ägypten schaut er sorgenvoll auf die aktuellen Probleme im Gazastreifen und im Irak.

Wie sieht es in Ägypten nach einem Jahr der Misswirtschaft des Ex-Präsidenten Mursi und seiner Muslimbruderschaft aus? Da dass eine Frage ist, die für die Zukunft Ägyptens und seiner Freunde in der internationalen Gemeinschaft äußerst wichtig ist, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit zurückblicken. Wir müssen uns ansehen, was in Ägypten während der Zeit der Muslimbruderschaft geschah, als nichts richtig funktionierte – weder im Alltag noch auf rechtsstaatlicher Ebene. In diesem Jahr standen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen auf der Tagesordnung sowie die Gefährdung durch Fundamentalisten und Terroristen, die Kirchen in Brand setzten, Zivilisten töteten und militärische und polizeiliche Einrichtungen in die Luft sprengten, um den Staat zu schwächen und weiteres mehr. Mehr lesen