Tag-Archiv für Ägypten

Rafic Greiche: “Die katholische Kirche in Ägypten hofft, dass IS nicht nach Ägypten gelangt“

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Rafic Greiche war bei der missio-Kampagne “Monat der Weltmission” 2013 in Deutschland zu Gast. (Foto: INT)

Von Rafic Greiche, Sprecher der katholischen Bischofskonferenz von Ägypten

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Was hat sich geändert – ein Jahr nach dem Sturz des Ex-Präsidenten Mursi? Das fragt sich Rafic Greiche, Sprecher der katholischen Bischofskonferenz von Ägypten, und zieht eine Bilanz. Neben den Geschehnissen in Ägypten schaut er sorgenvoll auf die aktuellen Probleme im Gazastreifen und im Irak.

Wie sieht es in Ägypten nach einem Jahr der Misswirtschaft des Ex-Präsidenten Mursi und seiner Muslimbruderschaft aus? Da dass eine Frage ist, die für die Zukunft Ägyptens und seiner Freunde in der internationalen Gemeinschaft äußerst wichtig ist, müssen wir ein wenig in die Vergangenheit zurückblicken. Wir müssen uns ansehen, was in Ägypten während der Zeit der Muslimbruderschaft geschah, als nichts richtig funktionierte – weder im Alltag noch auf rechtsstaatlicher Ebene. In diesem Jahr standen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen auf der Tagesordnung sowie die Gefährdung durch Fundamentalisten und Terroristen, die Kirchen in Brand setzten, Zivilisten töteten und militärische und polizeiliche Einrichtungen in die Luft sprengten, um den Staat zu schwächen und weiteres mehr. Mehr lesen

Neue missio-Menschenrechtsstudie über koptische Kirche in Ägypten

Titelblatt der neuen Menschenrechtsstudie über die Kopten in Ägpyten. Foto: missio

Titelblatt der neuen Menschenrechtsstudie über die Kopten in Ägpyten. Foto: missio

Die missio-Menschenrechtsstudie 56 „Die Situation der koptisch-orthodoxen Kirche in Ägypten“ (sie können die Studie hier herunterladen) bietet eine Analyse der Beeinträchtigungen von koptischen Christen in Ägypten. Hierbei ist zunächst die Frage der völkerrechtlich verbindlichen Normen der Religionsfreiheit von Bedeutung.

Die Beschäftigung mit den strukturellen Bedingungen in Ägypten zeigt die konkreten Problemfelder für die Kopten auf. Bei der vorliegenden Studie wurde der Betrachtungszeitraum auf die Jahre 2000 bis 2010 eingegrenzt. Dieser zeichnet sich durch die überwiegende politische Kontinuität der autokratischen Regierung von Präsident Mubarak aus, auch wenn zunehmend gesellschaftliche Opposition entstand. Gerade die Entwicklungen des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert stellen die Grundlage für die heutige Situation dar. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund der Ereignisse des „Arabischen Frühlings“ von großer Bedeutung, denn die Zukunft des Landes am Nil scheint auch nach dem Sturz des islamistischen Präsident Mursi noch nicht klar zu sein.

Autor der Studie ist Michael Kaspar M.A. Die vorliegende Studie basiert auf seiner Magisterarbeit (Erlangen-Nürnberg), die von Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, dem Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats, betreut wurde.

Untersuchung: Gewalt gegen Kopten hält in Ägypten an

Die Nachrichtenagentur Fides der Päpstlichen Missionswerke meldet heute, Donnerstag, 27. März:

Nach Aussage der Unersuchungskommission, die nach den Ausschreitungen vom 30. Juni gebildet wurde und die sektiererischen Gewalt im Land beobachten soll, die im Land auch nach dem Sturz des Präsidenten Mursi anhält, ist die Gewalt und die Übergriffe gegen koptische Christen in vielen Teilen des Landes endemisch, insbesondere in den Verwaltungsregionen Luxor, Sohag und Aswan. Dies dokumentiert die Kommission in einem am 24. März veröffentlichten Bericht, der Entführungsfälle, Enteignung von Wohnungen, Plünderungen von Geschäften aufführt, deren Opfer vor allem ägyptische Kopten sind. Dieses besorgniserregende Bild entstand auf der Grundlage von Gesprächen mit Vertretern der Gemeinden und Bürgerbewegungen und mit Hilfe von Dokumenten, die Augenzeugen der Gewalt zur Verfügung stellen.

Meldung im Original können Sie hier lesen.

Endgültige Urteile frühestens in drei bis vier Jahren

Von Rafic Greiche, Sprecher der koptisch-katholischen Bischofskonferenz von Ägypten

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Hier eine kurze Einschätzung des Todesurteils in Ägypten für 529 Anhänger der Muslimbruderschafter:

Es war ein unerwarteter Richterspruch, mit dem 529 Anhänger der Muslimbruderschaft zum Tode verurteilt wurden – als Strafe für ihren Überfall und das Niederbrennen von Kirchen sowie für die Ermordung von Ägyptern im letzten Sommer.

Das Urteil wurde über 529 Personen ausgesprochen, doch es waren nur 400 angeklagt. Das Urteil wurde in ihrer Abwesenheit verkündet, da sie sich der Justiz durch Flucht entzogen hatten. Daher muss über sie die Höchststrafe verhängt werden, bis sie sich stellen und in Haft genommen werden. Wie die anderen haben auch sie noch immer den Anspruch auf zwei Berufungs- und Wiederaufnahmeverfahren, bis es zu einem endgültigen Urteil kommt, das nicht unbedingt auf die Todesstrafe hinauslaufen muss.

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Ägypten: Todesstrafen könnten Märtyrer schaffen

Matthias Vogt ist Islamwissenschaftler und missio-Referent. Foto: missio / Kößmeier

Matthias Vogt ist Islamwissenschaftler und missio-Referent. Foto: missio / Kößmeier

Mehr als 500 Muslimbrüder sind gestern in Ägypten zum Tode verurteilt worden. Die Justiz warf Ihnen unter anderem vor, an der Ermordung eines Polizeikommandanten beteiligt gewesen zu sein. Für heute ist ein weiterer Prozess gegen mehr als 600 Muslimbrüder angesetzt. Sophia Michalzik vom Internetportal Katholisch.de hat mit Matthias Vogt, Islamwissenschaftlicher und stellvertretender Leiter der missio-Abteilung Ausland, über mögliche Folgen gesprochen. Das komplette Interview lesen Sie hier bei katholisch.de, einige Auszüge schon hier:

Frage: Herr Vogt, wie empfinden Sie das Urteil?

Vogt: Es ist natürlich ein äußerst hartes Urteil. Als grundsätzlicher Gegner der Todesstrafe möchte ich es ohnehin nicht billigen. Das Urteil wird – sofern es ausgeführt wird – den Muslimbrüdern außerdem eine ganze Menge Märtyrer schaffen, mit der Gefahr, dass der Einfluss der Muslimbrüder letztlich in Ägypten doch wieder wächst. Damit würde dann genau das Gegenteil erreicht werden von dem, was der harte Kurs der Übergangsregierung eigentlich erreichen möchte; nämlich den Einfluss der Muslimbrüder in der Gesellschaft Ägyptens zurückzudrängen.

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Ökumenischer Weltgebetstag – Solidarität mit Ägyptens Frauen

missio Aachen ruft heute zur Teilnahme am ökumenischen Weltgebetstag der Frauen auf. Schon 2013 knüpfte das katholische Hilfswerk eine Frauengebetskette mit Ägypten.

Titelblatt der Unterlagen für die missio-Frauengebetskette. Foto: missio

Titelblatt der Unterlagen für die missio-Frauengebetskette. Foto: missio

Hoffnung wecken für Ägyptens Frauen will der ökumenische Weltgebetstag 2014 am heutigen Freitag, 7. März. Sein Thema ist: „Wasserströme in der Wüste“. Zur Teilnahme ruft auch das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen auf. Schon im vergangenen Oktober war Ägypten das Beispielland des Monats der Weltmission von missio gewesen. Dabei war auch eine Frauengebetskette mit ägyptischen Christinnen geknüpft worden, an der neben missio der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB), die katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und das Bistum Essen beteiligt waren.

Für missio spielt die Frage der Frauenbildung in Ägypten eine besondere Rolle. In der dortigen Gesellschaft gibt es sehr gut ausgebildete Frauen. Aber besonders in den ländlichen Gebieten leben viele Frauen, die weder lesen noch schreiben können. Von den 80 Millionen Einwohnern Ägyptens sind rund 15 Millionen Analphabeten, 70 Prozent davon sind Frauen. Sie hatten nie die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen.

Die Stellung der Frauen in der patriarchalen Gesellschaft Ägyptens ist auch ein wichtiger Grund für deren (Bildungs-) Armut. Analphabetin zu sein heißt, abhängig zu sein, keinen oder nur sehr begrenzten Zugang zu Informationsquellen zu haben, wenig über die eigenen Rechte zu wissen.

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Gebetswoche für die Einheit der Christen in Ägypten

Father Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Rafic Greiche ist auch Herausgeber einer christlichen Wochenzeitung in Kairo. Foto: INT

Heute, am 12.2.2014, ist feierlicher Höhepunkt der Gebetswoche für die Einheit der Christen mit dem koptisch-orthodoxen Patriarchen Papst Tawadros. Dies teilte Rafic Greiche, Sprecher der Katholischen Bischofskonferenz in Ägypten, dem internationalen katholischen Hilfswerk missio mit. „Das Gebetstreffen“, so Rafic Greiche „ist eine Chance gemeinsam für die Einheit der Christen und für ein besseres Klima zwischen den verschiedenen Kirchen zu beten, für mehr Nächstenliebe miteinander und Öffnung gegenüber den anderen.“ Seit dem 8. Februar treffen sich die Gläubigen in jeweils verschiedenen Kirchen in unterschiedlichen Stadtteilen Kairos zum gemeinsamen Gebet. Laut Rafic Greiche ist dies gerade auch im Kontext der schwierigen Lage Ägyptens wichtig. Die Gebetswoche endet am 14. Februar.