Tag-Archiv für Diskriminierung

Islamisten machen Druck: Blasphemie-Gesetz in Indonesien

Pater Franz Magnis-Suseno

Pater Franz Magnis-Suseno

Der ehemalige Gouverneur von Jakarta und Christ, Basuki Tjahaja Purnama („Ahok“), wurde jetzt in Indonesien wegen Blasphemie zu zwei Jahren Haft verurteilt. Das Blasphemie-Gesetz in Indonesien gibt es seit 1965 und soll – so seine ursprüngliche Absicht – die Diskriminierung von religiösen Minderheiten verhindern. Stattdessen wird es mittlerweile instrumentalisiert, für politische Zwecke und gegen religiöse Minderheiten missbraucht. Der in Deutschland geborene Jesuit Professor em. Dr. Franz Magnis-Suseno lebt seit 1961 in Indonesien, ist indonesischer Staatsbürger und kennt sich mit den Strukturen im Land mit der größten muslimischen Bevölkerungszahl weltweit aus. Für missio Aachen erklärt er hier die gegenwärtige Lage und politischen Hintergründe nach der Verurteilung von Basuki Tjahaja Purnama („Ahok“).

Die fanatischen islamischen Gegner von Ahok haben erreicht, wofür sie sieben Monate lang gekämpft hatten.Beeindruckend war aber, dass seit Ahoks Gefängnisantritt in ganz Indonesien Tausende von Menschen sich mit brennenden Kerzen und anderen Symbolen mit Ahok solidarisierten. Sie versammelten sich vor dem Gefängnis und zeigten, wie sehr sie Ahok lieben und wie sehr sie die Verurteilung verletzt hat.

In einigen Gegenden mit einem starken christlichen Bevölkerungsanteil ist wichtig, dass sich nicht antiislamische Töne in die pro-Ahok Bewegung einschleichen.

Diese Solidarisierung umfasst Christen, Hindus, Buddhisten und Muslime. Allerdings ist, vor allem in einigen Gegenden mit einem starken christlichen Bevölkerungsanteil wichtig, dass sich nicht antiislamische Töne in die pro-Ahok Bewegung einschleichen. Das könnte zu gefährlichen Konfrontationen führen, womit die islamischen Fanatiker gerade ihr Ziel erreicht hätten.

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Religionsfreiheit in Indien unter Druck

Sieben Christen aus der Region Kandhamal im Nordosten Indiens sind zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie sollen im August 2008 einen Hindu-Geistlichen ermordet haben. Anschließend brachen Unruhen gegen Christen aus. Rund 100 Menschen starben, mehr als 50.000 mussten fliehen, mehrere tausend Wohnhäuser brannten nieder, etwa 300 kirchliche Gebäude wurden in Kandhamal zerstört.

Sitzen unschuldig im Gefangnis (v.l.n.r./v.o.n.u.): B. Sunamajhi, B. Sanseth, B. Nayak, D. Sunamajhi, G. Sanseth, S. Badamajhi, M. Badmajhi

Sitzen unschuldig im Gefangnis (v.l.n.r./v.o.n.u.): B. Sunamajhi, B. Sanseth, B. Nayak, D. Sunamajhi, G. Sanseth, S. Badamajhi, M. Badmajhi

Die Vorwürfe gegen die sieben Christen sind längst entkräftet. Sie gehören der indigenen Bevölkerung der Adivasi und den sozial ausgegrenzten sogenannten Dalits an. Sie sind unschuldig, kommen aber nicht frei. Hindu-Nationalisten erzeugen ein Klima der Einschüchterung. Deshalb gibt das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen den Ehefrauen und Kindern der Inhaftierten mit der Petition #freeourhusbands eine Stimme. Wir fordern die Freiheit der unschuldig verurteilten Budhadev Nayak, Sanatan Badamajhi, Gharanath Sanseth, Duryadhan Sunamajhi, Bhaskar Sunamajhi, Munda Badamajhi und Bijay Sanseth. Die Petition läuft bis zum 31. März 2018 und wird der Bundesregierung übergeben.

In Indien setzen Hindu-Nationalisten das Menschenrecht auf Religionsfreiheit unter Druck. Sie wollen aus der säkularen Demokratie einen Hindu-Staat machen und gewinnen immer mehr politischen Einfluss. Christen, Muslime und Angehörige anderer Minderheiten leiden unter Diskriminierung, Hassreden, Gewalt und dem Druck zur Zwangskonvertierung.

missio fordert mit der Petition #freeourhusbands die Freiheit für sieben unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilten Christen im Bundesstaat Odisha in Indien. Trotzdem kommen die Christen nicht frei. Die Petition #freeourhusbands ist an den Premierminister von Indien und den Ministerpräsidenten des Bundesstaates Odisha gerichtet.

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