Tag-Archiv für Freiheit

Irak: Vom freigelassen

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Pfarrer Pitzal konnte sich bei seinem Besuch im Irak mit missio-Projektpartner Pater Jacques Murad unterhalten, der vom IS gefangen genommen und gefesselt wurde. Er musste das Kloster Marmusa in Syrien verlassen. Pater Jacques wurde zusammen mit einem Novizen in das berüchtigte, von den IS geleitete Gefängnis Raka gebracht.

Er berichtete, wie er sich jeden Tag den langen Verhören der IS stellen musste, die immer mit der Drohung endeten, dass er enthauptet werden würde. Nach drei Monaten wurde er dann in das Gefängnis nach Palmyra verlegt. Es ist ja jene Kulturstätte, die in aller Welt bekannt ist und von den IS zum Schrecken der Welt weithin zerstört wurde. Sein Gefängnis war ein Bad, wo er wenigstens die Möglichkeit hatte, an Wasser zu kommen. Alles, was die IS ihm zu sagen hatte, endete mit dem Satz „Es geschieht im Namen Gottes“, doch ihre Gesichter zeigten nur Gewalt. In diesem Gefängnis sollten wohl auch Pater Paul und der Bischof von Aleppo und ein weiterer Bischof sein, von ihnen fehlt jedoch noch jede Spur.

„In jenem Gefängnis bist du nichts wert“, sagte Pater Jacques zu Franz Pitzal. „Man befindet sich immer außerhalb des Menschlichen. Erst jetzt merkt man, was Freiheit ist, was sie für das Leben der Menschen bedeutet.“ Zu seiner Überraschung kamen in das Gefängnis nach Palmyra die gesamten Bewohner seiner Heimatgemeinde. Das gab ihm Stärke, wie er sagte. Er war nicht mehr der Einzige, der dem Tode nahe war und letzten Endes baute er auf die Zuversicht, die er in Jesus Christus bekommt.

Wie ein Vogel eingesperrt kam ich mir hier vor. Du bist zwar frei erschaffen, hast aber das Wichtigste verloren – deine Freiheit.

(Pater Jacques)

Einen Monat war er dann allein in einem Raum, bevor dann noch drei Muslime dazukamen. Man teilte miteinander Traurigkeit und Leid. „Ich war mir bewusst, hier muss ich sterben. Aber das machte mich immer freier und ich sah vor mir das Meer der Gnade und fühlte mich jetzt im Angesicht Gottes.“ Das Materielle zählte plötzlich nichts mehr für ihn, ob am Boden schlafend, ob mit oder ohne Seife versorgt. Täglich betete er den Rosenkranz, der ihm viel Kraft gab, um auch die Not seiner Mitgefangenen zu teilen. Er erinnerte sich noch, wie er am 11. August 2015 in Palmyra zu einem erneuten Verhör geführt wurde. Er meinte, dass jetzt in einem kleinen Zimmer durch die Mitteilung des Kalifen sein Schicksal besiegelt würde. „Trotzdem“, so sagte er, „hatte ich keine Angst mehr.“ Denn seine Gemeindemitglieder waren ja mit dabei und ihnen würde wohl das gleiche geschehen wie ihm. In der Gemeinsamkeit ist es leichter, das eigene Leid zu ertragen. „Angst macht nicht stark“, sagte er. „Die Stärke liegt in der Schwachheit.“ Und in diesem Moment des Verhörs, schwand bei ihm alle Angst und es war ihm bewusst, was er sagen würde. Man stellte ihm die Frage nach den Christen in seiner Heimatgemeinde. „Und ich hatte den Mut, nach dem Warum zu fragen. Da gab man mir zur Antwort: „Weil Ihr Christen das Angebot Waffen zu bekommen, abgelehnt habt, werdet ihr freikommen.“ Wir konnten dies gar nicht glauben. Wir durften aus dem Strom der Gewalt aussteigen. Es gibt auch noch Menschen unter den Milizen, die anders denken und die humanitäre Hilfe der Kirche akzeptieren.“ Und so ist er mit seinen Gemeindemitgliedern zurückgekehrt. „Wir durften wieder frei leben. Als wir daheim angekommen waren, wurde unser Ort von den Russen bombardiert. Wir sahen wieder keine Zukunft vor uns. Ich überlegte, was ich tun sollte.“, sagte Pater Jacques. „Vielleicht kann ich von außen mehr für diese Menschen tun.“ Ein Mitbürger kannte einen geheimen Weg und so kam er am 1.September mit einem Motorrad aus dem Bombenhagel seiner Heimat heraus in den Irak.

Ein weiteres Erlebnis hatte er noch mit der IS, die ja bewusst alle Gräber zerstören, weil Gräber Gotteslästerung seien. Es starb ein Christ und die IS baten ihn, er solle diesen Christen beerdigen. Dies war völlig ungewöhnlich und zeigte, dass sie zu ihm sogar Vertrauen hatten.

Jetzt, nachdem er im Irak ist, versucht er, für die Menschen in seinem Heimatort Hilfestellung zu geben. Die IS ist eine Gruppe, die sich von allen absondert. Sie ist eine kriminelle Gruppe, das ist keine Frage, aber sie können auch anders handeln. Von den Russen erwartet Jacques nichts. „Sie zerstören alles, auch unser Kloster. Sie schützen die Christen nicht.“ Sein größter Schmerz sind jene Christen, die lügen und nicht die Wahrheit sagen. Für mehr Menschlichkeit und Stärke möchte er eintreten, bescheiden, ruhig, zurückhaltend, wie er auf Pfarrer Pitzal wirkte.

 

 

„Wahl des neuen indischen Präsidenten kein Fortschritt für Religionsfreiheit“

missio-Kampagne "freeourhusbands" setzt sich für bedrängte Christen in Indien ein.

missio-Kampagne “freeourhusbands” setzt sich für bedrängte Christen in Indien ein.

Katholisches Hilfswerk missio Aachen und Projektpartner warnen: Lage der Unberührbaren weiterhin prekär

„Die Wahl von Ram Nath Kovind aus der am meisten benachteiligten Gesellschaftsschicht der Unberührbaren zum Präsidenten von Indien ist kein Fortschritt für die Lage der Religionsfreiheit und Menschenrechte im Land.“ Darauf weist Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen katholischen Missionswerkes missio in Aachen hin. Dies bekräftigen auch missio-Projektpartner.

 

„Das ist Symbolpolitik für das Ausland“

Die indische Regierung und lokale Behörden tolerieren weiterhin Diskriminierung und lokale Gewaltattacken gegenüber den Unberührbaren, den sogenannten Dalits. „Die Zahl der Ausschreitungen steigt sogar an. Mit dieser Wahl versucht die Regierung, die Gemeinschaft der Dalits ruhig zu stellen und Symbolpolitik für das Ausland zu machen, aber in Wirklichkeit verändert sich nichts“, so ein missio-Projektpartner, der namentlich nicht genannt werden will. Der neue Präsident, der von der Regierungspartei BJP von Ministerpräsident Narendra Modi nominiert wurde, sei zwar ein Dalit, vertrete aber die sogenannte Hindutva-Ideologie, dass ein indischer Bürger nur sein könne, wer Hindu ist. Wegen dieser Haltung sei er überhaupt erst Präsidentschaftskandidat der BJP geworden. „Durch seine Wahl wird sich die Lage der diskriminierten religiösen Minderheiten wie den Christen oder Muslimen, zumal wenn sie Dalits sind, nicht verbessern“, warnte der missio-Partner. „Ram Nath Kovind hat in der Vergangenheit wiederholt betont, dass Christen und Muslime nicht zu Indien gehören“, so der missio-Partner weiter. Er toleriere zudem Initiativen, die zum Teil gewaltsam Christen, Muslime und Angehörige anderer Minderheiten zur Konversion zum Hinduismus zwingen wollen.

missio-Kampagne für Religionsfreiheit in Indien unterstützen

missio Aachen und seine Projektpartner bitten die Politik und die Öffentlichkeit in Deutschland, auch nach der Wahl des neuen Präsidenten die indische Regierung auf massive Verletzungen des Menschenrechts auf Religionsfreiheit hinzuweisen. Die Möglichkeit dazu gibt die missio-Kampagne #freeourhusbands unter www.missio-hilft.de/freeourhusbands, die die Freilassung zu Unrecht inhaftierter Christen fordert.

Der indische Präsident hat keine Machtbefugnisse, sondern allein repräsentative Aufgaben. Er wird von einem Wahlkollegium von rund 5.000 Abgeordneten aller indischen Parlamente, und nicht direkt vom Volk, gewählt.

Religionsfreiheit in Indien unter Druck

Sieben Christen aus der Region Kandhamal im Nordosten Indiens sind zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie sollen im August 2008 einen Hindu-Geistlichen ermordet haben. Anschließend brachen Unruhen gegen Christen aus. Rund 100 Menschen starben, mehr als 50.000 mussten fliehen, mehrere tausend Wohnhäuser brannten nieder, etwa 300 kirchliche Gebäude wurden in Kandhamal zerstört.

Sitzen unschuldig im Gefangnis (v.l.n.r./v.o.n.u.): B. Sunamajhi, B. Sanseth, B. Nayak, D. Sunamajhi, G. Sanseth, S. Badamajhi, M. Badmajhi

Sitzen unschuldig im Gefangnis (v.l.n.r./v.o.n.u.): B. Sunamajhi, B. Sanseth, B. Nayak, D. Sunamajhi, G. Sanseth, S. Badamajhi, M. Badmajhi

Die Vorwürfe gegen die sieben Christen sind längst entkräftet. Sie gehören der indigenen Bevölkerung der Adivasi und den sozial ausgegrenzten sogenannten Dalits an. Sie sind unschuldig, kommen aber nicht frei. Hindu-Nationalisten erzeugen ein Klima der Einschüchterung. Deshalb gibt das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen den Ehefrauen und Kindern der Inhaftierten mit der Petition #freeourhusbands eine Stimme. Wir fordern die Freiheit der unschuldig verurteilten Budhadev Nayak, Sanatan Badamajhi, Gharanath Sanseth, Duryadhan Sunamajhi, Bhaskar Sunamajhi, Munda Badamajhi und Bijay Sanseth. Die Petition läuft bis zum 31. März 2018 und wird der Bundesregierung übergeben.

In Indien setzen Hindu-Nationalisten das Menschenrecht auf Religionsfreiheit unter Druck. Sie wollen aus der säkularen Demokratie einen Hindu-Staat machen und gewinnen immer mehr politischen Einfluss. Christen, Muslime und Angehörige anderer Minderheiten leiden unter Diskriminierung, Hassreden, Gewalt und dem Druck zur Zwangskonvertierung.

missio fordert mit der Petition #freeourhusbands die Freiheit für sieben unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilten Christen im Bundesstaat Odisha in Indien. Trotzdem kommen die Christen nicht frei. Die Petition #freeourhusbands ist an den Premierminister von Indien und den Ministerpräsidenten des Bundesstaates Odisha gerichtet.

Ihre Unterschrift zählt! Bitte unterzeichnen Sie hier.