Tag-Archiv für missio

“Religionsfreiheit ist Menschenrecht”

missio-Referent Dr. Matthias Vogt referiert in einer Akademie-Reihe im Erbacher Hof in Mainz über die Situation der bedrängten Christen im Nahen Osten:

Erzbischof Ndagoso berichtet über den Konflikt zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern in Nigeria

Matthew Man-Oso Ndagoso ist Erzbischof von Kaduna im Süden Nigerias.

Matthew Man-Oso Ndagoso ist Erzbischof von Kaduna im Süden Nigerias.

Im Süden Nigerias gibt es seit langer Zeit einen Konflikt zwischen muslimischen Fulani-Hirten und christlichen Bauern. 2014 wurden rund 500 Menschen getötet. Bei dem Konflikt stehen nicht Religion und Ethnizität im Vordergrund, sondern eher das Weiderecht. Durch den Klimawandel wird es für die Hirten immer schwieriger grüne Flächen für ihr Vieh zu finden.
Matthew Man-Oso Ndagoso ist Erzbischof von Kaduna im Süden Nigerias. Im Interview berichtet er über die eskalierende Gewalt, die eigentlichen Gründe des Konflikts und was getan werden muss, um ihn zu lösen.

Frage 1: Der Konflikt zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern im Süden Kadunas wurde oft als religiöser Konflikt beschrieben. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Für mich ist es eine Fehlbezeichnung und deswegen irreführend. Die Wurzeln des Konflikts sind nicht eindeutig oder können bewusst oder unbewusst an einer Sache festgemacht werden.
DerHauptgrund für den Konflikt  konnte bis heute nicht konkret ausgemacht werden. Religion ist nur ein sekundärer Grund für diesen Konflikt. Es ist allseits bekannt, dass in diesem Teil der Welt, Religion und Ethnizität als Argumente für persönliche und kommunale Angelegenheiten missbraucht werden. So gesehen ist dieser Konflikt zwischen Hirten und Bauern nicht nur auf die Region im Süden Kadunas zu beziehen. Es ist eine nationale und internationale Angelegenheit. National, weil es andere Regionen im Land betrifft und international, weil es Teile West-Afrikas betrifft.

Frage 2: In unseren Medien wird der Konflikt oft in Zusammenhang mit Boko Haram genannt. Gibt es dort eine Verbindung?

Wo auch immer Ungerechtigkeit mit all ihren Konsequenzen, so wie schlechter politischer Führung, Korruption, Gleichgültigkeit, Unterentwicklung usw. herrscht, gibt es eine schlechte Atmosphäre, aus der Menschen oder Gruppen wie Boko Haram, Geiselnehmer oder bewaffnete Diebe entstehen können. Wenn man es so betrachtet, kann man eine Verbindung zwischen Boko Haram und den sogenannten Fulani-Hirten herstellen aber auch zwischen Kidnappern, bewaffneten Kriminellen, Viehdieben usw. Menschen mit einem verächtlichen Charakter wie Rebellen oder Terroristen missbrauchen jede Situation, um ihr eigenes Ziel zu verfolgen. Mit der Entfernung zu ihrer Basis im Sambisa Wald, kann Boko Haram den Fulani-Hirten- und Bauernkonflikt für ihre Zwecke nutzen.

Frage 3: Was sind ihrer Meinung nach die Hauptgründe für den Konflikt in Süd-Kaduna?

Es gibt Gründe geschichtlicher Natur. Zum Beispiel die systematische und institutionalisierte Ungerechtigkeit , die über viele Jahre von Regierungen durch Richtlinien, die auf Exklusion basieren, vor und nach der Kolonialzeit, verfolgt wurden.
Die Bischöfe unserer Provinz bemerkten, dass es eine Reaktion auf vorangegangenen Krisen in diesem Jahr ist. Wir sagten, dass wir daran glauben, dass „diesen sozialen, politischen und wirtschaftlichen „Richtlinien der Exklusion“ Unabhängigkeit vorausgegangen war. Die Menschen werden infrastrukturell vernachlässigt und von den wirtschaftlichen und bürokratischen Vorgehen ausgeschlossen.“ Diese Tatsachen haben eine Atmosphäre der Resignation unter den Menschen geschaffen bis hin zu dem Punkt, dass jede Bedrohung, die als dominant oder ungerecht empfunden wird, zu verärgerten oder sogar gewalttätigen Reaktionen führt.
Es gibt dieses Gefühl des Ausgestoßen-Seins und der Isolation wenn es um politische Angelegenheiten geht. Deswegen denke ich, dass einer der Hauptgründe für den Konflikt die Ungerechtigkeit ist, die lange Zeit vorherrschte und bei der kein Ende in Sicht ist.
Religion – und ich erlaube mir hier auch Ethnizität zu sagen – sind Sündenböcke, die benutzt werden, wenn es passt. Religion ist sozusagen eine Trumpfkarte für Politiker und diejenigen, die sich selber bereichern wollen. Als Folge fühlt sich das Volk, das sich durch die Regierung, die die Menschen beschützen sollte und für ihre Rechte kämpfen sollte, ausgeschlossen und unterdrückt. Das ist der Grund für den Konflikt.

Frage 4: Seit letztem Jahr scheint es einen Anstieg der Gewalttaten der Fulani-Hirten auf Bauern zu geben. Was führte zu dem Anstieg der Gewalttaten?

Solang die Hirten das Land durchstreifen, um grüne Grasflächen zu suchen, solang wird auch der Konflikt zwischen ihnen und den Bauern fortgeführt werden. Mit dem Druck auf die Umwelt, wie beispielsweise das Vordringen der Wüste, was den Norden Nigerias betrifft mit dem Wasserverlust des Lake Chad, ist das traditionelle Grasen nicht mehr möglich. Deswegen wandern die Hirten stetig. Die Wanderung der Herden führt zu Kontakt mit den Bauern, was schließlich zum Konflikt zwischen Hirten und Bauern führt.

Frage 5: Warum ist die föderale Regierung und die Regierung von Kaduna nicht imstande das Leben und das Eigentum zu beschützen? Oder wollen sie das nicht?

Das sind Fragen, die sich die Menschen hier stellen, als das Morden, ohne den adäquaten Schutz der Regierung, stattfand. Das träge Verhalten der Regierungen war ein Grund zur Sorge für viele Nigerianer/innen. Die Situation ging sogar bis zu dem Punkt, dass die Unfähigkeit der Regierungen direkt einzuschreiten Misstrauen erweckte. In den betroffenen Gebieten dachten sogar einige Menschen, dass das Morden absichtlich geplant war. Das Handeln oder Nicht-Handeln in dieser Situation spricht für sich. Nur die Regierung weiß, wieso das Einschreiten so spät stattfand. Trotzdem: Welche Gründe es dafür auch gab, es ist die Aufgabe der Regierung die Menschen ihres Landes zu schützen – besonders in Notfallsituationen, die in Süd-Kaduna herrschten

Frage 6: Was kann getan werden, um den Konflikt zu lösen?

Man sagt, dass wenn ein Problem erkannt wurde, es schon zur Hälfte gelöst ist. Meiner Meinung nach – und dies ist auch die Meinung der Bischöfe – hat die Lösung des Konflikts mit der Verfassung, Rechtsführung, den Bürgerrechten und dem Überleben der Demokratie in unserem Land zu tun. Wenn wir tatsächlich den gleichen Rechten unterliegen, dann sollten wir als Bürger alle die gleichen Rechte haben. Um also das Problem der Exklusion, das durch eine systematische und institutionelle Ungerechtigkeit herbeigeführt wurde, zu bekämpfen, muss es adäquat angesprochen werden. Die Menschen müssen in die Prozesse eingebunden werden, wie z.B. bei Entwicklungsprojekten verschiedener Institutionen und Unternehmen, die zurzeit keine Zuwendung von der staatlichen und föderalen Regierung erfahren.

Frage 7: Gibt es irgendwelche interreligiösen Initiativen, um das Problem zu lösen

Es gibt viele interreligiöse Initiativen, die sich für die Lösung des Problems engagieren. Meine Befürchtung ist nur, dass die Hilfe nicht lange anhält. Es wird nichts in die Wege geleitet, was die eigentlichen Probleme anspricht. Außerdem ist das Vertrauen, dass die Basis für einen erfolgreichen Dialog ist, zwischen den beiden religiösen Gruppen in Süd-Kaduna, nicht vorhanden. Noch auswegloser scheint allerdings die Situation zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern im Norden unseres Landes zu sein.

UN-Menschenrechtsrat dokumentiert Verletzungen der Religionsfreiheit in Indien

Unterstützen Sie unsere Kampagne und unterzeichnen Sie die Petition!

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Internationales Katholisches Missionswerk missio Aachen fördert Gutachten zur Lage der Minderheiten für UN-Anhörung

Indien muss stärker die sozialen Menschenrechte und die Religionsfreiheit der ethnischen Minderheiten, der Christen und der Muslime in dem hinduistisch geprägten Land schützen. Das wurde am gestrigen Donnerstag bei der Überprüfung Indiens vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nation (UN) in Genf deutlich. Für diese Anhörung hat das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen die Koordination eines Gutachtens unterstützt, in dem ein christliches Autorenkollektiv über Verletzungen der Menschenrechte von Minderheiten, Christen und Muslimen in Indien berichtet. Dieses Gutachten ist in den gestrigen UN-Anhörungsprozess eingeflossen.

Der Menschenrechtsrat gibt am kommenden Dienstag, 9. Mai, die Ergebnisse aus dieser Anhörung und Verbesserungsvorschläge an die indische Regierung bekannt. missio Aachen begleitet den Einsatz für mehr Menschenrechte in Indien derzeit auch mit der Petition #freeourhusbands. Darin fordert das Hilfswerk die Freilassung von sieben unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilten Christen im indischen Bundesstaat Odisha. An diesem Beispiel soll die Aushöhlung der Religionsfreiheit in Indien durch einen Hindu-Nationalismus veranschaulicht werden.

In dem Bericht des von missio Aachen geförderten Autorenkollektivs für die UN-Anhörung werden unter anderem die Verletzung der Religionsfreiheit und sozialer Menschenrechte der indigenen Bevölkerung Indiens, der Angehörigen der sogenannten Kastenlosen, den sozial stark benachteiligten Dalits, und Frauen dokumentiert. Die Verletzungen der Menschenrechte sind vielfältiger Art. Dazu zählen zum Beispiel Einschüchterungen und Vertreibungen ethnischer und religiöser Minderheiten, um auf ihrem Land wertvolle Bodenschätze abbauen zu können. Gleichzeitig säen Hassreden gegen Minderheiten und Versuche der Zwangskonvertierung zum Hinduismus gesellschaftlichen Unfrieden. Nicht zuletzt nehmen gesteuerte, lokale gewalttätige Ausschreitungen gegen ethnische und religiöse Minderheiten zu, die für die Täter ohne Konsequenzen bleiben und zum Teil durch Behörden und Sicherheitskräfte gedeckt werden.

Die Vereinten Nationen unterziehen nach 2008 und 2012 jetzt zum dritten Mal Indien einer Menschenrechts-Untersuchung.

Infos unter www.missio-hilft.de/freeourhusbands

Freedom of Religion in India under pressure

Seven Christians from the region of Kandhamal in the north-east of India are condemned to life imprisonment. Alledgedly, they murdered a Hindu priest in August 2008. As a consequence a riot against Christians began. About 100 people died, more than 50.000 people had to flee, several thousands of houses burnt down, about 300 religious buildings were destroyed in Kandhamal.

The innocent Christians: B. Sunamajhi, B. Sanseth, B. Nayak, D. Sunamajhi, G. Sanseth, S. Badamajhi, M. Badmajhi

The innocent Christians: B. Sunamajhi, B. Sanseth, B. Nayak, D. Sunamajhi, G. Sanseth, S. Badamajhi, M. Badmajhic

The allegations against the seven Christians, who belong to the indigenous population of the Adivasi and the socially excluded so-called Dalits, are already exhausted. Although they are innocent, they are not free.

Hindu nationalists produce a climate of intimidation. missio Aachen gives a voice to the wifes and children of the condemned men. With the petition #freeourhusbands, it calls for the freedom of Budhadev Nayak, Sanatan Badamajhi, Gharanath Sanseth, Duryadhan Sunamajhi, Bhaskar Sunamajhi, Munda Badamajhi and Bijay Sanseth.The petition runs until 31th March 2018 and is handed over to the Federal Government.

In India, Hindu nationalists are putting pressure against the freedom of religion. They want to create a Hindu state, within wich they gain more and more influence. Christians, Muslims and members of other minorities suffer discrimination, hate speech, violence and oppression.

By the help of the petition #freeourhusbands, missio calls up for freedom for the seven innocent Christians in the state of Odisha in India. The petition is addressed to the Prime Minister of India and the Prime Minister of the State of Odisha.

Your signature counts! Please sign here. Thank You!

Religionsfreiheit in Indien unter Druck

Sieben Christen aus der Region Kandhamal im Nordosten Indiens sind zu lebenslanger Haft verurteilt. Sie sollen im August 2008 einen Hindu-Geistlichen ermordet haben. Anschließend brachen Unruhen gegen Christen aus. Rund 100 Menschen starben, mehr als 50.000 mussten fliehen, mehrere tausend Wohnhäuser brannten nieder, etwa 300 kirchliche Gebäude wurden in Kandhamal zerstört.

Sitzen unschuldig im Gefangnis (v.l.n.r./v.o.n.u.): B. Sunamajhi, B. Sanseth, B. Nayak, D. Sunamajhi, G. Sanseth, S. Badamajhi, M. Badmajhi

Sitzen unschuldig im Gefangnis (v.l.n.r./v.o.n.u.): B. Sunamajhi, B. Sanseth, B. Nayak, D. Sunamajhi, G. Sanseth, S. Badamajhi, M. Badmajhi

Die Vorwürfe gegen die sieben Christen sind längst entkräftet. Sie gehören der indigenen Bevölkerung der Adivasi und den sozial ausgegrenzten sogenannten Dalits an. Sie sind unschuldig, kommen aber nicht frei. Hindu-Nationalisten erzeugen ein Klima der Einschüchterung. Deshalb gibt das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen den Ehefrauen und Kindern der Inhaftierten mit der Petition #freeourhusbands eine Stimme. Wir fordern die Freiheit der unschuldig verurteilten Budhadev Nayak, Sanatan Badamajhi, Gharanath Sanseth, Duryadhan Sunamajhi, Bhaskar Sunamajhi, Munda Badamajhi und Bijay Sanseth. Die Petition läuft bis zum 31. März 2018 und wird der Bundesregierung übergeben.

In Indien setzen Hindu-Nationalisten das Menschenrecht auf Religionsfreiheit unter Druck. Sie wollen aus der säkularen Demokratie einen Hindu-Staat machen und gewinnen immer mehr politischen Einfluss. Christen, Muslime und Angehörige anderer Minderheiten leiden unter Diskriminierung, Hassreden, Gewalt und dem Druck zur Zwangskonvertierung.

missio fordert mit der Petition #freeourhusbands die Freiheit für sieben unschuldig zu lebenslanger Haft verurteilten Christen im Bundesstaat Odisha in Indien. Trotzdem kommen die Christen nicht frei. Die Petition #freeourhusbands ist an den Premierminister von Indien und den Ministerpräsidenten des Bundesstaates Odisha gerichtet.

Ihre Unterschrift zählt! Bitte unterzeichnen Sie hier.