Tag-Archiv für Religion

Moschee-Attentat Ägypten: missio und koptisch-katholische Kirche in Ägypten rufen zu Zusammenhalt von Christen und Muslimen auf

Patriarch Ibrahim Sedrak: „Ursachen des Terrorismus bekämpfen“ – missio-Präsident Krämer: „Religionen nicht gegeneinander ausspielen“

Patriarch Ibrahim Sidrak bei seinem Treffen mit dem missio-Vorstand in Aachen

Patriarch Ibrahim Sidrak bei seinem Treffen mit dem missio-Vorstand in Aachen

Das katholische Hilfswerk missio Aachen verurteilt gemeinsam mit der koptisch-katholischen Kirche in Ägypten den gestrigen Anschlag auf eine Moschee auf dem ägyptischen Sinai mit mehr als 230 Toten. „Wir hoffen, dass die Opfer als Märtyrer Barmherzigkeit vor Gott finden und die Verletzten rasch genesen“, so der koptisch-katholische Patriarch von Ägypten, Ibrahim Sedrak, in einer Stellungnahme, die missio vorliegt. Patriarch Ibrahim war 2013 Gast der missio-Kampagne zum Weltmissionssonntag gewesen. „Der Staat und alle Ägypter müssen sich mit extremistischen Ideologien auseinandersetzen und eine Strategie entwickeln, wie die Ursachen des Terrorismus beseitigt werden können“, sagte Patriarch Ibrahim weiter. „Terror kann niemals mit Religion legitimiert werden“, so Patriarch Ibrahim.

„Wir trauern mit Patriarch Ibrahim und allen Ägyptern um die Opfer des Anschlags auf eine Moschee, in der gläubige Muslime einfach nur beten wollten“, sagte Prälat Klaus Krämer, Präsident von missio Aachen. Der Terror treffe in Ägypten wahllos Muslime und Christen. Zuletzt waren im Mai rund 30 Menschen bei einem Anschlag auf eine koptische Kirche gestorben. „Deshalb ist es richtig, dass die koptisch-katholische Kirche den interreligiösen Dialog vorantreibt und gemeinsam mit der Mehrheit der Muslime für eine zivilgesellschaftliche Befriedung Ägyptens arbeitet. Das unterstützt missio“, so Prälat Krämer weiter. „Wir dürfen es nicht zulassen, dass fundamentalistische Gewalttäter die Religionen gegeneinander ausspielen, das führt uns dieser Anschlag wieder deutlich vor Augen“, betonte Prälat Krämer.

Irak: Vom freigelassen

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Pfarrer Pitzal konnte sich bei seinem Besuch im Irak mit missio-Projektpartner Pater Jacques Murad unterhalten, der vom IS gefangen genommen und gefesselt wurde. Er musste das Kloster Marmusa in Syrien verlassen. Pater Jacques wurde zusammen mit einem Novizen in das berüchtigte, von den IS geleitete Gefängnis Raka gebracht.

Er berichtete, wie er sich jeden Tag den langen Verhören der IS stellen musste, die immer mit der Drohung endeten, dass er enthauptet werden würde. Nach drei Monaten wurde er dann in das Gefängnis nach Palmyra verlegt. Es ist ja jene Kulturstätte, die in aller Welt bekannt ist und von den IS zum Schrecken der Welt weithin zerstört wurde. Sein Gefängnis war ein Bad, wo er wenigstens die Möglichkeit hatte, an Wasser zu kommen. Alles, was die IS ihm zu sagen hatte, endete mit dem Satz „Es geschieht im Namen Gottes“, doch ihre Gesichter zeigten nur Gewalt. In diesem Gefängnis sollten wohl auch Pater Paul und der Bischof von Aleppo und ein weiterer Bischof sein, von ihnen fehlt jedoch noch jede Spur.

„In jenem Gefängnis bist du nichts wert“, sagte Pater Jacques zu Franz Pitzal. „Man befindet sich immer außerhalb des Menschlichen. Erst jetzt merkt man, was Freiheit ist, was sie für das Leben der Menschen bedeutet.“ Zu seiner Überraschung kamen in das Gefängnis nach Palmyra die gesamten Bewohner seiner Heimatgemeinde. Das gab ihm Stärke, wie er sagte. Er war nicht mehr der Einzige, der dem Tode nahe war und letzten Endes baute er auf die Zuversicht, die er in Jesus Christus bekommt.

Wie ein Vogel eingesperrt kam ich mir hier vor. Du bist zwar frei erschaffen, hast aber das Wichtigste verloren – deine Freiheit.

(Pater Jacques)

Einen Monat war er dann allein in einem Raum, bevor dann noch drei Muslime dazukamen. Man teilte miteinander Traurigkeit und Leid. „Ich war mir bewusst, hier muss ich sterben. Aber das machte mich immer freier und ich sah vor mir das Meer der Gnade und fühlte mich jetzt im Angesicht Gottes.“ Das Materielle zählte plötzlich nichts mehr für ihn, ob am Boden schlafend, ob mit oder ohne Seife versorgt. Täglich betete er den Rosenkranz, der ihm viel Kraft gab, um auch die Not seiner Mitgefangenen zu teilen. Er erinnerte sich noch, wie er am 11. August 2015 in Palmyra zu einem erneuten Verhör geführt wurde. Er meinte, dass jetzt in einem kleinen Zimmer durch die Mitteilung des Kalifen sein Schicksal besiegelt würde. „Trotzdem“, so sagte er, „hatte ich keine Angst mehr.“ Denn seine Gemeindemitglieder waren ja mit dabei und ihnen würde wohl das gleiche geschehen wie ihm. In der Gemeinsamkeit ist es leichter, das eigene Leid zu ertragen. „Angst macht nicht stark“, sagte er. „Die Stärke liegt in der Schwachheit.“ Und in diesem Moment des Verhörs, schwand bei ihm alle Angst und es war ihm bewusst, was er sagen würde. Man stellte ihm die Frage nach den Christen in seiner Heimatgemeinde. „Und ich hatte den Mut, nach dem Warum zu fragen. Da gab man mir zur Antwort: „Weil Ihr Christen das Angebot Waffen zu bekommen, abgelehnt habt, werdet ihr freikommen.“ Wir konnten dies gar nicht glauben. Wir durften aus dem Strom der Gewalt aussteigen. Es gibt auch noch Menschen unter den Milizen, die anders denken und die humanitäre Hilfe der Kirche akzeptieren.“ Und so ist er mit seinen Gemeindemitgliedern zurückgekehrt. „Wir durften wieder frei leben. Als wir daheim angekommen waren, wurde unser Ort von den Russen bombardiert. Wir sahen wieder keine Zukunft vor uns. Ich überlegte, was ich tun sollte.“, sagte Pater Jacques. „Vielleicht kann ich von außen mehr für diese Menschen tun.“ Ein Mitbürger kannte einen geheimen Weg und so kam er am 1.September mit einem Motorrad aus dem Bombenhagel seiner Heimat heraus in den Irak.

Ein weiteres Erlebnis hatte er noch mit der IS, die ja bewusst alle Gräber zerstören, weil Gräber Gotteslästerung seien. Es starb ein Christ und die IS baten ihn, er solle diesen Christen beerdigen. Dies war völlig ungewöhnlich und zeigte, dass sie zu ihm sogar Vertrauen hatten.

Jetzt, nachdem er im Irak ist, versucht er, für die Menschen in seinem Heimatort Hilfestellung zu geben. Die IS ist eine Gruppe, die sich von allen absondert. Sie ist eine kriminelle Gruppe, das ist keine Frage, aber sie können auch anders handeln. Von den Russen erwartet Jacques nichts. „Sie zerstören alles, auch unser Kloster. Sie schützen die Christen nicht.“ Sein größter Schmerz sind jene Christen, die lügen und nicht die Wahrheit sagen. Für mehr Menschlichkeit und Stärke möchte er eintreten, bescheiden, ruhig, zurückhaltend, wie er auf Pfarrer Pitzal wirkte.

 

 

Regierung beschlagnahmt Land des Benediktiner-Ordens in Vietnam

Quelle: ucanews.com

Die vietnamesische Regierung hat Land vom Benediktiner-Orden gestohlen. „Autoritäten der Regierung haben das Land abgenommen und lokalen und ausländischen Firmen verkauft, weil sie erreichen wollen, dass die Firmen beginnen zu investieren“, sagte Erzbischof Joseph Nguyen Chi Linh.
Nach diesem Diebstahl folgte eine Entweihung des Kreuzes und der Jesus-Statue.

Die Regierung hat 107 Hektar Ackerland und Wald beschlagnahmt. Sechs Hektar sind dem Ordenshaus geblieben. Erzbischof Linh, 67, beschuldigte die Regierung wegen der “Verspottung der benediktinischen Gesetze und des Angriffs“.Die Mönche besaßen das Gebiet legal im Zentrum der Thua Thien Hue Provinz seit 1940. Dieser Vorfalll war aber nicht der einzige seiner Art.

Am 28./29.Juni befand sich die Polizei inmitten von 200 Menschen – manche waren mit Messern, Schlagstöcken und Eisenstangen bewaffnet ­– die in das Kloster einbrachen. Zeugen sagen, das die Gruppe die Benediktiner angriff und sowohl das Kreuz als auch die Jesus-Statue entweiht wurde. Sechs Benediktiner wurden schwer verletzt, darunter einer, der bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen wurde. Die Polizei konnte ihn vor einer Einlieferung ins Krankenhaus bewahren.

Quellen sagen, dass die Angriffe wegen eines jahrelangen Streits um das Land zwischen der Regierung und den Mönchen stattgefunden haben. Ein Vertreter der Kirche, der das Kloster am 16. Juni besucht, sagte, dass die Benediktinermönche das erzbischöfliche Haus darum bitten, sie darin zu unterstützen, ihr Eigentum wieder zurückzugewinnen.

 

Aramäer wehren sich mit allen Mitteln – Mehrstündiges Gespräch im Gouvernat Mardin

eine Pressemitteilung des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland

Nach den aktuellen Massenkonfiszierungen von jahrtausendealtem Aramäischen Kulturerbe durch den türkischen Staat und der Übertragung von Sakralbauten an die türkische Religionsbehörde (Diyanet) wehren sich die Aramäer im Südosten der Türkei mit allen Rechtsmitteln. Am gestrigen Tag fand ein mehrstündiges Gespräch mit dem Gouverneur Mardins statt.

Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir: „Die Situation ist unverändert alarmierend. Die Absicht die Aramäische Gemeinschaft in erheblichem Maße enteignen zu wollen, hat sich durch dieses Gespräch erneut bestätigt. Zwar soll die Übertragung der Kirchen und Klöster an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara zur Revision vorgelegt werden. Im Ergebnis bleiben jedoch die Massenenteignungen aramäischen Grundbesitzes an das türkische Schatzamt und die einzelnen Landkreisverwaltungen Mardins bestehen, davon eingeschlossen sind neben Sakralbauten, Grabstätten, auch Flurstücke, Ackerflächen und Weinberge.

Zu den dutzenden konfiszierten Kirchen und Klöstern zählen unter anderem das mit 2 Mönchspriestern und 2 Nonnen belebte Kloster Mor Malke aus dem 4. Jhd, die im 7 Jhd. gegründete Dorfkirche Mor Efrem & Mor Theodoros in Arkah (Ücköy) mit 2 Priestern und 50 aramäischen Familien, oder auch das wiederaufblühende Kloster Mor Jakob d-Qarno aus dem 12. Jhd, welches mit größter Mühe und Spenden aus aller Welt restauriert und wieder aufgebaut werden konnte und heute einen Mönchen sowie zwei weitere Klosterbewohner beherbergt.“

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland appelliert erneut an die Bundesregierung, diese Massenkonfiszierungen aramäischen Kulturerbes nicht weiter unkommentiert zu lassen und derart inakzeptable Entwicklungen im EU-Beitrittskandidaten Türkei im Rahmen des G20-Gipfels mit den türkischen Vertretern zu thematisieren.

Erzbischof Ndagoso berichtet über den Konflikt zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern in Nigeria

Matthew Man-Oso Ndagoso ist Erzbischof von Kaduna im Süden Nigerias.

Matthew Man-Oso Ndagoso ist Erzbischof von Kaduna im Süden Nigerias.

Im Süden Nigerias gibt es seit langer Zeit einen Konflikt zwischen muslimischen Fulani-Hirten und christlichen Bauern. 2014 wurden rund 500 Menschen getötet. Bei dem Konflikt stehen nicht Religion und Ethnizität im Vordergrund, sondern eher das Weiderecht. Durch den Klimawandel wird es für die Hirten immer schwieriger grüne Flächen für ihr Vieh zu finden.
Matthew Man-Oso Ndagoso ist Erzbischof von Kaduna im Süden Nigerias. Im Interview berichtet er über die eskalierende Gewalt, die eigentlichen Gründe des Konflikts und was getan werden muss, um ihn zu lösen.

Frage 1: Der Konflikt zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern im Süden Kadunas wurde oft als religiöser Konflikt beschrieben. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Für mich ist es eine Fehlbezeichnung und deswegen irreführend. Die Wurzeln des Konflikts sind nicht eindeutig oder können bewusst oder unbewusst an einer Sache festgemacht werden.
DerHauptgrund für den Konflikt  konnte bis heute nicht konkret ausgemacht werden. Religion ist nur ein sekundärer Grund für diesen Konflikt. Es ist allseits bekannt, dass in diesem Teil der Welt, Religion und Ethnizität als Argumente für persönliche und kommunale Angelegenheiten missbraucht werden. So gesehen ist dieser Konflikt zwischen Hirten und Bauern nicht nur auf die Region im Süden Kadunas zu beziehen. Es ist eine nationale und internationale Angelegenheit. National, weil es andere Regionen im Land betrifft und international, weil es Teile West-Afrikas betrifft.

Frage 2: In unseren Medien wird der Konflikt oft in Zusammenhang mit Boko Haram genannt. Gibt es dort eine Verbindung?

Wo auch immer Ungerechtigkeit mit all ihren Konsequenzen, so wie schlechter politischer Führung, Korruption, Gleichgültigkeit, Unterentwicklung usw. herrscht, gibt es eine schlechte Atmosphäre, aus der Menschen oder Gruppen wie Boko Haram, Geiselnehmer oder bewaffnete Diebe entstehen können. Wenn man es so betrachtet, kann man eine Verbindung zwischen Boko Haram und den sogenannten Fulani-Hirten herstellen aber auch zwischen Kidnappern, bewaffneten Kriminellen, Viehdieben usw. Menschen mit einem verächtlichen Charakter wie Rebellen oder Terroristen missbrauchen jede Situation, um ihr eigenes Ziel zu verfolgen. Mit der Entfernung zu ihrer Basis im Sambisa Wald, kann Boko Haram den Fulani-Hirten- und Bauernkonflikt für ihre Zwecke nutzen.

Frage 3: Was sind ihrer Meinung nach die Hauptgründe für den Konflikt in Süd-Kaduna?

Es gibt Gründe geschichtlicher Natur. Zum Beispiel die systematische und institutionalisierte Ungerechtigkeit , die über viele Jahre von Regierungen durch Richtlinien, die auf Exklusion basieren, vor und nach der Kolonialzeit, verfolgt wurden.
Die Bischöfe unserer Provinz bemerkten, dass es eine Reaktion auf vorangegangenen Krisen in diesem Jahr ist. Wir sagten, dass wir daran glauben, dass „diesen sozialen, politischen und wirtschaftlichen „Richtlinien der Exklusion“ Unabhängigkeit vorausgegangen war. Die Menschen werden infrastrukturell vernachlässigt und von den wirtschaftlichen und bürokratischen Vorgehen ausgeschlossen.“ Diese Tatsachen haben eine Atmosphäre der Resignation unter den Menschen geschaffen bis hin zu dem Punkt, dass jede Bedrohung, die als dominant oder ungerecht empfunden wird, zu verärgerten oder sogar gewalttätigen Reaktionen führt.
Es gibt dieses Gefühl des Ausgestoßen-Seins und der Isolation wenn es um politische Angelegenheiten geht. Deswegen denke ich, dass einer der Hauptgründe für den Konflikt die Ungerechtigkeit ist, die lange Zeit vorherrschte und bei der kein Ende in Sicht ist.
Religion – und ich erlaube mir hier auch Ethnizität zu sagen – sind Sündenböcke, die benutzt werden, wenn es passt. Religion ist sozusagen eine Trumpfkarte für Politiker und diejenigen, die sich selber bereichern wollen. Als Folge fühlt sich das Volk, das sich durch die Regierung, die die Menschen beschützen sollte und für ihre Rechte kämpfen sollte, ausgeschlossen und unterdrückt. Das ist der Grund für den Konflikt.

Frage 4: Seit letztem Jahr scheint es einen Anstieg der Gewalttaten der Fulani-Hirten auf Bauern zu geben. Was führte zu dem Anstieg der Gewalttaten?

Solang die Hirten das Land durchstreifen, um grüne Grasflächen zu suchen, solang wird auch der Konflikt zwischen ihnen und den Bauern fortgeführt werden. Mit dem Druck auf die Umwelt, wie beispielsweise das Vordringen der Wüste, was den Norden Nigerias betrifft mit dem Wasserverlust des Lake Chad, ist das traditionelle Grasen nicht mehr möglich. Deswegen wandern die Hirten stetig. Die Wanderung der Herden führt zu Kontakt mit den Bauern, was schließlich zum Konflikt zwischen Hirten und Bauern führt.

Frage 5: Warum ist die föderale Regierung und die Regierung von Kaduna nicht imstande das Leben und das Eigentum zu beschützen? Oder wollen sie das nicht?

Das sind Fragen, die sich die Menschen hier stellen, als das Morden, ohne den adäquaten Schutz der Regierung, stattfand. Das träge Verhalten der Regierungen war ein Grund zur Sorge für viele Nigerianer/innen. Die Situation ging sogar bis zu dem Punkt, dass die Unfähigkeit der Regierungen direkt einzuschreiten Misstrauen erweckte. In den betroffenen Gebieten dachten sogar einige Menschen, dass das Morden absichtlich geplant war. Das Handeln oder Nicht-Handeln in dieser Situation spricht für sich. Nur die Regierung weiß, wieso das Einschreiten so spät stattfand. Trotzdem: Welche Gründe es dafür auch gab, es ist die Aufgabe der Regierung die Menschen ihres Landes zu schützen – besonders in Notfallsituationen, die in Süd-Kaduna herrschten

Frage 6: Was kann getan werden, um den Konflikt zu lösen?

Man sagt, dass wenn ein Problem erkannt wurde, es schon zur Hälfte gelöst ist. Meiner Meinung nach – und dies ist auch die Meinung der Bischöfe – hat die Lösung des Konflikts mit der Verfassung, Rechtsführung, den Bürgerrechten und dem Überleben der Demokratie in unserem Land zu tun. Wenn wir tatsächlich den gleichen Rechten unterliegen, dann sollten wir als Bürger alle die gleichen Rechte haben. Um also das Problem der Exklusion, das durch eine systematische und institutionelle Ungerechtigkeit herbeigeführt wurde, zu bekämpfen, muss es adäquat angesprochen werden. Die Menschen müssen in die Prozesse eingebunden werden, wie z.B. bei Entwicklungsprojekten verschiedener Institutionen und Unternehmen, die zurzeit keine Zuwendung von der staatlichen und föderalen Regierung erfahren.

Frage 7: Gibt es irgendwelche interreligiösen Initiativen, um das Problem zu lösen

Es gibt viele interreligiöse Initiativen, die sich für die Lösung des Problems engagieren. Meine Befürchtung ist nur, dass die Hilfe nicht lange anhält. Es wird nichts in die Wege geleitet, was die eigentlichen Probleme anspricht. Außerdem ist das Vertrauen, dass die Basis für einen erfolgreichen Dialog ist, zwischen den beiden religiösen Gruppen in Süd-Kaduna, nicht vorhanden. Noch auswegloser scheint allerdings die Situation zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern im Norden unseres Landes zu sein.