Tag-Archiv für Syrien

missio hilft mit rund 2,2 Millionen Euro christlichen Flüchtlingen im Nahen Osten

Christliche Flüchtlinge im irakisch-syrischen Grenzgebiet. Foto: missio / privat

Christliche Flüchtlinge im irakisch-syrischen Grenzgebiet. Foto: missio / privat

Für die Betreuung von Flüchtlingen und Kriegsopfern im Nahen und Mittleren Osten hat das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen seinen kirchlichen Projektpartnern 2015 rund 1,16 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Für dieses Jahr ist eine weitere Unterstützung der kirchlichen Flüchtlingsarbeit in Höhe von voraussichtlich 1,02 Millionen Euro geplant. Dies teilte missio Aachen am Donnerstag mit.

Die Kirchen und die von Gewalt und Vertreibung bedrohten Menschen in dieser Krisenregion brauchten diese Unterstützung nicht allein als materielle Hilfe, „sondern auch als ein Zeichen der Solidarität, dass sie von uns nicht vergessen sind“, sagte Prälat Klaus Krämer, Präsident von missio Aachen.

Prälat Krämer: Wir dürfen den drohenden Exodus der bedrängten Christen und das Versiegen einer jahrtausendealten christlichen Tradition im Nahen und Mittleren Osten nicht zulassen.

„Wir dürfen den drohenden Exodus der bedrängten Christen und das Versiegen einer jahrtausendealten christlichen Tradition im Nahen und Mittleren Osten nicht zulassen“, so Krämer weiter. Denn gerade die Christen seien wichtige Garanten für die historisch gewachsene kulturelle Vielfalt in der Region, die durch ihre Arbeit und den interreligiösen Dialog bei vielfältigen Konflikten vermitteln und für Ausgleich sorgen können. „Wir müssen verhindern, dass diejenigen Erfolg haben, die versuchen, die Angehörigen der verschiedenen Religionen gegenseitig abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen“, so Krämer.

So können Sie syrischen Flüchtlingen im Libanon helfen:

Hier informieren

missio Aachen unterstützt 2015/16 mit den Hilfen für Flüchtlinge und Kriegsopfer in Höhe von rund 2,18 Millionen Euro seine kirchlichen Partner in Syrien, dem Irak, Libanon, Jordanien und der Türkei. Damit werden die Akuthilfe in Flüchtlingslagern, seelsorgerliche und psychologische Betreuung von Gewalt- und Vertreibungsopfern, der Unterhalt kirchlichen Personals sowie der Wiederaufbau von kirchlicher Infrastruktur finanziert. Zudem fördert missio Aachen mit seiner Hilfe kirchliche Friedens-, Versöhnungs- und Wiederansiedlungsprogramme in den Gebieten, in die die Menschen nach Kriegs- und Gewalthandlungen wieder zurückkehren können.

Christen in Damaskus halten unter Bomben an ihrer Sendung fest

Der maronitische Erzbischof der Erzeparchie Damaskus, Erzbischof Samir Nassar, hält im kriegsgeschüttelten Syrien aus. Hier berichtet er, wie der Bau von drei neuen Kapellen den Lebensmut seiner Priester und Gläubigen stärkt. 

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Diese maronitische Ikone ist auf der Vorderseite der Visitenkarte von Erzbischof Samir Nassar aufgedruckt. Foto: missio

Diese maronitische Ikone ist auf der Vorderseite der Visitenkarte von Erzbischof Samir Nassar aufgedruckt. Foto: missio

Es geschah am Dienstag, den 26. März 2013, um 11 Uhr, als ein Granatsplitter Diakon Camille in unserer Erzeparchie Damaskus auf dem Weg zur Kirche tötete. Nach seinem Tod baten mich die Eltern der Priester der Erzeparchie dringend, Damaskus zu verlassen. Sie fürchteten um die Sicherheit ihrer Kinder. Ich schlug meinen Priestern damals vor, wegzugehen, wenn sie es denn wollten. Die Diözese hat nicht das Recht dazu, sie unter diesen Bedingungen dazubehalten. Alle haben geantwortet: „SIE BLEIBEN, WIR BLEIBEN“.

Seitdem hat uns die Vorsehung beschützt. Unser Märtyrerdiakon hatte die Aufgabe, Brot an die Armen zu verteilen. Die Priester haben seine Tätigkeit übernommen und jeder von ihnen ist zum Sozialarbeiter geworden – ein guter Samariter, der über die karitativen Aktivitäten in seiner Pfarrei wacht. Dies ist wegen der heftigen Kämpfe in Syrien und der Flüchtlingsströme erforderlich, die leider jeden Tag zu uns kommen.

Das Jahr 2015 war für die Diözese ziemlich schwierig: zwei Granaten verursachten erhebliche Schäden an der historischen Kathedrale, das Dach der Bibliothek fing Feuer und stürzte ein, die alten Sanitäreinrichtungen von 1958 brachen unter dem Feuer zusammen und auch das Zimmer von Father Jean geriet in Brand. Die schweren Restaurierungsarbeiten wurden während meiner Abwesenheit – aus gesundheitlichen Gründen – von Priestern durchgeführt. Sie verzichteten auf Ruhetage, um diese Arbeiten zum Abschluss zu bringen.

Als Geste des Aufbegehrens gegen Tod und Zerstörung begannen diese mutigen Priester mit dem Bau dreier Kapellen am Stadtrand von Damaskus und aktivierten dadurch die Gläubigen in Syrien

Als Geste des Aufbegehrens gegen Tod und Zerstörung begannen diese mutigen Priester mit dem Bau dreier Kapellen in den bescheidenen Bezirken am Stadtrand und aktivierten dadurch die Gläubigen in der Nähe dieser drei Projekte, die ein Zeichen der Hoffnung und des Glaubens für die Zukunft der Kirche in Syrien sind. Diese Vitalität hebt ihre Pastoral der Nähe während dieses Jahr der Barmherzigkeit und des großen Leidens hervor.

Die erste Kapelle, die den Märtyrern von Damaskus (1860) gewidmet ist, wurde am 8. Januar 2016 eingeweiht. Zwei weitere Kapellen werden folgen. Die erste Kapelle ist ein Schritt auf dem Weg zum Wiederaufbau. Nur der Herr schenkt Frieden. Die Kirche und unser guter Hirte sind stolz auf diese Priester, auf diese wachsamen Diener, die auch unter den Bomben an ihrer Sendung festhalten. Sie sind die Stärke und das Unterpfand für eine bessere Zukunft einer gemarterten Christenheit, die sich weigert zu sterben.

Syrien braucht Soforthilfe, Schulbildung, interreligiösen Dialog. Hilfe für Traumatisierte, lokale Friedensinitiativen und die Ermutigung der Menschen zum Bleiben

“Solidarität mit verfolgten und bedrängten Christen in unserer Zeit – Syrien”. Diese Studie der Deutschen Bischofskonferenz, die maßgeblich von missio Aachen erarbeitet wude, wurde am 30. November in Berlin vorgestellt. Prälat Klaus Krämer, Präsident von missio Aachen, gab bei der Pressekonferenz zur Vorstellung folgendes Statement ab: 

missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer (Foto: missio)

missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer (Foto: missio)

Mehr als 250.000 Tote, über eine Million Verletzte, über vier Millionen Flüchtlinge und mehr als 7,6 Millionen Binnenvertriebene.[1] Zerstörte Schulen und Gesundheitseinrichtungen; die Wirtschaft des Landes liegt am Boden. Christen geraten zunehmend ins Visier islamistischer Extremisten, Kirchen werden zerstört oder beschädigt, Christen gezielt entführt. Die meisten Menschen in Syrien fliehen aus den vom sogenannten Islamischen Staat kontrollierten Gebieten in Richtung Küstenebene, dort ist es relativ sicher. Auch in der Hauptstadt Damaskus halten sich zahlreiche Flüchtlinge auf, auch wenn die Stadt regelmäßig mit Granaten beschossen wird. Oftmals kehren Binnenflüchtlinge, sobald die Lage in ihrer Heimatregion wieder einigermaßen sicher ist, in ihre Dörfer und Stadtviertel zurück. Nicht selten finden sie ihre Häuser beschädigt, Kirchen und Moscheen mutwillig zerstört und Schulen unbenutzbar vor. Wie können wir als katholisches Missionswerk in einer solchen Situation helfen? Mehr lesen

Wie überfallene assyrische Christen in Syrien Zuflucht finden

Archimandrit Emanuel Youkhana von der christlichen Organisation CAPNI hat über den Überfall des sogenannten Islamischen Staates (IS) auf assyrisch-christliche Siedlungen in Syrien am 23. und 24. Februar berichtet. Hier hat er dem Internationalen Katholischen Missionswerk missio in Aachen Bilder zur Verfügung gestellt, wie geflohenen assyrischen Christen in der assyrischen Kathedrale in Hasseke geholfen wird. 

Hasseke 2 Mehr lesen

Augenzeugenberichte über IS-Überfall auf assyrische Christen in Syrien

Archimandrit Emanuel Youkhana von der christlichen Organisation CAPNI hat über den Überfall des sogenannten Islamischen Staates (IS) auf assyrisch-christliche Siedlungen in Syrien am gestrigen Montag, 23. Februar, und heutigen Dienstag, 24. Februar, gegenüber dem Internationalen Katholischen Missionswerk missio in Aachen folgendes berichtet:

Übersetzung von Katrin Krips-Schmidt

Am Montag am frühen Morgen griffen Terrormilizen des sogenannten Islamischen Staates christliche assyrische Dörfer in der Region entlang des Flusses Khabour im Gouvernat Hasseke in Syrien an (siehe Landkarte). Die Menschen flohen in Massen nach Hasseke, wo sie in der Kirche untergebracht wurden. Bischof Mar Aprem Athniel, mit dem ich gesprochen habe, sagte mir, dass die Kirche und der Gemeindesaal überfüllt seien und man die Menschen nun an Familien in Hasseke-City vermittle. Rund 120 Familien sind vom IS mutmaßlich verschleppt worden.

Landkarte Angriff IS auf assyrische Christen

In der Region Khabour gibt es 35 assyrische Dörfer. Diese Dörfer wurden von den Assyrern gegründet, die im August 1933 vor Massakern im Irak geflohen waren und sich in Syrien in der Hoffnung angesiedelt hatten, dass sie eines Tages in ihre Heimat Irak zurückkehren werden. Bis jetzt haben sie deshalb für ihre Siedlungen in Khabour noch nie die Begriffe „Dorf“ oder „Stadt“ verwendet. Sie bestehen auf der Bezeichnung „Camp“, um deutlich zum Ausdruck zu bringen, dass sie sich hier nur vorübergehend niedergelassen haben, bis sie in den Irak zurückkehren.

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Libanesischer Erzbischof Melki gegenüber missio Aachen: Krieg von Syrien droht auf Libanon überzugreifen

„Die Krise im Nahen Osten ist eine Konsequenz der Politik Amerikas und Europas“

Erzbischof em. Flavien Joseph Melki bei seinem Besuch bei missio Aachen. (Foto: Kruza/missio)

Der syrisch-katholische Erzbischof em. Flavien Joseph Melki bei seinem Besuch bei missio Aachen. (Foto: Kruza/missio)

„Man löst keine Probleme durch Krieg“, mahnte der syrisch-katholische Erzbischof em. Flavien Joseph Melki mit Blick auf die Lage der Christen im Nahen Osten bei einem Besuch des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio e.V. in Aachen. Der emeritierte Erzbischof Melki aus dem Libanon ist nach Deutschland gereist, um auf die dramatische Situation der Christen aufmerksam zu machen. Dabei kritisierte er Amerikas Handeln als „Weltpolizei“ und Europas „blindes Nachfolgen der von Amerika diktierten Politik“. Die Krise im Nahen Osten sei letztendlich eine Konsequenz der Politik Amerikas und Europas, sagte Erzbischof Melki.

Vorerst keine politische Lösung absehbar

Eine Lösung auf politischer Ebene sei seiner Meinung nach aufgrund der wirren Zustände nicht absehbar. „Mit wem soll man anfangen?“, fragte er. „Es gibt die Sunniten, die Schiiten und die Kurden. Gleichzeitig tobt in Syrien ein Bürgerkrieg.“ Das Problem mit Islamisten besteht laut Erzbischof Melki darin, dass sie nicht zwischen Religion und Politik trennten. „Ich bin dagegen, dass sich die Religion in die Politik einmischt“, bekräftigte er.

500 000 syrische Christen bereits geflohen

Unter dem Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten litten insbesondere die religiösen Minderheiten, darunter vor allem die Christen, so der in Syrien geborene Erzbischof: „500 000 Christen aus Syrien sind bereits geflohen.“ Nach Schätzungen Melkis leben etwa 1,5 Millionen Christen in Syrien. Noch seien die Christen auf der Küstenseite Syriens relativ geschützt. Denn dort lebten wenige Sunniten und mehr Alawiten. Die Alawiten gehörten in Syrien zu einer muslimischen Minderheit und seien Christen gegenüber tolerant, so Melki.

Flüchtlinge benötigen dringend eine Unterkunft

Nach Angaben des Erzbischofs sind etwa zehn bis fünfzehntausend Christen aus Syrien und dem Irak in den Libanon geflüchtet. „Am dringendsten benötigen die Flüchtlinge dort eine Unterkunft“, sagte der Würdenträger. „Jede Familie braucht im Durchschnitt etwa 300 Euro pro Monat, um ein Zimmer mieten zu können.“

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Appell für Christen im Irak

Fr. Dr. Michel Jalakh, der Generalsekretär des Nahöstlichen Kirchenrates (Middle East Council of Churches - MECC) Foto: oikoumene.org

Fr. Dr. Michel Jalakh, der Generalsekretär des Nahöstlichen Kirchenrates (Middle East Council of Churches – MECC) Foto: oikoumene.org

Fr. Dr. Michel Jalakh, der Generalsekretär des Nahöstlichen Kirchenrates (Middle East Council of Churches – MECC) hat gestern, 21. Juli 2014, in Beirut eine Stellungnahme zur Lage der Christen in Syrien, Palästina und Irak abgegeben. missio bietet das Dokument in deutscher Übersetzung an.

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Inmitten der schmerzvollen Ereignisse, die sich in Syrien, Palästina und Irak abspielen, und angesichts dessen, was insbesondere die Christen in Mossul derzeit durchmachen, schließt sich das Middle East Council of Churches den Patriarchen und Oberhäuptern der Kirchen im Osten bei ihrem Appell an die internationale Gemeinschaft an, mutig Initiativen zu ergreifen und diesem massiven Angriff auf die hilflosen Christen im Irak Widerstand zu leisten, die standhaft im Land ihrer Väter und Vorfahren verharren, wo das Christentum seinen Ausgangspunkt nahm, und aus dem die Vorläufer von Kultur und Zivilisation stammten. Daher erklärt der Rat folgendes:

1.) Das MECC verurteilt alle Versuche, neben der Entweihung von heiligen Stätten und den systematischen Versuchen, das kulturelle und religiöse Bild einer Stadt zu verändern – die für ihre Kirchen und Klöster bekannt war und die offen für den Dialog und den Aufbau der Kultur der Liebe war –, Christen und andere Menschen aus der Stadt Mossul und ihrer Umgebung zu vertreiben.

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