Tag-Archiv für Vietnam

Regierung beschlagnahmt Land des Benediktiner-Ordens in Vietnam

Quelle: ucanews.com

Die vietnamesische Regierung hat Land vom Benediktiner-Orden gestohlen. „Autoritäten der Regierung haben das Land abgenommen und lokalen und ausländischen Firmen verkauft, weil sie erreichen wollen, dass die Firmen beginnen zu investieren“, sagte Erzbischof Joseph Nguyen Chi Linh.
Nach diesem Diebstahl folgte eine Entweihung des Kreuzes und der Jesus-Statue.

Die Regierung hat 107 Hektar Ackerland und Wald beschlagnahmt. Sechs Hektar sind dem Ordenshaus geblieben. Erzbischof Linh, 67, beschuldigte die Regierung wegen der “Verspottung der benediktinischen Gesetze und des Angriffs“.Die Mönche besaßen das Gebiet legal im Zentrum der Thua Thien Hue Provinz seit 1940. Dieser Vorfalll war aber nicht der einzige seiner Art.

Am 28./29.Juni befand sich die Polizei inmitten von 200 Menschen – manche waren mit Messern, Schlagstöcken und Eisenstangen bewaffnet ­– die in das Kloster einbrachen. Zeugen sagen, das die Gruppe die Benediktiner angriff und sowohl das Kreuz als auch die Jesus-Statue entweiht wurde. Sechs Benediktiner wurden schwer verletzt, darunter einer, der bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen wurde. Die Polizei konnte ihn vor einer Einlieferung ins Krankenhaus bewahren.

Quellen sagen, dass die Angriffe wegen eines jahrelangen Streits um das Land zwischen der Regierung und den Mönchen stattgefunden haben. Ein Vertreter der Kirche, der das Kloster am 16. Juni besucht, sagte, dass die Benediktinermönche das erzbischöfliche Haus darum bitten, sie darin zu unterstützen, ihr Eigentum wieder zurückzugewinnen.

 

Nguyen Van Ly bedankt sich für Ihre Unterstützung!

Nachdem der vietnamesische Priester und Menschenrechtsaktivist Nguyen Van Ly aus dem Gefängnis entlassen wurde, möchte er sich nun herzlich für Ihre Unterstützung bedanken: Postkarte_Front_300dpi_3mm_Beschnitt

“Mit Gottes Hilfe kann ich nun an die Diözese zurückkehren. Ich danke Gott und allen Unterstützern. Ich danke allen, die mir in den vergangenen Tagen geholfen und für mich gebetet haben.
Ich möchte Sie alle herzlich grüßen und werde für Sie mehrmals am Tag sowie in den Gottesdiensten beten.
Ich werde Sie, wie schon während meiner Zeit im Gefängnis, während des Gebets nicht vergessen.
In diesem Moment verspreche ich Ihnen, dass ich Sie für immer in Erinnerung behalte, Ihnen danke und mein ganzes Leben lang für Sie bete, auch später wenn ich mit Gott vereint bin.
Ich danke Ihnen und grüße Sie herzlich!”

Auch Reporter ohne Grenzen und missio möchten noch einmal Danke sagen!

Danke für Ihre Solidarität: Nguyen Van Ly ist frei!

Pater Ly bei der Ankunft in der Diözese Hue.

Pater Ly bei der Ankunft in der Diözese Hue.

Nguyen Van Ly wurde am 21. Mai in Vietnam aus dem Gefängnis entlassen. Ihre Unterschrift hat mit zu dem internationalen Druck auf die vietnamesische Regierung beigetragen. Reporter ohne Grenzen und missio Aachen bedanken sich deshalb ganz herzlich für Ihre Unterstützung! Nguyen Van Ly saß insgesamt vier Mal in Haft und verbrachte insgesamt 25 Jahre seines Lebens im Gefängnis, weil er sich für Demokratie, Informations- und Religionsfreiheit in seinem Heimatland Vietnam einsetzte. Durch Ihre Unterschriften haben Sie Solidarität mit Nguyen Van Ly gezeigt und haben dazu beigetragen, dass er freigelassen wird.
Nguyen Van Ly ist aber nicht der einzige Menschenrechtsaktivist, der zu Unrecht eine Haftstrafe absitzen musste. Viele weitere Journalisten, Blogger, Priester und Ordensleute leben nicht in Freiheit, weil sie für die Menschenrechte kämpfen, nicht nur in Vietnam – sondern weltweit. Wir werden uns weiter für Sie einsetzen.

Weitere Informationen zu Vietnam sind unter folgenden Links zu finden:

Missio:
www.missio-hilft.de/de/laender-projekte/asien/vietnam/

Reporter Ohne Grenzen:
www.reporter-ohne-grenzen.de/vietnam
t1p.de/2o8d

Zu Menschen, die sich für ein friedliches Miteinander einsetzen, gehört auch Jacques Mourad. Pater Jacques Mourad ist syrisch-katholischer Priester. Sein Leben widmet er dem Frieden zwischen Christen und Muslimen. Das provoziert die Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“. Sie entführten ihn. Nach fünf Monaten kann er im Oktober 2015 fliehen. Seitdem arbeitet er noch intensiver für Frieden, Versöhnung und einen gemeinsamen Alltag von Christen und Muslimen im Nahen Osten. Wir würden uns freuen, wenn sie Jacques Mourads Vision unterstützen würde. Sie können ihm eine Karte schreiben – die Karte als pdf finden Sie unter www.missio-hilft.de/media/aktion/lebenszeichen/Karte-Bedraengte-Christen-Pater-Mourad.pdf

Bui Thanh Hieu berichtet auf der re:publica über Diskriminierung von Bloggern in Vietnam

2016-05-03 Republica missio-Panel (1)

Johannes Seibel (missio) führt in das Thema ein. | © Ralf Simon, missio Aachen

Einer der bekanntesten vietnamesischen Blogger ist Bui Thanh Hieu (44). Am 3. Mai berichtete er auf der re:publica 2016 im Talk “#freeLy: Blogger und die Einschränkung von Informations- und Religionsfreiheit in Vietnam” über die dortige Diskriminierung von Andersdenkenden. Unter dem Namen “Der Windhändler” (Nguoi Buon Gio) schreibt er seit 2005 über politische und gesellschaftliche Themen und wurde dafür mehrfach verhaftet. Inzwischen lebt er in Berlin. 

Das Gespräch zwischen Christian Mihr (Reporter ohne Grenzen) und Bui Thanh Hieu gibt es auch hier als Audio-Datei zum Nachhören.

Du blogst aus dem Exil in Berlin. Worüber?
Ich schreibe über politische Vorgänge in Vietnam, also Korruption und Tyrannei, aber auch über Polizeigewalt und Umweltprobleme. In meinen letzten Beiträgen ging es um das massenhafte Fischsterben vor den Provinzen Ha Tinh und Hue. Ich vermute, die Ursache waren Chemieabfälle des ansässigen Stahlwerks Formosa. Doch die Regierung tut nichts, um den Fall aufzuklären.

Wie entdeckst du solche Themen?
Früher habe ich im Internet von Ausschreitungen gelesen und bin hingefahren, um mir selbst ein Bild zu machen. Als ich bekannter wurde, kamen die Leute auf mich zu. Sie riefen mich an, wenn Festnahmen angekündigt waren und baten mich, darüber zu berichten.

Wie kannst du das verifizieren – sie könnten dich doch anlügen?
Warum anlügen? Ich habe sogar gefilmt, wie Polizisten auf Journalisten eingeschlagen hatten. Sie hatten Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt. Ich habe das mit eigenen Augen gesehen. Oft bin ich schon vor der Polizei zu den Leuten gefahren, um den ganzen Einsatz mitzubekommen.

Hast du einen professionellen journalistischen Background?
Nein, ich habe nur einen allgemeinen Schulabschluss und mich danach als normaler Arbeiter durchgeschlagen. Ich habe gemerkt, dass die Leute viel zu sagen haben, es aber nicht konnten. Die Journalisten haben sich auch nicht für sie eingesetzt, weil die vietnamesische Presse dem Regime untersteht. Also habe ich es getan.

Wie viele lesen deine Berichte?
Ich habe einen Blog, ansonsten nutze ich Facebook. Dort folgen mir über 50.000 Leute. Den Klickzahlen nach habe ich noch mehr regelmäßige Leser. Aber sie trauen sich nicht, meine Seite öffentlich zu “liken”, weil sie Sorge haben, sich damit verdächtig zu machen. Das Regime hasst die Direktheit, mit der wir Blogger über viele Themen schreiben. Daher bleibt uns nur das Internet. Ohne das Internet wären wir machtlos.

Ist es schwerer, von Deutschland aus zu arbeiten?
Nein, gar nicht. Ich bekomme ein großzügiges Autorenstipendium von der PEN Stiftung. Auch meine Frau und mein zehnjähriger Sohn leben bei mir. So kann ich mich ganz auf das Schreiben konzentrieren. Ich habe hier schon drei Romane geschrieben, zwei wurden ins Englische übersetzt.

Wie kam es dazu, dass du nun ausgerechnet in Berlin bist?
Ich wurde 2010 eingeladen, einen meiner Texte in Deutschland vorzulesen. Nach meiner Rückkehr wurde ich in Vietnam mehrmals verhaftet, für je zehn oder fünfzehn Tage. Daraufhin bot mir die PEN-Stiftung das Writers-in-Exile Stipendium an.

Leidet deine Familie in Vietnam unter deiner Arbeit?
Meine Familie wird ständig von der Polizei aufgesucht und dafür beschimpft, dass sie mich nicht besser erzogen oder belehrt haben. Sie beschuldigen meine Familie dafür, dass ich angeblich reaktionär sei und die Regierung stürzen will.

Sie könnten aufhören zu bloggen und Ihrer Familie eine Menge Leid ersparen.
Ich glaube, dass diese Arbeit getan werden muss, wenn nicht jetzt, dann im nächsten Leben. Wäre ich kein Blogger, würden die Probleme vielleicht noch größer werden. Das Schöne ist, dass mich meine Familie unterstützt. Meine Mutter war 83, als die Polizei mich verhaftete. Zu den Polizisten sagte sie: “Meinen Sohn trifft keine Schuld. Ich bin stolz auf das, was er getan hat.”

Unterzeichnen auch Sie die Petition von missio und Reporter ohne Grenzen für den inhaftierten katholischen Priester und Blogger Nguyen Van Ly, der stellvertretend für viele weitere Menschenrechtsaktivisten steht.

re:publica: Blogger und die Einschränkung von Informations- und Religionsfreiheit in Vietnam

Finale der re:publica 2015 am 07.05.2015 in der STATION Berlin. Copyright: re:publica/Gregor Fischer

Finale der re:publica 2015 am 07.05.2015 in der STATION Berlin.
Copyright: re:publica/Gregor Fischer

Wir sind dabei!

Am 3. Mai um 16:45 Uhr führen missio Aachen gemeinsam mit Reporter ohne Grenzen und dem vietnamesischen Blogger Bui Thanh Hieu eine Podiumsdiskussion zum Thema “#freeLy: Blogger und die Einschränkung von Informations- und Religionsfreiheit in Vietnam” auf der re:publica 2016.

Nominell gewährt Vietnam seinen Bürgern die Ausübung aller Menschenrechte einschließlich Meinungs- und Religionsfreiheit. Die Realität im sozialistischen Staat sieht anders aus. Medien werden streng zensiert, religiöse Gruppen reglementiert und Demokratie eingeschränkt. Unter diesen Bedingungen wurden Blogs zu den bedeutendsten Medien für unabhängige Information und Debatten. Blogger mit kirchlich-christlichem oder anderem religiösen Hintergrund sind in der vietnamesischen Blogosphäre stark vertreten. Oft bringen Blogger große persönliche Opfer. Die vagen Formulierungen im Strafrecht erlaubt es den Behörden, unerwünschte Personen unkompliziert zu inhaftieren.

Medien und Internet in Vietnam unterliegen einem strengen System der Vorzensur durch das Propagandaministerium. Schwammige Strafgesetze wie Artikel 258 gegen den “Missbrauch demokratischer Freiheiten” ermöglichen es, Journalisten zu inhaftieren. Regierungskritik ist verboten und die kommunistische Partei verfolgt Blogger und unabhängige Journalisten hartnäckig, oft auch mit brutaler Gewalt und unter Zuhilfenahme krimineller Gruppen.

Blogs und soziale Medien sind häufig nur durch Zensurumgehungssoftware zugänglich. Die meisten Internetunternehmen sind in staatlichem Besitz und arbeiten eng mit den Zensurbehörden zusammen. So können viele Blogger nur im Exil frei arbeiten.

Kirchen und Religionsgemeinschaften werden von den staatlichen „Büros für religiöse Angelegenheiten“ streng kontrolliert. Für alle religiösen Versammlungen außerhalb von Gottesdiensten von über sieben Personen, für die Reparatur und den Neubau von Kirchen bzw. Tempeln, die Priesterweihe oder Auslandsreisen von Geistlichen müssen Genehmigungen eingeholt werden. „Administrative Haft“, Hausarrest und Zwangsumsiedlung in abgelegene Gegenden werden häufig verhängt, um kritische Gläubige und Geistliche mundtot zu machen. Ein besonderes Problem sind die Konflikte um die Nutzung von Land, dass der Kirche gehört, aber dessen Nutzung vom sozialistischen Staat kontrolliert wird.

Religiöse  Blogger werden vom Regime doppelt diskriminiert. Stellvertretend für viele steht der Fall von Nguyen Van Ly, der als Blogger und katholischer Priester immer wieder über die Einschränkung bürgerlicher Freiheiten schrieb und eine Stärkung der Demokratie forderte.

Anlässlich der gemeinsamen Kampagne von missio Aachen und Reporter ohne Grenzen zur Freilassung von Nguyen van Ly bietet die Session Bui Thanh Hieu Raum dazu, die Lage in Vietnam, die Rolle von Bloggern und Online-Medien sowie der Religion kritisch zu diskutieren.

Bui Thanh Hieu, ein vietnamesischer Blogger, der seit 2005 als „Nguoi Buon Gio“ (Der Windhändler) auf seinem Blog über politische Entwicklungen und allgemeine gesellschaftliche Themen schreibt. Obwohl die Regierung versucht immer wieder den Zugriff zu seinem Blog zu verhindern, wird der Blog von bis zu 15.000 Personen gelesen – täglich. Mithilfe von Filmen, Fotos und kurzen Texten dokumentiert er Menschenrechtsverletzungen. Durch seinen Blog ist er einer der bekanntesten Blogger Vietnams geworden. Schon mehrfach war Bui Thanh Hieu wegen seiner Aktivitäten in Haft – zuletzt 2013. Auf Einladung der Stadt Weimar konnte er Vietnam verlassen.

Vietnam steht auf Platz 175 von 180 Staaten auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen. 14 Blogger sitzen derzeit im Gefängnis. 2014 befanden sich drei vietnamesische Blogger unter den 100 Helden der Pressefreiheit. Das Land zählt außerdem zu den größten Feinden des Internets.

Die Englische Version dieses Textes finden Sie hier.

Unterschreiben auch Sie die Petition für die Freilassung von Nguyen Van Ly!

Katholischer Blogger in Vietnam verurteilt

Vietnamesischer Blogger verurteilt: Screenshot der Internetseite von Radio Vatikan. Screenshot: missio

Vietnamesischer Blogger verurteilt: Screenshot der Internetseite von Radio Vatikan. Screenshot: missio

Radio Vatikan berichtet heute unter Berufung auf die Nachrichtenagentur asianews, dass das Volksgericht im vietnamesischen Hanoi den katholischen Blogger Nguyen Huu Vinh wegen der Veröffentlichung staatskritischer Artikel zu fünf Jahren Haft verurteilt hat. Vinh, der in der Vergangenheit Verbindungen zur kommunistischen Partei im Vietnam gehabt habe, und seine Assistentin seien schon 2014 verhaftet worden. Beide erklärten ihre Unschuld. Es kam trotz der schwachen Beweislage zur Verurteilung, so einer der Anwälte des Bloggers gegenüber dem Radiosender Free Asia. Nach der Verlesung des Urteils kam es zu Protesten von ungefähr 200 Personen vor dem Gerichtsgebäude.

missio und “Reporter ohne Grenzen” fordern mit der Kampagne #freeLY für den ebenfalls inhaftierten Internet-Aktivisten und katholischen Priester Ngyuen Van Ly seit dem 26. Januar die Einhaltung der Menschenrechte wie Meinungs- und Religionsfreiheit in Vietnam.

Bitte bei der Unterschriften-Aktion mitmachen!

“Meine Nachfeier der Primiz in Vietnam musste ich beantragen”

Pfarrer Tran

Pfarrer Tran ist katholischer Pfarrer der Gemeinde St. Martin in Wegberg Foto: missio

Während des Vietnamkriegs kam Franz Xaver Huu Duc Tran 1982 als Flüchtling aus Vietnam nach Deutschland. Heute ist er katholischer Pfarrer in der Gemeinde St. Martin in Wegberg. Gegenüber missio erzählt er, wie er die heutige Menschenrechtslage, insbesondere die der Religionsfreiheit in Vietnam einschätzt und welche Rolle Soziale Medien dabei spielen.

 

Wie würden Sie die Situation der Religionsfreiheit in Vietnam einschätzen? Ist der Zustand wirklich so dramatisch, wie er in den Medien beschrieben wird?

Ich kann aus meiner Sicht sagen, dass die vietnamesische Regierung willkürlich handelt. Sie behauptet zwar, dass die Menschenrechte eingehalten werden, dass es so etwas wie Religionsfreiheit und freie Meinungsäußerung gibt, gleichzeitig darf man aber nichts Kritisches gegenüber dem Staat sagen. Da Vietnam Mitglied in dem Verband Südostasiatischer Nationen, kurz ASEAN, ist, müssen die Menschenrechte gewährleistet sein. Faktisch ist das aber nicht so.

Die Regierung behält es sich vor, schnell zuschlagen zu können, wenn ihr was nicht passt.  Das betrifft besonders den Norden Vietnams. Dort gibt es viele Dörfer und Gebiete, in denen die katholische Kirche stark verwurzelt ist. Und das passt der Regierung nicht. Wenn die Regierung kirchlichen Grundbesitz haben möchte, wird einfach nach irgendwelchen Gründen gesucht, wie man diese Menschen enteignen kann.

Was passiert in Vietnam, wenn man eine religiöse Veranstaltung planen möchte?

Ich wurde 2000 zum Priester geweiht. 2001 bin ich dann nach Vietnam gereist, wo ich meine Primiz nachgefeiert habe. Die Messe musste ich beantragen. Hier in Deutschland würde ich nur einen Pfarrer anfragen und mich als katholischer Priester ausweisen. Ich muss weder die Kommune, noch die Stadtverwaltung fragen, ob ich zelebrieren darf.

In Vietnam war und ist das so nicht möglich – nur über einen Antrag. Bei anderen Veranstaltungen, die einen Bezug zu Religion haben, muss man eine Genehmigung einholen.

Soziale Medien werden in Vietnam oft dazu genutzt, um Missstände aufzudecken. Würden Sie sagen, dass die Sozialen Medien eine wichtige Rolle spielen?

Ich glaube, dass das Internet mittlerweile das einzige Medium ist, das nicht so richtig kontrollierbar ist. Man kann zwar geblockt werden, aber man findet immer einen Weg, um online zu gehen und das zu sagen, was man zu sagen hat. Ich finde es gut, dass das Internet so ein offenes Medium ist. Besonders deswegen, weil es dabei hilft, Informationen zu verbreiten und Missstände aufzuzeigen. Und um zu zeigen, wie wichtig Menschenrechte sind und dass sie gelten müssen – nicht nur in Wohlstandsländern wie hier in Deutschland.

Nutzen Sie denn die Sozialen Medien persönlich, um mit Ihrer Familie in Vietnam in Kontakt zu bleiben?

Eher weniger. Meine Eltern wohnen ja in Deutschland und sie sind auch diejenigen, die den Kontakt zu unserer Familie aufrechthalten. Ich halte mich diesbezüglich zurück. Der Knackpunkt des Ganzen liegt nämlich auch darin, dass ich nicht genau weiß, welche Folgen es für meine Familienangehörigen in Vietnam hätte, wenn ich  mit ihnen in Kontakt treten würde. Ich bin da sehr vorsichtig.

Was kann Europa tun, um auf die Missstände in Vietnam aufmerksam zu machen?

Die Menschen müssen lernen zu reflektieren. Nur dann, wenn ich in der Lage bin, mich über mich selbst zu erheben und wenn ich in der Lage bin zu hinterfragen, wer man ist, was mir Halt gibt, wofür es sich zu kämpfen lohnt, was meine Selbstbestimmung ist, dann können Missstände im Keim erstickt werden.

Man muss sich die Menschenrechte als ein großes Wollknäuel vorstellen. Wenn man bei Menschenrechten ansetzt, gehört nicht nur die freie Meinungsäußerung dazu. Und hier beginnt auch das Problem. Man kann Menschenrechte schlecht voneinander trennen. Hier geht es um Fragen, wie: Habe ich Arbeit? Kann ich für meine Familie sorgen? Habe ich ein Dach über dem Kopf? Das sind grundlegende Fragen, und diese gehören für mich auch zu den Menschenrechten dazu. Und um diese Menschenrechte zu gewährleisen, muss zunächst die Bildung gefördert werden. Und dafür tut missio etwas.

Bildung und Gleichberechtigung voranzutreiben – besonders auch den Frauen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, dass sie einen Beruf erlernen können, um ihre Familie mitversorgen zu können. Wenn diese Lebensgrundlage gegeben ist, dann glaube ich auch, dass sich parallel dazu die freie Meinungsäußerung entwickeln kann.

Es geht nicht darum, die Menschenrechte zu relativieren. Die Frage ist, wie wir das hinbekommen, dass Europa, Amerika und andere Staaten, denen es besser geht, etwas dazu beisteuern, sodass die Lebensbedingungen vor Ort erleichtert werden.