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Katholischer Blogger in Vietnam verurteilt

Vietnamesischer Blogger verurteilt: Screenshot der Internetseite von Radio Vatikan. Screenshot: missio

Vietnamesischer Blogger verurteilt: Screenshot der Internetseite von Radio Vatikan. Screenshot: missio

Radio Vatikan berichtet heute unter Berufung auf die Nachrichtenagentur asianews, dass das Volksgericht im vietnamesischen Hanoi den katholischen Blogger Nguyen Huu Vinh wegen der Veröffentlichung staatskritischer Artikel zu fünf Jahren Haft verurteilt hat. Vinh, der in der Vergangenheit Verbindungen zur kommunistischen Partei im Vietnam gehabt habe, und seine Assistentin seien schon 2014 verhaftet worden. Beide erklärten ihre Unschuld. Es kam trotz der schwachen Beweislage zur Verurteilung, so einer der Anwälte des Bloggers gegenüber dem Radiosender Free Asia. Nach der Verlesung des Urteils kam es zu Protesten von ungefähr 200 Personen vor dem Gerichtsgebäude.

missio und “Reporter ohne Grenzen” fordern mit der Kampagne #freeLY für den ebenfalls inhaftierten Internet-Aktivisten und katholischen Priester Ngyuen Van Ly seit dem 26. Januar die Einhaltung der Menschenrechte wie Meinungs- und Religionsfreiheit in Vietnam.

Bitte bei der Unterschriften-Aktion mitmachen!

“Meine Nachfeier der Primiz in Vietnam musste ich beantragen”

Pfarrer Tran

Pfarrer Tran ist katholischer Pfarrer der Gemeinde St. Martin in Wegberg Foto: missio

Während des Vietnamkriegs kam Franz Xaver Huu Duc Tran 1982 als Flüchtling aus Vietnam nach Deutschland. Heute ist er katholischer Pfarrer in der Gemeinde St. Martin in Wegberg. Gegenüber missio erzählt er, wie er die heutige Menschenrechtslage, insbesondere die der Religionsfreiheit in Vietnam einschätzt und welche Rolle Soziale Medien dabei spielen.

 

Wie würden Sie die Situation der Religionsfreiheit in Vietnam einschätzen? Ist der Zustand wirklich so dramatisch, wie er in den Medien beschrieben wird?

Ich kann aus meiner Sicht sagen, dass die vietnamesische Regierung willkürlich handelt. Sie behauptet zwar, dass die Menschenrechte eingehalten werden, dass es so etwas wie Religionsfreiheit und freie Meinungsäußerung gibt, gleichzeitig darf man aber nichts Kritisches gegenüber dem Staat sagen. Da Vietnam Mitglied in dem Verband Südostasiatischer Nationen, kurz ASEAN, ist, müssen die Menschenrechte gewährleistet sein. Faktisch ist das aber nicht so.

Die Regierung behält es sich vor, schnell zuschlagen zu können, wenn ihr was nicht passt.  Das betrifft besonders den Norden Vietnams. Dort gibt es viele Dörfer und Gebiete, in denen die katholische Kirche stark verwurzelt ist. Und das passt der Regierung nicht. Wenn die Regierung kirchlichen Grundbesitz haben möchte, wird einfach nach irgendwelchen Gründen gesucht, wie man diese Menschen enteignen kann.

Was passiert in Vietnam, wenn man eine religiöse Veranstaltung planen möchte?

Ich wurde 2000 zum Priester geweiht. 2001 bin ich dann nach Vietnam gereist, wo ich meine Primiz nachgefeiert habe. Die Messe musste ich beantragen. Hier in Deutschland würde ich nur einen Pfarrer anfragen und mich als katholischer Priester ausweisen. Ich muss weder die Kommune, noch die Stadtverwaltung fragen, ob ich zelebrieren darf.

In Vietnam war und ist das so nicht möglich – nur über einen Antrag. Bei anderen Veranstaltungen, die einen Bezug zu Religion haben, muss man eine Genehmigung einholen.

Soziale Medien werden in Vietnam oft dazu genutzt, um Missstände aufzudecken. Würden Sie sagen, dass die Sozialen Medien eine wichtige Rolle spielen?

Ich glaube, dass das Internet mittlerweile das einzige Medium ist, das nicht so richtig kontrollierbar ist. Man kann zwar geblockt werden, aber man findet immer einen Weg, um online zu gehen und das zu sagen, was man zu sagen hat. Ich finde es gut, dass das Internet so ein offenes Medium ist. Besonders deswegen, weil es dabei hilft, Informationen zu verbreiten und Missstände aufzuzeigen. Und um zu zeigen, wie wichtig Menschenrechte sind und dass sie gelten müssen – nicht nur in Wohlstandsländern wie hier in Deutschland.

Nutzen Sie denn die Sozialen Medien persönlich, um mit Ihrer Familie in Vietnam in Kontakt zu bleiben?

Eher weniger. Meine Eltern wohnen ja in Deutschland und sie sind auch diejenigen, die den Kontakt zu unserer Familie aufrechthalten. Ich halte mich diesbezüglich zurück. Der Knackpunkt des Ganzen liegt nämlich auch darin, dass ich nicht genau weiß, welche Folgen es für meine Familienangehörigen in Vietnam hätte, wenn ich  mit ihnen in Kontakt treten würde. Ich bin da sehr vorsichtig.

Was kann Europa tun, um auf die Missstände in Vietnam aufmerksam zu machen?

Die Menschen müssen lernen zu reflektieren. Nur dann, wenn ich in der Lage bin, mich über mich selbst zu erheben und wenn ich in der Lage bin zu hinterfragen, wer man ist, was mir Halt gibt, wofür es sich zu kämpfen lohnt, was meine Selbstbestimmung ist, dann können Missstände im Keim erstickt werden.

Man muss sich die Menschenrechte als ein großes Wollknäuel vorstellen. Wenn man bei Menschenrechten ansetzt, gehört nicht nur die freie Meinungsäußerung dazu. Und hier beginnt auch das Problem. Man kann Menschenrechte schlecht voneinander trennen. Hier geht es um Fragen, wie: Habe ich Arbeit? Kann ich für meine Familie sorgen? Habe ich ein Dach über dem Kopf? Das sind grundlegende Fragen, und diese gehören für mich auch zu den Menschenrechten dazu. Und um diese Menschenrechte zu gewährleisen, muss zunächst die Bildung gefördert werden. Und dafür tut missio etwas.

Bildung und Gleichberechtigung voranzutreiben – besonders auch den Frauen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen, dass sie einen Beruf erlernen können, um ihre Familie mitversorgen zu können. Wenn diese Lebensgrundlage gegeben ist, dann glaube ich auch, dass sich parallel dazu die freie Meinungsäußerung entwickeln kann.

Es geht nicht darum, die Menschenrechte zu relativieren. Die Frage ist, wie wir das hinbekommen, dass Europa, Amerika und andere Staaten, denen es besser geht, etwas dazu beisteuern, sodass die Lebensbedingungen vor Ort erleichtert werden.

 

“Unsere Stimme für verfolgte Blogger”

Informationsfreiheit und Religionsfreiheit sind untrennbar verbunden. Dafür setzt sich missio ein. misso und Reporter ohne Grenzen fordern gemeinsam die Freilassung von dem inhaftierten katholischen Priester, Blogger und Bürgerjournalisten Nguyen Van Ly. Deswegen haben sie am 26. Januar eine Petition gestartet. Warum andere Blogger diese Aktion unterstützen, schildern sie in der missio-Serie „Unsere Stimme für verfolgte Blogger“. Heute kommt Dr. Hong-An Duong zu Wort, der den Blog “Forum Vietnam 21” koordiniert.

Dr. Hong-An Duong ist auf dem Blog "Forum Vietnam 21" aktiv

Dr. Hong-An Duong ist auf dem Blog “Forum Vietnam 21″ aktiv

Was empfinden Sie, wenn Sie von der Menschenrechtssituation in Vietnam hören?    

Zuallererst denke ich an die vielen mutigen Menschen in Vietnam, die sich trotz aller widrigen Umstände und unter hohem persönlichen Risiko für Bürger- und Menschenrechte einsetzen. Vor diesen aufrechten Menschen habe ich großen Respekt und möchte ihnen ein herzliches „Dankeschön“ sagen.

Autoritäre Regime halten bekanntlich internationale Abmachungen und Verpflichtungen, welche sie selbst unterzeichnen, nicht ein. Die vietnamesische Regierung missachtet trotz Mitgliedschaft im UN-Menschenrechtsrat ganz offen im eigenen Land die Presse-, Meinungs- und Religionsfreiheit. Menschenrechtsaktivisten und regierungskritische Blogger werden systematisch verfolgt.

Um Dissidenten mundtot zu machen und zugleich um die Weltöffentlichkeit zu täuschen, wenden die Machthaber in Hanoi perfide Methoden an. Menschenrechtlern wird wegen angeblicher Steuersünden oder angeblicher krimineller Vergehen der Prozess gemacht. Neuerdings werden Blogger sogar von Schlägertrupps überfallen und schwer misshandelt.

Trotz des brutalen Vorgehens des Regimes gegen Andersdenkende gibt es Lichtblicke im Kampf für Menschenrechte. Die Zahl der Menschen im Lande, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnehmen wollen, wächst ständig. Somit entsteht für das Regime so etwas wie ein „Teufelskreis“. Je mehr Aktivisten verhaftet werden, desto mehr werden ihre Stimmen gegen die Willkürherrschaft des totalitären Hanoier Regimes erheben. Es ist eine Frage der Zeit, wie lange die KP Vietnams diesem Druck standhalten kann.

Was können wir im Westen für die betroffenen Blogger in Vietnam tun?

Vietnamesische Menschenrechtler vermissen die internationale Solidarität schmerzlich und bedauern das mangelnde Interesse der Weltpresse. Der stille Widerstand gegen die Mächtigen in Vietnam produziert leider keine Schlagzeilen. Stattdessen liest man in den Medien regelmäßig Reiseberichte über Sehenswürdigkeiten in Vietnam und günstige Preise in den Urlaubsorten. Gerade wegen dieses Mankos ist die Unterstützung aus dem Westen für die Menschenrechtsbewegung in Vietnam von immenser Bedeutung. Die deutsche Öffentlichkeit, sprich deutsche Politiker, Menschenrechtsaktivisten und -organisationen sollen sich offen für die betroffenen vietnamesischen Blogger einsetzen. Es ist erwiesen, dass internationaler Druck auf das Regime nicht wirkungslos verpufft. In mindestens drei Fällen wurden nach internationaler Intervention bekannte Blogger freigelassen. Sehr hilfreich waren auch Treffen von deutschen Politikern mit den Bloggern im Rahmen ihrer Vietnam-Reisen. Als Beispiel möchte ich Gespräche vom Fraktionsvorsitzenden der CDU im Bundestag, Volker Kauder, von Bundesminister Sigmar Gabriel, vom Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Christian Lange und andere mehr mit einigen Aktivisten nennen. Beachtenswert war auch der Besuch von Kardinal Reinhard Marx im Januar 2016 in Vietnam. Mit Gläubigen, Dissidenten und auch mit Regierungsvertretern konnte Kardinal Marx sprechen. Dabei hat es sich gezeigt, dass der Kardinal sich sehr für die Religionsfreiheit in Vietnam einsetzt.

Manche vietnamesische Dissidenten, Blogger und Menschenrechtsgruppierungen in Deutschland haben es sich zur Aufgabe gemacht, in vielfältiger Weise den regierungskritischen Bloggern in der Heimat beizustehen. Da es kaum Presseberichte über die politische Verfolgung in Vietnam gibt, versuchen sie die deutsche Öffentlichkeit über Verstöße gegen die Menschenrechte in Vietnam zu informieren. Sie übertragen beispielweise die von den Bloggern in Vietnamesisch verfassten Nachrichten ins Deutsche, die dann per E-Mail beziehungsweise über Webseiten eine breitere Öffentlichkeit erreichen. Sie werden somit zum Sprachrohr der vietnamesischen Blogger im westlichen Ausland. Mahnwachen und Tagungen mit deutscher Beteiligung gehören zu den Aktivitäten der Exilvietnamesen. Auch eine Kooperation mit deutschen Organisationen, Menschenrechtsgruppen und Bloggern ist höchst wünschenswert.

Warum sind Informations- und Religionsfreiheit Ihrer Meinung nach untrennbar?

Ohne Informationsfreiheit, ohne Rede-und Meinungsfreiheit kann es keine Religionsfreiheit geben. Es ist unerträglich, wenn der Staat selektieren und bestimmen kann, wer (sprich „ein Normalbürger“) einen Gottesdienst besuchen darf und wer (sprich „ein regimekritischer Bürger“) nicht. Genau das versucht das vietnamesische staatliche „Komitee für religiöse Angelegenheiten“ zu erreichen. Es kontrolliert alle Aktivitäten der jeweiligen Religionen und unterbindet den Informationsaustausch unter den Gläubigen. Zwei Religionsführer, der katholische Priester Nguyen Van Ly und der buddhistische Mönch Thich Quang Do, dürfen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung nicht wahrnehmen. Beide befinden sich nämlich seit Jahren in Haft bzw. unter Hausarrest.

 

 

„Unsere Stimme für verfolgte Blogger“

Informationsfreiheit und Religionsfreiheit sind untrennbar verbunden. Dafür setzt sich missio ein. misso und Reporter ohne Grenzen fordern gemeinsam die Freilassung von dem inhaftierten katholischen Priester, Blogger und Bürgerjournalisten Nguyen Van Ly. Deswegen haben sie am 26. Januar eine Petition gestartet. Warum andere Blogger diese Aktion unterstützen, schildern sie in der missio-Serie „Unsere Stimme für verfolgte Blogger“. Heute kommt Josef Bordat zu Wort.

missio und Reporter ohne Grenzen fordern die Freilassung von Nguyen Van Ly

missio und Reporter ohne Grenzen fordern die Freilassung von Nguyen Van Ly

 

1) Was empfinden Sie, wenn Sie von der Menschenrechtssituation in Vietnam hören?

Große Verärgerung darüber, dass es immer noch Regime gibt, die meinen, man könne elementare Menschenrechte wie die Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit sowie die Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit einschränken – und die dann auch noch mit dem Gemeinwohl argumentieren. Es ist nicht hinnehmbar, dass ein Land die Mindeststandards einer freiheitlichen Gesellschaft unterläuft, zumal dann nicht, wenn es sich ausdrücklich dazu bekannt hat – Vietnam hat ja den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie den Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte ratifiziert. Insbesondere das subtile Kontroll- und Unterdrückungssystem der vietnamesischen Behörden weckt Erinnerungen an schlimme Zeiten der jüngeren deutschen Geschichte, Zustände, die hierzulande Gott sei Dank überwunden sind. Es gibt zwar Staaten mit weitaus dramatischeren Menschenrechtsverletzungen, aber über den Nahen und Mittleren Osten dürfen wir den Fernen Osten, dürfen wir Vietnam nicht vergessen. Gerade das Schicksal katholischer Blogger, die von den Repressionen in gewisser Weise doppelt betroffen sind (als gläubige Christen und aktive Publizisten), geht mir als katholischem Blogger sehr nahe.

2) Was können wir im Westen für die betroffenen Blogger in Vietnam tun?

Das, was man grundsätzlich tun kann, wenn Menschenrechte in anderen Teilen der Welt verletzt werden: die Öffentlichkeit informieren, damit möglichst viele Menschen wissen, was passiert, denn nichts scheinen Regime, die Menschenrechte verletzen, mehr zu fürchten als eine kritische Öffentlichkeit (daher ja auch das gezielte Vorgehen gegen Blogger). Wenn diese Öffentlichkeit global ist, steigt der Druck (und in Zeiten des Internet ist das verhältnismäßig schnell und einfach zu organisieren – wenn Shakira, Barack Obama, Papst Franziskus und Cristiano Ronaldo heute twittern “#freevietnam”, weiß morgen jeder zweite Mensch auf Erden Bescheid, dass es da ein Problem gibt). Man kann (und sollte) zudem die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft auffordern, in den Beziehungen zu Vietnam das Thema Menschenrechte gezielt anzusprechen. Auch Kooperationen in Sachen Kultur und Bildung brauchen Mindeststandards, um zu gelingen. Schließlich sollten wir den Kontakt zu Exil-Vietnamesen im Westen suchen (immerhin gibt es davon vier Millionen; viele leben in den USA, aber auch bei uns in Deutschland leben wohl mehr als 100.000) und mit ihnen bzw. ihren Interessenvertretungen gemeinsam nach Wegen suchen, das Thema sinnvoll anzugehen.

3) Warum sind Informations- und Religionsfreiheit Ihrer Meinung nach untrennbar?

Ja, Informations- und Religionsfreiheit gehören grundsätzlich zusammen. Das mag nach den Debatten um “Charlie Hebdo” überraschen, doch bei tieferer Betrachtung wird deutlich: Ein religiöser Glaube kann nicht frei ausgeübt werden, wenn es keine Freiheit der Meinungsäußerung gibt, und Journalisten können nicht frei wirken, wenn ein so bedeutender Teil der Kultur, über die sie berichten wollen, nur unter strengen behördlichen Kontrollen und absurden Genehmigungsvorbehalten realisiert werden kann. Letztlich basiert auch der Spott über Religion nicht nur auf Meinungs- und Pressefreiheit, sondern ganz wesentlich auch auf der Freiheit des satirisch betrachteten Gegenstands, also auf Glaubens- und Religionsfreiheit. Für beide Rechte gilt zudem der gleiche Grund und die gleiche Grenze: die Würde des Menschen.

Alle Blogger bitte helfen: Kampagne #FreeLy für verfolgten Christen und Blogger Nguyen Van Ly

missio Aachen und Reporter ohne Grenzen fordern die Freilassung des vietnamesischen Online-Aktivisten Nguyen Van Ly

Gemeinsam für Menschenrechte: missio und Reporter ohne Grenzen. Foto: missio

Gemeinsam für Menschenrechte: missio und Reporter ohne Grenzen. Foto: missio

Reporter ohne Grenzen und das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen starteten am 26. Januar in Berlin eine gemeinsame Petition für den vietnamesischen Menschenrechtsaktivisten und katholischen Priester Nguyen Van Ly. Damit wollen beide Menschenrechtsorganisationen auch für die Unteilbarkeit der Menschenrechte auf Informations- und Religionsfreiheit eintreten. missio-Präsident Prälat Klaus Krämer und Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, schalteten die Online-Petition und Social-Media-Kampagne #freeLy frei. Sie fordern darin die Bundesregierung auf, sich für die Freilassung von Nguyen Van Ly einzusetzen und gegenüber Vietnam die Streichung des Paragrafen 258 des Strafgesetzbuches anzumahnen, der die Unterdrückung der Meinungs- und Informationsfreiheit ermöglicht. Die Unterschriften der Petitions-Unterstützer werden Anfang September der Bundesregierung überreicht.

Um das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, stellen wir ein Blogger-Kit zur Verfügung, das zahlreiche Materialien zur Aktion enthält. Das Blogger-Kit können Sie hier herunterladen. Wer sich aktiv an der Aktion beteiligen möchte, ist herzlich dazu eingeladen, die Materialien zu nutzen, sowohl online als auch offline.

Sie können eine Unterschriftenliste bei missio in Papierform herunterladen, damit Unterschriften für Nguyen Van Ly sammeln und die Liste(n) an missio zurücksenden.

“Aktion Lebenszeichen”-Protagonist Le Quoc Quan aus Gefängnis entlassen

Der vietnamesische katholische Menschenrechtsanwalt und Blogger Le Quoc Quan ist am 29. Juni 2015 aus dem Gefängnis entlassen worden. Blogger wie Le Quoc Quan sind Bürgerjournalisten, die im Internet und Sozialen Medien eigene journalistische Beiträge auf eigenen Seiten veröffentlichen.  Le Quoc Quan ist zudem Protagonist der missio-„Aktion Lebenszeichen – Solidarität mit bedrängten Christen“. Das Internationale Katholische Missionswerk missio in Aachen freut sich mit Le Quoc Quan über seine Freiheit und hofft, dass er nach seiner Entlassung wieder seine Arbeit als Rechtsanwalt aufnehmen kann.

Weitere katholische Blogger warten in Vietnam auf Ihre Freilassung

Le Quoc Quan war 2012 verurteilt worden. Im gleichen Jahr wurden in Vietnam nach Angaben der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ 48 Blogger zu insgesamt 166 Jahren Gefängnishaft und 63 Jahren Bewährung verurteilt. Derzeit sitzen laut „Reporter ohne Grenzen“ noch 27 Online-Aktivisten und Bürgerjournalisten in Haft. Darunter befindet sich gegenwärtig auch noch die katholische Bloggerin Maria Ta Phong Tan, die 2012 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Für diese Bloggerinnen und Blogger möchte sich missio auch nach der Freilassung von Le Quoc Quan weiter einsetzen. Denn: Informationsfreiheit und Religionsfreiheit gehören untrennbar zusammen und bedingen sich gegenseitig.

Bürgerjournalisten übernehmen in Vietnam wichtige Funktion

Die Informationsfreiheit ist in der Sozialistischen Republik Vietnam stark eingeschränkt. Der Staat kontrolliert weitestgehend die klassischen Medien. Die Aufgabe eines unabhängigen Journalismus haben Blogger im Internet und Sozialen Medien übernommen. Der Anteil der katholischen Blogger ist dabei im Verhältnis zur Zahl der Katholiken insgesamt in Vietnam erstaunlich hoch.

Inhaftierter vietnamesischer Menschenrechtler neu in der missio-Kampagne “Aktion Lebenszeichen – Solidarität mit bedrängten Christen”

Vorderansicht des Flyers für Le Qouc Quan der "Aktion Lebenszeichen". Foto: missio

Vorderansicht des Flyers für Le Qouc Quan der “Aktion Lebenszeichen”. Foto: missio

Le Quoc Quan ist ein vietnamesischer katholischer Menschenrechtler, Internet-Blogger und Rechtsanwalt, der in der sozialistischen Republik Vietnam im Gefängnis sitzt: Genau vierzig Jahre nach dem Ende des Vietnamkrieges nimmt ihn missio am 1. Mai in seine Kampagne “Aktion Lebenszeichen – Solidarität mit bedrängten Christen” auf.

missio-Projektpartner berichten zwar, dass Vietnam nach Jahrzehnten bürokratischer Schikanen und Diskriminierung für die katholische Kirche kleine Freiräume eröffnet. “Wir begrüßen diese Schritte der Entspannung zwischen Staat und Kirche und können Vietnam nur ermutigen, auf diesem Weg weiterzugehen. Gleichzeitig weisen wir aber mit unserer Unterstützung für Le Quoc Quan darauf hin, dass das Land immer noch fundamentale Menschenrechte missachtet und darunter auch engagierte Katholiken leiden”, so missio-Präsident Prälat Dr. Klaus Krämer. “Vollständige Religionsfreiheit kann es ohne Meinungsfreiheit nicht geben, die Menschenrechte sind unteilbar. Der praktizierende Katholik Le Quoc Quan steht beispielhaft für viele, denen der Weg Vietnams zu mehr Demokratie und Bürgerrechten zu langsam geht”, so Prälat Krämer.

missio-Präsident: Menschenrechte sind unteilbar. Vollständige Religionsfreiheit kann es ohn Meinungsfreiheit nicht geben.

Zum Beispiel Le Quoc Quan: Der damals 41-jährige Le Quoc Quan wurde Ende 2012 verhaftet und zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Im Prozess ging es um Steuerhinterziehung, aber die Beobachter sind sich einig: Bestraft wurde der Aktivist wegen seines Einsatzes für die Kirche, Menschenrechte und Demokratie. So protestierte Le Quoc Quan beispielsweise am 29. Januar 2008 friedlich und betend mit anderen Katholiken in Hanoi an der Kathedrale St. Joseph. Sie wandten sich gegen die Beschlagnahmung von kirchlichen Grundstücken durch den Staat. Der Jurist machte öffentlich, dass er und andere dabei durch staatliche Kräfte geschlagen worden sind. Eine erste Verhaftung wenige Monate zuvor und dieses Erlebnis bestärkten ihn in der Überzeugung, dass das Zeugnis für den Glauben den entschiedenen Einsatz für Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit überhaupt fordert.

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