Vietnam verhaftet vier Aktivisten

ein Beitrag von ucanews.com

Ein Pfarrer und drei Aktivisten sind in Vietnam verhaftet worden. Anschuldigung: Sie sollen versucht haben die kommunistische Regierung zu stürzen. Dies kumulierte in einer wachsenden Niederschlagung von Aktivisten und Dissidenten.Redemptoristen sagen, dass die Verhafteten anständige Menschen sind, die auf friedliche Weise für das Gemeinwohl arbeiten.

Das Ministerium für öffentliche Sicherheit verkündete am 30. Juli, dass Sicherheitsbeamte Pastor Nguyen Trung Ton aus der nördlichen Provinz Thanh Hoa, Ingenieur Pham Van Troi aus Hanoi, freier Schriftsteller Truong Minh Duc und Rechtsanwalt Nguyen Bac Truyen, beide aus Ho-Chi-Minh-Stadt, verhaftet wurden.

Das Ministerium sagte, die vier werden dafür angeklagt “die Regierung zu stürzen”. Sie sind dem christlichen Rechtsanwalt Nguyen Van Dai verbunden, der zusammen mit dem Aktivisten Le Thu Ha im Dezember 2015 verhaftet wurde.

Ton, 45, erholt sich immer noch von schweren Verletzungen, weil er von der Zivilpolizei im Februar angegriffen wurde. Davor wurde der Pfarrer, Mitglied des Interfaith Council of Vietnam, zu zwei Jahren Gefängnis und zu zwei Jahren Hausarrest für sogenannte „Anti-Staats-Aktivitäten“ verurteilt.

Ton dient auch als Chef der Bruderschaft für Demokratie (BFD), einer lokalen zivilgesellschaftlichen Gruppe. Troi und Duc sind Mitglieder dieser Gruppe, während Truyen für das Justiz- und Friedensbüro arbeitet, das von den Redemptoristen in Ho-Chi-Minh-Stadt betrieben wird.

In ihrer Erklärung vom 30. Juli beschrieb die BFD die Verhaftungen als verfassungswidrig. DIe Verfassung der Sozialistischen Republik Vietnam verstößt gegen die universelleErklärung der Menschenrechte, wie sie in der UN-Charta definiert ist. “Wir fordern, dass die veitnamesische Regierung die Gefangenen bedingungslos freilässt, sowie alle Gefangenen, die in den letzten Jahren verhaftet wurden, willkürlich verfolgt worden sind”, so die Erklärung.

Sie fordert auch das veitnamesische Volk dazu auf, die Regierung zu bitten, “sofort aufzuhören, das Volk zu unterdrücken”, und sich gegen die Handlungen der Regierung auszusprechen, die “die Freiheit, die Demokratie und die Menschenrechte des vietnamesischen Volkes erwürgen”. In einem früheren Zwischenfall verhaftete die Polizei in der Provinz Nghe An, im Norden Vietnams, am 24. Juli den prominenten Dissidenten Le Dinh Luong. Luong, ein Katholik, wurde beschuldigt, “regelmäßige Aktivitäten mit dem Ziel zu führen, die Regierung zu stürzen”.

Die Regierung lügt

Redemptoristen-Pater Anthony Le Ngoc Thanh, Leiter des Justiz- und Friedensbüros, sagte in einem Videoclip auf Facebook, dass die Verhafteten “gute Leute sind und für das Gemeinwohl in einer friedlichen Weise arbeiten.” Ihre Beiträge würden sehr geschätzt.

Pater Thanh sagte, dass die jüngsten Verhaftungen zeigen, dass die Regierung diejenigen fürchtet, die von der Öffentlichkeit hoch respektiert werden. “Die Menschen vertrauen nicht mehr darauf, was kommunistische Behörden sagen, weil sie nicht die Wahrheit sagen”, sagte er.

Pater Thanh sagte, dass die Behörden die Eigentümer der Menschen stehlen, anstatt ihnen zu helfen. Der Staat weiß, dass die Menschen den Glauben an sie verloren haben, sagte der Priester. Es ist schade, dass die Regierung Polizei und Gefängnis benutzt, um Menschen zu unterdrücken, die so hoch angesehen werden”, sagte Vater Thanh. Er sagte in der Vergangenheit, dass die Leute befürchteten, verhaftet zu werden. Dies hat sich in den letzte Jahren geändert. Die Angst ist fort, sagte er.Der Priester zitierte den Journalisten Huynh Ngoc Chenh, der über Facebook sagte: “Sei nicht traurig, weil deine Freunde verhaftet werden, aber sei traurig, warum wir noch nicht verhaftet worden sind. „Kämpfen bedeutet, eine Haftstrafe zu akzeptieren.“ Vater Thanh warnte, dass die Verhaftungen nur die Menschen dazu anregen werden, gegen die Regierung zu kämpfen. In diesem Jahr hat die Regierung bislang 19 Aktivisten eingesperrt, von denen die meisten beschuldigt wurden, Anti-Staats-Kampagnen zu führen.

 

 

Vietnam: Trần Thị Nga zu neun Jahren Haft verurteilt

logo vietnam1Sie postete Videos und Artikel, die den Staat beschuldigten, die Menschenrechte zu verletzen. Keiner ihrer Verwandten oder Freunde durfte beim Gerichtstermin anwesend sein. Ihr Anwalt plant Einspruch zu erheben.

Menschenrechtsaktivistin Trần Thị Nga, 40, wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, weil ihr „Propaganda gegen den Staat“ vorgeworfen wird. Sie wurde bereits am 21. Januar verhaftet, weil sie Videos und Artikel online stellte, die beinhalteten, dass der kommunistische Staat die Menschenrechte verletzt. Darüber hinaus forderte sie Pluralismus und die Abschaffung des Einparteiensystems.

Nga wurde vom Gericht, in der Provinz Hà Nam im Norden Vietnams, verurteilt, nach Artikel 88 des vietnamesischen Strafgesetzbuches, der oft dazu genutzt wird um regierungskritische Blogger und Aktivisten zum Schweigen zu bringen.

„Die Beweise wurden nicht auf rechtsgültigem Wege gesammelt“, sagte Hà Huy Sơn, einer von Trần Thị Nga Verteidiger. Das Gericht wies diese Anschuldigungen ab und sprach sie schuldig. Sơn erwartet eine Verurteilung “in Bälde”.

Während des Prozesses durften nur Polizei und vom Gericht zugelassene Personen anwesend sein. Kein Familienmitglied von Trần Thị Nga durfte der Verhandlung beiwohnen. „Die Polizei sagte, dass der Saal zu voll sei, also fragten wir sie, ob es Lautsprecher gibt, sodass wir den Prozess trotzdem mitbekommen, aber sie lehnten ab“, sagte Aktivist Lã Việt Dũng. „Zuerst ließen sie uns vor dem Gericht warten, dann beschuldigten sie uns, dass wir stören würden und jagten uns schließlich davon.“

Nga, die zwei Kinder hat, ist bekannt dafür, dass sie Rechte der vietnamesischen Gastarbeiter und der Opfer von Landraub verteidigt. Im Mai 2014 erlitt sie schwere Verletzungen, als sie von einer Gruppe von Männern angegriffen wurde.

In Vietnam gibt es kaum Pressefreiheit. Reporter ohne Grenzen zufolge, ist es auf Platz 175 von insgesamt 180 Ländern.

Während der letzten Wochen wurden mehrere Blogger und Aktivisten verurteilt. Nguyễn Ngọc Như Quỳnh, 37, ein katholischer Blogger, der auch als Mẹ Nấm oder Mother Mushroom bekannt ist, muss zehn Jahre ins Gefängnis. Pierre Pham Minh Hoang, ein katholischer französisch-vietnamesischer Blogger legte seine Staatsbürgerschaft ab (man ist nicht sicher, ob unter Zwang), und flüchtete aus seinem Heimatland.

(Beitrag von www.ucanews. it)

Irak: Vom freigelassen

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Pfarrer Pitzal konnte sich bei seinem Besuch im Irak mit missio-Projektpartner Pater Jacques Murad unterhalten, der vom IS gefangen genommen und gefesselt wurde. Er musste das Kloster Marmusa in Syrien verlassen. Pater Jacques wurde zusammen mit einem Novizen in das berüchtigte, von den IS geleitete Gefängnis Raka gebracht.

Er berichtete, wie er sich jeden Tag den langen Verhören der IS stellen musste, die immer mit der Drohung endeten, dass er enthauptet werden würde. Nach drei Monaten wurde er dann in das Gefängnis nach Palmyra verlegt. Es ist ja jene Kulturstätte, die in aller Welt bekannt ist und von den IS zum Schrecken der Welt weithin zerstört wurde. Sein Gefängnis war ein Bad, wo er wenigstens die Möglichkeit hatte, an Wasser zu kommen. Alles, was die IS ihm zu sagen hatte, endete mit dem Satz „Es geschieht im Namen Gottes“, doch ihre Gesichter zeigten nur Gewalt. In diesem Gefängnis sollten wohl auch Pater Paul und der Bischof von Aleppo und ein weiterer Bischof sein, von ihnen fehlt jedoch noch jede Spur.

„In jenem Gefängnis bist du nichts wert“, sagte Pater Jacques zu Franz Pitzal. „Man befindet sich immer außerhalb des Menschlichen. Erst jetzt merkt man, was Freiheit ist, was sie für das Leben der Menschen bedeutet.“ Zu seiner Überraschung kamen in das Gefängnis nach Palmyra die gesamten Bewohner seiner Heimatgemeinde. Das gab ihm Stärke, wie er sagte. Er war nicht mehr der Einzige, der dem Tode nahe war und letzten Endes baute er auf die Zuversicht, die er in Jesus Christus bekommt.

Wie ein Vogel eingesperrt kam ich mir hier vor. Du bist zwar frei erschaffen, hast aber das Wichtigste verloren – deine Freiheit.

(Pater Jacques)

Einen Monat war er dann allein in einem Raum, bevor dann noch drei Muslime dazukamen. Man teilte miteinander Traurigkeit und Leid. „Ich war mir bewusst, hier muss ich sterben. Aber das machte mich immer freier und ich sah vor mir das Meer der Gnade und fühlte mich jetzt im Angesicht Gottes.“ Das Materielle zählte plötzlich nichts mehr für ihn, ob am Boden schlafend, ob mit oder ohne Seife versorgt. Täglich betete er den Rosenkranz, der ihm viel Kraft gab, um auch die Not seiner Mitgefangenen zu teilen. Er erinnerte sich noch, wie er am 11. August 2015 in Palmyra zu einem erneuten Verhör geführt wurde. Er meinte, dass jetzt in einem kleinen Zimmer durch die Mitteilung des Kalifen sein Schicksal besiegelt würde. „Trotzdem“, so sagte er, „hatte ich keine Angst mehr.“ Denn seine Gemeindemitglieder waren ja mit dabei und ihnen würde wohl das gleiche geschehen wie ihm. In der Gemeinsamkeit ist es leichter, das eigene Leid zu ertragen. „Angst macht nicht stark“, sagte er. „Die Stärke liegt in der Schwachheit.“ Und in diesem Moment des Verhörs, schwand bei ihm alle Angst und es war ihm bewusst, was er sagen würde. Man stellte ihm die Frage nach den Christen in seiner Heimatgemeinde. „Und ich hatte den Mut, nach dem Warum zu fragen. Da gab man mir zur Antwort: „Weil Ihr Christen das Angebot Waffen zu bekommen, abgelehnt habt, werdet ihr freikommen.“ Wir konnten dies gar nicht glauben. Wir durften aus dem Strom der Gewalt aussteigen. Es gibt auch noch Menschen unter den Milizen, die anders denken und die humanitäre Hilfe der Kirche akzeptieren.“ Und so ist er mit seinen Gemeindemitgliedern zurückgekehrt. „Wir durften wieder frei leben. Als wir daheim angekommen waren, wurde unser Ort von den Russen bombardiert. Wir sahen wieder keine Zukunft vor uns. Ich überlegte, was ich tun sollte.“, sagte Pater Jacques. „Vielleicht kann ich von außen mehr für diese Menschen tun.“ Ein Mitbürger kannte einen geheimen Weg und so kam er am 1.September mit einem Motorrad aus dem Bombenhagel seiner Heimat heraus in den Irak.

Ein weiteres Erlebnis hatte er noch mit der IS, die ja bewusst alle Gräber zerstören, weil Gräber Gotteslästerung seien. Es starb ein Christ und die IS baten ihn, er solle diesen Christen beerdigen. Dies war völlig ungewöhnlich und zeigte, dass sie zu ihm sogar Vertrauen hatten.

Jetzt, nachdem er im Irak ist, versucht er, für die Menschen in seinem Heimatort Hilfestellung zu geben. Die IS ist eine Gruppe, die sich von allen absondert. Sie ist eine kriminelle Gruppe, das ist keine Frage, aber sie können auch anders handeln. Von den Russen erwartet Jacques nichts. „Sie zerstören alles, auch unser Kloster. Sie schützen die Christen nicht.“ Sein größter Schmerz sind jene Christen, die lügen und nicht die Wahrheit sagen. Für mehr Menschlichkeit und Stärke möchte er eintreten, bescheiden, ruhig, zurückhaltend, wie er auf Pfarrer Pitzal wirkte.

 

 

Irak: Eindrücke im Land des Terrors

 

Pfarrer Pitzal mit missio-Projektpartnern Pater Jacques und Pater Jens

Pfarrer Pitzal mit missio-Projektpartnern Pater Jacques und Pater Jens

Pfarrer Pitzal aus Renningen besuchte missio-Projektpartner im Irak und erzählt von seinen Eindrücken vor Ort. Dort hatte er direkte Kontakte in den Flüchtlingslagern, besuchte Bischöfe und Kirchenleute, die ihm authentisch berichteten, führte Gesprächen mit Menschen, die Schreckliches bei der IS in Gefangenschaft und auf der Flucht erlebten. Millionen Menschen in der Ninive Ebene und in den übervollen Lagern wissen nicht, wie es weitergeht.

In Sulaymaniya, einer Stadt mit einer Million Einwohner, die durch die Flüchtlinge auf zwei Millionen angewachsen ist, kam Pfarrer Pitzal im Kloster der chaldäischen Mönche mit Pater Jens und Pater Jacques sowie der deutschen Schwester Frederike zusammen. In diesen Tagen wurde für die muslimischen und christlichen Einwohner sowie für die Flüchtlinge nach wochenlanger Arbeit ein Theaterstück durch den Regisseur Stefan aus Berlin eingeübt. Ziel war es, sowohl im Klosterhof wie auch in den Lagern den Menschen Freude und auch etwas Mut zu machen.

Außerhalb der Stadt liegen die Lager. Die Lagerstraßen scheinen kein Ende zu haben, endlose Trostlosigkeit. Die Lager sind umgeben mit Stacheldraht, fast niemand darf das Lager verlassen. Essen und Wasser wird ins Lager gebracht. Die Menschen leben in „Caravans“ – so nennen sie die Container-Häuser -, die gut eingerichtet sind und in denen etwa 8-10 Personen einen Raum bewohnen. Die Regierung hat bereits gemauerte Toiletten errichtet, um die die Lagerbewohner ein eigenes Haus bauen können. Dies besagt, dass eine Rückkehr in die nicht allzu weit entfernte Heimat demnächst wohl nicht möglich sein wird. Im Lager gibt es bereits eine Schule, eine medizinische Einrichtung, einen Sportplatz und auch eine Kirche. Es gibt mehrere Lager dieser Art. Nur mit kundiger Führung sind sie mit einem Auto zu erreichen.

Pfarrer Pitzal mit Studenten und Bischof Yousif Thomas

Pfarrer Pitzal mit Studenten und Bischof Yousif Thomas

In Kirkuk begegnete Pfarrer Pitzal Bischof Yousif Thomas Mirkis. Er hat ein umfangreiches Programm für die Flüchtlinge und Bewohner des Landes zusammengestellt. So entsteht in diesen Tagen ein großes Zentrum, in dem hunderte von Menschen zusammenkommen können. Rund um die Kathedrale hat er Einrichtungen für zahnmedizinische Behandlungen und eine medizinische Grundversorgung eingerichtet. Seinen besonderen Schwerpunkt legt er auf 10 Häuser, die er in der Millionenstadt Kirkuk angemietet hat. In jedem Haus wohnen etwa 25 junge Studenten, die die verschiedensten Fächer wie Jura, Medizin, Pharmazie, Literatur, Landwirtschaft oder Naturwissenschaft studieren. Bei der Begegnung sagte Pfarrer Pitzal zu ihnen: „Ihr seid die Hoffnungsträger für dieses Land. Bleibt im Land, beendet euer Studium und baut eine neue Welt in eurem Land auf.“ Das bringt den Menschen mehr, als wenn sie im fernen Europa künftig leben und sich mit der Integration schwer tun. Für jeden der 120 Studenten benötigt der Bischof täglich etwa 7 Euro, die er in Europa zusammenbetteln muss .

Zusammentreffen von Bischof Warda und Pfarrer Pitzal.

Zusammentreffen von Bischof Warda und Pfarrer Pitzal.

Im nahegelegenen Erbil, der Hauptstadt Kurdistans, besuchte Pfarrer Pitzal Bischof Bashra Warda. Die Stadt ist ebenfalls umgeben von vielen Flüchtlingslagern. Obwohl es in der Diözese nur wenig Priester gibt, hat der Bischof zwei Geistliche für die Betreuung der Lager abgestellt. Im Lager Ankawa in der Nähe des Priesterseminares leben nur die Christen, die Karakosch fluchtartig verlassen mussten. Die IS zündete dort 2.000 Häuser an, 7.000 weitere wurden zerstört, 3.000 seien noch halbwegs in Ordnung. Die Stadt ist inzwischen von den IS befreit und so viele Menschen hoffen, dass sie die etwa 70km von ihrem Lager entfernte Heimat wieder aufsuchen können. Für das Lager gibt es keine Hilfe aus Deutschland, wie man Pfarrer Pitzal versicherte. In die Heimatstadt der Flüchtlinge zu fahren war dann aber doch noch zu gefährlich für Pfarrer Pitzal, denn im nahegelegenen Mossul wird immer noch gekämpft und man hofft, dass die Stadt bald befreit werden kann. Mit Familien im Flüchtlingslager kam es zu einem herzlichen Kontakt.

Auf die Frage von Pfarrer Pitzal, was das Wichtigste für sie sei und wo könnte man ihnen am besten helfen könne, wurde geantwortet:

Wir brauchen eine Regierung, die sich der Menschen annimmt, ihre Interessen und Machenschaften selbst zurückstellt und ein System aufbaut, das jedem gerecht wird.

Das Gebiet beanspruchen die Kurden, die aber auch in Syrien, in der Türkei und im Iran beheimatet sind. Besonders schwer betroffen sind die Jesiden, eine kleine Religionsgemeinschaft, die von Schiiten und Sunniten gemieden wird. Nach wie vor haben die Menschen, vor allem in Syrien, unter den Bombenangriffen der Russen und der Amerikaner zu leiden. Wenn die Waffen ausgingen und nicht mehr von Europa, auch von Deutschland, geliefert würden, wäre wohl ein Frieden schneller in Aussicht gestellt – wenngleich sich im Moment niemand vorstellen kann, wie dieser Krieg mit den Millionen von Flüchtlingen beendet werden kann und menschenwürdige Verhältnisse jedem gegeben werden könnten.

 

Indien: Dalitpräsident keine Garantie für Religionsfreiheit

Interview von Radio Vatikan (Das Interview können Sie auch als Audio-Datei hören)

In Indien ist mit Ram Nath Kovind ein „Unberührbarer” aus der Kaste der Dalit zum Präsidenten gewählt worden. Beobachter  bewerten diese Tatsache sehr unterschiedlich. Die Einen sehen darin einen wichtigen Schritt nach vorne, weg von dem unüberwindlich erscheinenden Kastensystem, das tief in der indischen Gesellschaft verwurzelt ist. Doch es gibt angesichts des Hindunationalismus, den die Partei des neuen Präsidenten (und des mächtigen Premierministers Modi) vertritt, auch warnende Stimmen. Johannes Seibel ist der Sprecher des katholischen Hilfswerkes Missio in Aachen und ausgewiesener Kenner des Landes, das zu den bevölkerungsreichsten der Erde zählt. Wir haben ihn um seine Einschätzung der Situation gebeten.

RV: Indiens neuer Präsident Ram Nath Kovind ist ein Dalit, also letztlich ein Kastenloser, einer, der aus dem hinduistischen Kastensystem unten herausfällt. Auch seine Konkurrentin um das Präsidentenamt entstammt dieser Schicht, zwei Dalits traten um das Amt an. Ist das rein politisches Kalkül, dass der neue Präsident Indiens Dalit sein sollte, oder zeigt es letztlich auch, dass sich das Kastenwesen in Indien langsam aufweicht?

Seibel: Aus meiner Sicht ist das rein politisches Kalkül. Die Dalits stellen etwa 16 Prozent aller Wähler in Indien, 2019 sind Parlamentswahlen und deshalb haben die Parteien jetzt Dalit-Kandidaten aufgestellt. 16 Prozent ist schon eine wichtige Wählerklientel, die kann man nicht vernachlässigen. Der jetzige Ministerpräsident Modi versucht alles, bei den nächsten Wahlen die Mehrheit der Regierungspartei weiter auszubauen, und da sind die Dalits eben ein wichtiger Baustein.

RV: Wie ist de facto heute die Lebenssituation der Dalit in Indien, auf dem Land und in der Stadt?

Seibel: Das Kastensystem ist auf dem Land noch wesentlich stärker ausgeprägt als in der Stadt, die Dalits sind auf dem Land bekannt, sie sind meist landlose Arbeiter und Kleinstbauern, die ausgebeutet werden, während in der Stadt aufgrund der Anonymität oft nicht bekannt ist, wer Dalit ist oder nicht, und hier ist der Aufstieg einfacher. Was die Situation der Dalit allgemein betrifft, so ist deren Diskriminierung zwar durch die Verfassung verboten, de facto findet sie aber immer statt. Insbesondere die Situation für christliche Dalit ist schwierig. Da könnte man darauf hinweisen, dass die Indische Bischofskonferenz für den kommenden 10. August zu einem so genannten Black Day aufgerufen hat, um an die Diskriminierung von Christen und Dalits zu erinnern. Da geht es darum, dass die Dalits bestimmte staatliche Vergünstigungen oder auch Quoten für Plätze bei Behörden oder Universitäten bekommen, aber diese Quoten gelten nur für Dalits, die Hindus, Buddhisten oder Sikhs sind. Christlichen oder muslimischen Dalits sind diese Vergünstigungen bis heute vorenthalten. Das ist so ein Beispiel für strukturelle Diskriminierung.

RV: Das Christentum ist für Dalits grundsätzlich attraktiv, weil Jesus für die gleiche Würde aller Getauften steht. Die Kastengrenzen sind in der Kirche aufgehoben – theoretisch. Wie sieht es in der Praxis in der katholischen Kirche Indiens aus?

Seibel: Es ist in der indischen Kirche nicht sehr einfach. Zunächst einmal ist ja das Kastensystem ein kulturelles Phänomen, das natürlich auch in der Kirche zu beobachten ist. Beispielsweise sind nur elf von rund achtzig Bischöfen Dalits, obwohl über sechzig Prozent der Christen Dalits sind. Es gibt diese Diskriminierung also auch in der Kirche. Die Kirche ist aber jetzt in einem Prozess, diese Probleme zu erkennen, sie offener als früher anzusprechen und auch aufzuarbeiten. Da ist also ein Prozess im Gange. Und wir von Missio zum Beispiel unterstützen ein Projekt der Organisatione National Dalit Christian Watch, diese Organisation will diese täglichen Diskriminierungen von Dalits in der Kirche dokumentieren und auch Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Also die Kirche arbeitet jetzt aktiv am Abbau der Diskriminierung von Dalit-Christen in den eigenen Reihen.

RV: In Indien ist die Religionsfreiheit in den letzten Jahren zunehmend in Schieflage geraten. Es mehren sich Attacken auf Nicht-Hindus, vorrangig Christen und Muslime, die Regierungspartei BJP, der der neue Präsident angehört, steht für den Slogan „Indien den Hindus“, sie ist eine Hindunationalistenpartei. Missio beanstandete bereits, die Frage der Religionsfreiheit werde sich unter dem Dalit-Präsidenten Kovind wohl nicht zum Besseren wenden. Warum?

Seibel: Zunächst ist der Staatspräsident ein Kandidat der BJP, und insofern wäre er nicht zum Kandidaten ernannt worden, wenn er nicht diese hindunationalistische Ideologie unterstützen würden, also dass ein Inder nur sein kann, wer Hindu ist. Und auch in der Vergangenheit hat der Präsident schon zum Ausdruck gebracht, dass Muslime und Christen keine Angehörigen der indischen Nation sind. Er hat auch für die so genannten Rekonversionen zum Hinduismus große Sympathien geäußert, das heißt, Christen und Muslimen wird gesagt: ihr seid eigentlich Hindus, wenn ihr wieder zum Hinduismus zurück konvertiert, dann seid ihr wieder gleichberechtigt und habt keine Probleme mehr. Diese Kampagnen werden zum Teil auch mit Gewalt durch geführt. Das hat der neue Präsident bisher noch nicht kritisiert, sondern im Gegenteil Sympathien geäußert. Der neue Präsident ist auch damit aufgefallen, dass er bestimmte Daten in der Zukunft nennt, zu denen er sich erhofft, dass es in Indien keine Christen oder Muslime mehr geben wird. Insofern glaube ich, dass seine Wahl nichts zur Verbesserung der Religionsfreiheit beitragen wird.

RV: Die indischen Bischöfe haben dem neuen Staatsoberhaupt ihre Loyalität und Unterstützung im Dienst am Land zugesichert. Sie wünschen sich, dass Kovind „Indien zum Frieden, zur Entwicklung und zur Gerechtigkeit für alle“ führt. Was ist damit angedeutet? Und könnte Kovind als Präsident mit überwiegend repräsentativen Funktionen überhaupt etwas tun, um das Land zur Gerechtigkeit für alle zu führen?

Seibel: Zunächst denke ich einmal, dass es selbstverständlich ist, dass die Bischöfe einem gewählten Staatspräsidenten eine gute Zusammenarbeit und Loyalität anbieten und ihm einen Vertrauensvorschuss geben. Der Staatspräsident könnte helfen, indem er die Diskriminierung von christlichen und muslimischen Dalits schlicht und ergreifend anerkennt. Aber das wird er aus unserer Sicht nicht tun, die Regierungspartei und der Staatspräsident werden weiter weg sehen. Ich glaube, dass sich insofern durch den neuen Staatspräsidenten nichts ändern wird, und er auch in seinen repräsentativen Aufgaben keine „Machtmittel“ in der Hand hat, um – selbst wenn er es wollte – diese Diskriminierung zu beenden oder anzusprechen. Aber auch hier, als Repräsentant des Staates wäre es seine Aufgabe, zu sagen, ja, die Diskriminierung von Dalits, die Christen und Muslime  sind, gibt es. Das wäre auch ein Zeichen für viele lokale Diskriminierungen von Gruppen, die der Regierungspartei nahe stehen – es flammen immer wieder Gewaltattacken auf  – und wenn niemand in der Politik sagt, so geht das nicht, dann fühlen sich diese lokalen Täter immer weiter ermutigt, gegen Christen und Muslime vorzugehen. Das wäre eigentlich die Aufgabe des Staatspräsidenten hier klar Stellung zu beziehen.

Hintergrund

Missio ist mit zahlreichen Projekten in Indien aktiv. Eine Kampagne, die dem Hilfswerk derzeit besonders am Herzen liegt, ist FreeourHusbands – damit setzt sich Missio für die Freilassung von sieben unschuldig inhaftierten Christen im Bundestaat Odisha (ehem. Orissa, ein Bundesstaat, in dem die christliche Minderheit unter besonderem Druck steht, Anm.) ein. Auch Deutschland müsse in diesem Zusammenhang seine Hausaufgaben machen, fordert Johannes Seibel: Denn bei dem kürzlich erfolgten Besuch von Premierminister Modi sei zumindest in der Öffentlichkeit nicht bekannt geworden, dass Bundeskanzlerin Merkel den Premierminister verstärkt auf diese Themen angesprochen habe. Es dürfe nicht sein, so die Forderung des Hilfswerkes, dass eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit auf Kosten der Religionsfreiheit und Menschenrechte gehe.

„Wahl des neuen indischen Präsidenten kein Fortschritt für Religionsfreiheit“

missio-Kampagne "freeourhusbands" setzt sich für bedrängte Christen in Indien ein.

missio-Kampagne “freeourhusbands” setzt sich für bedrängte Christen in Indien ein.

Katholisches Hilfswerk missio Aachen und Projektpartner warnen: Lage der Unberührbaren weiterhin prekär

„Die Wahl von Ram Nath Kovind aus der am meisten benachteiligten Gesellschaftsschicht der Unberührbaren zum Präsidenten von Indien ist kein Fortschritt für die Lage der Religionsfreiheit und Menschenrechte im Land.“ Darauf weist Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen katholischen Missionswerkes missio in Aachen hin. Dies bekräftigen auch missio-Projektpartner.

 

„Das ist Symbolpolitik für das Ausland“

Die indische Regierung und lokale Behörden tolerieren weiterhin Diskriminierung und lokale Gewaltattacken gegenüber den Unberührbaren, den sogenannten Dalits. „Die Zahl der Ausschreitungen steigt sogar an. Mit dieser Wahl versucht die Regierung, die Gemeinschaft der Dalits ruhig zu stellen und Symbolpolitik für das Ausland zu machen, aber in Wirklichkeit verändert sich nichts“, so ein missio-Projektpartner, der namentlich nicht genannt werden will. Der neue Präsident, der von der Regierungspartei BJP von Ministerpräsident Narendra Modi nominiert wurde, sei zwar ein Dalit, vertrete aber die sogenannte Hindutva-Ideologie, dass ein indischer Bürger nur sein könne, wer Hindu ist. Wegen dieser Haltung sei er überhaupt erst Präsidentschaftskandidat der BJP geworden. „Durch seine Wahl wird sich die Lage der diskriminierten religiösen Minderheiten wie den Christen oder Muslimen, zumal wenn sie Dalits sind, nicht verbessern“, warnte der missio-Partner. „Ram Nath Kovind hat in der Vergangenheit wiederholt betont, dass Christen und Muslime nicht zu Indien gehören“, so der missio-Partner weiter. Er toleriere zudem Initiativen, die zum Teil gewaltsam Christen, Muslime und Angehörige anderer Minderheiten zur Konversion zum Hinduismus zwingen wollen.

missio-Kampagne für Religionsfreiheit in Indien unterstützen

missio Aachen und seine Projektpartner bitten die Politik und die Öffentlichkeit in Deutschland, auch nach der Wahl des neuen Präsidenten die indische Regierung auf massive Verletzungen des Menschenrechts auf Religionsfreiheit hinzuweisen. Die Möglichkeit dazu gibt die missio-Kampagne #freeourhusbands unter www.missio-hilft.de/freeourhusbands, die die Freilassung zu Unrecht inhaftierter Christen fordert.

Der indische Präsident hat keine Machtbefugnisse, sondern allein repräsentative Aufgaben. Er wird von einem Wahlkollegium von rund 5.000 Abgeordneten aller indischen Parlamente, und nicht direkt vom Volk, gewählt.

Regierung beschlagnahmt Land des Benediktiner-Ordens in Vietnam

Quelle: ucanews.com

Die vietnamesische Regierung hat Land vom Benediktiner-Orden gestohlen. „Autoritäten der Regierung haben das Land abgenommen und lokalen und ausländischen Firmen verkauft, weil sie erreichen wollen, dass die Firmen beginnen zu investieren“, sagte Erzbischof Joseph Nguyen Chi Linh.
Nach diesem Diebstahl folgte eine Entweihung des Kreuzes und der Jesus-Statue.

Die Regierung hat 107 Hektar Ackerland und Wald beschlagnahmt. Sechs Hektar sind dem Ordenshaus geblieben. Erzbischof Linh, 67, beschuldigte die Regierung wegen der “Verspottung der benediktinischen Gesetze und des Angriffs“.Die Mönche besaßen das Gebiet legal im Zentrum der Thua Thien Hue Provinz seit 1940. Dieser Vorfalll war aber nicht der einzige seiner Art.

Am 28./29.Juni befand sich die Polizei inmitten von 200 Menschen – manche waren mit Messern, Schlagstöcken und Eisenstangen bewaffnet ­– die in das Kloster einbrachen. Zeugen sagen, das die Gruppe die Benediktiner angriff und sowohl das Kreuz als auch die Jesus-Statue entweiht wurde. Sechs Benediktiner wurden schwer verletzt, darunter einer, der bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen wurde. Die Polizei konnte ihn vor einer Einlieferung ins Krankenhaus bewahren.

Quellen sagen, dass die Angriffe wegen eines jahrelangen Streits um das Land zwischen der Regierung und den Mönchen stattgefunden haben. Ein Vertreter der Kirche, der das Kloster am 16. Juni besucht, sagte, dass die Benediktinermönche das erzbischöfliche Haus darum bitten, sie darin zu unterstützen, ihr Eigentum wieder zurückzugewinnen.