Aramäer wehren sich mit allen Mitteln – Mehrstündiges Gespräch im Gouvernat Mardin

eine Pressemitteilung des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland

Nach den aktuellen Massenkonfiszierungen von jahrtausendealtem Aramäischen Kulturerbe durch den türkischen Staat und der Übertragung von Sakralbauten an die türkische Religionsbehörde (Diyanet) wehren sich die Aramäer im Südosten der Türkei mit allen Rechtsmitteln. Am gestrigen Tag fand ein mehrstündiges Gespräch mit dem Gouverneur Mardins statt.

Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir: „Die Situation ist unverändert alarmierend. Die Absicht die Aramäische Gemeinschaft in erheblichem Maße enteignen zu wollen, hat sich durch dieses Gespräch erneut bestätigt. Zwar soll die Übertragung der Kirchen und Klöster an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara zur Revision vorgelegt werden. Im Ergebnis bleiben jedoch die Massenenteignungen aramäischen Grundbesitzes an das türkische Schatzamt und die einzelnen Landkreisverwaltungen Mardins bestehen, davon eingeschlossen sind neben Sakralbauten, Grabstätten, auch Flurstücke, Ackerflächen und Weinberge.

Zu den dutzenden konfiszierten Kirchen und Klöstern zählen unter anderem das mit 2 Mönchspriestern und 2 Nonnen belebte Kloster Mor Malke aus dem 4. Jhd, die im 7 Jhd. gegründete Dorfkirche Mor Efrem & Mor Theodoros in Arkah (Ücköy) mit 2 Priestern und 50 aramäischen Familien, oder auch das wiederaufblühende Kloster Mor Jakob d-Qarno aus dem 12. Jhd, welches mit größter Mühe und Spenden aus aller Welt restauriert und wieder aufgebaut werden konnte und heute einen Mönchen sowie zwei weitere Klosterbewohner beherbergt.“

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland appelliert erneut an die Bundesregierung, diese Massenkonfiszierungen aramäischen Kulturerbes nicht weiter unkommentiert zu lassen und derart inakzeptable Entwicklungen im EU-Beitrittskandidaten Türkei im Rahmen des G20-Gipfels mit den türkischen Vertretern zu thematisieren.

Vietnam verbannt katholischen Aktivisten nach Frankreich

Ein Beitrag von ucanews.com

logo vietnam2Ein katholischer Aktivist wurde am 25. Juni des Landes verwiesen, nachdem er wegen seiner politischen Meinung festgenommen wurde. Direkt nach seiner Festnahme wurde Peter Pham Minh Hoang in ein Flugzeug nach Paris gesetzt ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, sich von seiner Familie zu verabschieden.

Peter Pham Minh Hoang — ein französisch-vietnamesischer Professor —  wurde am 23. Juni festgenommen, saß einen Tag in Untersuchungshaft, und wurde dann nach Frankreich geschickt. Er durfte weder seiner Frau noch seiner Tochter Aufwiedersehn sagen.

Hoang, ein aktiver Blogger und Mitglied der US-basierten politischen Partei Viet Tan , die daran arbeitet das kommunistische Regime in Vietnam zu beenden, erhielt eine Kopie der Entscheidung, dass ihm 13 Tage vor seiner Ausweisung seine vietnamesiche Staatsbürgerschaft entzogen wird.

Die Sprecherin der vietnamesischen Außenministerin, Le Thi Thu Hang, sagte am 15. Juni, dass “Hoang die Gesetze missachtet hat und die die nationale Sicherheit gefährde.  Die Entziehung seiner Staatsbürgerschaft wurde gemäß des vietnamesischen Rechts vollzogen“.

In einem Statement sagte Viet Tan, dass Hoang der erste Vietnamese sei, dem eine Staatsbürgerschaft wegen seiner politischen Sicht aberkannt wurde. „Wir verurteilen das kommunistische Regime auf schärfste, weil es Professor Peter Pham Minh Hoang dazu zwang, Vietnam zu verlassen, weil er für den Frieden und die Menschenrechte kämpfte”, sagte Viet Tan.

„Hoang ist ein toller Ehemann“, sagt seine Frau Oanh. „Ich liebe ihn dafür, dass er sich für sein Land einsetzt. Er akzeptiert seine Festnahme und die Armut, um für sein Land zu kämpfen“, sagt sie. „Ich glaube an Gott. Gott hat uns auserwählt sein Kreuz zu tragen. Er wird uns andere Türen öffnen.“ Sie glaubt daran, dass ihr Mann weiterhin für Demokratie und Menschenrechte in Vietnam kämpfen wird.

Als Lehrer, unterrichtete Hoang Mathematik an der Technologischen Universität in Chi Minh City bis er 2010, wegen “Gefährdung der Nationalen Sicherheit” aufgrund seines Bloggens, festgenommen wurde. Er verbrachte damals 17 Monate in Haft.

Die kommunistische Regierung kontrolliert alle Medien und verbietet gleichzeitig alle privaten Medien in Vietnam. Blogger und Aktivisten nutzen Soziale Medien um öffentlich Kritik zu üben. Viele von ihnen wurden bereits festgenommen wegen Aktivitäten, die sich gegen das Regime richteten.

Menschenrechtsaktivisten ziehen negative Bilanz zur Amtszeit von Ministerpräsident Modi

laut FIDES:

In den drei Jahren seit Amtsantritt der Regierung unter Narendra Modi ziehen Menschenaktivisten eine negative Bilanz und bringen eine landesweite Kampagne auf den Weg. “Diskriminierung und Gewalt gegenüber Dalit sind weit verbreitet…Einschränkende Gesetz wurden zur Verfolgung von Menschen missbraucht, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben wollen. Das Versprechen der Regierung, die Garantien für die Entwicklung aller in Aussicht stellte, wurde nicht eingehalten. Die Regierung ist nicht einmal in der Lage die Sicherheit besonders verletzlicher Bevölkerungsgruppen, wie Dalit und Adivasi zu schützen. Die Regierungsparte Bharatiya Janata Party toleriert Diskriminierungen und die Regierung unter Modi garantiert Straffreiheit“, beklagt Aakar Patel von “Amnesty International – India” in einem Kommentar zu den ersten drei Regierungsjahren des Bündnisses National Democratic Alliance (NDA) unter Ministerpräsident Narendra Modi.
“Unter Dalit hat Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Diskriminierung zugenommen. Es gibt keinerlei Anzeichen für mehr Sensibilität gegenüber Randgruppen. Die Regierung hat ganze einfach ihre Versprechen nicht gehalten“, betont auch Bhanwar Meghwanshi, der sich für die Rechte der Dalit engagiert.
Die Bharatiya-Janata-Partei (BJP) werde von nationalistischen und extremistischen Bewegungen unterstützt, darunter auch die Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), so der S.P Udyakumar, Schriftsteller und Intellektueller: “Diese Organisationen verbreiten Hass und Fanatismus gegen Minderheiten, Muslime und Christen. Es ist offensichtlich, dass die Gewalt gegen Minderheiten ein Kennzeichen der BJP-Regierung ist: in der Tat unterstützen die Anhänger der Partei die „Hindutva“-Ideologie.
“Ein weiteres Element, dass wir kritisieren, ist die Abschaffung der Geldmünzen, die den Alltag aller Bürger beeinträchtigt, aber insbesondere das Leben der Ärmsten unter den Armen, so der indische Unternehmer Subhash Agrawal.
“Modi befasst sich nicht mit diesen Fragen in seinen öffentlichen Ansprachen. Indien wurde einer sorgfältigen Prüfung durch den UN-Menschenrechtsrat unterzogen“, so der katholische Menschenrechtskämpfer John Dayal vom “National Integration Council” in Delhi. “Nationalismus, Intoleranz und Gleichgültigkeit gegenüber Randgruppen und Minderheiten scheinen sich seit Antritt der Regierung des NDA zu verbreiten ”, bestätigt Trinanjan Radhakrishnan von der Commonwealth Human Rights Initiative (CHRI), New Delhi.
Gemeinsam veröffentlichten verschiedene Organisationen der Zivilgesellschaft eine Analyse zur Entwicklung seit Amtsantritt der Regierung Modi und untersuchten dabei verschiedene Bereiche: Haushalt, Klimagerechtigkeit, Entfaltungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft, Ernährung und Lebensmittelversorgung, Tätigkeit des Parlaments und der Regierung, Gesundheit, Armut, Menschenrechte, Arbeit und Beschäftigung, Sicherheit und Gerechtigkeit. Die Analyse ist Grundlage der Kampagne “Wada Na Todo Abhiyan” in deren Rahmen eine “gute Regierungsführung” gefordert wird. Die Regierung soll mehr Verantwortung für die eigenen Versprechen im Bericht der Bekämpfung von Armut, Ausschluss und Diskriminierung übernehmen.

Große Sorge um Asia Bibi

Vor acht Jahren am 19. Juni 2009 wurde sie von der Polizei festgenommen.Vor acht Jahren am 19. Juni 2009 wurde sie von der Polizei festgenommen

Vor acht Jahren wurde Asia Bibi von der Polizei festgenommen.

missio-Präsident Krämer: Pakistan darf Berufungsverhandlung gegen Todesstrafe nicht weiter verschleppen – Bundesregierung soll sich einschalten – Vor acht Jahren am 19. Juni 2009 nach Blasphemie-Vorwurf verhaftet

„Wir machen uns große Sorgen um Asia Bibi, weil ihre Berufungsverhandlung immer weiter verschleppt wird“, erinnert Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio in Aachen, an die Christin aus Pakistan, die wegen des Vorwurfs der Blasphemie zum Tod verurteilt ist. Vor acht Jahren am 19. Juni 2009 wurde sie von der Polizei festgenommen. Vor drei Jahren hatte missio Aachen eine Petition mit 18.425 Unterschriften für die Freiheit von Asia Bibi an die Bundesregierung übergeben. Diese übergab sie an die pakistanischen Verantwortlichen.

Zuletzt im April Ansetzung Verhandlung abgesagt
Asia Bibi war nach einem Streit mit Erntearbeiterinnen der Blasphemie angeklagt und 2010 zum Tod verurteilt worden. Sie bestreitet alle Vorwürfe. Berufungen in den ersten Instanzen scheiterten. Der Fall ist seitdem in letzter Instanz am Obersten Gerichtshof in Pakistan anhängig. Einer der drei zuständigen Richter hatte sich im Oktober vergangenen Jahres für befangen erklärt, weshalb die angesetzte Berufungsverhandlung gegen das Todesurteil verschoben wurde. Zuletzt lehnte die pakistanische Justiz im April den Antrag ab, eine Verhandlung in diesem Juni anzusetzen. Es ist noch kein Richter für die entsprechende Kammer nachnominiert worden.

Prälat Krämer: „Druck islamistischer Fanatiker auf Gerichtshof ist enorm“
„Unsere Partner in Pakistan sind ratlos und befürchten, dass eine Berufung so lange hinausgeschoben werden könnte, bis die fünffache Mutter und ihre Familie vollständig zermürbt ist oder sie sogar stirbt“, so Prälat Krämer. „Der Druck islamistischer Fanatiker auf den Obersten Gerichtshof ist enorm. Sie drohen mit offener Gewalt, sollte das Todesurteil gegen Asia Bibi aufgehoben werden. Davor haben die Richter Angst“, berichtet Prälat Krämer weiter. Bisher wurde in Pakistan noch kein Todesurteil wegen Blasphemie tatsächlich vollstreckt.

Verfolgung angeblicher Blasphemie auf Social Media ausgedehnt
Zuletzt wurde Anfang Juni ein 30-jähriger Muslim schiitischen Glaubens in Pakistan aufgrund von Kommentaren auf der Social-Media-Plattform Facebook wegen Blasphemie zum Tod verurteilt. In Pakistan stellen sunnitische Muslime die Mehrheit der Bevölkerung. „Der Missbrauch der Blasphemiegesetze in Pakistan nimmt immer stärkere politische Dimensionen an. Er wird jetzt auf den digitalen Raum ausgedehnt, was neu ist“, so Prälat Krämer. Gleichzeitig erfolgten immer mehr Anzeigen wegen Blasphemie in Zusammenhang mit neueren Anti-Terror-Gesetzen in Pakistan. „Die Bundesregierung sollte sich deshalb im Gespräch mit der pakistanischen Regierung dafür einsetzen, dass der Missbrauch der Blasphemiegesetze wirksam eingedämmt wird“, forderte Prälat Krämer zum achten Jahrestag der Verhaftung von Asia Bibi. „Und die Bundesregierung sollte auch alle diplomatischen Mittel nutzen, um in den Fall Asia Bibi wieder Bewegung zu bringen“, so Krämer.

Hintergrund: Blasphemiegesetze in Pakistan

Der Fall der pakistanischen Christin Asia Bibi steht stellvertretend für die Problematik der Blasphemiegesetze in Pakistan. Das pakistanische Strafgesetzbuch sieht – neben weiteren Tatbeständen – für die Verunglimpfung des Propheten Mohammed die Todesstrafe, für die Verunglimpfung des Korans lebenslange Haftstrafen vor. Bis 1982 waren dazu allerdings nur neun Fälle vor Gericht behandelt worden, seitdem nach Angaben pakistanischer Quellen (Stand Mitte 2013) rund 1.250 Fälle. Betroffen sind davon etwas mehr als 600 Muslime, rund 460 Ahmadis (eine Gruppe, die von Muslimen nicht als Muslime anerkannt werden), circa 160 Christen, knapp 30 Hindu und andere. Gerichtlich verhängte Todesstrafen sind bisher noch nicht vollstreckt worden. Allerdings kamen seit 1991 rund 50 Personen gewaltsam durch Attentate oder außergerichtliche Lynchjustiz zu Tode, nachdem sie aus dem Gefängnis entlassen oder mit Blasphemievorwürfen in Verbindung gebracht worden waren. Neuere Zahlen liegen missio derzeit nicht vor.

Die Gesetze zu „religionsbezogenen Vergehen“ – offiziell taucht das Wort Blasphemiegesetz im pakistanischen Strafgesetzbuch nicht auf – sind ursprünglich 1860 noch unter britischer Herrschaft in Kraft getreten. Sie wurden nach der Staatsgründung Pakistans 1947 mit übernommen und mehrmals erweitert. Die fünf umstrittensten Paragraphen wurden zwischen 1980 und 1986 während der Militärherrschaft von General Zia-ul-Haq eingeführt. Heute kann selbst die Kritik an diesen Gesetzen als Vorwand für eine Anklage wegen Gotteslästerung dienen.

Im Alltag wird das Blasphemiegesetz dazu missbraucht, um im Zuge von Nachbarschaftsfehden, politischer Querelen oder ökonomischer Streitigkeiten missliebige Personen und religiöse Minderheiten auszuschalten oder unter Druck zu setzen. Das Gesetz prägt die politische Kultur Pakistans und schafft eine Sphäre allgemeinen Misstrauens und der Einschüchterung. Gerade für Minderheiten und moderate Muslime ist es schwierig, sich öffentlich zum Blasphemiegesetz zu äußern. Das zeigen zwei Beispiele: Zwei prominente Politiker in Pakistan hatten sich für die vor sieben Jahren aufgrund des Blasphemiegesetzes zum Tode verurteilte Asia Bibi eingesetzt. Der damalige Minister für religiöse Minderheiten in der Regierung Pakistans, Shabbaz Bhatti, wurde am 2. März 2011 ermordet. Salman Taseer, Gouverneur der Provinz Punjab, wurde am 4. Januar 2011 von seinem eigenen Leibwächter erschossen. Seitdem halten sich Politiker und hohe Angehörige der Justiz zurück.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

 

“Religionsfreiheit ist Menschenrecht”

missio-Referent Dr. Matthias Vogt referiert in einer Akademie-Reihe im Erbacher Hof in Mainz über die Situation der bedrängten Christen im Nahen Osten:

Erzbischof Schick: Kirche setzt sich für Recht, sozialen Fortschritt und Frieden ein

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Foto: EB Bamberg

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Foto: EB Bamberg

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), beendete gestern (11. Juni 2017) seine sechstägige Reise auf die Philippinen. Schwerpunkte des Besuches waren die Hauptstadt Manila und die Insel Mindanao.


In Manila fanden Gespräche mit der Caritas, der kirchlichen Migrationskommission und Menschenrechtsgruppen statt, die sich für soziale Gerechtigkeit, den Frieden im Land, die Bewahrung der Schöpfung und vor allem für die Menschen in prekären Lebensbedingungen einsetzen. Die Zahl der Armen auf den Philippinen ist weiterhin sehr hoch; besonders im Großraum Manila gibt es durch den Zuzug aus ländlichen Gebieten immer mehr Menschen, die in menschenunwürdigen Bedingungen leben. Der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle, äußerte im Gespräch seine Besorgnis über die extreme soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, die eine positive Entwicklung für alle Bürger extrem erschwere. Bei einem Besuch in einem der innerstädtischen Slums machte sich Erzbischof Schick ein Bild von der dramatischen Lebenssituation der Armen dort. Viele Projekte der Kirche auf den Philippinen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung werden von Misereor und Missio unterstützt. „Ich bin beeindruckt vom Engagement der Kirche. Viele, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind, können durch die Aktivitäten der Kirche überleben, erhalten die Chance, auf eigene Beine zu kommen und sich ein Leben in Würde aufzubauen“, erklärte Erzbischof Schick. Beim Gottesdienst in einem Armenviertel konnte er den tiefen Glauben der Philippinas und Philippinos gerade aus den unteren Schichten der Gesellschaft erleben, der den Menschen die Hoffnung bewahrt und Kraft für die Bewältigung des Alltags gibt.

In den Begegnungen mit Vertretern der Kirche erhielt Erzbischof Schick auch intensive Einblicke in die laufenden Diskussionen über den „Krieg gegen Drogen“. Die philippinischen Bischöfe teilen die Auffassung der Regierung, dass der verbreitete Drogenmissbrauch eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Sie sprechen sich jedoch dagegen aus, den Kampf gegen die Drogen mit nicht legalen Mitteln zu führen. Seit dem Regierungsantritt von Präsident Duterte sind vor allem in den Armenvierteln der großen Städte bereits 8.000 Menschen umgebracht worden, auf den Verdacht der Drogenabhängigkeit oder des Drogenhandels hin. Für diese Untaten werden Gruppen verantwortlich gemacht, die sich anscheinend von der Regierung dazu ermutigt fühlen und nicht bestraft werden. „Auch Kriminelle haben Menschenwürde und Menschenrechte und dürfen nur durch die ordentlichen Gerichte bestraft werden, betont die Kirche“, so Erzbischof Schick. Auch lehnt die Bischofskonferenz die Herabsetzung der Strafmündigkeit von Jugendlichen und die Wiedereinführung der Todesstrafe ab. „Für eine gute und humane Entwicklung in jeder Gesellschaft ist ein gefestigter Rechtsstaat unabdingbar, auf den alle Bürgerinnen und Bürger sich verlassen können. Dies ist eine unzweideutige Erkenntnis der katholischen Soziallehre, die, so sagen mir die Kirchenvertreter, auf den Philippinen noch sehr viel stärker ins allgemeine Bewusstsein, auch der Regierenden, kommen muss. Hier liegt eine bleibende und herausfordernde Aufgabe der Kirche.“

Der zweite Teil der Reise führte den Vorsitzenden der Kommission Weltkirche auf die im Süden der Philippinen gelegene Insel Mindanao. Seit den 1970er Jahren flammen dort immer wieder Kämpfe muslimischer Rebellen gegen die Zentralregierung auf, die die Unabhängigkeit von Teilen der Insel oder mindestens eine Autonomie erreichen wollen. Ein wesentlicher Grund für den Beginn dieses Kampfes vor Jahrzehnten war die Marginalisierung der muslimischen Bevölkerung. Auf Einladung des Erzbischofs von Cotabato, KardinalOrlando Quevedo, informierte sich Erzbischof Schick über den laufenden Friedensprozess und die Bemühungen der Kirche für dessen Erfolg. In diesem Zusammenhang begegnete der Erzbischof auch dem Vorsitzenden der vom Staat eingesetzten Verhandlungskommission, die sich aus Vertretern der Regierung, indigener Völker und mehrerer Rebellenorganisationen zusammensetzt, sowie dem Anführer der größten dieser Rebellenorganisationen, der MILF (Moro Islamic Liberation Front). Mit einem Ergebnis der Verhandlungen wird in den kommenden Monaten gerechnet. Erschwert werden die Friedensbemühungen durch terroristische Akte islamistischer Gruppen in den vergangenen Monaten, auf die der Präsident mit der Verhängung des Kriegsrechts auf Mindanao reagiert hat. Kardinal Quevedo und Erzbischof Schick unterstrichen in ihren Gesprächen mit muslimischen Vertretern die Notwendigkeit einer umfassenden Sicherung der Religionsfreiheit in einer künftigen autonomen Provinz, der die mehrheitlich muslimischen Bezirke von Mindanao angehören sollen.

Die Kirche auf Mindanao ist bestrebt, dem Frieden in der Region durch eine intensive Zusammenarbeit von Christen und Muslimen im täglichen Leben zu dienen. Sie unterstützt deshalb zivilgesellschaftliche Gruppen, in denen sich Gläubige aus beiden Religionen gemeinsam für eine Aufarbeitung vergangenen Unrechts, sozialen Fortschritts und Versöhnung engagieren. Daneben wirkt sie durch Bildungsarbeit in kirchlichen Schulen, in Pfarrgemeinden und an der katholischen Universität von Cotabato darauf hin, dass durch eine vertiefte Kenntnis über die Ursachen des Konflikts und Strategien zu seiner Überwindung dem Frieden der Weg bereitet wird. Erzbischof Schick besuchte mehrere Initiativgruppen, in denen sich Christen und Muslime gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben und ein besseres Verständnis der verschiedenen Traditionen und Bekenntnisse engagieren. „Die Kirche auf den Philippinen ist bei den Menschen in hohem Ansehen und wird als der Hoffnungsträger betrachtet. Sie engagiert sich trotz geringer finanzieller Mittel in vielen Bereichen hervorragend. Sie verdient die ideelle und materielle Unterstützung der gesamten Weltkirche, auch der deutschen, damit sie ihre Arbeit im katholischsten Land Asiens, das wunderbare Menschen, schöne Landschaften und viele Naturressourcen hat, zum Wohl der Bevölkerung fortsetzen kann“, fasst Erzbischof Schick seine Erfahrungen nach dem Solidaritätsbesuch zusammen.

Über die derzeitige Situation auf den Philippinen

Von Schwester Luz

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat im Kampf gegen Islamisten das Kriegsrecht über die südliche Region Mindanao verhängt. Welche Folgen das für die Menschen vor Ort hat, berichtet Schwester Luz.

Zurzeit gibt es 140.000 Menschen in Marawi, die kein Dach über dem Kopf haben. Die Regierung befürchtet, dass die Zahl noch weiter steigen wird. Wir beobachten, dass immer mehr Menschen abwandern, weil ihre Heimat bombardiert wird.

Eine weitere große Sorge ist die Geiselnahme von Fr. Chito Suganob und weiteren Personen, die in der St. Mary’s Kathedrale in Marawi festgehalten werden.

Wir kämpfen für den interreligiösen Dialog. Sicherlich gibt es Pläne einen Konflikt zwischen Christen und Muslimen anzukurbeln, aber die Moros, die größte nicht-christliche Gruppe auf den mehrheitlich römisch-katholischen Philippinen, haben gesagt, dass sie gegen Extremismus und haben die Saboteure des Friedens als nicht-muslimisch bezeichnet. SAMIN kooperiert bei der Leitung einer interreligiösen Gruppe. Wir folgen einer nationalen humanitären und solidarischen Mission, um auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können.

Wir hoffen, dass weiterhin ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass die Menschenrechte hier bedroht und teilweise gebrochen werden. Kardinal Quevedo hat dem Ausnahmezustand zugestimmt, aber nur wenn moralische Bedingungen eingehalten werden. SAMIN ist zurzeit eher gegen den Ausnahmezustand, weil die Erfahrungen unter Marcos auch mit guten Absichten begonnen haben, dabei wurde es zu einem 20-jährigen Alptraum, über den die Kirche bis zu den friedlichen EDSA Massendemonstrationen still schwieg.