Aktuelle Lage im Nord-Irak

Noch wird Mossul von der Terrormiliz IS beherrscht, doch kurdische Kämpfer und die irakische Armee rücken immer weiter vor. Missio-Projektpartner Pater Emanuel Youkhana fasst die Situation vor Ort zusammen.

Die irakische Armee und kurdischen Peschmerga-Kämpfer kommen der Stadt Hamdaniya immer näher. Hier leben die meisten Christen des Landes. Vor der Besetzung durch den IS waren es 50.000 Menschen, die hier lebten. Die Truppen konnten bereits den Abschnitt auf der Hauptstraße zwischen Hamdaniya und Bartella, die nach Mossul führt, wiedergewinnen. Die Luftangriffe und der Beschuss sind abgeklungen. Wir hoffen, dass Hamdaniya und Bartrella bald befreit werden können. Wir hoffen ebenfalls, dass ein weiterer Einsatz Bashiqa befreien kann. Insgesamt konnten heute 200 km² von den IS-Gruppen befreit werden.

Wir befürchten aber nun, dass der IS die Infrastruktur, die Kirchen und weitere öffentliche und private Grundstücke zerstören wird.

Die Peshmarga-Kämpfer und die irakische Armee befinden sich zurzeit in Nineveh Plain, 10 km von Mossul entfernt. 35 km südlich von Mossul befindet sich die irakische Armee. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Befreiungskampf um Mossul nicht beginnt, bevor nicht alle Kräfte in der Nähe von Mossul sind (sowohl im Norden als auch im Osten und Süden). Im Westen gibt es keine Einsätze, da durch dieses Gebiet der Fluchtweg des IS nach Syrien führt. Viele Theorien besagt, dass dieser Weg absichtlich nicht mit Einsatzkräften besetzt ist. Wenn die IS-Kämpfer über diesen Weg fliehen sollten, könnten sie nämlich durch Luftangriffe angegriffen werden.

Die Defensive seitens des IS ist schwächer als gedacht. Sie begehen Selbstmord, legen Autobomben und bombardieren die Straßen, damit das Militär nicht vorankommt. Wir denken nicht, dass der IS in der Umgebung um Mossul herum kämpfen wird, eher im westlichen Teil der Stadt.

Masoud Barzany, Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, besuchte die Frontlinie in Khazir. Während einer Pressekonferenz lobte er die gute Zusammenarbeit zwischen den Peshmarga-Kämpfern und der irakischen Armee.

Wir erwarten eine Massenflucht aus Mossul während der nächsten Tage. Sobald die Truppen vorrücken. Die UN und die irakische Regierung klagen außerdem über den Mangel an Versorgungsequipment.

Lasst uns für die unschuldigen Menschen beten und darauf hoffen, dass dieses dunkle Kapitel der Geschichte bald ein Ende findet.

Solidaritätsaktion für Jacques Mourad

Father Jacques Mourad war in Gefangenschaft des Islamischen Staates. Er glaubt, dass ihn sein lebenslanger Einsatz für den christlich-muslimischen Dialog gerettet hat. Dabei wurde er auch unterstützt von zahlreichen Botschaften von Menschen aus Deutschland, die ihm durch missios Solidaritätsaktion Mut zusprechen. Machen auch Sie mit!

Rund 300 Solidaritätskarten für Jacques Mourad haben uns bereits erreicht.

1. Father Jacques, was möchten Sie den Menschen sagen, die Ihnen diese ermutigenden Worte geschrieben haben?

Ich bin von der Anteilnahme und der Solidarität sehr gerührt und möchte mich für die Idee bedanken. Ich danke unseren Freunden, die für mich gebetet haben. Dank Euch und wegen eures Gebets kann ich heute hier sein – nicht nur ich, sondern auch 250 weitere Menschen, die vom IS in Gefangenschaft genommen wurden. Dank Euch konnten wir gerettet werden. Danke.

2. Wie wichtig ist den Menschen in Syrien diese Solidarität – sowohl die materielle Hilfe wie auch die Solidarität im Gebet?

Das ist ein großes Rätsel. Die Kirche ist auf der ganzen Welt eine große Gemeinschaft. Die Tatsache, dass viele Menschen die Gottesdienste besuchen, sich die Zeit nehmen, um für das syrische Volk zu beten, für dieses Land das unter Krieg leidet, dafür möchten wir ihnen großen Dank spenden. Das ist eine enorme Unterstützung für uns.

Gleichzeitig möchte ich sagen, dass uns die europäischen Völker materiell geholfen haben. Dank der materiellen Hilfe haben diese Menschen etwas zu essen. Sie haben kein Geld, sie haben keine Arbeit, durch die europäische Unterstützung konnten diese Menschen überleben. Außerdem möchte ich mich für die medizinische Versorgung bedanken. Im Krieg leiden viele Menschen unter psychologischem Druck und physischen Krankheiten. Sie sind erschöpft und auf medizinische Hilfe angewiesen. Durch die Unterstützung Europas waren sogar schwierige Operationen möglich, ohne die die Kranken nicht überlebt hätten.

3. Was können die Menschen und die Politik in Deutschland für Syrien und den Nahen Osten tun?

An dieser Stelle möchte ich noch einmal dem deutschen Volk und der deutschen Regierung danken. Ich möchte mich dafür bedanken, dass sie die Menschen hier in Empfang genommen haben. Es war ein herzlicher und familiärer Empfang. Viele der Flüchtlinge, die ich hier in Deutschland besucht habe, haben mir erzählt, dass sie herzlich aufgenommen wurden. Der Regierung möchte ich dafür danken, dass sie viele Menschen gerettet hat, die vor dem Tod im Krieg geflohen sind. Ich bitte darum „Helfen Sie dem syrischen Volk, sodass wieder Frieden herrschen kann. Unternehmen Sie alle möglichen Anstrengungen, damit die Welt versucht diesen Krieg zu beenden.“

4. Was kann missio tun?

Das, was missio gemacht hat, ist enorm. Wir tragen einen großen Dank mit uns. Alles was ihr für uns getan habt und immernoch tut – danke dafür und macht weiter so. Wir sind auf eure Hilfe und Freundschaft angewiesen. Wir sind auf eure spirituelle und materielle Hilfe angewiesen.

5. Was sagen Sie den Menschen in Deutschland, denen es schwerfällt, Flüchtlinge aufzunehmen und Angst vor dem Fremden und dem Islam haben?

Ich sage ihnen das, was Jesus einst sagte: „Hab keine Angst, meine kleine Herde!“ Wenn wir die Boten Christi sind, wenn wir die Boten des Evangeliums sind, sind wir dazu eingeladen die Weisungen des Herrn zu befolgen. Wir sind dazu eingeladen die Weisungen Christi zu verwirklichen. Wir sind dazu eingeladen die Weisungen Gottes im Hier und Jetzt zu konkretisieren. Muslime sind nicht unsere Feinde, sie sind unsere Brüder, daran sollten wir uns erinnern. Nicht alle Muslime sind radikale Islamisten oder Fundamentalisten – das sollten wir nicht vergessen. Wir sollten dazu beitragen, dass die Liebe Gottes zur Wirklichkeit wird. Habt keine Angst vor Herausforderungen, die Liebe Gottes wird alle Menschen retten.

Machen auch Sie mit bei der Solidaritätsaktion für Fr. Jacques Mourad!

Father Sebastiano d’Ambra warnt vor Eskalation der Gewalt auf Mindanao

Father Sebastiano d'Ambra ist der Gründer der christlich-muslimischen Dialogbewegung Silsilah in den Philippinen.

Father Sebastiano d’Ambra ist der Gründer der christlich-muslimischen Dialogbewegung Silsilah in den Philippinen.

Father Sebastiano d’Ambra ist der Gründer der christlich-muslimischen Dialogbewegung Silsilah in den Philippinen. Im Interview mit missio bewertet er den terroristischen Anschlag in der südphilippinischen Stadt Davao und warnt vor einer Eskalation der Gewalt.           

Es sei eine Art Warnschuss der Terrorgruppe Abu Sayyaf gegenüber dem neuen philippinischen Präsidenten Duterte. Grund sei, dass der neue Präsident auf Mindanao lokalen Drogenbossen und Organisationen den Kampf angesagt habe, die in Verbindung mit Abu Sayyaf stünden.  

Zu dem Attentat hat sich die islamistische Terrorgruppe Abu Sayyaf bekannt, die gegen die Zentralregierung für einen unabhängigen islamischen Staat im Süden der Philippinen kämpft.

Situation vor Ort

Die Polizei des neuen Präsidenten ist gegen den illegalen Handel mit Drogen. Erst vor kurzem hat er Anweisungen dazu gegeben besonders in den südphilippinischen Regionen Basilan und Jolo gegen die Abu Sayyaf Gruppe vorzugehen. Denn diese Gruppe hat Kontakt zu den Drogen-Bossen. Mit dem Anschlag will Abbu Sayyaf den Präsidenten warnen, weiter gegen sie vorzugehen. Meiner Meinung nach, ist das ein Signal von Abu Sayyaf an den Präsidenten, sich nicht gegen sie zu stellen, denn sie werden Vergeltung üben. Zusätzlich sind sie mit den Drogenbossen vernetzt und ich glaube, sie versuchen gemeinsam den Präsidenten daran zu hindern gegen beide vorzugehen. Momentan versuchen sie, die Aufmerksamkeit des Militärs in verschiedene Richtungen zu lenken. Dafür spricht auch, dass sie zur gleichen Zeit des Anschlags wahrscheinlich auch für den Anschlag auf ein Elektrizitätswerk in Cotabato verantwortlich gemacht werden können.

Die Zahl der Toten nach dem Bombenanschlag in Davao ist auf insgesamt 14 gestiegen, die Zahl der Verwundeten bei 68.

Auswirkungen des Anschlags
Der Anschlag gibt den Christen ein unsicheres Gefühl und er fördert das Misstrauen zu den Muslimen, obwohl der Angriff an sich von den Terroristen kommt. Trotzdem wird das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen immer schwieriger werden. Panik wird in Davao aufkommen, denn diese Region galt bislang als sicher. Auswirkungen wird der Angriff sicherlich auch auf den Tourismus und die Wirtschaft in Davao haben.

Reaktion Dutertes

Präsident Duterte rief nach dem Bombenanschlag den “State of Lawless Violence” aus. Das bedeutet, dass die bewaffneten Truppen der Philippinen der Polizei helfen dürfen, die Nation vor der Kriminalität der Abu Sayyaf Gruppe zu schützen.

Rolle der Kirche

Die Kirche in Mindanao befindet sich in einem Prozess der Reflexion. Zufälligerweise wird am 19 September eine Konferenz in Davao stattfinden „Die Bischofs-Ulama Konferenz“. Auch Präsident Duterte hat seine Anwesenheit zugesagt. Ich werde ebenfalls da sein, und ich bin sicher, dass in dieser Konferenz einige wichtige Punkte besprochen werden.

Solidaritätsaktion für Jacques Mourad

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Unser Projektpartner Pater Jacques Mourad ist syrisch-katholischer Priester. Er wurde von Terroristen des „Islamischen Staates“ entführt. Er konnte fliehen. Gerettet hat ihn sein unerschütterlicher Glaube an ein friedliches Miteinander der Religionen. Die Hoffnung auf Frieden darf nicht sterben!

Machen Sie mit und senden Sie Pater Mourad eine persönliche Nachricht der Ermutigung für seinen Einsatz für den Frieden im Nahen Osten! Die Ermutigungsbeiträge werden am 9. Dezember zum Tag der Menschenrechte an Pater Jacques Mourad weitergeleitet.

missio ruft zum Friedensgebet für Syrien auf

Father Jacques Mourad ist syrisch-katholischer Priester. Er betet für den Frieden in seiner Heimat. Foto: missio / Marta Wajer

Father Jacques Mourad ist syrisch-katholischer Priester. Er betet für den Frieden in seiner Heimat. Foto: missio / Marta Wajer

Angesichts der dramatischen Entwicklung in Syrien ruft das Internationale Katholische Missionswerk missio die Christen und alle Menschen guten Willens in Deutschland gemeinsam mit dem syrisch-katholischen Priester Jacques Mourad zum Friedensgebet für Syrien auf. Dazu stellt das Hilfswerk eine Gebets-Vorlage zur Verfügung, die für Andachten, Impulse und andere Gebetsformen von Pfarrgemeinden, Schulen und anderen Interessierten genutzt werden kann. Gebets-Vorlage für den Frieden in Syrien, das Friedensgebet von Jacques Mourad und Ermutigungskarten für den missio-Partner können hier heruntergeladen werden.

Pater Jacques Mourad spricht Gebets-Video ein

Gleichzeitig hat Pater Jacques Mourad ein Friedensgebet für missio geschrieben, das er als Video für missio eingelesen hat. Sie können es hier ansehen. Pater Jacques Mourad widmet sein Leben dem Dialog zwischen Christen und Muslimen. Er arbeitete in der Gemeinschaft Mar Musa in Syrien. Das provozierte die Terroristen des sogenannten „Islamischen Staates“ so sehr, dass sie ihn gemeinsam mit rund 250 weiteren Menschen entführte. Nach fünf Monaten konnte er im Oktober 2015 fliehen. Jetzt arbeitet er ungebrochen weiter für Frieden, Versöhnung und einen gemeinsamen Alltag von Christen und Muslimen im Nahen Osten. Derzeit lebt er im Irak.

Mehr lesen

Boko Harams Spaltung sehr gefährlich für verfolgte Christen

Von Fr. Maurice Kwairanga (katholische Diözese Yola, Nigeria)

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Fr. Maurice Kwairanga. Foto: Privat

Fr. Maurice Kwairanga. Foto: Privat

Innerhalb der terroristischen Gruppe Boko Haram haben sich zwei erbittert rivalisierende Blöcke herauskristallisiert.Die ursprüngliche Gruppierung war unter der Leitung von Sheik Abubakar Shekau bekannt, während die andere Gruppe von Abu Musab al-Barnawi – ein kürzlich vom sogenannten “Islamischen Staat” Beauftragter – angeführt wird. Sie wollen den Konflikt eskalieren.

Am Dienstag, den 13. September 2016, veröffentlichte ein Anführer einer Untergruppe der islamistischen Sekte Boko Haram ein neues Video auf YouTube, in dem gezeigt wurde, wie Terroristen in großer Anzahl (möglicherweise mit Photoshop nachbearbeitet) während des Festes des Fastenbrechens ihre Gebete verrichten. Diese von Abubakar Shekau angeführten Kämpfer zeigten Anhänger an drei voneinander unabhängigen Gebetsorten, obwohl er selbst in dem Video nicht auftrat. In dem Video brüstete man sich damit, ungeachtet der erheblichen Schwächung, die man durch die militärischen Interventionen in der Region erlitten hat, noch immer eine starke Macht zu sein.

Das YouTube-Video drohte Präsident Muhammadu Buhari und allen anderen, die als Ungläubige betrachtet werden, die totale Vernichtung an. Sie wollen den Präsidenten gefangennehmen

Das YouTube-Video drohte Präsident Muhammadu Buhari und allen anderen, die als Ungläubige betrachtet werden, die totale Vernichtung an. Es widerlege die Behauptung, dass die anhaltenden Militäreinsätze in den Regionen, die bis vor kurzem unter ihrer Kontrolle gewesen waren, ihre Stärke geschwächt hätten. Der Aussage des Videos zufolge werden sich ihre militärischen Fähigkeiten bei der Gefangennahme von Präsident Muhammadu Buhari und allen Ungläubigen noch unter Beweis stellen. Mehr lesen

Nguyen Van Ly bedankt sich für Ihre Unterstützung!

Nachdem der vietnamesische Priester und Menschenrechtsaktivist Nguyen Van Ly aus dem Gefängnis entlassen wurde, möchte er sich nun herzlich für Ihre Unterstützung bedanken: Postkarte_Front_300dpi_3mm_Beschnitt

“Mit Gottes Hilfe kann ich nun an die Diözese zurückkehren. Ich danke Gott und allen Unterstützern. Ich danke allen, die mir in den vergangenen Tagen geholfen und für mich gebetet haben.
Ich möchte Sie alle herzlich grüßen und werde für Sie mehrmals am Tag sowie in den Gottesdiensten beten.
Ich werde Sie, wie schon während meiner Zeit im Gefängnis, während des Gebets nicht vergessen.
In diesem Moment verspreche ich Ihnen, dass ich Sie für immer in Erinnerung behalte, Ihnen danke und mein ganzes Leben lang für Sie bete, auch später wenn ich mit Gott vereint bin.
Ich danke Ihnen und grüße Sie herzlich!”

Auch Reporter ohne Grenzen und missio möchten noch einmal Danke sagen!