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Christen erinnern an Anschläge in Lahore und beten für Opfer in Neuseeland

 

Der Erzbischof von Lahore: Sebastian Francis Shaw OFM. Foto: missio / H. Schwarzbach

Der Erzbischof von Lahore: Sebastian Francis Shaw OFM. Foto: missio / H. Schwarzbach

Lahore (Fides) – “Jedes Jahr, wenn ich an die Anschläge vom 15. März 2015 denke, spüre ich den Schmerz, mit dem sich meine Landsleute in Lahore konfrontiert sahen, und diese verängstigenden Erinnerungen lassen mich spüren, dass wir in unserem Land nicht sicher fühlen”, so Erzbischof Sebastian Francis Shaw von Lahore beim Gedenkgottesdienst für die Opfer der Anschläge auf die beiden christlichen Kirchen von Youhanabad, wo über 100.000 Christen leben.

Der Erzbischof traf sich auch zu einem persönlichen Gespräch mit Angehörigen der Opfer und Verletzten. “Der Gedanke an einen Anschlag auf betende Menschen ist besonders schmerzhaft und unerträglich”, betonte er. “Heute bin ich hier, um bei meinen Brüdern und Schwestern zu sein, die ihre Angehörigen verloren haben. Wir haben gemeinsam gebetet für alle unsere Märtyrer und Gott gedankt, dass er das Leben von mehr als 1.500 Menschen in den Kirchen gerettet hat”.

Der Erzbischof äußerte besondere Wertschätzung für den Mut und die Dienstbereitschaft “unserer an den Türen der Kirche anwesenden freiwilligen Wachposten, die es den Angreifern nicht erlaubten, in die Kirche einzudringen”. Die beiden Sprengstoffattäntäter sprengten sich an der Tür der St. John’s Catholic Church und der Christ Church in die Luft. Insgesamt starben bei den Anschlägen 21 Menschen, 80 wurden verwundet.

Bischof Shaw erinnerte die jungen Christen, die getötet wurden, und sagte: “Alle unsere Märtyrer sind gesegnet, sie haben ihr Leben verloren, um ihren Glauben zu verteidigen, und haben ihr Leben geopfert, um ihr Volk in der Kirche zu beschützen und ihre Verantwortung für den Schutz der Mitmenschen bis zu ihrem letzten Atemzug wahrgenommen. Ich bin sicher, dass sie das ewige Lebens erhalten haben”.

Der Erzbischof bedankte sich in diesem Zusammenhang auch bei den Streitkräften, insbesondere bei der pakistanischen Armee, “die in allen Teilen des Landes zu unserer Sicherheit und unserem Schutz anwesend ist”, und lud die Gläubigen ein, für sie und ihre Familien zu beten.

Abschließend bat Bischof Shaw die pakistanischen Christen auch um das Gebet für die Opfer der brutalen Anschläge auf zwei Moscheen in Neuseeland: “Wir sind traurig über die Morde in den Moscheen, vor allem, weil es sich auch dort um Menschen handelt, die zum Gebet versammelt waren. Lasst uns beten für die Menschen, die um ihre Angehörigen trauern… Gott tröste sie und gebe ihnen die Kraft, diesen Verlust zu ertragen.” Und er fügte hinzu: “Wir können den Schmerz dieser Menschen besonders gut verstehen: oft haben wir Christen in Pakistan diesen Schmerz erlebt, und wir leiden immer noch darunter”.

“Wir beten für die Regierungen Pakistans und Neuseelands, damit sie das Böse des Terrorismus besiegen und damit Frieden herrscht auf der ganzen Welt, und die Menschen überall in Frieden, Freude und Glück leben können”, so Bischof Shaw.

Ausstellung „Religionsfreiheit unter Druck – Christen in Gefahr“

Ausstellung „Religionsfreiheit unter Druck – Christen in Gefahr“

Mit unserer Ausstellung „Religionsfreiheit unter Druck – Christen in Gefahr“ geben wir Christinnen und Christen, die in aller Welt diskriminiert, bedrängt oder gar verfolgt werden, eine Stimme. Sie erinnert an Schicksale, die zu schnell vergessen werden. Gleichzeitig weist die Ausstellung auf das Schicksal der Angehörigen anderer Religionen hin, die unter Verletzungen des Menschenrechts auf Religionsfreiheit leiden. Nicht gegeneinander, sondern nur miteinander können wir bedrängten Christinnen und Christen helfen.

Ebenso klärt sie auch über die vielfältigen Ursachen auf, warum heute das Menschenrecht auf Religionsfreiheit in über 180 Ländern verletzt wird. So trägt sie zu einer gleichermaßen engagierten wie sachlichen Diskussion in Deutschland bei. Die Ausstellung hilft mit, dass auch bei uns Religion nicht dafür missbraucht werden kann, um Intoleranz, Ausgrenzung und Hass zu säen.

Die Roll-Ups können Sie in Gottesdiensten, Andachten oder Gebeten für bedrängte Christinnen und Christen verwenden. So bringen Sie die Besucherinnen und Besucher ins Nachdenken darüber, was ihnen persönlich der Glaube heute wert ist.

Die Ausstellung „Religionsfreiheit unter Druck – Christen in Gefahr” eignet sich für Veranstaltungen in Bildungseinrichtungen genauso wie für die Gemeindearbeit, den Firmunterricht, die Jugendarbeit oder auch für mehrtägige Konferenzen.

Unsere Arbeitshilfe (PDF-Datei ») gibt Ihnen Anregungen, wie Sie die Ausstellung mit Gottesdiensten und weiteren Aktionsformen gestalten können: zum Beispiel eine Ausstellung mit Andy Spyra, ein Film aus Kenia über Gewalt und Versöhnung oder ein missio-Theaterprojekt.

Blasphemie-Prozess in Pakistan

Von Bernd Musch-Borowska/ Deutschlandfunk

Vor acht Jahren am 19. Juni 2009 wurde sie von der Polizei festgenommen.Vor acht Jahren am 19. Juni 2009 wurde sie von der Polizei festgenommen

Am 19. Juni 2009 wurde Asia Bibi von der Polizei festgenommen.

Asia Bibi, Mutter von vier Kindern, ist Christin in Pakistan. Wegen angeblich geringschätziger Äußerungen über den Islam wurde sie zum Tode verurteilt. Das Oberste Gericht soll nun entscheiden, ob das Urteil abgemildert wird. Ihre Familie hofft auf Freilassung, islamistische Gruppierungen drohen.

Seit der Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof in Islamabad im Revisionsprozess gegen Asia Bibi wächst bei der Familie der 49 Jahre alten Frau die Hoffnung auf einen Freispruch oder wenigstens auf eine Abmilderung des Urteils. Asia Bibi gehört der christlichen Minderheit in Pakistan an und war vor acht Jahren wegen angeblicher Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Muslimische Nachbarn hatten die Mutter von vier Kindern beschuldigt, sie habe sich abschätzig über den Islam geäußert. Für solche Vergehen sieht das pakistanische Blasphemie-Gesetz die Todesstrafe vor. Allein der Vorwurf schürt in Pakistan heftige Emotionen. In zahlreichen Fällen wurden Beschuldigte von aufgebrachten Mobs zu Tode geprügelt.

Anzeige nach Streit mit den Nachbarn

Joseph Francis, ein pakistanischer Menschenrechtsaktivist und Direktor des Zentrums für Rechtshilfe in Islamabad, hofft auf ein baldiges Ende des Verfahrens:

„Der Fall Asia Bibi hat im Jahr 2009 begonnen. Jetzt haben wir das Jahr 2018. Das heißt, seit neun Jahren leiden ihre Kinder, leidet ihre Familie und auch Asia Bibi leidet, denn sie sitzt seit neun Jahren im Gefängnis.“

Was damals zu den Vorwürfen geführt hat, ist nach wie vor unklar. Pakistanischen Medienberichten zufolge, hatten sich die muslimischen Nachbarn der Katholikin geweigert, Wasser aus einem Glas zu trinken, das von Asia Bibi berührt worden war. Daraufhin habe sie sich abschätzig geäußert. Anderen Medienberichten zufolge hatte es einen Nachbarschaftsstreit über etwas ganz anderes gegeben und die Vorwürfe gegen Asia Bibi seien aus der Luft gegriffen.

Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem Bericht über Pakistan feststellte, werden Blasphemie-Vorwürfe häufig genutzt, um persönliche oder politische Streitigkeiten zu regeln. Durch das Blasphemie-Gesetz werde die Rechtsstaatlichkeit des Landes ausgehebelt, sagt die pakistanische Menschenrechtsaktivistin, Tahira Abdullah:

Drohungen der islamistischen Partei

„Der Fall Asia Bibi ist extrem wichtig, denn es gibt sehr viele Fälle, die bei den Gerichten anhängig sind, gegen muslimische und nicht-muslimische Staatsbürger. Wir stellen fest, dass, wenn Vorwürfe erhoben werden, ob falsche oder richtige, dann entsteht ein Chaos, aufgebrachte Mobs nehmen das Recht in die eigene Hand und versuchen ihre Vorstellung von Recht durchzusetzen, manchmal brennen sie ganze Dörfer nieder.“

Noch steht die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes in Islamabad aus, doch hat die radikal-islamische Partei, Tehreek-e-Labbaik Pakistan (TLP), bereits vor – so wörtlich – schwerwiegenden Konsequenzen gewarnt. Die Islamistengruppe verlangt die sofortige Exekution Asia Bibis und warnte die Obersten Richter vor einem Einlenken unter dem Druck sogenannter „anti-pakistanischer“ Nichtregierungsorganisationen in Europa. Sollte das Gericht Zugeständnisse machen oder versuchen, Asia Bibi ins Ausland zu schicken, werde das Konsequenzen nach sich ziehen, hieß es.

„Nicht einfach das Recht in die eigene Hand nehmen“

Die Islamistengruppe hat bereits in der Vergangenheit bei Gerichtsentscheidungen oder politischen Initiativen zur Abschwächung des umstrittenen Blasphemie-Gesetzes, Proteste und Straßenblockaden organisiert. Im November vergangenen Jahres waren im Zuge solcher gewalttätigen Proteste sieben Menschen getötet und über 200 verletzt worden.

Im Vorfeld hatte der Fall eines jungen Mädchens mit geistiger Behinderung in Pakistan Aufsehen erregt. Sie soll ein Koran-Buch geschändet haben, so lautete der Vorwurf, nachdem im Müll, den das Mädchen vor die Tür gebracht hatte, angeblich verbrannte Seiten des Korans gefunden wurden. Ein großer Teil der christlichen Bevölkerung des Dorfes war daraufhin geflohen, obwohl ein Sprecher der Allianz der Minderheiten Pakistans versucht hatte, zu schlichten:

„Kein Christ würde doch einen Koran schänden oder den Propheten beleidigen. Sollte das doch passieren, Gott bewahre, dann gibt es Gesetze dafür. Wenn aber jemand geistig behindert ist, muss es auch dafür Gesetze geben. Menschen können doch nicht einfach das Recht in die eigene Hand nehmen.“

Dies kommt in Pakistan immer wieder vor. Auch während des langwierigen Prozesses gegen Asia Bibi. So waren zwei Politiker, die sich für sie eingesetzt hatten, ermordet worden, darunter der Gouverneur der Provinz Punjab.

Vietnam: Dissident Bui Tin starb im Exil mit 90

Quelle: (Forum Vietnam 21)

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Ein vietnamesischer Ex-Oberst und bekannter Kriegsreporter, der mit dem kommunistischen Regime desillusioniert war und ins Exil ging, starb in Frankreich im Alter von 90 Jahren. Bui Tin starb im Krankenhaus in Pariser Vorort Montreuil an Nierenversagen, bestätigten seine Freunde und ein Verwandter, nachdem er mehrere Wochen gesundheitlich geschwächt war. “Das Krankenhaus hat mich benachrichtigt, dass Tin verstarb, nachdem er ins Koma gefallen ist”, sagte die enge Bekannte Tuong An gegenüber der französischen Nachrichtenagentur AFP. “Als ich ihn im Krankenhaus besuchte, war er sehr schwach, aber die erste Frage, die er mir stellte, war, ob sein Artikel veröffentlicht wurde oder nicht”, sagte An weiter.
Trotz Gesundheitsproblem konnte er noch an dem viertägigen Treffen der “Konferenz der Vietnamesischen Demokraten” Ende Juni in Beilstein nah Stuttgart teilnehmen.

Während seiner Exilzeit wurde Tin einer der einflussreichsten Kritiker des kommunistischen Regimes in Vietnam. Seine viel beachtete Artikel und Essays rund um die Themen Unterdrückung, Machtmissbrauch, Menschenrechtsverletzungen des Hanoier Regimes wurden auf verschiedene Websites veröffentlicht und erhielten eine große Zustimmung der Internet-Leser in Vietnam.

Tin war noch ein Teenager als er mit 19 voller Leidenschaft in die Armee eintrat, die in der revolutionären Bewegung Ho Chi Minhs kämpfte, die schließlich 1954 die Franzosen in der Schlacht von Dien Bien Phu vertreiben sollte.
Während des Krieges arbeitete Tin großteils als Armeereporter. Am 30. April 1975 war er – im Rang eines Obersten – einer der ersten Soldaten, die den Präsidentenpalast in der ehemaligen Hauptstadt von Südvietnam Saigon betraten und einen langen und blutigen Krieg beendeten, als der letzten President Südvietnams Duong Van Minh die Kapitulation aussprach.
Später erzählte er, dass er US-Navy-Pilot John McCain in dem ironisch genannten “Hanoi Hilton”-Gefängnis traf, wo der amerikanische Kriegsgefangene fünfeinhalb Jahre nach seinem Abschuss in der Stadt verbrachte. Die beiden Männer konnten sich 1991 in der US-Hauptstadt Washington wiedersehen, als Tin vor einem US-Senatsausschuss für Kriegsgefangenen- und MIA-Angelegenheiten aussagte, an dessen Ende er den Mann, den er einst für einen Feind hielt, umarmte.
“Als ich ihm die Hand geben wollte, reagierte er, indem er mich umarmte, was mir nichts ausmachte, da die Kameras den Moment für die Zeitungen des nächsten Tages aufnahmen, auf denen das Bild mit der Bildunterschrift “Umarmung ehemaliger Feinden” abgedruckt wurde, schrieb McCain 2002 in seinem Buch “Worth the Fighting For” (“Es lohnt sich zu kämpfen”).

Nach der Wiedervereinigung Vietnams trat er aus der Armee aus, arbeitete als Journalist und war zuletzt stellvertretender Chefredakteur der Zeitung “Nhân Dân”, Organ der Kommunistischen Partei Vietnams. Obwohl er eine hohe Position innerhalb des Machtapparats innehatte – oder gerade deshalb – war er schließlich desillusioniert von der Sache, der er so viel von seinem Leben witmete. 1990 als die französische kommunistische Zeitung L’Humanité ihn nach Paris einlud, nutzte er die Gelegenheit und kam nach Frankreich, wo er ein neues Leben als Dissident begann. Er lieferte “eine Petition von einem einfachen Bürger” – eine mehrteilige, prodemokratische Radiosendung über den vietnamesischsprachigen Dienst der BBC. “Bürokratie, Verantwortungslosigkeit, Egoismus, Korruption und Betrug verbreiten sich unter einer unverschämten Herrschaft von Privilegien und Vorrechten” sagte er in einer Sendung über die kommunistischen Machthaber in Vietnam. Regelmäßig schrieb er über Politik und aktuelle Ereignisse in seinem Geburtsland. Freunde sagten, er sei Journalist und Aktivist, bis zu seinem Tod.

Massaker von Kandhamal: Christen in Indien erinnern an Gewalt vor zehn Jahren

Vor zehn Jahren erlebte Indien die schwersten Gewaltausbrüche gegen Christen in seiner Geschichte. Kurz vor dem Jahrestag bereiten die Christen im ostindischen Kandhamal Erinnerungsfeiern vor. missio hilft den Opfern, die noch keine Gerechtigkeit erfahren haben.

Gefangene Kandhamal Gruppe Querformat

Kurz vor dem 10. Jahrestag der größten tödlichen hindu-nationalistischen Gewaltwelle gegen Christen in der Geschichte Indiens wartet die Mehrzahl der Opfer immer noch auf Wiedergutmachung und juristische Gerechtigkeit. Darum kämpfen gemeinsam mit dem katholischen Hilfswerk missio Aachen indische Projektpartner und Menschenrechts-Aktivisten. Sie betreuen mit einem missio-Projekt » die Opfer und richten am 28. und 29. August in Indien öffentliche Gedenkveranstaltungen aus, zu denen in der Stadt Bhubaneshwar über 10.000 Teilnehmer erwartet werden. Bis Ende August läuft die missio-Petition #freeourhusbands » für verfolgte Christen in Indien.

Die Stimmung in der Region ist nach Auskunft von missio-Partnern angespannt. Sie sprechen von einer erhöhten Präsenz von Hindu-Nationalisten und befürchten mögliche neue Gewaltausbrüche.

Indische Justiz verzögert bis heute Aufarbeitung und Wiedergutmachung

Rückblick: In der letzten Augustwoche 2008 töteten hindu-nationalistische Fanatiker in der Region Kandhamal im ostindischen Bundesstaat Odisha über 100 Christinnen und Christen. Nach Angaben von missio-Partnern brannten sie 400 Dörfer, 5.600 Häuser und 395 Kirchen nieder. 40 Frauen – darunter auch Ordensschwestern – wurden vergewaltigt. 56.000 Männer, Frauen und Kinder mussten aus ihren Heimatdörfern fliehen und können bis heute nicht zurückkehren. Die Mehrzahl der 3.232 aufgenommen Strafanzeigen gegen die Gewalttäter wurde bis heute nicht bearbeitet. Nur 86 Täter wurden verurteilt, wenige verbüßten tatsächlich ihre Strafe. Nur rund zehn Prozent der Betroffenen erhielt bisher eine Wiedergutmachung vom indischen Staat für zerstörtes Eigentum. Die Opfer sind größtenteils christliche indigene Adivasi und gehören der in Indien gesellschaftlich diskriminierten Kaste der sogenannten Unberührbaren an.

missio-Petition #freeourhusbands läuft bis Ende August für unschuldig inhaftierte Christen

Auslöser der Gewalt war der Mord an einem hindu-nationalistischen Prediger am 23. August 2008. Schnell wurden sieben einfache Christen aus dem Kandhamal verdächtigt und festgenommen. Obwohl sie unschuldig sind und in Ostindien aktive maoistische Rebellen die Verantwortung für den Mord übernommen hatten, wurden sie zu lebenslanger Haft verurteilt. Für ihre Freilassung sammelt missio Aachen bis Ende August mit der Petition #freeourhusbands im Namen ihrer Familien Unterschriften. Aktuell haben die Petition rund 7.800 Menschen unterschrieben. Sie wird Anfang September an die Bundesregierung übergeben, die sich in Indien für die Freilassung der unschuldigen Christen einsetzen soll.

Team aus Priestern, Psychologen und Juristen arbeitet an Rehabilitation der Opfer

Menschenrechts-Aktivisten, Priester, Psychologen und Juristen der indischen Kirche helfen seit Anfang des Jahres in einem missio-Projekt den sieben Familien der unschuldig inhaftierten Christen aus dem Kandhamal. Zuerst versuchen sie juristisch ein Wiederaufnahmeverfahren für ihre inhaftierten Ehemänner und Familienväter zu erreichen. Dann vermitteln sie den Familien praktisches und ökonomisches Basiswissen für kleine Geschäftsgründungen, um ihren Lebensunterhalt selbstständig bestreiten zu können. Vier Familien gründeten eine Ziegenzucht, zwei Familien eine Gemüsezucht und eine Familie eröffnete einen kleinen Laden. Jede Familie erhielt eine Anschubfinanzierung von je rund 630 Euro – das sind etwa sechs indische Monatsdurchschnittsgehälter. Zudem werden zwölf schulpflichtige Kinder aus den Familien finanziell unterstützt, um einen Schulabschluss machen zu können. Nicht zuletzt können Angehörige der Familien Traumatherapien in Anspruch nehmen.

Weiterhin werden in dem missio-Projekt 192 Männer, Frauen und Kinder aus der Region Kandhamal psychologisch betreut, die vor zehn Jahren unmittelbare Zeugen oder Opfer von Morden, Vergewaltigungen und Brandstiftungen geworden waren und dadurch bis heute traumatisiert sind.

Schließlich identifizierten Juristen des missio-Projektes seit Anfang des Jahres 50 Gerichts- und Wiedergutmachungsfälle von Opfern, die jetzt gerichtsfest dokumentiert und dann zur Neuverhandlung gebracht werden. Für ein Opfer einer Sexualstraftat wurde mittlerweile eine Wiedergutmachung erstritten, ein ähnlicher Fall konnte vor einem höheren Gericht eröffnet werden.

Hindu-Nationalismus in Indien gestärkt

Auch zehn Jahre nach den schlimmsten Gewaltausbrüchen gegen Christen in Indien hat sich ihre Lage nicht verbessert. Die hindu-nationalistische Politik des Landes hat sich unter Ministerpräsident Narendra Modi etabliert. Minderheiten wie Christen und Muslime werden weiter und zunehmend diskriminiert. Kritiker Modis befürchten, dass die indische Verfassung nach der Losung „eine Religion, eine Kultur, ein Land“ ihren säkularen, republikanischen und demokratischen Charakter verliert.

Freilassung von Nguyen Van Dai

Nguyen Van Dai ist frei

Nguyen Van Dai ist frei

750 missio-Unterstützerinnen und Unterstützter wandten sich an Vietnams Premierminister

„Wir sind erleichtert, aber die Lage der Menschenrechte in Vietnam bleibt weiterhin kritisch.“ So kommentierte Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio in Aachen, die Freilassung des zu 15 Jahre Haft verurteilten vietnamesischen Menschenrechtlers Nguyen Van Dai, der heute nach Deutschland ausgeflogen wurde. 750 Unterstützerinnen und Unterstützer von missio hatten sich in den vergangenen Monaten an den Premierminister von Vietnam mit der Bitte um Freilassung des Rechtsanwalts gewandt. missio arbeitete dabei eng mit der Bundestagsabgeordneten Marie-Luise Dött und der Organisation Veto! zusammen.

„In Vietnam werden vor allem die Religionsfreiheit und Meinungsfreiheit eingeschränkt. Die Freilassung von Nguyen Van Dai zeigt, dass sich unser Einsatz für die Betroffenen dieser Menschenrechtsverletzungen lohnt. Wir hoffen, dass Politik, Kirche, Gesellschaft und nicht zuletzt die Wirtschaft ihre Verantwortung erkennen, in Gesprächen mit der vietnamesischen Regierung weiter auf eine Verbesserung der Menschenrechtslage in dem asiatischen Land zu drängen“, so Prälat Krämer weiter.

Nguyen Van Dai saß seit dem 16. Dezember 2015 in Untersuchungshaft. Vor einigen Wochen wurde er zu 15 Jahren Haft verurteilt. Er war angeklagt wegen Paragraph 88 des vietnamesischen Strafgesetzbuches „Propaganda gegen den Staat“. Dieser Vorwurf traf auf Nguyen Van Dai nicht zu. Er saß allein wegen seines friedlichen Engagements für Menschenrechte in Haft. Ngyuen Van Dai hatte auch Christen verteidigt.

 

Anwalt und Aktivist Nguyen Van Dai wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt

Beitrag von asianews.it

logo vietnam2Zusammen mit fünf weiteren Aktivisten, die sich für die Demokratie einsetzen, wurde Nguyen Van Dai wegen “Aktivitäten, die zum Umsturz des Staates führen” verurteilt. Insgesamt 66 Jahre und 17 Jahre Hausarrest wurden verhängt. Die Verurteilten gehören der Bruderschaft für Demokratie an, eine Gruppe, die Van Dai 2013 ins Leben rief, um die Menschenrechte und demokratischen Ideale zu verteidigen.

In Hanoi wurde der Menschenrechtsanwalt Nguyen Van Dai wegen „Subversion“ zu 15 Jahren Haft und fünf Jahren Hausarrest verurteilt. Dies wurde von seiner Frau Vu Minh Khanh, die außerdem noch sagte, dass die anderen Verurteilten zu sieben bis zwölf Jahren Haft verurteilt wurden.

Nguyen Van Dai, seine Kollege Le Thu Ha, und die Journalisten Pham Van Troi, Nguyen Trung Ton, Truong Minh Duc und Nguyen Bac Truyen, wurden gestern wegen “Aktivitäten, die zum Umsturz des Staates führen” nach vietnamesischem Strafrecht, §79 verurteilt. Die maximale Strafe für dieses Vergehen bedeutet lebenslänglich oder gar die Todesstrafe, für diejenigen, die schuldig gesprochen werden.

Die Verurteilten machten Kampagnen für die Opfer von Unrecht, Religionsfreiheit und politische Gefangene und deren Familien.

Duc und Ton have haben beide jeweils 12 Jahre Haft und 3 Jahre Hausarrest bekommen. Truyen bekam 11 Jahre und 3 Jahre Hausarrest. Ha, die einzige Frau in der Gruppe, bekam 9 Jahre Haft und  2 Jahre auf Bewährung. Troi 7 Jahre und 1 Jahr Hausarrest

Dai wartete auf das Urteil seit Dezember 2015. Vorher saß er vier von fünf Jahren ab, die er 2007 wegen „Anti-Staatspropaganda“ bekam.

Das Gericht berief hunderte von Polizisten vor das Gerichtsgebäude, die einen Marsch verhindern sollten, der von den Familien der Verurteilten organisiert wurde. Mehr als ein Duzend Personen wurde vor der Verhandlung verhaftet. Andere wurden gehindert das Gerichtsgebäude zu betreten.