Weihnachtsbotschaft aus Nigeria – von Bischof Stephen Dami Mamza aus Yola

Von Bischof Stephen Dami Mamza, Katholischer Bischof von Yola, Nordostnigeria

missio fragte Bischof Stephen Dami Mamza wie die Christen in Nigeria nach den vielen traurigen Ereignissen diesen Jahres Weihnachten feiern. Wir wollten wissen, wie die Weihnachtsbotschaft in Nigeria – bei den Vetriebenen, Verlassenen und Opfern der Familien von Boko Haram – aufgenommen wird, was die Ankunft Jesu Christi für sie bedeutet und ob sie Weihnachten Angst vor Terroranschlägen haben. Darauf antwortete uns Bischof Stephen Dami Mamza mit einer Weihnachtsbotschaft, die von Hoffnung getragen ist. Er bittet, für die Christen in Nigeria zu beten:

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens. (Jes 9,1-6)

Meine geliebten Brüder und Schwestern in Christus,

Bischof Stephen Mamza (Bettina Tiburzy/missio).

Bischof Stephen Mamza (Bettina Tiburzy/missio).

Es ist wieder Weihnachten. Wir danken Gott für die Weihnachtszeit, in der wir die Ankunft des Erlösers als Menschen in die Welt feiern. Da die Geburt eines Kindes für die Familie immer eine Quelle der Freude und ein Zeichen der Hoffnung ist, ist die Geburt Jesu Christi unseres Erlösers für uns Christen das Zeichen der Freude und der Hoffnung für unser Leben und für unsere Welt.

Die meisten Christen in Nigeria befinden sich in einer schwierigen Situation, wenn sie Weihnachten 2014 feiern. Ihre Lage ist durch die jüngsten Ereignisse gekennzeichnet, die das Leben der Nation durch einen von der als „Boko Haram“ (was „westliche Bildung ist Sünde“ bedeutet) bezeichneten islamistischen Sekte angezettelten Aufstand bedroht haben. Diese Krise hat das Leben der Nation in letzter Zeit in Mitleidenschaft gezogen und ist noch nicht überwunden, da die meisten Menschen vertrieben wurden und noch immer nicht heimgekehrt sind – und ohne Aussicht darauf sind, wann sie zurückkehren, um ihr Land zurückzubekommen. Fehlendes Vertrauen hat ein ungesundes politisches Klima entstehen lassen, in dem Verdächtigungen, Ressentiments, Feindseligkeit und Rache das Verhältnis zwischen den unterschiedlichen Gruppen gestört haben. Die Religionsfreiheit und die Freiheit, Gott zu verehren sind aufgrund einer Schwächung des Sinnes für Toleranz bedroht – eine solche Situation lässt uns als Nation hoffnungslos und angstvoll in die Zukunft blicken. Die meisten Menschen werden fragen, wann wir wohl diese Probleme, die unser Leben und den Frieden bedrohen, endlich wieder loswerden.

In dieser für den christlichen Glauben höchst bedeutsamen Zeit möchte ich allen, die heute in irgendeiner Weise wegen der Boshaftigkeit von Menschen an irgendeinem Ort dieser Welt leiden, mit den Worten des großen heiligen Franziskus von Assisi sagen: „Der Herr schenke Euch Frieden!“

Unsere Nation ist heute nicht nur durch Ungewissheiten belastet, sondern auch durch eine moralische, wirtschaftliche, religiöse und politische Krise. Dennoch ist Jesus, trotz dieser ganzen Spannungen, die einzige Hoffnung für uns und auch für die ganze Welt – ganz gleich, wie viele Sorgen wir uns darum machen. Seine Geburt ist ein Hoffnungsschimmer und ein Zeichen dafür, dass für Euch und für mich ein neues Leben möglich ist.

Die Realität einer Welt, die voll von Menschen ist, die bestenfalls fehlbar und oftmals geneigt sind, ganz bewusst die falschen Entscheidungen zu treffen, äußert sich darin, dass es regelmäßig zu Katastrophen kommt. Ich habe in den vergangenen Jahren ausgesprochen viel gelernt. In diesen Jahren habe ich mit zum Krisenmanagement beigetragen. Zeitweise ist es erfolgreich verlaufen, manchmal ist es aber auch gescheitert. Dennoch sollten wir als Christen in dieses Weihnachten mit der Erkenntnis des christlichen Glaubens gehen: Selbst in der größten Krise von allen werden diese in Christus verwandelt.

Auch wenn die Härte der Umstände, in die Jesus hineingeboren wurde, uns ständig die schmerzhaften und tragischen Erfahrungen unserer eigenen Welt bewusst macht. Der Gedanke jedoch, dass Er kam, um uns zu erlösen und unser Leiden zu lindern, ist für uns alle eine Herausforderung, um Sein Werk fortzusetzen und unseren kleinen Beitrag zu der Aufgabe zu leisten, die menschliche Gebrochenheit zu heilen, indem wir in den zwischenmenschlichen Beziehungen Frieden und Harmonie fördern und ein kleines bisschen Licht in die Dunkelheit und Verwirrung der Welt um uns herum bringen.

Weihnachten erinnert uns daran, dass Gott, der Mensch geworden ist, unsere Probleme ebenfalls kennt und durchlebt. Er lässt uns nicht alleine tätig werden, sondern wirkt mit uns gemeinsam bei der Bewältigung all unserer Probleme. Daher brauchen wir keine Angst zu haben und die Hoffnung zu verlieren, sondern sollten mit voller Begeisterung und Zutrauen daran arbeiten, eine bessere Zukunft aufzubauen.

Trotz der schweren Herausforderungen sollten die Christen Weihnachten voll Dankbarkeit begehen, da dieses Fest stets Freude und Hoffnung bringt. Wir sollten uns nicht fürchten und auch nicht entsetzt sein, denn Gott selbst ist mit uns und bereitet uns eine Zukunft.

Diese Botschaft ruft uns Christen auch dazu auf, uns gegenseitig zu lieben und uns warmherzig anzunehmen und das miteinander großzügig und freudig zu teilen, was wir besitzen, so dass wir das Leben haben und es in Fülle haben. Eine solche Aufnahme bedeutet Solidarität, sie beutet Einheit, Hoffnung, Trost und Leben. In dieser Spiritualität können alle Schwierigkeiten gemeistert werden, und es werden uns neue Perspektiven für die Zukunft eröffnet.

Ich rufe alle Christen auf, durch ihre Solidarität andere Menschen willkommen zu heißen. Darüber hinaus lade ich alle ein, in das Antlitz des Kindes zu schauen, damit es ein Zeichen für einen jeden, selbst für unsere muslimischen Brüder, sein möge und eine Quelle des Wohlstandes für das Land und eine Quelle des Wohlergehens für sein Volk. Wir sollten stets daran denken, dass unser Glaube nicht nach dem Umfang unseres Wissens, unserer Bildung, unserer Theorien und nach dem, was wir sagen, bemessen wird, sondern danach, wie wir andere Menschen lieben und aufnehmen, wie wir mit ihnen teilen und uns mit ihnen zusammenschließen können. Dieser Glaube schließt unsere Erlösung mit ein: auf nationaler und auf kirchlicher Ebene. Daher lautet die christliche Botschaft in der derzeitigen Situation: Kein Leben ohne Liebe, und keine Erlösung außer durch Einheit.

Der heilige Papst Johannes Paul II. wird häufig mit den Worten zitiert: „Kein Friede ohne Gerechtigkeit“. Der Friede ist ein so wichtiges und vorrangiges Gut, dass er große Opfer von Seiten aller Beteiligten rechtfertigt. Daher ist es erforderlich, dass die Rechte aller Menschen anerkannt und eingehalten werden. Es bleibt zu hoffen, dass wir eine Nation werden, die frei von Korruption ist, eine Nation, die den Pluralismus achtet, eine Nation, die gegen Gewalt ist, Recht und Gesetz aufrechterhält, die die Menschenrechte respektiert und sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzt.

Inständig bete ich, dass diese Weihnachtszeit durch ein Ende oder zumindest doch durch einen Aufschub dieses ganzen Leidens gekennzeichnet sein wird. Schenke sie den Familien weitere Hoffnung, die unerlässlich ist, um bei der mühevollen Aufgabe der Förderung des Friedens in einer so verwundeten und gespaltenen Welt durchzuhalten. Mögen die christlichen Gemeinschaften, die oftmals in schwierigen Situationen leben, sich der machtvollen Kraft

bewusst sein, die aus dem mit Liebe angenommenen Leiden entspringt, wenn man weiß, dass ein solches Leiden das Herz anderer Menschen und das Herz der Welt verwandeln kann. Daher ermutige ich einen jeden einzelnen von Euch, mit Beharrlichkeit weiterzumachen, mit dem tröstlichen Wissen des „Preises“, mit dem Christus uns erlöst hat. Das ist das Paradox eines Gottes, dessen innerstes Wesen mit den Flüchtlingen, den Ausgestoßenen, den Missbrauchten und den Unterdrückten fest verbunden ist. So kommt es, dass Paulus zu Recht schreiben konnte: „Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen“ (1 Kor 1,25).

In dieser Botschaft möchte ich – da sich unsere Nation Nigeria auf die kommenden Parlamentswahlen im Jahr 2015 vorbereitet – aufrichtig an all jene appellieren, die an der

„Macht“ zu sein scheinen, zu erkennen, dass sie nicht weiterhin einen Friedensprozess missbrauchen können, so dass dessen Ergebnis ausschließlich zu ihrem Vorteil ist. Letzten Endes können sie Gott nicht außer Acht lassen. Für jene, die „machtlos“ erscheinen, liegt die Botschaft darin, dass sie Hoffnung aus einem Baby schöpfen können – aus dem anfälligsten und verwundbarsten aller menschlichen Wesen überhaupt – sowie aus einer Höhle – dem höchst unwahrscheinlichen Sitz für einen Schalthebel der Macht. Deshalb müssen wir weiterhin auf Gottes scheinbar unlogisches und auf unser kollektives Handeln vertrauen, um einen gerechten Frieden herbeizuführen.

Es ist daher mein herzlicher Wunsch und meine Hoffnung, dass dieses Fest eine Gelegenheit sein wird, die übernatürliche Gegenwart Gottes wiederzuentdecken, neue Kraft zu entwickeln, und die Auswanderer, die ihr Land verlassen haben, wieder heimzuführen.

Vor diesem Hintergrund rufe ich alle unsere christlichen Brüder und Schwestern auf, ein Klima zu schaffen, in dem ein jeder sich seines Ansehens, seiner unverwechselbaren Stellung und seiner Bedeutung innerhalb der Gesellschaft bewusst werde und dass er spürt, dass er geliebt wird.

Meine lieben Brüder und Schwestern in Christus, nun, da wir diese äußerst wichtige Zeit im Leben der Kirche feiern: Seid Euch sicher, dass Ihr auf diesem Weg von den innigen Gebeten vieler Christen hier in Nigeria und anderswo begleitet werdet. Mit diesen Gedanken wünsche ich Euch allen gesegnete Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr!

>> aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

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