Indien: Hintergründe der Zwangskonversionen von Christen zu Hindus

Von Ajaya Kumar Singh

Aus dem Englischen übersetzt von Katrin Krips-Schmidt

Ajaya Kumar Singh aus Bhubaneswar, Hauptstadt des indischen Bundesstaates Odisha. (Foto: privat)

Ajaya Kumar Singh aus
Bhubaneswar, Hauptstadt des indischen Bundesstaates Odisha. (Foto: privat)

Die Nachrichten einer Reihe von Angriffen und von Zwangskonversionen von Christen zum Hinduismus sickerten aus dem Distrikt Bastar im indischen Bundesstaat Chhattisgarh – der Heimat einer der größten Siedlungen der Adivasi – durch, noch bevor sich das indische Parlament an dem Konversionsproblem festdiskutiert hatte. Einige von uns – betroffene indische Bürger – planten einen Untersuchungseinsatz in die Region an Heiligabend 2014. Einige christliche Oberhäupter des Staates rieten uns davon ab, ein solches unabhängiges Untersuchungsteam zu bilden, da der Sangh Parivar durch das Schüren von Angst und Unsicherheit die Gemeinschaft bereits eingeschüchtert hatte. Die lokalen christlichen Anführer waren der Auffassung, dass unsere Exkursion ein Alibi für weitere Gewalttätigkeiten sein könnte, die der Sangh Parivar dann versuchen könnte, zum Ausbruch zu bringen. Doch vier von uns machten sich auf, um die Realität vor Ort in Chhattisgarh zu begreifen. Dabei haben sich folgende Beobachtungen ergeben.

(zur Erklärung des Begriffes Sangh Parivar schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung unter http://www.bpb.de/apuz/31206/hindu-nationalismus-gefahr-fuer-die-groesste-demokratie?p=all: “Unter dem Begriff Sangh Parivar (Familie) wird ein Verband von parlamentarischen und außerparlamentarischen Organisationen verstanden, der sich weitestgehend der Hindutva-Ideologie verpflichtet hat und als Trägergruppe der hindu-nationalistischen Bewegung zu betrachten ist. Im Zentrum dieser Familie steht ein arbeitsteiliges Triumvirat der Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS) als organisatorisches und ideologisches Rückgrat, der Vishwa Hindu Parishad (VHP) zur Abdeckung religiöser Fragen sowie die Bharatiya Janata Party (BJP), welche die parlamentarische Vertretung übernimmt. In ihrer ,Kulturarbeit’ werden sie von einem weitgespannten Netz unterschiedlichster Einrichtungen wie Missionsorganisationen, Schulen, Krankenhäuser und Verlagen unterstützt. Anm. d. Red.)

Zwangskonversion als “Rückkehr” verbrämt:
Die Politik des „Ghar Wapsi“ in Chhattisgarh

Chhattisgarh ist eine der größten, von den Adivasi, der indigenen Bevölkerung, besiedelten Staaten Indiens. Laut der Volkszählung von 2001 betrug der Anteil der Stammesbevölkerung in Chhattisgarh 31,76%, während die Volkszählung von 2011 einen Anteil von 30,62% aufweist. Das bedeutet, dass es in diesem Gebiet bei der Bevölkerung der Adivasi einen Rückgang von 1,14% gab. Gemäß der Volkszählung ist Chhattisgarh die Heimat von 94,7% Hindus, während der Anteil der muslimischen und christlichen Bevölkerung bei 1,97% bzw. bei 1,92% liegt. Dennoch gibt es noch immer eine Population der Adivasi in Chhattisgarh, die keiner der etablierten Religionen Hinduismus, Christentum oder Islam angehören. Diese Adivasi verehren noch immer ihre eigenen einheimischen Gottheiten, und diese an die Natur gebundene Spiritualität kann mit keiner der existierenden etablierten Religionen gleichgesetzt werden. Offensichtlich hat der Mikrozensus aber diese einheimische Spiritualität als Teil des Hinduismus erfasst. Das fällt dann möglicherweise in die Kategorie einer Verletzung der Identität und des Glaubens, wie es in der indischen Verfassung verankert ist. Dennoch hat das Ministry of Tribal Affairs die Adivasi als Angehörige der verschiedenen Religionen klassifiziert: 93,7% Hindus, 4,7% Christen, 1,4% Muslime und 0,1% andere Religionen und Glaubensüberzeugungen.

Seit den frühen 1980er-Jahren erlebt der neu gebildete Staat Chhattisgarh gemeinsam mit den Bundesstaaten Odisha, Jharkhand, Madhya Pradesh und Gujurat eine beispiellose „Ghar Wapsi“(Rückkehr)-Politik. Der verstorbene Dilip Singh Judeo, der ehemalige Staatsminister für Umwelt und Forsten in der Bharatiya Janata Party, die die Regierung der Nationalen Demokratischen Allianz anführte, war als Guru des „Ghar Wapsi“ bekannt und stand an der Spitze der erfolgreichen „Ghar Wapsi“-Kampagne, die die „konvertierten christlichen Adivasi“ im Distrikt Jashpur wieder zurück zum Hinduismus bringen sollte. Die Bharatiya Janata Party hatte im Jahr 2000 die Macht im Staat ergriffen, und die Hasskampagne und ihre Propaganda gegen die christliche Gemeinschaft wurden immer schlimmer und gewalttätiger.

Bastar unter Belagerung:
Pfarrer haben Angst vor Fanatikern

Als wir in Jagdalpur eintrafen, waren wir ganz schön besorgt, in die Dörfer von Bastar zu gehen. Ein junger Pfarrer, der uns über die Situation unterrichten sollte, informierte uns: „Wir (Pfarrer) können nicht mehr mit dem Fahrrad zu den betroffenen Dörfern fahren, da uns die Fanatiker ziemlich gut kennen.“ „Wir könnten ja ein Taxi mieten“, schlug ich vor. Doch er antwortete: „Nein, das sollten wir nicht. Der Besitzer oder der Fahrer der Taxe könnte jemand sein, der für Sangh Parivar arbeitet oder damit sympathisiert. Wir könnten aufgespürt werden. Das könnte fatale Folgen haben.“ Die Sorge und Angst waren unter den örtlichen Anführern der Gemeinschaft und den Seelsorgern in der Region Bastar deutlich zu spüren. Suresh Yadav aus dem indischen Bundesstaat Haryana und Präsident der hindunationalistischen Organisation Viswa Hindu Parishad (VHP), ist zu einer Ablaufstelle für die Hindutva-Kampfgruppen geworden. Er ist bekannt dafür, dass er zu einem angsteinflößenden Gesicht für die Gemeinschaften der Minderheiten geworden ist.

Madhota: Eine giftige Saat,
die von den BJP-Mitglieder im Parlament gesät wurde

Mangal Mandavi leidet noch immer unter dem Schock von damals in dem Dorf Madhota in der Region Bastar. Er wurde brutal angegriffen, als er den „Ghar Wapsi“-Forderungen von Sangh Parivar nicht nachgab, während einige seiner Verwandten mit Gewalt zum Hinduismus bekehrt wurden. Er sagte: „Ich dachte, ich würde sterben – aber ich habe überlebt.“

In Madhota, einem Dorf mit einer Bevölkerung von 4000 Menschen, gibt es 35 christliche Familien. Es sind alles Adivasi. Vor zehn bis fünfzehn Jahren gab es keine Konflikte innerhalb der Kommune, auch wenn ihre Familienmitglieder sich für die Religion ihrer Wahl entschieden und ihren Glauben ohne irgendwelche Bedenken praktizierten. Die Lage begann sich zu wandeln, als von außerhalb kommende Leute, die nicht der einheimischen Bevölkerung angehören und die für Sangh Parivar arbeiten, anfingen, das Dorf zu besuchen und mit Nicht-Christen heimliche Treffen und Besprechungen organisierten. Zu der ersten großen Auseinandersetzung kam es 2008 in dem Dorf, als sie die Kirche der Christen zerstörten. In den vergangenen sechs Monaten ist es für die Christen unter den Adivasi ein Albtraum gewesen, wie die VHP-Mitarbeiter sie fortgesetzt eingeschüchtert haben, Hindus zu werden – so wie sie ihnen mit einer solchen Konversion auch eine bessere Zukunft in Aussicht gestellt haben. Dinesh Kashyap, das Stammesmitglied des Parlaments aus der Bharatiya Janata Party (BJP) und seine Mitarbeiter waren recht erfolgreich bei der Spaltung der Stammesgemeinschaft in Christen und Hindus, auch wenn es einige Christen abgelehnt haben, sich in der zweiten Oktoberwoche 2014 ihrer Linie zu fügen.

“Jagt die Christen davon,
wenn sie nicht Hindus werden wollen”

„Inzwischen wurde die VHP durch den ‚Erfolg‘ von ‚Ghar Wapsi‘ noch wilder und aggressiver, da manche Christen sich ‚Ghar Wapsi‘ nicht anschlossen, und deshalb griffen sie uns erneut am 19. Oktober 2014 an“, sagte Sindhu Kumar Das, der Dorfpfarrer, der heute fast ausschließlich im Verborgenen lebt. Er wurde dreimal zusammengeschlagen. Als er sich an die Polizei um Schutz wendete, schlug sie ihn wegen falscher Anklagen – wegen Konversionen und Erzeugung von Feindseligkeit in der Kommune.

„Als wir morgens in der Kirche beteten, drang eine große Gruppe von VHP-Mitarbeitern in die Kirche ein und rief Parolen wie: ‚Tötet die Christen, jagt sie davon, wenn sie nicht Hindus werden‘, und sie fingen an, gnadenlos auf uns einzudreschen“, sagte der verletzte Dorfbewohner. Die Einwohner gingen zur Polizeistation, um Klage einzureichen. Doch die Polizisten winkten ab. Sie verhöhnten sie, dass sie doch einfach nur Hindus werden müssten – dann wäre das Problem für immer gelöst. Nachdem schließlich die Distriktsverwaltung in den Streit eingriff, lenkte der Polizeiinspektor ein und informierte sie darüber, dass die Polizei ein Friedenstreffen für beide Gemeinschaften einberufen werde.

Dieses Friedenstreffen wurde für den 25. Oktober 2014 vereinbart. Zu dem festgesetzten Termin versammelten sich fast 30 Mitglieder der Minderheitengemeinschaft. Drei Stunden lang gab es kein Anzeichen für eine Polizeipräsenz, obwohl das Treffen doch von der Polizei selbst einberufen worden war. Doch dann tauchten innerhalb weniger Sekunden ungefähr 70 VHP-Mitarbeiter an dem Veranstaltungsort auf, überfielen die Christen und fügten ihnen schwere Körperverletzungen zu. Krankenwagen fuhren vor. Doch die Verletzten wurden erst ins Krankenhaus gebracht, als die Polizei eintraf. „Noch bevor die Verletzten das Krankenhaus erreichten, hatten vier VHP-Mitarbeiter Klagen wegen körperlicher Angriffe durch die Christen aufnehmen lassen“, sagte ein in Jagdalpur lebender Leiter der Gemeinschaft.

„Die Polizei nahm einige aus jeder der beiden Gruppen fest, wegen ‚Erzeugung von Feindseligkeit unter den Gemeinschaften‘. Es war ein klarer Fall eines Komplotts der Behörden, damit die Angehörigen der Minderheit schikaniert, angegriffen und später wegen falscher Beschuldigungen geschlagen und ins Gefängnis geschickt werden konnten, damit sie auch weiterhin Angst haben und ihre Religion aufgeben“, erklärte Bhupendra Khora, der den Überfallenen und Verletzten beistand.

Mangal und zehn weitere Familien sind Christen geblieben. „Wir fühlen uns im Dorf tatsächlich isoliert und als Fremde, da wir uns aus dem Brunnen kein Wasser holen dürfen. Der einzige Trost ist, dass die Bedrohungen nicht von den neu zum Hinduismus konvertierten Adivasi kommen, die noch immer unsere Sorgen teilen und Verständnis für uns haben. Keiner scheint sicher zu sein, wie lange sich die Kirche in diesem Panchayat noch halten wird.“

Sirishguda Gram Sabha:
Nicht-hinduistische religiöse Aktivitäten sind verboten!

Sirishguda Gram Sabha untersteht der Verwaltung der Polizeistation von Bodangi und ist eines von 50 Gram Panchyats im Distrikt Jagdalpur (ein Panchyat ist eine Versammlung von fünf weisen und geachteten Älteren, die von der Dorfgemeinschaft gewählt und akzeptiert werden). Dieses hat gemäß Paragraph 129 (G) des Gesetzes „Chhattisgarh Panchayat Raj Act“ einen Beschluss erlassen, laut dem sämtliche „nicht-hinduistische religiöse Aktionen, Gebete und Ansprachen in den Dörfern in Anbetracht von außenstehenden (nicht-hinduistischen) religiösen Gruppen untersagt sind, die arglose hinduistische Adivasi ausnutzen, sie bekehren und Kastendiskriminierungen und die Praktiken der Unberührbarkeit fördern.“

Der Beschluss fordert ein totales Verbot aller religiösen Aktivitäten neben denen des Hinduismus, da diese eine Bedrohung für die kulturellen und religiösen Traditionen darstellten als auch für die soziale Einheit des Dorfes. Ferner wird darin beschlossen, keine Genehmigung mehr für den Bau irgendeines religiösen Gebäudes oder Zentrums mehr zu erteilen bzw. kein Land mehr zur Verfügung zu stellen.

Siva Mondavi, 36 Jahre alt, der Pfarrer der Brüderkirche, sagt: „Wir waren immer 55 christliche Familien, die hier im Dorf lebten. Seit sieben Monaten werden wir von Sangh Parivar schikaniert und eingeschüchtert, weil wir das von ihnen organisierte „Ghar Wapsi“-Programm ablehnen.

Die VHP-Mitarbeiter hetzten die „Hindu“-Adivasi auf, dass diese den „christlichen“ Adivasi gemeinsame Begräbnisstätten verweigern sollten. Die Konflikte verschärften sich noch weiter durch die energische Forderung nach einer größeren Spende – „chanda“ -, die von den Christen für ein hinduistisches religiöses Fest verlangt wurde.

Mandovi fuhr fort: „Als wir uns weigerten, diese Spende zu zahlen, stoppte das VHP unsere Lebensmittelzuteilungen. Dann schickte die Distriktsverwaltung Inspektoren für die Nahrungsmittelversorgung, um die Zuteilungsfrage zu regeln, als die Beschwerden ihr vorlagen. Doch sie wurden fortgejagt, und die Christen, die zu diesem Treffen kamen, wurden ebenfalls angegriffen. Zehn Christen – acht Männer und zwei Frauen – erlitten dabei schwere Verletzungen und mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Fanatiker versuchten sogar zu verhindern, dass die Verletzten in Rettungswagen gebracht werden konnten. Die Polizei kam wie gewöhnlich erst, nachdem die Christen angegriffen wurden.“

Besorgnis über
eine „Säuberung“ der Gemeinschaft

Die Geschichten der Christen unter den Adivasi aus den Dörfern Madhota und Sirisguda sind keine Einzelfälle. Der lokale christliche Führer, Herr Khora, stellt fest: „Bei der Weigerung der Polizei, Beschwerden aufzunehmen, gibt es ein bestimmtes Muster. Zu allem Übel werden die Christen mit Gegenklagen geschlagen, einfach nur, um sie mit Hilfe der Polizisten in Verbindung mit Elementen von Sangh Parivar zu schikanieren und einzuschüchtern, damit die Stammeschristen dem Druck und den Bedrohungen nicht standhalten und dem „Ghar Wapsi“ nachgeben.

Die Dörfer sind unter Belagerung und erleiden den Verlust der Einheit und des Zusammenhalts der Gemeinschaft, was bislang ein Kennzeichen der Heimat der Adivasi gewesen war und die nun bedroht ist. Die Distriktsverwaltung scheint die zweite Geige bei der Hindutva-Bewegung (den rechtsgerichteten Hindunationalisten) zu spielen.

Fr. Abraham Kanampala, Generalvikar der Diözese Jagdalpur, und der Präsident der VHP von Bastar gaben eine gemeinsame Erklärung heraus. Sie stimmten darin überein, dass die Anrede „Father“ an katholischen Schulen durch „Pracharya“ oder „Up- pracharya“ ersetzt werden kann, stellen Bilder von „Maa Saraswati“ in Schulen auf und arbeiten gemeinsam für die Entwicklung der Region.

„Wir sind friedliebende und verständnisvolle Bürger. Wir haben vereinbart, uns als Zeichen des guten Willens und der Harmonie für die Bevölkerung in der Region an lokale Gesinnungen anzupassen“, begründete Fr. Kanampala, ein Pater der indischen CMI-Kongregation, die gemeinsame Stellungnahme. Die Karmeliten der Unbefleckten Empfängnis Mariens (CMI) betreiben in der Region in Zusammenarbeit mit der Diözese mehrere anerkannte Schulen und Krankenhäuser.

Doch Arun Pannalal, der Präsident des Christlichen Forums von Chhattisgarh (CCF) vertritt einen anderen Standpunkt: „Die gemeinsame Pressekonferenz und Erklärung könnte einen Präzedenzfall schaffen, und die Einsatzgruppen der Hindutva-Bewegung könnten Unheil anrichten und versuchen, sich überall an unseren Schulen aufzudrängen.“

Navneet Chand, ein Jugendleiter, ist ziemlich bestürzt und sagte: „Die Anführer der Kirche in Indien können doch nicht tatenlos zuschauen, wenn sich antichristliche Überfälle ereignen. Wir brauchen Unterstützung, Begleitung und Anleitung, wie wir uns gegenüber den staatlich gut finanzierten, inszenierten und aufeinander abgestimmten religiös motivierten Gewalttätigkeiten verhalten sollen, die von Sangh Parivar ausgeübt werden. Die Gemeinschaft ist verzweifelt und orientierungslos.“

Da die Anzahl der Anschläge auf die Gemeinschaft ansteigt, geht der Kampf um den Glauben weiter. Der christliche Führer Arun Pannalal glaubt: „Wir sind auf die Justiz angewiesen, egal, in welche Richtung das Urteil geht.“

Goldy M. George, ein Aktivist aus der Bevölkerungsgruppe der Dalit-Adivasi, hält es für einen „diabolischen Plan der Hindutva-Kampfgruppe, wenn sie ausgesuchte katholische Schulen in Städten überfällt, während sie in den Dörfern nicht-katholische Christen terrorisiert. Die Diffamierung der Institutionen und die Weiterführung gewalttätiger Angriffe auf die Gemeinschaft sowohl in Städten als auch in ländlichen Ortschaften scheint ihre Strategie zu sein.“

„Die Kirchenleitung hat offenbar nicht erkannt, was die Gemeinschaft erwartet – ein unheimlicher Plan, sie nicht nur in Chhattisgarh, sondern in ganz Indien zu beseitigen. Darüber hinaus scheint die Leitung gegenüber dem Hindutva-System zu kapitulieren, indem sie die bereits an den Rand gedrängte Gemeinschaft einer weiteren sozialen Ausgrenzung sowie weiterer Einschüchterung und Gewalt aussetzt. Die Säuberung der Gemeinschaft ist im Gange“, sagte Rajendra Sail, der ehemalige Präsident der Volksunion für Bürgerrechte (People’s Union for Civil Liberties, PUCL) in Chhattisgarh.

Ich muss leider sagen, dass ich einen Völkermord befürchte, wenn die Hasskampagne, die Einschüchterungen und die Bedrohungen gegen die Adivasi-Christen weitergehen. Die wiederauflebenden Hindutva-Gruppen haben mit ihrer Strategie offenbar Erfolg, da die Administration zu einem bereitwilligen Partner geworden ist, der für die kriminellen Aktivitäten dieser Kräfte Schutz gewährt“, sagte Ajya T. G., ein bekannter unabhängiger Dokumentarfilmer und leitender Funktionär der People’s Union for Civil Liberties in Chhattisgarh, die vermutlich die einzige zivilgesellschaftliche Gruppe in Chhattisgarh ist, die in der Zeit nach „Ghar Wapsi“ und den gewalttätigen Angriffen auf die Dorfbewohner auf Erkundungsmission gegangen ist.

Die Miliz „Sangham“ Salwa Judum
formiert sich

„Chhattisgarh, die neue indische Stahlkapitale, ist neben zwei weiteren indischen Bundesstaaten der reichste Bundesstaat im Hinblick auf Bodenschätze, einschließlich Diamanten, und besitzt fast alle Kohlevorkommen des Landes. Die gesamten Zinnreserven in Indien werden in diesem Bundesstaat gefunden, und seine Eisenvorkommen sind von Spitzenqualität“, teilt das fachliche Informations- und Beratungsportal mit Sitz in Mumbai, „Steel World“ mit. ii

„Der an Bodenschätzen reiche Bundesstaat Chhattisgarh wird in der Lage sein, ab 2015 32 Prozent der gesamten Stahlproduktion des Landes zu produzieren, und er wird zudem einen Anteil von etwa 35 Prozent an der gesamten Zementproduktion des Landes haben“, stellte Ministerpräsident Raman Singh fest.

Die Rohstoffpolitik von 2011 der Regierung von Chhattisgarh sieht vor: „Der Bundesstaat Chhattisgarh wurde aus Rücksicht auf seinen historischen und sozialen Hintergrund und seine natürlichen Ressourcen aus dem ehemaligen Staat Madhya Pradesh ausgegliedert. Das Hauptziel seiner Bildung wäre vereitelt, wenn die natürlichen Ressourcen aufgrund von Auflagen strenger Forstgesetze und wegen Umweltproblemen nicht genutzt würden.“ iii

Die Bodenschätze-Diamanten-Kohle-Politik läuft ähnlich wie die arabische Ölpolitik ab. Es ist kein Zufall, dass Jindal Cement Plant 1991 in Raigarh-Jashpur in Betrieb genommen wurde, während Mahendra Karma, ein Stammesführer und Oppositionsführer in der Gesetzgebenden Versammlung, die erste Bewegung der Naxaliten unter dem Namen „Jan Jagaran Abhiyan“ ins Leben rief, die später auf den Namen „Salwa Judum“ iv getauft wurde, als der Staat Verträge mit den Unternehmen Essar Group und der Tata-Gruppe unterzeichnete, um den Naxaliten im selben Jahr entgegenzuwirken. Kein Wunder also, dass Herr Judeo mit seiner „Ghar Wapsi“-Bewegung zur selben Zeit und in derselben Region ins Rampenlicht trat, wo Jindal seine Fabrik hatte. Er folgte der Linie seines Vaters Vijay Bhushan Singh Deo, des Förderers des Vanvasi Kalyan Ashrams. Die Diskussionen um Herrn Judeo, der mit einer Videokamera dabei ertappt wurde, wie er als Minister für Umwelt und Forsten für die Erteilung von Schürfrechten in den Bundesstaaten Chhattisgarh und Odisha Schmiergelder annahm, und der schwere Schlag, der ausgelöst wurde, als der Supreme Court of India die Miliz Salwa Judum für illegal und verfassungswidrig erklärte und deren Auflösung anordnete, vergiftete nur die Atmosphäre in der Region. Tragischerweise endete das Leben von Herrn Judeo als auch von Herrn Karma durch Krankheit, und die Geschosse der Maoisten hatten dementsprechend im Jahr 2013 Revierkämpfe zur Folge, um ihr Erbe geltend zu machen.v

Es herrscht ein harter Konkurrenzkampf bei der Geltendmachung der Vermächtnisse von Judeo und Karma – damit sie anerkannt werden und inspirieren. Die Gram Panchayat-Resolution gemäß Paragraph 129 C des Chhattisgarh Panchayati Act ist nicht nur religiös-politischer Natur, sondern Teil eines gut durchdachten Planes einer kommerziellen kommunalen Agenda, um die natürlichen Ressourcen und die Stammesgemeinschaft in der Region zu kontrollieren.

„Der verstorbene Ramakant Keshav, ein Vertrauter von zwei ehemaligen Leitern des RSS und verwandt mit dem dritten Leiter des RSS, Balasaheb Deoras, gelangte 1948 nach Jashpur und gründete 1951 den Akhil Bharatiya Vanvasi Kalyan Ashram, dem er sein Leben widmete, um die wirtschaftliche und die spirituelle Lage dieser unglücklichen Stammesvölker zu verbessern. Der verstorbene Vijay Bhushan Singh Deo und sein Sohn Dilip Singh Judeo aus Jashpur halfen ihm bei seiner Aufgabe. Das Werk verfolgte zwei Ziele: Jene Stammesangehörigen, die zum Christentum bekehrt wurden, wieder zurückzubringen und ihnen ein ausgeprägtes Zugehörigkeitsgefühl zu der indischen Kultur und Religion einzuschärfen. Eine weitere höchst verdienstvolle Mission, die während seiner Zeit durchgeführt wurde, war die Arbeit der Niyogi-Kommission (um die Aktivitäten der christlichen Missionare zu untersuchen).“(Sprachrohr der RSS)vi

Der stark von Sangh Parivar beeinflusste Niyogi-Report
war hart an der Grenze einer Zeitungsente

„Der Sangh Parivar formt Angehörige der Adivasi um, so dass sie der hinduistischen Religion und dem „Hindu Rashtra“, dem Land der Hindus, angehören. Dabei verfolgt er drei Strategien: die Hinduisierung der Stammesvölker als Erfordernis für die nationale Integration, die Ausnutzung seines Einflusses, um die Wahlerfolge zu sichern sowie die Ausrichtung auf kommunale Spannungen und Gewalt.“vii

Die beunruhigende Entwicklung geht dahin, dass die christlichen Adivasi eingeschüchtert und sogar gelyncht werden – dazu kommt die tödliche Kombination zwischen der – wie eine während des Absolutismus verehrten – königlichen Familie von Jashpur und dem Vanvasi Kalyan Ashram, der die Fassade von Sangh Parivar in der Region ist, die die Hasskampagnen befeuern und die christliche Gemeinschaft als schädlich für den Aufbau der Nation darstellen. Der Dokumentarfilm „Menschenfischer“ hat den tragischen Fall eines christlichen Adivasi dokumentiert, der von einem rasenden Mob von Hindus totgeschlagen wurde, die den Christen beschuldigten, einen hinduistischen (Shiva-)Tempel zerstört zu haben. Dilip Singh Judeo, der ehemalige indische Minister und Leiter der Operation „Ghar Wapsi“ erklärt dazu:

„Da drüben gab es einen 150 Jahre alten Shiva-Tempel, den diese Leute [die Christen] zerstört haben. Nun, wenn Sie also dahergehen, und unser Erbe zerstören… wenn Sie immer weiter auf diese Weise unsere Tempel kaputtmachen und dann erwarten, dass wir ruhig daneben sitzen und zuschauen… dann werden wir das nicht tolerieren… Wir bleiben nicht zuhause sitzen und drehen Däumchen.“ (Outlookindia: Adivasi vs Vanvasi: The Hinduization of Tribals in India)viii

Nandini Sundar, Professorin für Soziologie an der University of Delhi, die die Adivasi und die Region von Chhattisgarh aufmerksam beobachtet und das Buch „Adivasi Politics and State Responses: Historical Processes and Contemporary Concerns“ verfasst hat, erläutert ihre Bedenken:

„Obgleich sowohl hinduistische als auch christliche Organisationen für ihre eigenen Leute eine gewisse Art von Abgrenzungsverhalten praktizieren, besteht der Unterschied zu den RSS-Organisationen darin, dass diese allmählich Hass durchdringen lassen. Was sie hervorbringen, sind nicht nur hinduistische Adivasi, sondern auch Menschen für die Hindutva-Bewegung, wie es sich 2002 bei der Verstrickung von Adivasi in den Genozid an den Muslimen in Gujarat zeigte. Obwohl ein gewisser Fokus auf dem Ghar Wapsi der RSS oder den „Wiederbekehrungszeremonien“ gelegen hat, findet die hauptsächliche und effektivste Bekehrungstätigkeit durch das alltägliche Gespräch in den Hotels, Wohnheimen und den Satsang Kendras statt.“ix

Schockierend ist es, wenn man sieht, wie ein christlicher Adivasi von einem anderen Adivasi getötet wird, der als Hindu bekannt ist. Derartig inszenierte Ereignisse könnten die alarmierende Spaltung der Gemeinschaft der Adivasi – im Namen der Religion, die sie sich hinzugewählt haben – erklären.

Subhash Gatade, der Autor des Buches „Godse‘s Children: Hindutva Terror in India“, sagt: „Deutliche Teile der Dalit-Bewegung wussten genau, dass das Wesentliche an Hindu Rashtra die Wiederherstellung der brahmanischen Vorrangstellung und die Zurückstufung der Dalit in einen zweitrangigen Status ist, was so ziemlich in die Richtung der Manusmriti ging, den heiligen Schriften der Hindus. Die Menschen wussten ganz genau, wie das Führungstrio, bestehend aus Hindutva Savarkar- Hedgewar und Golwalkar, die Manusmriti verherrlichte“.x Er meint, das gleiche könne man auch von Adivasi sagen, die zu „Fußsoldaten“ der Hindutva-Kräfte geworden seien.

Durch Manipulationen werden
Muslime zu Feinden erklärt

Das künftige Anliegen für die Zivilgesellschaft Indiens wird von dem Outlook-Korrespondent in Ahmedabad beschrieben: „Unter all den bestürzenden Fakten, die seit der Autopsie des Blutbades in Gujarat bekannt geworden sind, ist das Rätselhafteste und das Alarmierendste die massive Beteiligung von Dalit und Stammesvölkern an den Ausschreitungen. Und was sogar noch mehr schockiert: Die Stammesangehörigen, die nur wenig gemeinsam mit dem Mainstream-Hinduismus haben, fuchtelten mit Waffen herum, plünderten und töteten, als ob sie mit Gewalt den ‚Angriff auf die Hindus‘ rächten. Diese Formationen schienen bei der Indoktrinierung der Stammesangehörigen ihr Ziel erreicht zu haben, indem sie ihnen die Ansicht vermittelten, sie seien wirkliche Hindus und die Muslime seien ihre Feinde. Der Politikwissenschaftler Achyut Yagnik meint dazu: ‚Der Sangh Parivar war bei den Dalit und den Stammesangehörigen systematisch vorgeprescht und setzt sie als Instrumente der Hindutva ein. Dies wird erreicht mit weitgehender Unterstützung der Regierung. Im Stammesgebiet ist eine systematische Hindutva-Kampagne im Gange.‘“ (Outlook Magazine: Poisoned Edge: „Die Sangh instrumentalieren die Frustration der Dalit und der Stammesangehörigen, um Soldaten für den Hindutva-Krieg zu rekrutieren“, wie enthüllt wurde).xi

Die hin- und hergerissenen Adivasi , die bei den Konflikten zwischen den Maoisten und den Agenten von Salwa Judum enorme zusätzliche Schäden in ihrem Leben und an ihrem Eigentum erlitten haben, lösten sich offiziell auf, sind aber noch aktiv, um die ökonomischen und ökologischen Interessen der Stammesangehörigen in der Region zu wahren. Das Lynchen eines christlichen Adivasi durch einen hinduistischen Mob (ich nehme an, es ist ein nicht-christlicher Adivasi gewesen) wegen der Zerstörung eines Shiva-Tempels spiegelt einen heftigen religiösen Kulturkrieg wider sowie den Verlust der Interessen der Adivasi und ihrer Identität.

Eine Kooperation zwischen den kommunalen und den kommerziellen Kräften mit stillschweigender Unterstützung des Staatsapparates für eine Fundierung von Sangh (Parivar) Salwa Judum bahnt sich an. Wenn der Staat und die Zivilgesellschaft rechtzeitig reagieren, kann das Kompetenzgerangel über die Ressourcen, bei dem die Kommunen schließlich ein blutiges Ende finden würden, reguliert werden. Es muss Druck auf den Staat ausgeübt werden, damit der seine in der Verfassung verankerte Rolle erfüllt und sein eigenes Mandat beachtet. Der Staat wird mit dem Drama von BJP, Sangh Parivar und Konzerngiganten konfrontiert, die die Macht über die Politik, die religiös-kulturellen Rechte beziehungsweise die Land- und Forstrechte erobern. Wenn das geschieht, könnte das eine Kombination der Gewalttätigkeiten von Kandhamal in Odisha und Kalinga Nagar ergeben wie auch der örtlichen Gewaltakte von Gujarat, bei denen hinduisierte Adivasi und Dalit dazu aufgestachelt wurden, muslimische Dalit zu töten. Die Adivasi werden am Rand eines Abgrunds stehen, wenn Sangh Salwa Judum noch weiter konsolidiert wird.

i  HYPERLINK “http://tribal.nic.in/WriteReadData/CMS/Documents/201410170519295222004StatisticalProfileofSTs2013.pdf” http://tribal.nic.in/WriteReadData/CMS/Documents/201410170519295222004StatisticalProfileofSTs2013.pdf

ii  HYPERLINK “http://www.steelworld.com/coverstory0209.pdf” www.steelworld.com/coverstory0209.pdf

iii  HYPERLINK “http://chhattisgarhmines.gov.in/states-mp.htm” chhattisgarhmines.gov.in/states-mp.htm

iv  HYPERLINK “http://en.wikipedia.org/wiki/Salwa_Judum” http://en.wikipedia.org/wiki/Salwa_Judum

v  HYPERLINK “http://www.jindalsteelpower.com/businesses/raigarh.html,/%20http:/en.wikipedia.org/wiki/Salwa_Judum” http://www.jindalsteelpower.com/businesses/raigarh.html,/ http://en.wikipedia.org/wiki/Salwa_Judum

vi  HYPERLINK “http://organiser.org/Encyc/2013/12/23/The-legend-called-Balasaheb-deshpande.aspx?NB=&lang=4&m1=&m2=&p1=&p2=&p3=&p4=&PageType=N” http://organiser.org/Encyc/2013/12/23/The-legend-called-Balasaheb-deshpande.aspx?NB=&lang=4&m1=&m2=&p1=&p2=&p3=&p4=&PageType=N

vii  HYPERLINK “http://www.outlookindia.com/article/Adivasi-vs-Vanvasi-The-Hinduization-of-Tribals-in-India/217974″ http://www.outlookindia.com/article/Adivasi-vs-Vanvasi-The-Hinduization-of-Tribals-in-India/217974

viii  HYPERLINK “http://www.outlookindia.com/article/Adivasi-vs-Vanvasi-The-Hinduization-of-Tribals-in-India/217974″ http://www.outlookindia.com/article/Adivasi-vs-Vanvasi-The-Hinduization-of-Tribals-in-India/217974

ix  HYPERLINK “http://www.scribd.com/doc/110485849/Adivasi-Politics-and-State-Responses” \l “scribd” http://www.scribd.com/doc/110485849/Adivasi-Politics-and-State-Responses#scribd

x  HYPERLINK “http://kafila.org/2009/01/26/the-new-footsoldiers” http://kafila.org/2009/01/26/the-new-footsoldiers/

xi  HYPERLINK “http://www.outlookindia.com/article/Poisoned-Edge/216292″ http://www.outlookindia.com/article/Poisoned-Edge/216292

 

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