Erzbischof Schick: Kirche setzt sich für Recht, sozialen Fortschritt und Frieden ein

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Foto: EB Bamberg

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Foto: EB Bamberg

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), beendete gestern (11. Juni 2017) seine sechstägige Reise auf die Philippinen. Schwerpunkte des Besuches waren die Hauptstadt Manila und die Insel Mindanao.


In Manila fanden Gespräche mit der Caritas, der kirchlichen Migrationskommission und Menschenrechtsgruppen statt, die sich für soziale Gerechtigkeit, den Frieden im Land, die Bewahrung der Schöpfung und vor allem für die Menschen in prekären Lebensbedingungen einsetzen. Die Zahl der Armen auf den Philippinen ist weiterhin sehr hoch; besonders im Großraum Manila gibt es durch den Zuzug aus ländlichen Gebieten immer mehr Menschen, die in menschenunwürdigen Bedingungen leben. Der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle, äußerte im Gespräch seine Besorgnis über die extreme soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, die eine positive Entwicklung für alle Bürger extrem erschwere. Bei einem Besuch in einem der innerstädtischen Slums machte sich Erzbischof Schick ein Bild von der dramatischen Lebenssituation der Armen dort. Viele Projekte der Kirche auf den Philippinen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung werden von Misereor und Missio unterstützt. „Ich bin beeindruckt vom Engagement der Kirche. Viele, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind, können durch die Aktivitäten der Kirche überleben, erhalten die Chance, auf eigene Beine zu kommen und sich ein Leben in Würde aufzubauen“, erklärte Erzbischof Schick. Beim Gottesdienst in einem Armenviertel konnte er den tiefen Glauben der Philippinas und Philippinos gerade aus den unteren Schichten der Gesellschaft erleben, der den Menschen die Hoffnung bewahrt und Kraft für die Bewältigung des Alltags gibt.

In den Begegnungen mit Vertretern der Kirche erhielt Erzbischof Schick auch intensive Einblicke in die laufenden Diskussionen über den „Krieg gegen Drogen“. Die philippinischen Bischöfe teilen die Auffassung der Regierung, dass der verbreitete Drogenmissbrauch eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Sie sprechen sich jedoch dagegen aus, den Kampf gegen die Drogen mit nicht legalen Mitteln zu führen. Seit dem Regierungsantritt von Präsident Duterte sind vor allem in den Armenvierteln der großen Städte bereits 8.000 Menschen umgebracht worden, auf den Verdacht der Drogenabhängigkeit oder des Drogenhandels hin. Für diese Untaten werden Gruppen verantwortlich gemacht, die sich anscheinend von der Regierung dazu ermutigt fühlen und nicht bestraft werden. „Auch Kriminelle haben Menschenwürde und Menschenrechte und dürfen nur durch die ordentlichen Gerichte bestraft werden, betont die Kirche“, so Erzbischof Schick. Auch lehnt die Bischofskonferenz die Herabsetzung der Strafmündigkeit von Jugendlichen und die Wiedereinführung der Todesstrafe ab. „Für eine gute und humane Entwicklung in jeder Gesellschaft ist ein gefestigter Rechtsstaat unabdingbar, auf den alle Bürgerinnen und Bürger sich verlassen können. Dies ist eine unzweideutige Erkenntnis der katholischen Soziallehre, die, so sagen mir die Kirchenvertreter, auf den Philippinen noch sehr viel stärker ins allgemeine Bewusstsein, auch der Regierenden, kommen muss. Hier liegt eine bleibende und herausfordernde Aufgabe der Kirche.“

Der zweite Teil der Reise führte den Vorsitzenden der Kommission Weltkirche auf die im Süden der Philippinen gelegene Insel Mindanao. Seit den 1970er Jahren flammen dort immer wieder Kämpfe muslimischer Rebellen gegen die Zentralregierung auf, die die Unabhängigkeit von Teilen der Insel oder mindestens eine Autonomie erreichen wollen. Ein wesentlicher Grund für den Beginn dieses Kampfes vor Jahrzehnten war die Marginalisierung der muslimischen Bevölkerung. Auf Einladung des Erzbischofs von Cotabato, KardinalOrlando Quevedo, informierte sich Erzbischof Schick über den laufenden Friedensprozess und die Bemühungen der Kirche für dessen Erfolg. In diesem Zusammenhang begegnete der Erzbischof auch dem Vorsitzenden der vom Staat eingesetzten Verhandlungskommission, die sich aus Vertretern der Regierung, indigener Völker und mehrerer Rebellenorganisationen zusammensetzt, sowie dem Anführer der größten dieser Rebellenorganisationen, der MILF (Moro Islamic Liberation Front). Mit einem Ergebnis der Verhandlungen wird in den kommenden Monaten gerechnet. Erschwert werden die Friedensbemühungen durch terroristische Akte islamistischer Gruppen in den vergangenen Monaten, auf die der Präsident mit der Verhängung des Kriegsrechts auf Mindanao reagiert hat. Kardinal Quevedo und Erzbischof Schick unterstrichen in ihren Gesprächen mit muslimischen Vertretern die Notwendigkeit einer umfassenden Sicherung der Religionsfreiheit in einer künftigen autonomen Provinz, der die mehrheitlich muslimischen Bezirke von Mindanao angehören sollen.

Die Kirche auf Mindanao ist bestrebt, dem Frieden in der Region durch eine intensive Zusammenarbeit von Christen und Muslimen im täglichen Leben zu dienen. Sie unterstützt deshalb zivilgesellschaftliche Gruppen, in denen sich Gläubige aus beiden Religionen gemeinsam für eine Aufarbeitung vergangenen Unrechts, sozialen Fortschritts und Versöhnung engagieren. Daneben wirkt sie durch Bildungsarbeit in kirchlichen Schulen, in Pfarrgemeinden und an der katholischen Universität von Cotabato darauf hin, dass durch eine vertiefte Kenntnis über die Ursachen des Konflikts und Strategien zu seiner Überwindung dem Frieden der Weg bereitet wird. Erzbischof Schick besuchte mehrere Initiativgruppen, in denen sich Christen und Muslime gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben und ein besseres Verständnis der verschiedenen Traditionen und Bekenntnisse engagieren. „Die Kirche auf den Philippinen ist bei den Menschen in hohem Ansehen und wird als der Hoffnungsträger betrachtet. Sie engagiert sich trotz geringer finanzieller Mittel in vielen Bereichen hervorragend. Sie verdient die ideelle und materielle Unterstützung der gesamten Weltkirche, auch der deutschen, damit sie ihre Arbeit im katholischsten Land Asiens, das wunderbare Menschen, schöne Landschaften und viele Naturressourcen hat, zum Wohl der Bevölkerung fortsetzen kann“, fasst Erzbischof Schick seine Erfahrungen nach dem Solidaritätsbesuch zusammen.

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