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Die Macht der Barmherzigkeit

Samir Nassar ist maronitischer Erzbischof von Damskus.

Samir Nassar ist maronitischer Erzbischof von Damskus.

Samir Nassar ist maronitischer Erzbischof von Damaskus. In einem Brief an missio berichtet er von der Lage in Syrien, vor welchen Herausforderungen das Land steht, aber auch wie vor Ort geholfen wird und was Barmherzigkeit bedeutet.

,,Die Gewalt, die Syrien auseinandergerissen hat und die das Land in die Farbe des Blutes seit fünf Jahren tränkt, ist auch eine Quelle der Barmherzigkeit.

1) Die Familie: Mit 12 Millionen Flüchtlingen und Binnenflüchtlingen sind alle gemeinnützigen Bewegungen und Maßnahmen nicht mehr der Situation entsprechend. Nur die Familie, das Rückgrat der orientalischen Gesellschaft, hat den Schock überwunden und lebt wieder wie zuvor. Sie spendet Trost, sie teilt und leistet Beistand.

Eine Solidaritätsaktion, an der 20 Personen in einem kleinen Raum teilgenommen haben, bestand darin, Brot zu teilen und jeder Einzelne erzählte von seinem Alltag. Diese Familien verkörpern Barmherzigkeit im wahrsten Sinne des Wortes, im Stillen und ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

2) Die Priester aus allen orientalischen Kirchen, die ihre heilige Mission wegen des Krieges vernachlässigen mussten, diese Priester sind Sozialarbeiter, die im Dienste der armen Familien, und Familien, die einen Verlust erleiden mussten, stehen. Sie sind das barmherzige Gesicht Gottes. Anstatt zu fliehen, haben diese mutigen Priester ihre Mission gewissenhaft bis zum Ende fortgeführt. Fünf Priester haben ihr Leben der Vermittlung und der Sicherheit gewidmet. Zwei Bischöfe und vier weitere Priester versuchen bedürftigen Menschen Lebensmittel zu bringen.

3) Geistliche und Laien haben sich auf zwei wichtige Punkte konzentriert: auf die humanitäre und pädagogische Hilfe.

Humanitäre Hilfe: In Aleppo gibt es seit langer Zeit kein Wasser und keine Elektrizität mehr. Kerzen ersetzen die Elektrizität. Aber wie soll man ohne Wasser leben?

Hilfsorganisationen versorgen ältere und kranke Menschen mit Wasser. Sie suchen in den vorhandenen Brunner, bringen es zu den Zisternen, fahren durch Minengebiete, um einen Haushalt mit 20 Litern Wasser zu versorgen.

Die Restaurants du Coeur, die während der Wintermonate Nahrung und Kleidung an Bedürftige verteilen, versorgen diejenigen, die am meisten Not leiden. Die Helfenden im medizinischen Bereich ertragen schwerste Belastungen mit nur wenig Mitteln, und dennoch sehr viel Liebe.

Pädagogische Hilfe wird von anderen Gruppen in Damaskus organisiert. Dort erhalten Kinder, die durch den Krieg und die Gewalt traumatisiert sind, Unterstützung und Zuwendung. Ihnen wird in gemischt-religiösen Gruppen beigebracht, dass zwischen ihnen kein Unterschied herrscht und dass sie sich gegenseitig akzeptieren sollen – ein avantgardistischer Standpunkt, der das versteckte Gesicht der Kirche und den Weg der Zukunft zeigt.

Ein weiterer Punkt, der von den Jesuiten übernommen wurden, ist die Beschäftigung mit denjenigen Erwachsenen, die verzweifelt sind und das Land verlassen wollen.

4) „Bewegung der Brüderlichkeit“: im Zuge des Krieges zwischen Israel und Arabien (1967) hat Johannes Paul II eine Bewegung für Kriegsgeschädigte. Diese Bewegung kümmerte sich um die Produktion von Prothesen für körperlich benachteiligte Menschen. Diese Bewegung  ist während des Krieges zu einer wichtigen Notwendigkeit geworden, die den Tod vieler Menschen verhindern konnte. Unterstützt von Hilfsorganisationen der Kirche haben sie einen Badeort erschaffen, um den Leidenden einen Ort der Entspannung anbieten zu können. Das Gesicht des guten Samariters begeistern die Menschen in Syrien – Papst Johannes Paul II, das missionarische Genie der sozialen und medizinischen Versorgung.

5) Viele Initiativen offenbaren sich in der Gesellschaft des Heiligen Vincenz von Paul, der Bruderschaft Mariens oder Waisenhäusern oder Asylheimen, die überbevölkert sind. Aus diesem Fächer  aus Aktivitäten ist die Familie das wichtigste Zeichen, das den Glanz der Barmherzigkeit trägt, der das Überleben einer Kirche ermöglicht – und eines Landes, das sich auf dem Weg in Richtung Wiederversöhnung und Frieden befindet.”

Erzbischof Samir Nassar, maronitischer Erzbischof von Damaskus