Tag-Archiv für Gefängnis

Vietnam: Trần Thị Nga zu neun Jahren Haft verurteilt

logo vietnam1Sie postete Videos und Artikel, die den Staat beschuldigten, die Menschenrechte zu verletzen. Keiner ihrer Verwandten oder Freunde durfte beim Gerichtstermin anwesend sein. Ihr Anwalt plant Einspruch zu erheben.

Menschenrechtsaktivistin Trần Thị Nga, 40, wurde zu neun Jahren Haft verurteilt, weil ihr „Propaganda gegen den Staat“ vorgeworfen wird. Sie wurde bereits am 21. Januar verhaftet, weil sie Videos und Artikel online stellte, die beinhalteten, dass der kommunistische Staat die Menschenrechte verletzt. Darüber hinaus forderte sie Pluralismus und die Abschaffung des Einparteiensystems.

Nga wurde vom Gericht, in der Provinz Hà Nam im Norden Vietnams, verurteilt, nach Artikel 88 des vietnamesischen Strafgesetzbuches, der oft dazu genutzt wird um regierungskritische Blogger und Aktivisten zum Schweigen zu bringen.

„Die Beweise wurden nicht auf rechtsgültigem Wege gesammelt“, sagte Hà Huy Sơn, einer von Trần Thị Nga Verteidiger. Das Gericht wies diese Anschuldigungen ab und sprach sie schuldig. Sơn erwartet eine Verurteilung “in Bälde”.

Während des Prozesses durften nur Polizei und vom Gericht zugelassene Personen anwesend sein. Kein Familienmitglied von Trần Thị Nga durfte der Verhandlung beiwohnen. „Die Polizei sagte, dass der Saal zu voll sei, also fragten wir sie, ob es Lautsprecher gibt, sodass wir den Prozess trotzdem mitbekommen, aber sie lehnten ab“, sagte Aktivist Lã Việt Dũng. „Zuerst ließen sie uns vor dem Gericht warten, dann beschuldigten sie uns, dass wir stören würden und jagten uns schließlich davon.“

Nga, die zwei Kinder hat, ist bekannt dafür, dass sie Rechte der vietnamesischen Gastarbeiter und der Opfer von Landraub verteidigt. Im Mai 2014 erlitt sie schwere Verletzungen, als sie von einer Gruppe von Männern angegriffen wurde.

In Vietnam gibt es kaum Pressefreiheit. Reporter ohne Grenzen zufolge, ist es auf Platz 175 von insgesamt 180 Ländern.

Während der letzten Wochen wurden mehrere Blogger und Aktivisten verurteilt. Nguyễn Ngọc Như Quỳnh, 37, ein katholischer Blogger, der auch als Mẹ Nấm oder Mother Mushroom bekannt ist, muss zehn Jahre ins Gefängnis. Pierre Pham Minh Hoang, ein katholischer französisch-vietnamesischer Blogger legte seine Staatsbürgerschaft ab (man ist nicht sicher, ob unter Zwang), und flüchtete aus seinem Heimatland.

(Beitrag von www.ucanews. it)

Irak: Vom freigelassen

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Pater Jacques Mourad kämpft ungebrochen für ein friedliches Miteinander zwischen Christen und Muslimen.

Pfarrer Pitzal konnte sich bei seinem Besuch im Irak mit missio-Projektpartner Pater Jacques Murad unterhalten, der vom IS gefangen genommen und gefesselt wurde. Er musste das Kloster Marmusa in Syrien verlassen. Pater Jacques wurde zusammen mit einem Novizen in das berüchtigte, von den IS geleitete Gefängnis Raka gebracht.

Er berichtete, wie er sich jeden Tag den langen Verhören der IS stellen musste, die immer mit der Drohung endeten, dass er enthauptet werden würde. Nach drei Monaten wurde er dann in das Gefängnis nach Palmyra verlegt. Es ist ja jene Kulturstätte, die in aller Welt bekannt ist und von den IS zum Schrecken der Welt weithin zerstört wurde. Sein Gefängnis war ein Bad, wo er wenigstens die Möglichkeit hatte, an Wasser zu kommen. Alles, was die IS ihm zu sagen hatte, endete mit dem Satz „Es geschieht im Namen Gottes“, doch ihre Gesichter zeigten nur Gewalt. In diesem Gefängnis sollten wohl auch Pater Paul und der Bischof von Aleppo und ein weiterer Bischof sein, von ihnen fehlt jedoch noch jede Spur.

„In jenem Gefängnis bist du nichts wert“, sagte Pater Jacques zu Franz Pitzal. „Man befindet sich immer außerhalb des Menschlichen. Erst jetzt merkt man, was Freiheit ist, was sie für das Leben der Menschen bedeutet.“ Zu seiner Überraschung kamen in das Gefängnis nach Palmyra die gesamten Bewohner seiner Heimatgemeinde. Das gab ihm Stärke, wie er sagte. Er war nicht mehr der Einzige, der dem Tode nahe war und letzten Endes baute er auf die Zuversicht, die er in Jesus Christus bekommt.

Wie ein Vogel eingesperrt kam ich mir hier vor. Du bist zwar frei erschaffen, hast aber das Wichtigste verloren – deine Freiheit.

(Pater Jacques)

Einen Monat war er dann allein in einem Raum, bevor dann noch drei Muslime dazukamen. Man teilte miteinander Traurigkeit und Leid. „Ich war mir bewusst, hier muss ich sterben. Aber das machte mich immer freier und ich sah vor mir das Meer der Gnade und fühlte mich jetzt im Angesicht Gottes.“ Das Materielle zählte plötzlich nichts mehr für ihn, ob am Boden schlafend, ob mit oder ohne Seife versorgt. Täglich betete er den Rosenkranz, der ihm viel Kraft gab, um auch die Not seiner Mitgefangenen zu teilen. Er erinnerte sich noch, wie er am 11. August 2015 in Palmyra zu einem erneuten Verhör geführt wurde. Er meinte, dass jetzt in einem kleinen Zimmer durch die Mitteilung des Kalifen sein Schicksal besiegelt würde. „Trotzdem“, so sagte er, „hatte ich keine Angst mehr.“ Denn seine Gemeindemitglieder waren ja mit dabei und ihnen würde wohl das gleiche geschehen wie ihm. In der Gemeinsamkeit ist es leichter, das eigene Leid zu ertragen. „Angst macht nicht stark“, sagte er. „Die Stärke liegt in der Schwachheit.“ Und in diesem Moment des Verhörs, schwand bei ihm alle Angst und es war ihm bewusst, was er sagen würde. Man stellte ihm die Frage nach den Christen in seiner Heimatgemeinde. „Und ich hatte den Mut, nach dem Warum zu fragen. Da gab man mir zur Antwort: „Weil Ihr Christen das Angebot Waffen zu bekommen, abgelehnt habt, werdet ihr freikommen.“ Wir konnten dies gar nicht glauben. Wir durften aus dem Strom der Gewalt aussteigen. Es gibt auch noch Menschen unter den Milizen, die anders denken und die humanitäre Hilfe der Kirche akzeptieren.“ Und so ist er mit seinen Gemeindemitgliedern zurückgekehrt. „Wir durften wieder frei leben. Als wir daheim angekommen waren, wurde unser Ort von den Russen bombardiert. Wir sahen wieder keine Zukunft vor uns. Ich überlegte, was ich tun sollte.“, sagte Pater Jacques. „Vielleicht kann ich von außen mehr für diese Menschen tun.“ Ein Mitbürger kannte einen geheimen Weg und so kam er am 1.September mit einem Motorrad aus dem Bombenhagel seiner Heimat heraus in den Irak.

Ein weiteres Erlebnis hatte er noch mit der IS, die ja bewusst alle Gräber zerstören, weil Gräber Gotteslästerung seien. Es starb ein Christ und die IS baten ihn, er solle diesen Christen beerdigen. Dies war völlig ungewöhnlich und zeigte, dass sie zu ihm sogar Vertrauen hatten.

Jetzt, nachdem er im Irak ist, versucht er, für die Menschen in seinem Heimatort Hilfestellung zu geben. Die IS ist eine Gruppe, die sich von allen absondert. Sie ist eine kriminelle Gruppe, das ist keine Frage, aber sie können auch anders handeln. Von den Russen erwartet Jacques nichts. „Sie zerstören alles, auch unser Kloster. Sie schützen die Christen nicht.“ Sein größter Schmerz sind jene Christen, die lügen und nicht die Wahrheit sagen. Für mehr Menschlichkeit und Stärke möchte er eintreten, bescheiden, ruhig, zurückhaltend, wie er auf Pfarrer Pitzal wirkte.

 

 

Islamisten machen Druck: Blasphemie-Gesetz in Indonesien

Pater Franz Magnis-Suseno

Pater Franz Magnis-Suseno

Der ehemalige Gouverneur von Jakarta und Christ, Basuki Tjahaja Purnama („Ahok“), wurde jetzt in Indonesien wegen Blasphemie zu zwei Jahren Haft verurteilt. Das Blasphemie-Gesetz in Indonesien gibt es seit 1965 und soll – so seine ursprüngliche Absicht – die Diskriminierung von religiösen Minderheiten verhindern. Stattdessen wird es mittlerweile instrumentalisiert, für politische Zwecke und gegen religiöse Minderheiten missbraucht. Der in Deutschland geborene Jesuit Professor em. Dr. Franz Magnis-Suseno lebt seit 1961 in Indonesien, ist indonesischer Staatsbürger und kennt sich mit den Strukturen im Land mit der größten muslimischen Bevölkerungszahl weltweit aus. Für missio Aachen erklärt er hier die gegenwärtige Lage und politischen Hintergründe nach der Verurteilung von Basuki Tjahaja Purnama („Ahok“).

Die fanatischen islamischen Gegner von Ahok haben erreicht, wofür sie sieben Monate lang gekämpft hatten.Beeindruckend war aber, dass seit Ahoks Gefängnisantritt in ganz Indonesien Tausende von Menschen sich mit brennenden Kerzen und anderen Symbolen mit Ahok solidarisierten. Sie versammelten sich vor dem Gefängnis und zeigten, wie sehr sie Ahok lieben und wie sehr sie die Verurteilung verletzt hat.

In einigen Gegenden mit einem starken christlichen Bevölkerungsanteil ist wichtig, dass sich nicht antiislamische Töne in die pro-Ahok Bewegung einschleichen.

Diese Solidarisierung umfasst Christen, Hindus, Buddhisten und Muslime. Allerdings ist, vor allem in einigen Gegenden mit einem starken christlichen Bevölkerungsanteil wichtig, dass sich nicht antiislamische Töne in die pro-Ahok Bewegung einschleichen. Das könnte zu gefährlichen Konfrontationen führen, womit die islamischen Fanatiker gerade ihr Ziel erreicht hätten.

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