Tag-Archiv für Kirche

Gebet für sieben inhaftierte unschuldige Christen in Odisha

Quelle: fides.org

Gefangene Kandhamal Gruppe Querformat

Die Kirche in Indien lädt zum Gebet für die Freilassung der sieben im indischen Staat Odisha (bis 2011 Orissa) inhaftierten unschuldigen Christen ein, die sich seit neun Jahren in Haft befinden: Bhaskar Sunamajhi, Bijay Sanseth, Buddhadev Nayak, Durjo Sunamajhi, Gornath Chalanseth, Munda Badamajhi e Sanatan Badamajhi.
Die sieben Gefangenen kommen aus dem Distrikt Kandhamal, der 2007 und 2008 Schauplatz antichristlicher Gewalt waren, und sind zu Unrecht für des Mordes an dem hinduistischen Religionsführer Swami Laxmanananda Saraswati angeklagt, der in Odisha am 23. August 2008 ermordet wurde. Ein Distriktgereicht verurteilte sie 2013, ein Berufungsverfahren beim Hohen Gericht in Cuttack ist noch nicht abgeschlossen. Die Anhörung wurde bereits mehrmals verschoben. Der Mord an dem hinduistischen Religionsführer war Auslöser der antichristlichen Gewalt von 2008. Zunächst wurden Christen für den Mord verantwortlich gemacht, während sich später maoistische Gruppen dazu bekannten.
In den vergangenen Tagen befassten sich katholische Geistliche in Kerala mit dem Thema “Was ist in Kandhamal passiert?”, wobei die Anwesenden daran erinnerten, dass die indische Kirche auch für den im Jemen entführten und nun freigelassenen Pater Tom Uzhunnalil veranstaltet hatte. „Nun müssen wir für die unschuldigen Christen in Kandhamal beten”, so der Journalist Anto Akkara, der sich mit den Ereignissen in Kandahal und dem Mord an Swami Laxmanananda in verschiedenen Büchern befasste und dabei entlastende Beweise für die Christen sammelte.
In Zusammenarbeit mit Akkara schrieben die katholischen Priester ein Gebet, dass in den katholischen Gemeinden in Odisha und in anderen indischen Staaten gebetet werden soll. Bischöfe, Priester Ordensleute und Laien teilten mit, dass sich der Initiative anschließen wollen. “Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir handeln müssen. Das Blut der Märtyrer wird die Gläubigen dazu drängen, für diejenigen zu betten, die keine Stimme haben“, so Akkara.
Akkara brachte auch eine Petition an den vorsitzenden Richter des Obersten Gerichts in Indien und den Präsidenten der Indischen Menschenrechtskommission auf den Weg. “Das ist für mich ein Weg des Glaubens. Der Herr hat mich dabei während der vergangenen neun Jahre begleitet. Sowohl die Petition als auch die Gebetsinitiative bringen den Wunsch nach Wahrheit und Gerechtigkeit zum Ausdruck“, so Akkara abschließend.
Im Jahr kam es 2008 in Kandhamal (Odisha) zu Massenübergriffen auf die christlichen Gemeinden in der Region. Rund 100 Christen wurden ermordet, 300 Kirchen und 6.000 Wohnungen geplündert und 56.000 Familien vertrieben.

Aramäer wehren sich mit allen Mitteln – Mehrstündiges Gespräch im Gouvernat Mardin

eine Pressemitteilung des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland

Nach den aktuellen Massenkonfiszierungen von jahrtausendealtem Aramäischen Kulturerbe durch den türkischen Staat und der Übertragung von Sakralbauten an die türkische Religionsbehörde (Diyanet) wehren sich die Aramäer im Südosten der Türkei mit allen Rechtsmitteln. Am gestrigen Tag fand ein mehrstündiges Gespräch mit dem Gouverneur Mardins statt.

Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir: „Die Situation ist unverändert alarmierend. Die Absicht die Aramäische Gemeinschaft in erheblichem Maße enteignen zu wollen, hat sich durch dieses Gespräch erneut bestätigt. Zwar soll die Übertragung der Kirchen und Klöster an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara zur Revision vorgelegt werden. Im Ergebnis bleiben jedoch die Massenenteignungen aramäischen Grundbesitzes an das türkische Schatzamt und die einzelnen Landkreisverwaltungen Mardins bestehen, davon eingeschlossen sind neben Sakralbauten, Grabstätten, auch Flurstücke, Ackerflächen und Weinberge.

Zu den dutzenden konfiszierten Kirchen und Klöstern zählen unter anderem das mit 2 Mönchspriestern und 2 Nonnen belebte Kloster Mor Malke aus dem 4. Jhd, die im 7 Jhd. gegründete Dorfkirche Mor Efrem & Mor Theodoros in Arkah (Ücköy) mit 2 Priestern und 50 aramäischen Familien, oder auch das wiederaufblühende Kloster Mor Jakob d-Qarno aus dem 12. Jhd, welches mit größter Mühe und Spenden aus aller Welt restauriert und wieder aufgebaut werden konnte und heute einen Mönchen sowie zwei weitere Klosterbewohner beherbergt.“

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland appelliert erneut an die Bundesregierung, diese Massenkonfiszierungen aramäischen Kulturerbes nicht weiter unkommentiert zu lassen und derart inakzeptable Entwicklungen im EU-Beitrittskandidaten Türkei im Rahmen des G20-Gipfels mit den türkischen Vertretern zu thematisieren.

Erzbischof Schick: Kirche setzt sich für Recht, sozialen Fortschritt und Frieden ein

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Foto: EB Bamberg

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Foto: EB Bamberg

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), beendete gestern (11. Juni 2017) seine sechstägige Reise auf die Philippinen. Schwerpunkte des Besuches waren die Hauptstadt Manila und die Insel Mindanao.


In Manila fanden Gespräche mit der Caritas, der kirchlichen Migrationskommission und Menschenrechtsgruppen statt, die sich für soziale Gerechtigkeit, den Frieden im Land, die Bewahrung der Schöpfung und vor allem für die Menschen in prekären Lebensbedingungen einsetzen. Die Zahl der Armen auf den Philippinen ist weiterhin sehr hoch; besonders im Großraum Manila gibt es durch den Zuzug aus ländlichen Gebieten immer mehr Menschen, die in menschenunwürdigen Bedingungen leben. Der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle, äußerte im Gespräch seine Besorgnis über die extreme soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, die eine positive Entwicklung für alle Bürger extrem erschwere. Bei einem Besuch in einem der innerstädtischen Slums machte sich Erzbischof Schick ein Bild von der dramatischen Lebenssituation der Armen dort. Viele Projekte der Kirche auf den Philippinen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung werden von Misereor und Missio unterstützt. „Ich bin beeindruckt vom Engagement der Kirche. Viele, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind, können durch die Aktivitäten der Kirche überleben, erhalten die Chance, auf eigene Beine zu kommen und sich ein Leben in Würde aufzubauen“, erklärte Erzbischof Schick. Beim Gottesdienst in einem Armenviertel konnte er den tiefen Glauben der Philippinas und Philippinos gerade aus den unteren Schichten der Gesellschaft erleben, der den Menschen die Hoffnung bewahrt und Kraft für die Bewältigung des Alltags gibt.

In den Begegnungen mit Vertretern der Kirche erhielt Erzbischof Schick auch intensive Einblicke in die laufenden Diskussionen über den „Krieg gegen Drogen“. Die philippinischen Bischöfe teilen die Auffassung der Regierung, dass der verbreitete Drogenmissbrauch eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Sie sprechen sich jedoch dagegen aus, den Kampf gegen die Drogen mit nicht legalen Mitteln zu führen. Seit dem Regierungsantritt von Präsident Duterte sind vor allem in den Armenvierteln der großen Städte bereits 8.000 Menschen umgebracht worden, auf den Verdacht der Drogenabhängigkeit oder des Drogenhandels hin. Für diese Untaten werden Gruppen verantwortlich gemacht, die sich anscheinend von der Regierung dazu ermutigt fühlen und nicht bestraft werden. „Auch Kriminelle haben Menschenwürde und Menschenrechte und dürfen nur durch die ordentlichen Gerichte bestraft werden, betont die Kirche“, so Erzbischof Schick. Auch lehnt die Bischofskonferenz die Herabsetzung der Strafmündigkeit von Jugendlichen und die Wiedereinführung der Todesstrafe ab. „Für eine gute und humane Entwicklung in jeder Gesellschaft ist ein gefestigter Rechtsstaat unabdingbar, auf den alle Bürgerinnen und Bürger sich verlassen können. Dies ist eine unzweideutige Erkenntnis der katholischen Soziallehre, die, so sagen mir die Kirchenvertreter, auf den Philippinen noch sehr viel stärker ins allgemeine Bewusstsein, auch der Regierenden, kommen muss. Hier liegt eine bleibende und herausfordernde Aufgabe der Kirche.“

Der zweite Teil der Reise führte den Vorsitzenden der Kommission Weltkirche auf die im Süden der Philippinen gelegene Insel Mindanao. Seit den 1970er Jahren flammen dort immer wieder Kämpfe muslimischer Rebellen gegen die Zentralregierung auf, die die Unabhängigkeit von Teilen der Insel oder mindestens eine Autonomie erreichen wollen. Ein wesentlicher Grund für den Beginn dieses Kampfes vor Jahrzehnten war die Marginalisierung der muslimischen Bevölkerung. Auf Einladung des Erzbischofs von Cotabato, KardinalOrlando Quevedo, informierte sich Erzbischof Schick über den laufenden Friedensprozess und die Bemühungen der Kirche für dessen Erfolg. In diesem Zusammenhang begegnete der Erzbischof auch dem Vorsitzenden der vom Staat eingesetzten Verhandlungskommission, die sich aus Vertretern der Regierung, indigener Völker und mehrerer Rebellenorganisationen zusammensetzt, sowie dem Anführer der größten dieser Rebellenorganisationen, der MILF (Moro Islamic Liberation Front). Mit einem Ergebnis der Verhandlungen wird in den kommenden Monaten gerechnet. Erschwert werden die Friedensbemühungen durch terroristische Akte islamistischer Gruppen in den vergangenen Monaten, auf die der Präsident mit der Verhängung des Kriegsrechts auf Mindanao reagiert hat. Kardinal Quevedo und Erzbischof Schick unterstrichen in ihren Gesprächen mit muslimischen Vertretern die Notwendigkeit einer umfassenden Sicherung der Religionsfreiheit in einer künftigen autonomen Provinz, der die mehrheitlich muslimischen Bezirke von Mindanao angehören sollen.

Die Kirche auf Mindanao ist bestrebt, dem Frieden in der Region durch eine intensive Zusammenarbeit von Christen und Muslimen im täglichen Leben zu dienen. Sie unterstützt deshalb zivilgesellschaftliche Gruppen, in denen sich Gläubige aus beiden Religionen gemeinsam für eine Aufarbeitung vergangenen Unrechts, sozialen Fortschritts und Versöhnung engagieren. Daneben wirkt sie durch Bildungsarbeit in kirchlichen Schulen, in Pfarrgemeinden und an der katholischen Universität von Cotabato darauf hin, dass durch eine vertiefte Kenntnis über die Ursachen des Konflikts und Strategien zu seiner Überwindung dem Frieden der Weg bereitet wird. Erzbischof Schick besuchte mehrere Initiativgruppen, in denen sich Christen und Muslime gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben und ein besseres Verständnis der verschiedenen Traditionen und Bekenntnisse engagieren. „Die Kirche auf den Philippinen ist bei den Menschen in hohem Ansehen und wird als der Hoffnungsträger betrachtet. Sie engagiert sich trotz geringer finanzieller Mittel in vielen Bereichen hervorragend. Sie verdient die ideelle und materielle Unterstützung der gesamten Weltkirche, auch der deutschen, damit sie ihre Arbeit im katholischsten Land Asiens, das wunderbare Menschen, schöne Landschaften und viele Naturressourcen hat, zum Wohl der Bevölkerung fortsetzen kann“, fasst Erzbischof Schick seine Erfahrungen nach dem Solidaritätsbesuch zusammen.