Tag-Archiv für Türkei

Aramäer wehren sich mit allen Mitteln – Mehrstündiges Gespräch im Gouvernat Mardin

eine Pressemitteilung des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland

Nach den aktuellen Massenkonfiszierungen von jahrtausendealtem Aramäischen Kulturerbe durch den türkischen Staat und der Übertragung von Sakralbauten an die türkische Religionsbehörde (Diyanet) wehren sich die Aramäer im Südosten der Türkei mit allen Rechtsmitteln. Am gestrigen Tag fand ein mehrstündiges Gespräch mit dem Gouverneur Mardins statt.

Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir: „Die Situation ist unverändert alarmierend. Die Absicht die Aramäische Gemeinschaft in erheblichem Maße enteignen zu wollen, hat sich durch dieses Gespräch erneut bestätigt. Zwar soll die Übertragung der Kirchen und Klöster an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara zur Revision vorgelegt werden. Im Ergebnis bleiben jedoch die Massenenteignungen aramäischen Grundbesitzes an das türkische Schatzamt und die einzelnen Landkreisverwaltungen Mardins bestehen, davon eingeschlossen sind neben Sakralbauten, Grabstätten, auch Flurstücke, Ackerflächen und Weinberge.

Zu den dutzenden konfiszierten Kirchen und Klöstern zählen unter anderem das mit 2 Mönchspriestern und 2 Nonnen belebte Kloster Mor Malke aus dem 4. Jhd, die im 7 Jhd. gegründete Dorfkirche Mor Efrem & Mor Theodoros in Arkah (Ücköy) mit 2 Priestern und 50 aramäischen Familien, oder auch das wiederaufblühende Kloster Mor Jakob d-Qarno aus dem 12. Jhd, welches mit größter Mühe und Spenden aus aller Welt restauriert und wieder aufgebaut werden konnte und heute einen Mönchen sowie zwei weitere Klosterbewohner beherbergt.“

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland appelliert erneut an die Bundesregierung, diese Massenkonfiszierungen aramäischen Kulturerbes nicht weiter unkommentiert zu lassen und derart inakzeptable Entwicklungen im EU-Beitrittskandidaten Türkei im Rahmen des G20-Gipfels mit den türkischen Vertretern zu thematisieren.

Matthias Vogt besucht missio-Partner in Istanbul und Erbil

Dr Matthias Vogt, Islamwissenschaftler und stellvertretender Leiter der missio-Auslandsabteilung, ist zur Zeit im Irak unterwegs. Hier einige Reisenotizen.

Dienstag, 8. März:

IMG_5921Flug von Frankfurt nach Erbil verpasst dank Deutscher Bahn. Dafür in Istanbul zwischengelandet. Überraschungsbesuch bei unseren missio-Projektpartnern von den Franziskanern. Im Zentrum von Istanbul kümmern sich Fr. Eleuthère ( im Bild rechts, Matthias Vogt links) und Fr. Giuliano (Bildmitte) um Studenten und Flüchtlinge aus Afrika, dem Nahen Osten und Asien. missio unterstützt die Arbeit der wachsenden und sehr lebendigen Gemeinden in der Türkei.

 

Hier zwei Bilder vom Innern der Kirchen in Istanbul.

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Mittwoch, 9. März:

Ankunft in Erbil (Autonome Region Kurdistan). Besuch bei den Dominikanerinnen. 80 Schwestern sind von Terrormilizen des sogenannten “Islamischen Staates” aus ihren Konventen in der Niniveh-Ebene vertrieben worden. Ihre Arbeit geht als Flüchtlinge unter Flüchtlingen in Erbil weiter. Ein Fortschritt gegenüber dem vergangenen Jahr, als der Konvent in Containern lebte: Schwester Maria Hanna vor dem neuen Haus für den Konvent (Bild), zu dessen Kauf auch missio beigetragen hat. “Habt ihr noch Hoffnung für dieses Land?” fragte uns die Schwester. “Ja, weil Menschen wie ihr mit Eurem Einsatz uns weiter Hoffnung geben”, antworteten wir.

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missio hilft mit rund 2,2 Millionen Euro christlichen Flüchtlingen im Nahen Osten

Christliche Flüchtlinge im irakisch-syrischen Grenzgebiet. Foto: missio / privat

Christliche Flüchtlinge im irakisch-syrischen Grenzgebiet. Foto: missio / privat

Für die Betreuung von Flüchtlingen und Kriegsopfern im Nahen und Mittleren Osten hat das Internationale Katholische Missionswerk missio Aachen seinen kirchlichen Projektpartnern 2015 rund 1,16 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Für dieses Jahr ist eine weitere Unterstützung der kirchlichen Flüchtlingsarbeit in Höhe von voraussichtlich 1,02 Millionen Euro geplant. Dies teilte missio Aachen am Donnerstag mit.

Die Kirchen und die von Gewalt und Vertreibung bedrohten Menschen in dieser Krisenregion brauchten diese Unterstützung nicht allein als materielle Hilfe, „sondern auch als ein Zeichen der Solidarität, dass sie von uns nicht vergessen sind“, sagte Prälat Klaus Krämer, Präsident von missio Aachen.

Prälat Krämer: Wir dürfen den drohenden Exodus der bedrängten Christen und das Versiegen einer jahrtausendealten christlichen Tradition im Nahen und Mittleren Osten nicht zulassen.

„Wir dürfen den drohenden Exodus der bedrängten Christen und das Versiegen einer jahrtausendealten christlichen Tradition im Nahen und Mittleren Osten nicht zulassen“, so Krämer weiter. Denn gerade die Christen seien wichtige Garanten für die historisch gewachsene kulturelle Vielfalt in der Region, die durch ihre Arbeit und den interreligiösen Dialog bei vielfältigen Konflikten vermitteln und für Ausgleich sorgen können. „Wir müssen verhindern, dass diejenigen Erfolg haben, die versuchen, die Angehörigen der verschiedenen Religionen gegenseitig abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen“, so Krämer.

So können Sie syrischen Flüchtlingen im Libanon helfen:

Hier informieren

missio Aachen unterstützt 2015/16 mit den Hilfen für Flüchtlinge und Kriegsopfer in Höhe von rund 2,18 Millionen Euro seine kirchlichen Partner in Syrien, dem Irak, Libanon, Jordanien und der Türkei. Damit werden die Akuthilfe in Flüchtlingslagern, seelsorgerliche und psychologische Betreuung von Gewalt- und Vertreibungsopfern, der Unterhalt kirchlichen Personals sowie der Wiederaufbau von kirchlicher Infrastruktur finanziert. Zudem fördert missio Aachen mit seiner Hilfe kirchliche Friedens-, Versöhnungs- und Wiederansiedlungsprogramme in den Gebieten, in die die Menschen nach Kriegs- und Gewalthandlungen wieder zurückkehren können.

Genozid an Armeniern in der Türkei: Historikerkommission ist wichtig

Dr. Christoph Marcinkowski, Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit. (Foto: missio)

Dr. Christoph Marcinkowski, Leiter der missio-Fachstelle Menschenrechte und Religionsfreiheit. (Foto: missio)

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan hat den Nachkommen der im Osmanischen Reich getöteten Armenier erstmals sein Mitgefühl ausgesprochen. In Armenien wird der 24. April offiziell als Völkermord-Gedenktag begangen: Es war am 24. April 1915, als die Deportation armenischer Intellektueller aus der osmanischen Hauptstadt Istanbul begann, die damals den Massenmord an den christlichen Armeniern einleitete. Dass der türkische Regierungschef in seiner Erklärung die Ereignisse von damals als „unmenschlich“ bezeichnete, überrascht; Erdoğan schlägt damit einen deutlich versöhnlicheren Ton an als seine Vorgänger. Wie diese Geste der türkischen Regierung einzuordnen ist, darüber hat Radio Vatikan mit Christoph Marcinkowski, der Menschenrechts-Referent vom katholischen Hilfswerk missio in Aachen gesprochen. Das Interview ist als Audiobeitrag hier zu hören. Es folgt das Interview in Schriftform:
Marcinkowski: „Zunächst einmal ist es schon ein Schritt in die richtige Richtung, denn seit 2009 sind ja die Beziehungen zwischen Armenien und der Türkei, die sich positiv zu entwickeln schienen, wieder zu einem Stillstand gelangt. Diese Beileidsbekundung von Erdoğan ist da also ein richtiger Schritt, wenn er auch den Begriff ,Genozid’ vermieden hat. Er hat aber das Angebot gemacht, die Archive zu öffnen und eine bilaterale Historikerkommission einzusetzen.“

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