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Erzbischof Schick: Kirche setzt sich für Recht, sozialen Fortschritt und Frieden ein

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Foto: EB Bamberg

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick. Foto: EB Bamberg

Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Ludwig Schick (Bamberg), beendete gestern (11. Juni 2017) seine sechstägige Reise auf die Philippinen. Schwerpunkte des Besuches waren die Hauptstadt Manila und die Insel Mindanao.


In Manila fanden Gespräche mit der Caritas, der kirchlichen Migrationskommission und Menschenrechtsgruppen statt, die sich für soziale Gerechtigkeit, den Frieden im Land, die Bewahrung der Schöpfung und vor allem für die Menschen in prekären Lebensbedingungen einsetzen. Die Zahl der Armen auf den Philippinen ist weiterhin sehr hoch; besonders im Großraum Manila gibt es durch den Zuzug aus ländlichen Gebieten immer mehr Menschen, die in menschenunwürdigen Bedingungen leben. Der Erzbischof von Manila, Kardinal Luis Antonio Tagle, äußerte im Gespräch seine Besorgnis über die extreme soziale und wirtschaftliche Ungleichheit, die eine positive Entwicklung für alle Bürger extrem erschwere. Bei einem Besuch in einem der innerstädtischen Slums machte sich Erzbischof Schick ein Bild von der dramatischen Lebenssituation der Armen dort. Viele Projekte der Kirche auf den Philippinen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung werden von Misereor und Missio unterstützt. „Ich bin beeindruckt vom Engagement der Kirche. Viele, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind, können durch die Aktivitäten der Kirche überleben, erhalten die Chance, auf eigene Beine zu kommen und sich ein Leben in Würde aufzubauen“, erklärte Erzbischof Schick. Beim Gottesdienst in einem Armenviertel konnte er den tiefen Glauben der Philippinas und Philippinos gerade aus den unteren Schichten der Gesellschaft erleben, der den Menschen die Hoffnung bewahrt und Kraft für die Bewältigung des Alltags gibt.

In den Begegnungen mit Vertretern der Kirche erhielt Erzbischof Schick auch intensive Einblicke in die laufenden Diskussionen über den „Krieg gegen Drogen“. Die philippinischen Bischöfe teilen die Auffassung der Regierung, dass der verbreitete Drogenmissbrauch eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Sie sprechen sich jedoch dagegen aus, den Kampf gegen die Drogen mit nicht legalen Mitteln zu führen. Seit dem Regierungsantritt von Präsident Duterte sind vor allem in den Armenvierteln der großen Städte bereits 8.000 Menschen umgebracht worden, auf den Verdacht der Drogenabhängigkeit oder des Drogenhandels hin. Für diese Untaten werden Gruppen verantwortlich gemacht, die sich anscheinend von der Regierung dazu ermutigt fühlen und nicht bestraft werden. „Auch Kriminelle haben Menschenwürde und Menschenrechte und dürfen nur durch die ordentlichen Gerichte bestraft werden, betont die Kirche“, so Erzbischof Schick. Auch lehnt die Bischofskonferenz die Herabsetzung der Strafmündigkeit von Jugendlichen und die Wiedereinführung der Todesstrafe ab. „Für eine gute und humane Entwicklung in jeder Gesellschaft ist ein gefestigter Rechtsstaat unabdingbar, auf den alle Bürgerinnen und Bürger sich verlassen können. Dies ist eine unzweideutige Erkenntnis der katholischen Soziallehre, die, so sagen mir die Kirchenvertreter, auf den Philippinen noch sehr viel stärker ins allgemeine Bewusstsein, auch der Regierenden, kommen muss. Hier liegt eine bleibende und herausfordernde Aufgabe der Kirche.“

Der zweite Teil der Reise führte den Vorsitzenden der Kommission Weltkirche auf die im Süden der Philippinen gelegene Insel Mindanao. Seit den 1970er Jahren flammen dort immer wieder Kämpfe muslimischer Rebellen gegen die Zentralregierung auf, die die Unabhängigkeit von Teilen der Insel oder mindestens eine Autonomie erreichen wollen. Ein wesentlicher Grund für den Beginn dieses Kampfes vor Jahrzehnten war die Marginalisierung der muslimischen Bevölkerung. Auf Einladung des Erzbischofs von Cotabato, KardinalOrlando Quevedo, informierte sich Erzbischof Schick über den laufenden Friedensprozess und die Bemühungen der Kirche für dessen Erfolg. In diesem Zusammenhang begegnete der Erzbischof auch dem Vorsitzenden der vom Staat eingesetzten Verhandlungskommission, die sich aus Vertretern der Regierung, indigener Völker und mehrerer Rebellenorganisationen zusammensetzt, sowie dem Anführer der größten dieser Rebellenorganisationen, der MILF (Moro Islamic Liberation Front). Mit einem Ergebnis der Verhandlungen wird in den kommenden Monaten gerechnet. Erschwert werden die Friedensbemühungen durch terroristische Akte islamistischer Gruppen in den vergangenen Monaten, auf die der Präsident mit der Verhängung des Kriegsrechts auf Mindanao reagiert hat. Kardinal Quevedo und Erzbischof Schick unterstrichen in ihren Gesprächen mit muslimischen Vertretern die Notwendigkeit einer umfassenden Sicherung der Religionsfreiheit in einer künftigen autonomen Provinz, der die mehrheitlich muslimischen Bezirke von Mindanao angehören sollen.

Die Kirche auf Mindanao ist bestrebt, dem Frieden in der Region durch eine intensive Zusammenarbeit von Christen und Muslimen im täglichen Leben zu dienen. Sie unterstützt deshalb zivilgesellschaftliche Gruppen, in denen sich Gläubige aus beiden Religionen gemeinsam für eine Aufarbeitung vergangenen Unrechts, sozialen Fortschritts und Versöhnung engagieren. Daneben wirkt sie durch Bildungsarbeit in kirchlichen Schulen, in Pfarrgemeinden und an der katholischen Universität von Cotabato darauf hin, dass durch eine vertiefte Kenntnis über die Ursachen des Konflikts und Strategien zu seiner Überwindung dem Frieden der Weg bereitet wird. Erzbischof Schick besuchte mehrere Initiativgruppen, in denen sich Christen und Muslime gemeinsam für ein friedliches Zusammenleben und ein besseres Verständnis der verschiedenen Traditionen und Bekenntnisse engagieren. „Die Kirche auf den Philippinen ist bei den Menschen in hohem Ansehen und wird als der Hoffnungsträger betrachtet. Sie engagiert sich trotz geringer finanzieller Mittel in vielen Bereichen hervorragend. Sie verdient die ideelle und materielle Unterstützung der gesamten Weltkirche, auch der deutschen, damit sie ihre Arbeit im katholischsten Land Asiens, das wunderbare Menschen, schöne Landschaften und viele Naturressourcen hat, zum Wohl der Bevölkerung fortsetzen kann“, fasst Erzbischof Schick seine Erfahrungen nach dem Solidaritätsbesuch zusammen.

Über die derzeitige Situation auf den Philippinen

Von Schwester Luz

Der philippinische Präsident Rodrigo Duterte hat im Kampf gegen Islamisten das Kriegsrecht über die südliche Region Mindanao verhängt. Welche Folgen das für die Menschen vor Ort hat, berichtet Schwester Luz.

Zurzeit gibt es 140.000 Menschen in Marawi, die kein Dach über dem Kopf haben. Die Regierung befürchtet, dass die Zahl noch weiter steigen wird. Wir beobachten, dass immer mehr Menschen abwandern, weil ihre Heimat bombardiert wird.

Eine weitere große Sorge ist die Geiselnahme von Fr. Chito Suganob und weiteren Personen, die in der St. Mary’s Kathedrale in Marawi festgehalten werden.

Wir kämpfen für den interreligiösen Dialog. Sicherlich gibt es Pläne einen Konflikt zwischen Christen und Muslimen anzukurbeln, aber die Moros, die größte nicht-christliche Gruppe auf den mehrheitlich römisch-katholischen Philippinen, haben gesagt, dass sie gegen Extremismus und haben die Saboteure des Friedens als nicht-muslimisch bezeichnet. SAMIN kooperiert bei der Leitung einer interreligiösen Gruppe. Wir folgen einer nationalen humanitären und solidarischen Mission, um auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können.

Wir hoffen, dass weiterhin ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass die Menschenrechte hier bedroht und teilweise gebrochen werden. Kardinal Quevedo hat dem Ausnahmezustand zugestimmt, aber nur wenn moralische Bedingungen eingehalten werden. SAMIN ist zurzeit eher gegen den Ausnahmezustand, weil die Erfahrungen unter Marcos auch mit guten Absichten begonnen haben, dabei wurde es zu einem 20-jährigen Alptraum, über den die Kirche bis zu den friedlichen EDSA Massendemonstrationen still schwieg.

Bericht über die aktuelle Situation im Gazastreifen

von Sami El-Yousef

Die Abwasser-Situation im Gazastreifen wird immer schlimmer. Rauch wird eingesetzt, um den Gestank zu dämpfen.

Die Abwasser-Situation im Gazastreifen wird immer schlimmer. Rauch wird eingesetzt, um den Gestank zu übertünchen.

Während meines Besuchs im Gazastreifen habe ich gemerkt, wie schlecht die Versorgung mit Elektrizität ist – es gibt, um genau zu sein, nur drei Stunden Strom am Tag. Hausfrauen klagen über den Mangel von Strom und wie sehr es doch den Alltag erschweren würde. Man kann nicht waschen, der Kühlschrank funktioniert nicht, was Familien dazu zwingt täglich Lebensmittel zu kaufen. Den Geruch von Abwasser kann man überall wo man hingeht riechen. Die Kläranlage funktioniert nicht mehr, weswegen das Abwasser auch ins Meer geleitet wird. Das Grundwasser ist verschmutzt, weil Abwasser, Salzwasser und Chemikalien hineingelangt sind. Es gibt also mittlerweile auch einen erheblichen Mangel an sauberem Wasser.

Auf den Straßen sind kaum Menschen und Autos zu sehen. Dies scheint wohl daran zu liegen, dass die PNA in Ramallah entschieden hat, die Gehälter von 70.000 Menschen zu kürzen. In ein paar Monaten soll der Geldhahn komplett zugedreht werden. Viele Arbeiter sind zu den Banken gegangen und haben ihr Geld abheben wollen. Nicht nur, dass viele Menschen wegen dem Mangel an Geld im Minus sind, teilweise wurden die Konten sogar eingefroren. Die Menschen können sich keinen Sprit mehr leisten. Dazu kommt, dass es eine Einschränkung gibt, wieviel Sprit man tanken darf. Erlaubt sind ca. 7 Liter pro Person.

Auch Sand wird als Mittel eingesetzt, um den Gestank des Abwassers zu dämpfen.

Auch Sand wird als Mittel eingesetzt, um den Gestank des Abwassers zu dämpfen.

Die Einschränkungen bei Strom und Sprit, 40 % Arbeitslosenquote und die Kürzung der Gehälter führen zu erhöhter Kriminalität im Gazastreifen und die Menschen machen sich Sorgen um ihr Hab und Gut. Ich denke, dass der einzige positive Faktor ist, dass es an Baumaterialien, wie Zement und Eisenstangen, um sich eine Baukonstruktion zu bauen, nicht mangelt. Dies ist durch den Grenzübergang bei Rafah in Ägypten möglich. Die Frage ist nun, wer sich die Baumaterialien leisten kann? Während meines letzten Besuchs, dachten die Menschen, dass es einen Krieg mit Israel geben wird. Jetzt haben die Menschen Existenzängste. Ich schätze, dass der UN-Bericht „Gaza 2020 – ein erträglicher Ort zum Leben“ früher der Realität entsprechen wird, als gedacht, weil keine Schritte in Richtung Veränderung gemacht werde . Trotzdem: Man muss opimistisch beiben und weitermachen, sodass die Hoffnung bleibt.

Lokale Institutionen wachsen

Wir waren überwältigt davon, wie sehr unsere Partner expandieren, was letztendlich zu einer Verbesserung des öffentlichen Dienstes führt. Vor ein paar Wochen beispielsweise hat der Bau eines neuen Gebäudes an der Rosary Schwestern Schule begonnen. Es wird aus einem großen Auditorium bestehen, größeren Klassenzimmern und Laboratorien. Künftig werden auch Schüler der 11. und 12. Stufe hier am Unterricht teilnehmen können NECC’s VTC in Quarrarah wird bald ein neues Programm starten, dass Elektriker schult, wie man mit Photo Voltaic-Anlagen arbeitet, weil es hier eine große Nachfrage gibt. Dieses Programm ist das erste und einzige, das sich darauf spezialisiert hat.

Ein anderer lokaler Partner, die „Holy Family School“, wird eine weitere Etage bauen, um das akademische Programm fördern zu können. Viele weitere Institutionen arbeiten an der Verbesserung der schulischen und akademischen Umstände. Unsere Partner und der Fortschritt sind also im Gazastreifen präsent.

Wie bei allen früheren Besuchen im Gazastreifen, habe ich wieder gemerkt, wie dankbar die Menschen hier sind, obwohl sie wenig besitzen. Es ist ein riesengroßer Unterschied zwischen diesen Menschen und denjenigen, die unter besseren Bedingungen leben. Die Menschen im Gazastreifen sind inspirierend. Es existiert Hoffnung, obwohl es keine richtige Zukunftsperspektive gibt. Bitte denken Sie an unsere Brüder und Schwestern im Gaza Streifen und beten Sie für sie.

Erzbischof Ndagoso berichtet über den Konflikt zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern in Nigeria

Matthew Man-Oso Ndagoso ist Erzbischof von Kaduna im Süden Nigerias.

Matthew Man-Oso Ndagoso ist Erzbischof von Kaduna im Süden Nigerias.

Im Süden Nigerias gibt es seit langer Zeit einen Konflikt zwischen muslimischen Fulani-Hirten und christlichen Bauern. 2014 wurden rund 500 Menschen getötet. Bei dem Konflikt stehen nicht Religion und Ethnizität im Vordergrund, sondern eher das Weiderecht. Durch den Klimawandel wird es für die Hirten immer schwieriger grüne Flächen für ihr Vieh zu finden.
Matthew Man-Oso Ndagoso ist Erzbischof von Kaduna im Süden Nigerias. Im Interview berichtet er über die eskalierende Gewalt, die eigentlichen Gründe des Konflikts und was getan werden muss, um ihn zu lösen.

Frage 1: Der Konflikt zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern im Süden Kadunas wurde oft als religiöser Konflikt beschrieben. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Für mich ist es eine Fehlbezeichnung und deswegen irreführend. Die Wurzeln des Konflikts sind nicht eindeutig oder können bewusst oder unbewusst an einer Sache festgemacht werden.
DerHauptgrund für den Konflikt  konnte bis heute nicht konkret ausgemacht werden. Religion ist nur ein sekundärer Grund für diesen Konflikt. Es ist allseits bekannt, dass in diesem Teil der Welt, Religion und Ethnizität als Argumente für persönliche und kommunale Angelegenheiten missbraucht werden. So gesehen ist dieser Konflikt zwischen Hirten und Bauern nicht nur auf die Region im Süden Kadunas zu beziehen. Es ist eine nationale und internationale Angelegenheit. National, weil es andere Regionen im Land betrifft und international, weil es Teile West-Afrikas betrifft.

Frage 2: In unseren Medien wird der Konflikt oft in Zusammenhang mit Boko Haram genannt. Gibt es dort eine Verbindung?

Wo auch immer Ungerechtigkeit mit all ihren Konsequenzen, so wie schlechter politischer Führung, Korruption, Gleichgültigkeit, Unterentwicklung usw. herrscht, gibt es eine schlechte Atmosphäre, aus der Menschen oder Gruppen wie Boko Haram, Geiselnehmer oder bewaffnete Diebe entstehen können. Wenn man es so betrachtet, kann man eine Verbindung zwischen Boko Haram und den sogenannten Fulani-Hirten herstellen aber auch zwischen Kidnappern, bewaffneten Kriminellen, Viehdieben usw. Menschen mit einem verächtlichen Charakter wie Rebellen oder Terroristen missbrauchen jede Situation, um ihr eigenes Ziel zu verfolgen. Mit der Entfernung zu ihrer Basis im Sambisa Wald, kann Boko Haram den Fulani-Hirten- und Bauernkonflikt für ihre Zwecke nutzen.

Frage 3: Was sind ihrer Meinung nach die Hauptgründe für den Konflikt in Süd-Kaduna?

Es gibt Gründe geschichtlicher Natur. Zum Beispiel die systematische und institutionalisierte Ungerechtigkeit , die über viele Jahre von Regierungen durch Richtlinien, die auf Exklusion basieren, vor und nach der Kolonialzeit, verfolgt wurden.
Die Bischöfe unserer Provinz bemerkten, dass es eine Reaktion auf vorangegangenen Krisen in diesem Jahr ist. Wir sagten, dass wir daran glauben, dass „diesen sozialen, politischen und wirtschaftlichen „Richtlinien der Exklusion“ Unabhängigkeit vorausgegangen war. Die Menschen werden infrastrukturell vernachlässigt und von den wirtschaftlichen und bürokratischen Vorgehen ausgeschlossen.“ Diese Tatsachen haben eine Atmosphäre der Resignation unter den Menschen geschaffen bis hin zu dem Punkt, dass jede Bedrohung, die als dominant oder ungerecht empfunden wird, zu verärgerten oder sogar gewalttätigen Reaktionen führt.
Es gibt dieses Gefühl des Ausgestoßen-Seins und der Isolation wenn es um politische Angelegenheiten geht. Deswegen denke ich, dass einer der Hauptgründe für den Konflikt die Ungerechtigkeit ist, die lange Zeit vorherrschte und bei der kein Ende in Sicht ist.
Religion – und ich erlaube mir hier auch Ethnizität zu sagen – sind Sündenböcke, die benutzt werden, wenn es passt. Religion ist sozusagen eine Trumpfkarte für Politiker und diejenigen, die sich selber bereichern wollen. Als Folge fühlt sich das Volk, das sich durch die Regierung, die die Menschen beschützen sollte und für ihre Rechte kämpfen sollte, ausgeschlossen und unterdrückt. Das ist der Grund für den Konflikt.

Frage 4: Seit letztem Jahr scheint es einen Anstieg der Gewalttaten der Fulani-Hirten auf Bauern zu geben. Was führte zu dem Anstieg der Gewalttaten?

Solang die Hirten das Land durchstreifen, um grüne Grasflächen zu suchen, solang wird auch der Konflikt zwischen ihnen und den Bauern fortgeführt werden. Mit dem Druck auf die Umwelt, wie beispielsweise das Vordringen der Wüste, was den Norden Nigerias betrifft mit dem Wasserverlust des Lake Chad, ist das traditionelle Grasen nicht mehr möglich. Deswegen wandern die Hirten stetig. Die Wanderung der Herden führt zu Kontakt mit den Bauern, was schließlich zum Konflikt zwischen Hirten und Bauern führt.

Frage 5: Warum ist die föderale Regierung und die Regierung von Kaduna nicht imstande das Leben und das Eigentum zu beschützen? Oder wollen sie das nicht?

Das sind Fragen, die sich die Menschen hier stellen, als das Morden, ohne den adäquaten Schutz der Regierung, stattfand. Das träge Verhalten der Regierungen war ein Grund zur Sorge für viele Nigerianer/innen. Die Situation ging sogar bis zu dem Punkt, dass die Unfähigkeit der Regierungen direkt einzuschreiten Misstrauen erweckte. In den betroffenen Gebieten dachten sogar einige Menschen, dass das Morden absichtlich geplant war. Das Handeln oder Nicht-Handeln in dieser Situation spricht für sich. Nur die Regierung weiß, wieso das Einschreiten so spät stattfand. Trotzdem: Welche Gründe es dafür auch gab, es ist die Aufgabe der Regierung die Menschen ihres Landes zu schützen – besonders in Notfallsituationen, die in Süd-Kaduna herrschten

Frage 6: Was kann getan werden, um den Konflikt zu lösen?

Man sagt, dass wenn ein Problem erkannt wurde, es schon zur Hälfte gelöst ist. Meiner Meinung nach – und dies ist auch die Meinung der Bischöfe – hat die Lösung des Konflikts mit der Verfassung, Rechtsführung, den Bürgerrechten und dem Überleben der Demokratie in unserem Land zu tun. Wenn wir tatsächlich den gleichen Rechten unterliegen, dann sollten wir als Bürger alle die gleichen Rechte haben. Um also das Problem der Exklusion, das durch eine systematische und institutionelle Ungerechtigkeit herbeigeführt wurde, zu bekämpfen, muss es adäquat angesprochen werden. Die Menschen müssen in die Prozesse eingebunden werden, wie z.B. bei Entwicklungsprojekten verschiedener Institutionen und Unternehmen, die zurzeit keine Zuwendung von der staatlichen und föderalen Regierung erfahren.

Frage 7: Gibt es irgendwelche interreligiösen Initiativen, um das Problem zu lösen

Es gibt viele interreligiöse Initiativen, die sich für die Lösung des Problems engagieren. Meine Befürchtung ist nur, dass die Hilfe nicht lange anhält. Es wird nichts in die Wege geleitet, was die eigentlichen Probleme anspricht. Außerdem ist das Vertrauen, dass die Basis für einen erfolgreichen Dialog ist, zwischen den beiden religiösen Gruppen in Süd-Kaduna, nicht vorhanden. Noch auswegloser scheint allerdings die Situation zwischen muslimischen Hirten und christlichen Bauern im Norden unseres Landes zu sein.

Mgsr. Kyrillos über den Anschlag in Ägypten

Bischof William engagiert sich für den Dialog der Religionen. © Hartmut Schwarzbach / missio

Bischof William engagiert sich für den Dialog der Religionen.
© Hartmut Schwarzbach / missio

Kyrillos William ist Bischof von Assiut in Mittelägypten. missio berichtet er, wie die Situation zurzeit vor Ort ist und was der jüngste Anschlag auf koptische Christen, bei denen 23 Menschen ums Leben kamen, für das Land beudetet.

“Es handelt sich um die ISIS, die versucht die aktuelle ägyptische Regierung zu destabilisieren. Indem sie gegen unbewaffnete Christen vorgehen, um sie einerseits gegen das Regime anzustacheln und sie andererseits für die Aktivitäten vom 30. Juni 2013, als Präsident Morsi und seine Brüder abgesetzt werden sollten, zu bestrafen. Letzten Februar, nachdem die Kirche St. Pierre attackiert wurde, haben sie angekündigt, dass dies nichts andere als der Anfang sei, und dass die Kopten ihr bevorzugtes Ziel sein werden.

Sie wollen, dass die Kopten das Land verlassen, um das Kalifat auszurufen. Aber die Christen denken nicht daran, das Land zu verlassen: Es ist unser Land, und wir werden bleiben.

Die Reaktionen der Regierung, der Kirche und der muslimischen Ägypter und Christen sind dieselben: Trauer um die Opfer und ihre Angehörigen und Wut auf die Terroristen und diejenigen, die sie unterstützen, sei es mit Geld oder mit Waffen. Außerdem gibt es eine große Verschwörung gegen Ägypten, um das Land zu zerstören.

Unser Präsident hat direkt reagiert: Er berief den Nationalen Sicherheitsrat ein, um zu beraten, dass die Stützpunkte und Trainingslager der Terroristen angegriffen werden sollen. Wir haben in Libyen angefangen, wo die letzten Attacken herkamen.

Die Isis sagte, dass im Monat des Ramadan die Attacken nicht ausbleiben werden.Die Christen haben keine Angst, sich ihrem Schicksal zu stellen, und zu neuen Märtyrern zu werden. Sie verstehen die Ziele der Anschläge und werden sich nicht entmutigen lassen.

Es stimmt, dass der ein oder andere anfängt das Vertrauen in die Regierung und den Schutz für Christen zu verlieren, aber man denkt trotzdem darüber nach, was die Regierung gegen eine universelle Bedrohung machen könnte.

Der Präsident hat sich an andere Länder gewandt, sogar die Vereinigten Staaten, um sich gegen die Gefahr, die alle Länder betrifft, zu vereinen.”

 

 

Bundesregierung muss sich vor Modi-Besuch für verfolgte Christen in Indien einsetzen

Unterstützen Sie unsere Kampagne und unterzeichnen Sie die Petition!

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Die Bundesregierung muss die Gefährdung der Religionsfreiheit in Indien beim heutigen Besuch von Premierminister Narendra Modi offen ansprechen. Das fordert Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes missio in Aachen. „Die christlichen und muslimischen Minderheiten sind besonders durch die Ideologie des Hindu-Nationalismus, dem Druck zur Zwangskonversion zum Hinduismus und mangelnden Schutz der Behörden gegen lokale Gewalttaten bedroht“, sagte Prälat Krämer.

Die christlichen und muslimischen Minderheiten sind besonders durch die Ideologie des Hindu-Nationalismus, dem Druck zur Zwangskonversion zum Hinduismus und mangelnden Schutz der Behörden gegen lokale Gewalttaten bedroht

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Islamisten machen Druck: Blasphemie-Gesetz in Indonesien

Pater Franz Magnis-Suseno

Pater Franz Magnis-Suseno

Der ehemalige Gouverneur von Jakarta und Christ, Basuki Tjahaja Purnama („Ahok“), wurde jetzt in Indonesien wegen Blasphemie zu zwei Jahren Haft verurteilt. Das Blasphemie-Gesetz in Indonesien gibt es seit 1965 und soll – so seine ursprüngliche Absicht – die Diskriminierung von religiösen Minderheiten verhindern. Stattdessen wird es mittlerweile instrumentalisiert, für politische Zwecke und gegen religiöse Minderheiten missbraucht. Der in Deutschland geborene Jesuit Professor em. Dr. Franz Magnis-Suseno lebt seit 1961 in Indonesien, ist indonesischer Staatsbürger und kennt sich mit den Strukturen im Land mit der größten muslimischen Bevölkerungszahl weltweit aus. Für missio Aachen erklärt er hier die gegenwärtige Lage und politischen Hintergründe nach der Verurteilung von Basuki Tjahaja Purnama („Ahok“).

Die fanatischen islamischen Gegner von Ahok haben erreicht, wofür sie sieben Monate lang gekämpft hatten.Beeindruckend war aber, dass seit Ahoks Gefängnisantritt in ganz Indonesien Tausende von Menschen sich mit brennenden Kerzen und anderen Symbolen mit Ahok solidarisierten. Sie versammelten sich vor dem Gefängnis und zeigten, wie sehr sie Ahok lieben und wie sehr sie die Verurteilung verletzt hat.

In einigen Gegenden mit einem starken christlichen Bevölkerungsanteil ist wichtig, dass sich nicht antiislamische Töne in die pro-Ahok Bewegung einschleichen.

Diese Solidarisierung umfasst Christen, Hindus, Buddhisten und Muslime. Allerdings ist, vor allem in einigen Gegenden mit einem starken christlichen Bevölkerungsanteil wichtig, dass sich nicht antiislamische Töne in die pro-Ahok Bewegung einschleichen. Das könnte zu gefährlichen Konfrontationen führen, womit die islamischen Fanatiker gerade ihr Ziel erreicht hätten.

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