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Irak: Eindrücke im Land des Terrors

 

Pfarrer Pitzal mit missio-Projektpartnern Pater Jacques und Pater Jens

Pfarrer Pitzal mit missio-Projektpartnern Pater Jacques und Pater Jens

Pfarrer Pitzal aus Renningen besuchte missio-Projektpartner im Irak und erzählt von seinen Eindrücken vor Ort. Dort hatte er direkte Kontakte in den Flüchtlingslagern, besuchte Bischöfe und Kirchenleute, die ihm authentisch berichteten, führte Gesprächen mit Menschen, die Schreckliches bei der IS in Gefangenschaft und auf der Flucht erlebten. Millionen Menschen in der Ninive Ebene und in den übervollen Lagern wissen nicht, wie es weitergeht.

In Sulaymaniya, einer Stadt mit einer Million Einwohner, die durch die Flüchtlinge auf zwei Millionen angewachsen ist, kam Pfarrer Pitzal im Kloster der chaldäischen Mönche mit Pater Jens und Pater Jacques sowie der deutschen Schwester Frederike zusammen. In diesen Tagen wurde für die muslimischen und christlichen Einwohner sowie für die Flüchtlinge nach wochenlanger Arbeit ein Theaterstück durch den Regisseur Stefan aus Berlin eingeübt. Ziel war es, sowohl im Klosterhof wie auch in den Lagern den Menschen Freude und auch etwas Mut zu machen.

Außerhalb der Stadt liegen die Lager. Die Lagerstraßen scheinen kein Ende zu haben, endlose Trostlosigkeit. Die Lager sind umgeben mit Stacheldraht, fast niemand darf das Lager verlassen. Essen und Wasser wird ins Lager gebracht. Die Menschen leben in „Caravans“ – so nennen sie die Container-Häuser -, die gut eingerichtet sind und in denen etwa 8-10 Personen einen Raum bewohnen. Die Regierung hat bereits gemauerte Toiletten errichtet, um die die Lagerbewohner ein eigenes Haus bauen können. Dies besagt, dass eine Rückkehr in die nicht allzu weit entfernte Heimat demnächst wohl nicht möglich sein wird. Im Lager gibt es bereits eine Schule, eine medizinische Einrichtung, einen Sportplatz und auch eine Kirche. Es gibt mehrere Lager dieser Art. Nur mit kundiger Führung sind sie mit einem Auto zu erreichen.

Pfarrer Pitzal mit Studenten und Bischof Yousif Thomas

Pfarrer Pitzal mit Studenten und Bischof Yousif Thomas

In Kirkuk begegnete Pfarrer Pitzal Bischof Yousif Thomas Mirkis. Er hat ein umfangreiches Programm für die Flüchtlinge und Bewohner des Landes zusammengestellt. So entsteht in diesen Tagen ein großes Zentrum, in dem hunderte von Menschen zusammenkommen können. Rund um die Kathedrale hat er Einrichtungen für zahnmedizinische Behandlungen und eine medizinische Grundversorgung eingerichtet. Seinen besonderen Schwerpunkt legt er auf 10 Häuser, die er in der Millionenstadt Kirkuk angemietet hat. In jedem Haus wohnen etwa 25 junge Studenten, die die verschiedensten Fächer wie Jura, Medizin, Pharmazie, Literatur, Landwirtschaft oder Naturwissenschaft studieren. Bei der Begegnung sagte Pfarrer Pitzal zu ihnen: „Ihr seid die Hoffnungsträger für dieses Land. Bleibt im Land, beendet euer Studium und baut eine neue Welt in eurem Land auf.“ Das bringt den Menschen mehr, als wenn sie im fernen Europa künftig leben und sich mit der Integration schwer tun. Für jeden der 120 Studenten benötigt der Bischof täglich etwa 7 Euro, die er in Europa zusammenbetteln muss .

Zusammentreffen von Bischof Warda und Pfarrer Pitzal.

Zusammentreffen von Bischof Warda und Pfarrer Pitzal.

Im nahegelegenen Erbil, der Hauptstadt Kurdistans, besuchte Pfarrer Pitzal Bischof Bashra Warda. Die Stadt ist ebenfalls umgeben von vielen Flüchtlingslagern. Obwohl es in der Diözese nur wenig Priester gibt, hat der Bischof zwei Geistliche für die Betreuung der Lager abgestellt. Im Lager Ankawa in der Nähe des Priesterseminares leben nur die Christen, die Karakosch fluchtartig verlassen mussten. Die IS zündete dort 2.000 Häuser an, 7.000 weitere wurden zerstört, 3.000 seien noch halbwegs in Ordnung. Die Stadt ist inzwischen von den IS befreit und so viele Menschen hoffen, dass sie die etwa 70km von ihrem Lager entfernte Heimat wieder aufsuchen können. Für das Lager gibt es keine Hilfe aus Deutschland, wie man Pfarrer Pitzal versicherte. In die Heimatstadt der Flüchtlinge zu fahren war dann aber doch noch zu gefährlich für Pfarrer Pitzal, denn im nahegelegenen Mossul wird immer noch gekämpft und man hofft, dass die Stadt bald befreit werden kann. Mit Familien im Flüchtlingslager kam es zu einem herzlichen Kontakt.

Auf die Frage von Pfarrer Pitzal, was das Wichtigste für sie sei und wo könnte man ihnen am besten helfen könne, wurde geantwortet:

Wir brauchen eine Regierung, die sich der Menschen annimmt, ihre Interessen und Machenschaften selbst zurückstellt und ein System aufbaut, das jedem gerecht wird.

Das Gebiet beanspruchen die Kurden, die aber auch in Syrien, in der Türkei und im Iran beheimatet sind. Besonders schwer betroffen sind die Jesiden, eine kleine Religionsgemeinschaft, die von Schiiten und Sunniten gemieden wird. Nach wie vor haben die Menschen, vor allem in Syrien, unter den Bombenangriffen der Russen und der Amerikaner zu leiden. Wenn die Waffen ausgingen und nicht mehr von Europa, auch von Deutschland, geliefert würden, wäre wohl ein Frieden schneller in Aussicht gestellt – wenngleich sich im Moment niemand vorstellen kann, wie dieser Krieg mit den Millionen von Flüchtlingen beendet werden kann und menschenwürdige Verhältnisse jedem gegeben werden könnten.

 

Indien: Dalitpräsident keine Garantie für Religionsfreiheit

Interview von Radio Vatikan (Das Interview können Sie auch als Audio-Datei hören)

In Indien ist mit Ram Nath Kovind ein „Unberührbarer” aus der Kaste der Dalit zum Präsidenten gewählt worden. Beobachter  bewerten diese Tatsache sehr unterschiedlich. Die Einen sehen darin einen wichtigen Schritt nach vorne, weg von dem unüberwindlich erscheinenden Kastensystem, das tief in der indischen Gesellschaft verwurzelt ist. Doch es gibt angesichts des Hindunationalismus, den die Partei des neuen Präsidenten (und des mächtigen Premierministers Modi) vertritt, auch warnende Stimmen. Johannes Seibel ist der Sprecher des katholischen Hilfswerkes Missio in Aachen und ausgewiesener Kenner des Landes, das zu den bevölkerungsreichsten der Erde zählt. Wir haben ihn um seine Einschätzung der Situation gebeten.

RV: Indiens neuer Präsident Ram Nath Kovind ist ein Dalit, also letztlich ein Kastenloser, einer, der aus dem hinduistischen Kastensystem unten herausfällt. Auch seine Konkurrentin um das Präsidentenamt entstammt dieser Schicht, zwei Dalits traten um das Amt an. Ist das rein politisches Kalkül, dass der neue Präsident Indiens Dalit sein sollte, oder zeigt es letztlich auch, dass sich das Kastenwesen in Indien langsam aufweicht?

Seibel: Aus meiner Sicht ist das rein politisches Kalkül. Die Dalits stellen etwa 16 Prozent aller Wähler in Indien, 2019 sind Parlamentswahlen und deshalb haben die Parteien jetzt Dalit-Kandidaten aufgestellt. 16 Prozent ist schon eine wichtige Wählerklientel, die kann man nicht vernachlässigen. Der jetzige Ministerpräsident Modi versucht alles, bei den nächsten Wahlen die Mehrheit der Regierungspartei weiter auszubauen, und da sind die Dalits eben ein wichtiger Baustein.

RV: Wie ist de facto heute die Lebenssituation der Dalit in Indien, auf dem Land und in der Stadt?

Seibel: Das Kastensystem ist auf dem Land noch wesentlich stärker ausgeprägt als in der Stadt, die Dalits sind auf dem Land bekannt, sie sind meist landlose Arbeiter und Kleinstbauern, die ausgebeutet werden, während in der Stadt aufgrund der Anonymität oft nicht bekannt ist, wer Dalit ist oder nicht, und hier ist der Aufstieg einfacher. Was die Situation der Dalit allgemein betrifft, so ist deren Diskriminierung zwar durch die Verfassung verboten, de facto findet sie aber immer statt. Insbesondere die Situation für christliche Dalit ist schwierig. Da könnte man darauf hinweisen, dass die Indische Bischofskonferenz für den kommenden 10. August zu einem so genannten Black Day aufgerufen hat, um an die Diskriminierung von Christen und Dalits zu erinnern. Da geht es darum, dass die Dalits bestimmte staatliche Vergünstigungen oder auch Quoten für Plätze bei Behörden oder Universitäten bekommen, aber diese Quoten gelten nur für Dalits, die Hindus, Buddhisten oder Sikhs sind. Christlichen oder muslimischen Dalits sind diese Vergünstigungen bis heute vorenthalten. Das ist so ein Beispiel für strukturelle Diskriminierung.

RV: Das Christentum ist für Dalits grundsätzlich attraktiv, weil Jesus für die gleiche Würde aller Getauften steht. Die Kastengrenzen sind in der Kirche aufgehoben – theoretisch. Wie sieht es in der Praxis in der katholischen Kirche Indiens aus?

Seibel: Es ist in der indischen Kirche nicht sehr einfach. Zunächst einmal ist ja das Kastensystem ein kulturelles Phänomen, das natürlich auch in der Kirche zu beobachten ist. Beispielsweise sind nur elf von rund achtzig Bischöfen Dalits, obwohl über sechzig Prozent der Christen Dalits sind. Es gibt diese Diskriminierung also auch in der Kirche. Die Kirche ist aber jetzt in einem Prozess, diese Probleme zu erkennen, sie offener als früher anzusprechen und auch aufzuarbeiten. Da ist also ein Prozess im Gange. Und wir von Missio zum Beispiel unterstützen ein Projekt der Organisatione National Dalit Christian Watch, diese Organisation will diese täglichen Diskriminierungen von Dalits in der Kirche dokumentieren und auch Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Also die Kirche arbeitet jetzt aktiv am Abbau der Diskriminierung von Dalit-Christen in den eigenen Reihen.

RV: In Indien ist die Religionsfreiheit in den letzten Jahren zunehmend in Schieflage geraten. Es mehren sich Attacken auf Nicht-Hindus, vorrangig Christen und Muslime, die Regierungspartei BJP, der der neue Präsident angehört, steht für den Slogan „Indien den Hindus“, sie ist eine Hindunationalistenpartei. Missio beanstandete bereits, die Frage der Religionsfreiheit werde sich unter dem Dalit-Präsidenten Kovind wohl nicht zum Besseren wenden. Warum?

Seibel: Zunächst ist der Staatspräsident ein Kandidat der BJP, und insofern wäre er nicht zum Kandidaten ernannt worden, wenn er nicht diese hindunationalistische Ideologie unterstützen würden, also dass ein Inder nur sein kann, wer Hindu ist. Und auch in der Vergangenheit hat der Präsident schon zum Ausdruck gebracht, dass Muslime und Christen keine Angehörigen der indischen Nation sind. Er hat auch für die so genannten Rekonversionen zum Hinduismus große Sympathien geäußert, das heißt, Christen und Muslimen wird gesagt: ihr seid eigentlich Hindus, wenn ihr wieder zum Hinduismus zurück konvertiert, dann seid ihr wieder gleichberechtigt und habt keine Probleme mehr. Diese Kampagnen werden zum Teil auch mit Gewalt durch geführt. Das hat der neue Präsident bisher noch nicht kritisiert, sondern im Gegenteil Sympathien geäußert. Der neue Präsident ist auch damit aufgefallen, dass er bestimmte Daten in der Zukunft nennt, zu denen er sich erhofft, dass es in Indien keine Christen oder Muslime mehr geben wird. Insofern glaube ich, dass seine Wahl nichts zur Verbesserung der Religionsfreiheit beitragen wird.

RV: Die indischen Bischöfe haben dem neuen Staatsoberhaupt ihre Loyalität und Unterstützung im Dienst am Land zugesichert. Sie wünschen sich, dass Kovind „Indien zum Frieden, zur Entwicklung und zur Gerechtigkeit für alle“ führt. Was ist damit angedeutet? Und könnte Kovind als Präsident mit überwiegend repräsentativen Funktionen überhaupt etwas tun, um das Land zur Gerechtigkeit für alle zu führen?

Seibel: Zunächst denke ich einmal, dass es selbstverständlich ist, dass die Bischöfe einem gewählten Staatspräsidenten eine gute Zusammenarbeit und Loyalität anbieten und ihm einen Vertrauensvorschuss geben. Der Staatspräsident könnte helfen, indem er die Diskriminierung von christlichen und muslimischen Dalits schlicht und ergreifend anerkennt. Aber das wird er aus unserer Sicht nicht tun, die Regierungspartei und der Staatspräsident werden weiter weg sehen. Ich glaube, dass sich insofern durch den neuen Staatspräsidenten nichts ändern wird, und er auch in seinen repräsentativen Aufgaben keine „Machtmittel“ in der Hand hat, um – selbst wenn er es wollte – diese Diskriminierung zu beenden oder anzusprechen. Aber auch hier, als Repräsentant des Staates wäre es seine Aufgabe, zu sagen, ja, die Diskriminierung von Dalits, die Christen und Muslime  sind, gibt es. Das wäre auch ein Zeichen für viele lokale Diskriminierungen von Gruppen, die der Regierungspartei nahe stehen – es flammen immer wieder Gewaltattacken auf  – und wenn niemand in der Politik sagt, so geht das nicht, dann fühlen sich diese lokalen Täter immer weiter ermutigt, gegen Christen und Muslime vorzugehen. Das wäre eigentlich die Aufgabe des Staatspräsidenten hier klar Stellung zu beziehen.

Hintergrund

Missio ist mit zahlreichen Projekten in Indien aktiv. Eine Kampagne, die dem Hilfswerk derzeit besonders am Herzen liegt, ist FreeourHusbands – damit setzt sich Missio für die Freilassung von sieben unschuldig inhaftierten Christen im Bundestaat Odisha (ehem. Orissa, ein Bundesstaat, in dem die christliche Minderheit unter besonderem Druck steht, Anm.) ein. Auch Deutschland müsse in diesem Zusammenhang seine Hausaufgaben machen, fordert Johannes Seibel: Denn bei dem kürzlich erfolgten Besuch von Premierminister Modi sei zumindest in der Öffentlichkeit nicht bekannt geworden, dass Bundeskanzlerin Merkel den Premierminister verstärkt auf diese Themen angesprochen habe. Es dürfe nicht sein, so die Forderung des Hilfswerkes, dass eine verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit auf Kosten der Religionsfreiheit und Menschenrechte gehe.

„Wahl des neuen indischen Präsidenten kein Fortschritt für Religionsfreiheit“

missio-Kampagne "freeourhusbands" setzt sich für bedrängte Christen in Indien ein.

missio-Kampagne “freeourhusbands” setzt sich für bedrängte Christen in Indien ein.

Katholisches Hilfswerk missio Aachen und Projektpartner warnen: Lage der Unberührbaren weiterhin prekär

„Die Wahl von Ram Nath Kovind aus der am meisten benachteiligten Gesellschaftsschicht der Unberührbaren zum Präsidenten von Indien ist kein Fortschritt für die Lage der Religionsfreiheit und Menschenrechte im Land.“ Darauf weist Prälat Klaus Krämer, Präsident des Internationalen katholischen Missionswerkes missio in Aachen hin. Dies bekräftigen auch missio-Projektpartner.

 

„Das ist Symbolpolitik für das Ausland“

Die indische Regierung und lokale Behörden tolerieren weiterhin Diskriminierung und lokale Gewaltattacken gegenüber den Unberührbaren, den sogenannten Dalits. „Die Zahl der Ausschreitungen steigt sogar an. Mit dieser Wahl versucht die Regierung, die Gemeinschaft der Dalits ruhig zu stellen und Symbolpolitik für das Ausland zu machen, aber in Wirklichkeit verändert sich nichts“, so ein missio-Projektpartner, der namentlich nicht genannt werden will. Der neue Präsident, der von der Regierungspartei BJP von Ministerpräsident Narendra Modi nominiert wurde, sei zwar ein Dalit, vertrete aber die sogenannte Hindutva-Ideologie, dass ein indischer Bürger nur sein könne, wer Hindu ist. Wegen dieser Haltung sei er überhaupt erst Präsidentschaftskandidat der BJP geworden. „Durch seine Wahl wird sich die Lage der diskriminierten religiösen Minderheiten wie den Christen oder Muslimen, zumal wenn sie Dalits sind, nicht verbessern“, warnte der missio-Partner. „Ram Nath Kovind hat in der Vergangenheit wiederholt betont, dass Christen und Muslime nicht zu Indien gehören“, so der missio-Partner weiter. Er toleriere zudem Initiativen, die zum Teil gewaltsam Christen, Muslime und Angehörige anderer Minderheiten zur Konversion zum Hinduismus zwingen wollen.

missio-Kampagne für Religionsfreiheit in Indien unterstützen

missio Aachen und seine Projektpartner bitten die Politik und die Öffentlichkeit in Deutschland, auch nach der Wahl des neuen Präsidenten die indische Regierung auf massive Verletzungen des Menschenrechts auf Religionsfreiheit hinzuweisen. Die Möglichkeit dazu gibt die missio-Kampagne #freeourhusbands unter www.missio-hilft.de/freeourhusbands, die die Freilassung zu Unrecht inhaftierter Christen fordert.

Der indische Präsident hat keine Machtbefugnisse, sondern allein repräsentative Aufgaben. Er wird von einem Wahlkollegium von rund 5.000 Abgeordneten aller indischen Parlamente, und nicht direkt vom Volk, gewählt.

Regierung beschlagnahmt Land des Benediktiner-Ordens in Vietnam

Quelle: ucanews.com

Die vietnamesische Regierung hat Land vom Benediktiner-Orden gestohlen. „Autoritäten der Regierung haben das Land abgenommen und lokalen und ausländischen Firmen verkauft, weil sie erreichen wollen, dass die Firmen beginnen zu investieren“, sagte Erzbischof Joseph Nguyen Chi Linh.
Nach diesem Diebstahl folgte eine Entweihung des Kreuzes und der Jesus-Statue.

Die Regierung hat 107 Hektar Ackerland und Wald beschlagnahmt. Sechs Hektar sind dem Ordenshaus geblieben. Erzbischof Linh, 67, beschuldigte die Regierung wegen der “Verspottung der benediktinischen Gesetze und des Angriffs“.Die Mönche besaßen das Gebiet legal im Zentrum der Thua Thien Hue Provinz seit 1940. Dieser Vorfalll war aber nicht der einzige seiner Art.

Am 28./29.Juni befand sich die Polizei inmitten von 200 Menschen – manche waren mit Messern, Schlagstöcken und Eisenstangen bewaffnet ­– die in das Kloster einbrachen. Zeugen sagen, das die Gruppe die Benediktiner angriff und sowohl das Kreuz als auch die Jesus-Statue entweiht wurde. Sechs Benediktiner wurden schwer verletzt, darunter einer, der bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen wurde. Die Polizei konnte ihn vor einer Einlieferung ins Krankenhaus bewahren.

Quellen sagen, dass die Angriffe wegen eines jahrelangen Streits um das Land zwischen der Regierung und den Mönchen stattgefunden haben. Ein Vertreter der Kirche, der das Kloster am 16. Juni besucht, sagte, dass die Benediktinermönche das erzbischöfliche Haus darum bitten, sie darin zu unterstützen, ihr Eigentum wieder zurückzugewinnen.

 

Aramäer wehren sich mit allen Mitteln – Mehrstündiges Gespräch im Gouvernat Mardin

eine Pressemitteilung des Bundesverbands der Aramäer in Deutschland

Nach den aktuellen Massenkonfiszierungen von jahrtausendealtem Aramäischen Kulturerbe durch den türkischen Staat und der Übertragung von Sakralbauten an die türkische Religionsbehörde (Diyanet) wehren sich die Aramäer im Südosten der Türkei mit allen Rechtsmitteln. Am gestrigen Tag fand ein mehrstündiges Gespräch mit dem Gouverneur Mardins statt.

Dazu erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Aramäer in Deutschland, Daniyel Demir: „Die Situation ist unverändert alarmierend. Die Absicht die Aramäische Gemeinschaft in erheblichem Maße enteignen zu wollen, hat sich durch dieses Gespräch erneut bestätigt. Zwar soll die Übertragung der Kirchen und Klöster an die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara zur Revision vorgelegt werden. Im Ergebnis bleiben jedoch die Massenenteignungen aramäischen Grundbesitzes an das türkische Schatzamt und die einzelnen Landkreisverwaltungen Mardins bestehen, davon eingeschlossen sind neben Sakralbauten, Grabstätten, auch Flurstücke, Ackerflächen und Weinberge.

Zu den dutzenden konfiszierten Kirchen und Klöstern zählen unter anderem das mit 2 Mönchspriestern und 2 Nonnen belebte Kloster Mor Malke aus dem 4. Jhd, die im 7 Jhd. gegründete Dorfkirche Mor Efrem & Mor Theodoros in Arkah (Ücköy) mit 2 Priestern und 50 aramäischen Familien, oder auch das wiederaufblühende Kloster Mor Jakob d-Qarno aus dem 12. Jhd, welches mit größter Mühe und Spenden aus aller Welt restauriert und wieder aufgebaut werden konnte und heute einen Mönchen sowie zwei weitere Klosterbewohner beherbergt.“

Der Bundesverband der Aramäer in Deutschland appelliert erneut an die Bundesregierung, diese Massenkonfiszierungen aramäischen Kulturerbes nicht weiter unkommentiert zu lassen und derart inakzeptable Entwicklungen im EU-Beitrittskandidaten Türkei im Rahmen des G20-Gipfels mit den türkischen Vertretern zu thematisieren.

Vietnam verbannt katholischen Aktivisten nach Frankreich

Ein Beitrag von ucanews.com

logo vietnam2Ein katholischer Aktivist wurde am 25. Juni des Landes verwiesen, nachdem er wegen seiner politischen Meinung festgenommen wurde. Direkt nach seiner Festnahme wurde Peter Pham Minh Hoang in ein Flugzeug nach Paris gesetzt ohne die Möglichkeit gehabt zu haben, sich von seiner Familie zu verabschieden.

Peter Pham Minh Hoang — ein französisch-vietnamesischer Professor —  wurde am 23. Juni festgenommen, saß einen Tag in Untersuchungshaft, und wurde dann nach Frankreich geschickt. Er durfte weder seiner Frau noch seiner Tochter Aufwiedersehn sagen.

Hoang, ein aktiver Blogger und Mitglied der US-basierten politischen Partei Viet Tan , die daran arbeitet das kommunistische Regime in Vietnam zu beenden, erhielt eine Kopie der Entscheidung, dass ihm 13 Tage vor seiner Ausweisung seine vietnamesiche Staatsbürgerschaft entzogen wird.

Die Sprecherin der vietnamesischen Außenministerin, Le Thi Thu Hang, sagte am 15. Juni, dass “Hoang die Gesetze missachtet hat und die die nationale Sicherheit gefährde.  Die Entziehung seiner Staatsbürgerschaft wurde gemäß des vietnamesischen Rechts vollzogen“.

In einem Statement sagte Viet Tan, dass Hoang der erste Vietnamese sei, dem eine Staatsbürgerschaft wegen seiner politischen Sicht aberkannt wurde. „Wir verurteilen das kommunistische Regime auf schärfste, weil es Professor Peter Pham Minh Hoang dazu zwang, Vietnam zu verlassen, weil er für den Frieden und die Menschenrechte kämpfte”, sagte Viet Tan.

„Hoang ist ein toller Ehemann“, sagt seine Frau Oanh. „Ich liebe ihn dafür, dass er sich für sein Land einsetzt. Er akzeptiert seine Festnahme und die Armut, um für sein Land zu kämpfen“, sagt sie. „Ich glaube an Gott. Gott hat uns auserwählt sein Kreuz zu tragen. Er wird uns andere Türen öffnen.“ Sie glaubt daran, dass ihr Mann weiterhin für Demokratie und Menschenrechte in Vietnam kämpfen wird.

Als Lehrer, unterrichtete Hoang Mathematik an der Technologischen Universität in Chi Minh City bis er 2010, wegen “Gefährdung der Nationalen Sicherheit” aufgrund seines Bloggens, festgenommen wurde. Er verbrachte damals 17 Monate in Haft.

Die kommunistische Regierung kontrolliert alle Medien und verbietet gleichzeitig alle privaten Medien in Vietnam. Blogger und Aktivisten nutzen Soziale Medien um öffentlich Kritik zu üben. Viele von ihnen wurden bereits festgenommen wegen Aktivitäten, die sich gegen das Regime richteten.

Menschenrechtsaktivisten ziehen negative Bilanz zur Amtszeit von Ministerpräsident Modi

laut FIDES:

In den drei Jahren seit Amtsantritt der Regierung unter Narendra Modi ziehen Menschenaktivisten eine negative Bilanz und bringen eine landesweite Kampagne auf den Weg. “Diskriminierung und Gewalt gegenüber Dalit sind weit verbreitet…Einschränkende Gesetz wurden zur Verfolgung von Menschen missbraucht, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben wollen. Das Versprechen der Regierung, die Garantien für die Entwicklung aller in Aussicht stellte, wurde nicht eingehalten. Die Regierung ist nicht einmal in der Lage die Sicherheit besonders verletzlicher Bevölkerungsgruppen, wie Dalit und Adivasi zu schützen. Die Regierungsparte Bharatiya Janata Party toleriert Diskriminierungen und die Regierung unter Modi garantiert Straffreiheit“, beklagt Aakar Patel von “Amnesty International – India” in einem Kommentar zu den ersten drei Regierungsjahren des Bündnisses National Democratic Alliance (NDA) unter Ministerpräsident Narendra Modi.
“Unter Dalit hat Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Diskriminierung zugenommen. Es gibt keinerlei Anzeichen für mehr Sensibilität gegenüber Randgruppen. Die Regierung hat ganze einfach ihre Versprechen nicht gehalten“, betont auch Bhanwar Meghwanshi, der sich für die Rechte der Dalit engagiert.
Die Bharatiya-Janata-Partei (BJP) werde von nationalistischen und extremistischen Bewegungen unterstützt, darunter auch die Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), so der S.P Udyakumar, Schriftsteller und Intellektueller: “Diese Organisationen verbreiten Hass und Fanatismus gegen Minderheiten, Muslime und Christen. Es ist offensichtlich, dass die Gewalt gegen Minderheiten ein Kennzeichen der BJP-Regierung ist: in der Tat unterstützen die Anhänger der Partei die „Hindutva“-Ideologie.
“Ein weiteres Element, dass wir kritisieren, ist die Abschaffung der Geldmünzen, die den Alltag aller Bürger beeinträchtigt, aber insbesondere das Leben der Ärmsten unter den Armen, so der indische Unternehmer Subhash Agrawal.
“Modi befasst sich nicht mit diesen Fragen in seinen öffentlichen Ansprachen. Indien wurde einer sorgfältigen Prüfung durch den UN-Menschenrechtsrat unterzogen“, so der katholische Menschenrechtskämpfer John Dayal vom “National Integration Council” in Delhi. “Nationalismus, Intoleranz und Gleichgültigkeit gegenüber Randgruppen und Minderheiten scheinen sich seit Antritt der Regierung des NDA zu verbreiten ”, bestätigt Trinanjan Radhakrishnan von der Commonwealth Human Rights Initiative (CHRI), New Delhi.
Gemeinsam veröffentlichten verschiedene Organisationen der Zivilgesellschaft eine Analyse zur Entwicklung seit Amtsantritt der Regierung Modi und untersuchten dabei verschiedene Bereiche: Haushalt, Klimagerechtigkeit, Entfaltungsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft, Ernährung und Lebensmittelversorgung, Tätigkeit des Parlaments und der Regierung, Gesundheit, Armut, Menschenrechte, Arbeit und Beschäftigung, Sicherheit und Gerechtigkeit. Die Analyse ist Grundlage der Kampagne “Wada Na Todo Abhiyan” in deren Rahmen eine “gute Regierungsführung” gefordert wird. Die Regierung soll mehr Verantwortung für die eigenen Versprechen im Bericht der Bekämpfung von Armut, Ausschluss und Diskriminierung übernehmen.